Klaus Töpfer in der Afrikavorlesung der Universität Trier
Mit seiner Vorlesung “Reichtum an natürlichen Ressourcen – Segen oder Fluch für afrikanische Nationen?” im Campus II der Universität Trier, fesselte der ehemalige Generaldirektor des UN-Büros in Nairobi, seine Zuhörer mit liebenswertem Charme und treffendem Witz. Fokus hielt der 72-jährige CDU-Politiker und Träger zahlreicher Würden auf die globalen Ursachen der Probleme in Entwicklungsgebieten sowie auf dem Aspekt des Umweltschutzes.
Eine Welt – hoch geteilt
Die Unterschiede in unserer Welt, nach Töpfer, von Juli´98 bis August´00 Exekutivdirektor des UN-Siedlungsprogramms, beginnen schon bei Begrifflichkeiten. Einführend erzählt der Ex-Bundesminister für Umwelt: “Sehen sie meine Damen und Herren, ich mache mir das immer klar an der Tatsache, dass der genau gleiche Begriff gänzlich unterschiedliche Bedeutung hat, wenn sie ihn im Norden oder im Süden dieser Welt verwenden. Nehmen Sie ‘Ernährungspolitik’, bei uns bedeutet das konkret, was können wir tun damit unsere Kinder nicht zu dick werden, dass wir ermitteln wie viel Milliarden Euro geben wir aus für Abnehme-Kuren und andere Diätmittel. Der selbe Begriff ‘Ernährungspolitik’ bedeutet im Süden dieser Welt, was können wir tun damit die Menschen satt werden.”
“Eine Welt – hoch geteilt”, nach einem Augenblick schweigen fährt der viel gereiste Politiker fort: “Also ist es offenbar für jemand, der sich mit Umwelt beschäftigt hat und sah, dass es globale Auswirkungen hat, wie kannst du eigentlich Umweltvorsorge betreiben ohne das Recht auf Entwicklung der Länder in Frage zu stellen, die bisher nicht vorangekommen sind Armut zu überwinden.”
“Diese doppelte Herausforderung war es, die uns dazu gebracht hat 1992 in Rio de Janeiro eben nicht die zweite UN-Konferenz für Entwicklung, sondern die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung durch zu führen”. Damit bezog sich Töpfer auf eine wichtige Bewährungsprobe für sein internationales Wirken. Die UN-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro, zu deren Erfolg Töpfer als Bundesumweltminister und Vertreter der Bundesregierung wesentlich beigetragen hat, verankerte weltweit das Nachhaltigkeitsprinzip. Dies markierte einen Meilenstein für eine neue Zusammenarbeit zwischen Staaten unterschiedlichen Entwicklungsstandes. Eine neue Betrachtungsweise entstand in den Gremien: “Umwelt und Entwicklung müssen wohl zusammen betrachtet werden. Wir müssen die Entwicklungsherausforderungen, die Überwindung der Armut in einem Weg und einer Weise erreichen, dass dadurch die Zukunft nicht Frage gestellt wird”, erinnerte Töpfer, der aufgrund seines internationalen Engagements für eine globale nachhaltige Entwicklungsstrategie und seine anerkannten Moderationsqualitäten bei fairem Interessensausgleich von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Februar 1998 für acht Jahre zum UNEP-Chef berufen wurde.
Nach der UN-Konferenz ist Töpfer als Vorsitzender der UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung mit der konkreten Umsetzung der Ziele von Rio in internationale Vereinbarungen maßgeblich befasst gewesen. In seiner mit Anekdoten angereicherten Rede im Hörsaal der Universität erzählte er von den Schwierigkeiten, welche die Entwicklungsarbeit zu überwinden hatte und hat. Mit politischen Glücksfällen, wie der ‘Zufall’, dass gerade er als Umweltminister Deutscher Delegationsleiter der UN-Konferenz wurde, da Außenminister Genscher der Überzeugung war: “Dass wird nichts” und der damalige Entwicklungsminister seine Schwierigkeiten mit dem Englischsprechen hatte, unterhielt er zwei Stunden lang sein Puplikum.
Überbevölkerung – Geisel der Menschheit
Bei der Problematik in Afrika sei die hohe Bevölkerungsdynamik maßgebend. Es sei zu betrachten, um die Bevölkerungsdynamik darzustellen, dass wenn 1950 Afrika ein Drittel der Bevölkerung von Europa ausmachte, im Jahre 2050 Europa ein Drittel von Afrika ausmachen wird, so Töpfer. Am Beispiel Nairobi, zeigte er, dass der enorme Bevölkerungswachstum von der Infrastruktur keinesfalls aufgefangen werden kann. In der kenianischen Hauptstadt entsprächen die maroden Infrastrukturen den Standarts zur Zeit der Unabhängigkeit Kenias 1963 – in der Zwischenzeit aber, ist die Bevölkerungzahl stark angestiegen, Stromausfälle und Wasserknappheit waren die Folge. Prof. Dr. Töpfer lies es sich nicht entgehen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass “deren Probleme, deswegen Probleme sind, weil unser Verhalten sie mit verursacht hat.” So brachte Töpfer überzeugend dar, dass “nicht nur ökonomische Werte sondern auch andere Werte bei der Betrachtung der Entwicklung berücksichtigt werden” müssen.
Grenzen des Wachstums
Töpfer ging ebenfalls auf das Thema ein, wie er aus vielen Stellen in Deutschland immer wieder höre, dass die Förderung der Entwicklungländer praktisch nicht umsetzbar sei. “Grenzen des Wachstums”, “geht alles nicht mehr”, zitierte Töpfer seine Diskussionsgegner, “das ist doch unmöglich, dass jetzt 1,3 Milliarden Chinesen oder deutlich über eine Milliarde Afrikaner auch Wohlstand haben wollen, wie soll das denn gehn?” Dem konterte er freundlich aber eindringlich mit der Warnung, dass für den Frieden in der Welt es davon abhängig sei: “Freunde, geht bitte davon aus, dass es nicht eine stabile Welt sein kann, indem wir die jetzt gegebenen Wohlstandsunterschiede zementieren und sagen wir waren die glücklichen und haben früher angefangen und ihr kriegt nichts mit.”
Entwicklung als Weg in den Frieden
Afrika sei ohne Zweifel außerordentlich rohstoffreich, sowohl bei erneuerbaren Rohstoffen, wie bei nicht erneuerbaren Rohstoffen. Am Beispiel eines erneuerbaren Rohstoffs, dem Wasser, erläuterte Töpfer die damit verbundene Problematik: “Sicher hat Afrika Wasser, was Afrika nicht hat ist eine ordentliche Wasserwirtschaft.” Das Problem sei, dass es keine ausreichende Koordinierung der Wassernutzung gebe. Deshalb ginge es bei Fragen zur Wasser- und Friedenspolitik darum, “wie können wir