Marius Baumann hat in der RE gerade einen hochinteressanten Beitrag mit dem Titel: “Think Pink? Was bringt eigentlich positives Denken?” publiziert. Der kritische Leser Bernd Stichler verwies in erster Stellungnahme darauf, dass doch dem realistischen Denken der Vorrang vor dem künstlichen Aufbau einer positiven Attitüde gebühre. Da ist natürlich “was dran”. Denn bevor ich auf Wunder setze, prüfe ich besser erst, ob ich nicht konkret längst alles besser wissen kann.
Dennoch gibt Marius Baumann in seinem Beitrag richtig den Stand gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse wieder, indem er darauf hinweist, dass positiv denkende Menschen “neuropsychologisch gesehen” tatsächlich ihr Gehirn auf erfolgswirksame Verhaltensweisen einstimmen. Baumann bezieht sich in seinen Ausführungen insbesondere auf das Buch der Psychologin Prof. Dr. Astrd Schütz von der TU Chemnitz, in dem sie eine ganze Zahl von Studien auswertet, die dies belegen.
Die Psychologie setzt fälschlich auf “Studien”.
Leider gehen Frau Schütz und die Großzahl der Experten in Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Gastroenterologie, Ernährungswissenschaft und vielen Sparten der Medizin allgemein in ihren Versuchen der Erklärung der Wirkungen positiven Denkens nicht so weit wie das angesichts gesicherten Wissens in der Biochemie und der Endokrinologie angezeigt ist. Jeder forscht auf seinem Gebiet und legt nicht die Scheuklappen ab, hinter denen die Lösungen auf anderen Fachbereichen zum Greifen bereit liegen.
Statt gesicherte Erkenntnisse anderer Fächer zu nutzen, verlassen sie sich innerhalb ihrer Disziplinen lieber auf die ihnen bald allein noch zur Verfügung stehenden “Studien”. Gemeint sind damit meist Studien analog zu den in der Arzneimittelprüfung üblichen “ergebnisbasierten randomisierten Doppelblindstudien mit Placebo und Verum”, wie sie auch die Rechtsprechung als höchste Quelle wissenschaftlicher Erkenntnisse preist.
Von den vielen Argumenten, die den Wert solcher Studien schon wegen des methodologischen Ansatzes in Frage stellen, ist auch einem Laien auf Anhieb verständlich, dass ihr Wert ganz von einer guten Fragestellung abhängt, deren Bestimmung aber sehr oft nicht wissenschaftlich gesichert ist und ebenso von der Auswertung, die sehr oft sogar jede Logik vermissen lässt, abhängt.
Die Endokrinologie hat längst die Lösung
Eine bessere Erklärung der Wirkung positiven Denkens ist indes möglich, eine Erklärung, die – und da sind wir wieder beim realistischen Denken – schon fast allein vom gesunden Menschenverstand und mit Hilfe schlichter Logik ganz und gar nachvollziehbar ist. Auf die Idee, dem Thema mit Studien beizukommen, kann man tatsächlich nur kommen, wenn man das gesicherte Wissen aus anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen außen vor lässt.
Die Lösung findet sich in den gesicherten Erkenntnissen der Endokrinologie, der Hormonlehre, die ihrerseits von den Ergebnissen der Forschungen in Chemie und Biochemie profitiert:
Positives Denken weckt im Bewusstsein und im Unterbewusstsein angenehme Bilder. Die Erinnerung an gute Erfahrungen führt bei den Menschen, die über ein gutes zentralnervöses Gleichgewicht der maßgebenden Hormone wie Serotonin, Dopamin, Acetylcholin, Gaba, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und einigen mehr zu einer vermehrten Ausschüttung des Kontrollhormons Serotonin und in Abhängigkeit davon des Glückshormons Dopamin wie auch der Leistungshormone wie dem Gedächstnishormon Acetylcholin. Serotonin selbst hat als Neurohormon mit der Kontrolle von Stress, Wachen und Schlafen (Einschlafhormon!), Nahrungsaufnahme, Schmerz, Temperatur, Zwang, Angst, Sucht, Sexualität und Suizidalität eine Unzahl wichtiger Azfgaben im menschlichen Gehirn. Darüber hinaus bewirkt es mit der fortwährenden Berieselung aller vorwiegend regional operierenden Hinregionen in seiner Funktion als Neurotransmitter das gute Gefühl einer Globalisierung und Harmonisierung allen Hirngeschehens. (Siehe hierzu Gerald Hüther)
Es ist unübersehbar, dass gute Erfahrungen und die Erinnerung an solche ebenso wie eine positive mentale Einstellung unter Vermittlung der Neurohrmone und Neurotransmitter Glücksempfindungen auslösen und generell alle Funktionen des Gehirns vom Denken und Fühlen bis zum Entscheiden und Handeln verbessern – vorausgesetzt die Versorgung des Menschen mit diesen heiklen Stoffen ist gesichert. Ebenso unbezweifelbar ist es aber, dass kein noch so gutes inneres Bild oder ein günstiges Vorkommnis im Leben oder irgendein bewusster Vorsatz positiv zu denken, diese Verbesserung des Glücksempfindens und der mentalen Leistungsfähigkeit herstellen können, wenn das Hormon fehlt. Realistisch gedacht: Von nichts kommt nichts.
Positives Denken kann nur vorhandene Hormone ausschütten
Experten wie Astrid Schütz realisieren noch immer nicht die absolut zwingende Verbindung zwischen den mentalen Ereignissen und den Hormonen, die ihnen von Natur aus zugeordnet sind. Glück kann ich nur erleben wenn das Gückshormon Dopamin, u.U. ergänzend auch Endorphine, ausgeschüttet werden. Wachheit kann ich nicht erleben durch morgendliches Aufstehen und Herumlaufen, das allein lässt mich zerschlagen und leistungsunfähig sein. Verfügt mein zentralnervöses System aber über ausreichend Serotonin, stehe ich morgens auf und bin sogleich putzmunter, auch wenn ich mich nicht bewege! Gleichfalls kann ich, wenn ich einmal dank der Wirkung des Schlafkontrollhormons Serotonin den Einstieg in die erste nächtliche Schlafphase gefunden habe, keinen für eine wirkliche Regenierung erforderlichen ausreichend tiefen Schlaf erreichen, wenn im Gehirnwasser keine ausreichende Menge Melatonin erzeugt wird. Bekanntlich hängen Serotonin und Melatonin in der Weise zusammen, dass etwa eine halbe Stunde nach dem Einschlafen aus weiter vorhandenem Serotonin das Schlafhormon Melatonin gebildet wird. Habe ich die große Schlaftiefe einmal dank Serotonin und Melatonin erreicht, kann ich diese nur dann lange genug erhalten, wenn mein zentralnervöses System auch über ausreichende Mengen am sog. Dämpfungshormon Gaba enthält.
Noch klarer wrd es, wenn ich die nächste Schlafphase (wir haben nächtlich mehrere davon) betrachte. Hatte ich beim ersten Einschlafen nur noch einen kritisch geringen Vorrat an Serotonin (wir verbrauchen täglich ein Depot davon in der geringen Menge von 0,1 mg) und ist der letzte Rest dieses Lebenselixiers durch die Herstellung von Melatonon (in der Zirbeldrüse) verbraucht worden, kann ich versuchen Schäfchen zu zählen oder positiv oder wie auch immer zu denken. Ich sitze dann senkrecht im Bett und kann nicht wieder einschlafen. Viele Schlafforscher gehen übrigens unberührt von diesen Erkenntnissen ihren Beobachtungen in den Schlaflabors nach und machen dort ihren Studien. Schließlich sind die Labors ja einmal da und müssen benutzt werden.
Ganz in diesem Sinne kann ich eine Platzangst, eine Phobie, eine Zwangsstörung, die Migräne, unkontrollierten Bewegungsdrang, Anfälligkeit für Suchtverhalten oder gar Suizidalität nicht durch positives Denken wegschaffen. Nach meiner Überzeugung sind all das keine Krankheiten im eigentlichen Sinne, die einer Heilung durch Medikamente zugänglich sein können, sonden Mangelerscheinungen auf Grund des Fehlens funktionswichtiger Stoffe, hier der Hormone. In anderem Zusammenhang sind solche Abhängigkeiten bekannt beim Auftreten gesundheitsschädlicher Schäden allein wegen des Fehlens anderer lebenwichtiger Vitalstoffe: Vitramin C bei Skorbut, Vitamin B1 bei Beri Beri, Vitamin B3 bei Pellagra und Vitamin B 12 (Cobalmin) bei der Perniziösen Anämie.
In der “alternativen” Medizin sind tausende Fälle tatsächlich erfolgter nicht erklärbarer Selbstheilungen bekannt geworden, die noch ihrer wissenschaftlichen Einordnung harren. Von Medizinern für absolut unheilbar erklärte Kranke, selbst bei schwerstem Krebsbefall, konnten – offenbar auch nach einer sehr individuellen geänderten Lebenseinstellung – im Wege der Selbstheilung ihre Krankheit besiegen.
Niemand kann heute vorhersagen, wann sich wieder solche unerwarteten Heilerfolge einstellen und warum. Lourdes ist eben nicht überall, und selbst da werden nur ganz wenige Ereignisse als Wunder erklärt.
In der Bibel wird beschrieben, wie Jesus den lahmen Lazarus heilte und viele andere Leiden bei anderen Kranken. Es ist aber weder in der Bibel noch sonstwo jemals beschrieben worden, dass eine Geistheilung oder eine Wunderheilung ein Leiden wie Skorbut oder Beri Beri besiegt hätte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass das auch in allen anderen Fällen der Folgen des Fehlens lebenswichtiger Funktionsstoffe im menschlichen Körper wie insbesondere der Hormone ebenso zu sehen ist. Man kann auch sagen: Die Bibel beschreibt die Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Jesus bei Vorliegen der grundsätzlichen Heilungsmöglichkeit. Sie beschreibt nicht etwa das Mysterium der Heilung wirklich unheilbarer Krankheiten. Letzteres wäre, z.B., der Fall wenn Jesus einem Beinamputierten ein neues Bein verschafft gehabt hätte.
Hormone kann man nicht herbeizaubern
Nur weil durch geistige Einwirkung die Ausschüttung vorhandener Neurohormone tatsächlich angeregt wird, heißt das selbstredend nicht, dass dadurch auch die Menge der vorhandenen Hormone vergrößert werden könnte. Dazu müssen doch immer erst sie selbst als Moleküle oder die chemischen Bausteine für ihre körpereigene Synthese mit der Nahrung in den Körper kommen.
Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass es keinen Sinn macht, überall nach Wundern zu suchen? Die Natur, insbesondere unsere menschliche Natur, ist voller komplexer Sachverhalte und Wirkzusammenhänge, die uns einfach wunderbar vorkommen müssen, solange wir sie nicht erklären können. Alle Geheimnisse der Natur werden wr voraussichtlich nie entdecken, weil die Natur sich mit ihren Aktionen bis in die allerkleinsten Bereiche der Welt zurückzieht. Ganz unzweifelbar finden, z.B., auf Quantenebene Lichtphänomene statt, wie sie Prof. F.A. Popp als Erster gefunden und beschrieben hat.
Man kann damit rechnen, dass auf Quanteneben u.a. Glykoproteine, die die Außenhaut der an die 100 Billionen Zellen unseres Körpers besiedeln, eine intensive Kommunikation unter den Körperzellen bewerkstelligen. Man kann sogar davon ausgehen, dass das Vorhandensein dieser Kommunikation eine Basis für das Leben so komplexer Wesen wie uns Menschen selbst ist.
Aber Tausende Fragen sind offen, und auch die richtige Nutzanwendung des bereits vorhandenen Wissens muss noch gründlich erforscht werden. Es ist jedenfalls nicht angezeigt, wegen der Fülle der noch offenen Fragen auf das realistische Denken zu verzichten und auf vorschnelle Lösungen zu setzen, weder in der Psychologie noch sonstwo.
Erfahrungsmedizin beforschen statt zu bekämpfen
Diese Zurückhaltung bedeutet indes nicht, dass gute praktische Ergebnisse von Methoden und Mitteln, die noch nicht voll verstanden sind, nicht genutzt werden sollten. Das Ende der alternativen Medizin, der Homöopathe, der Erfahrungsmedizin, der Traditionellen Chinesischen Medizin, des Ayurveda und der Nahrungsergänzungsmittel ist damit nicht eingeläutet. Gerade diese Wege, deren positive Ergebnisse im Interesse der Menschen bereits heute nutzbar sind, müssen von der Wissenschaft beforscht statt bekämpft werden. Leider findet heutzutage herkömmliche wissenschaftliche Forschung fast nur noch da statt, wo hohe Vermarktungsgewinne locken. Und leider hat der Staat ja kein Interesse, das Wohl der Allgemeinheit besser zu fördern.
Pingback: Readers Edition » “frau aktuell”: Dr. Gerhard rät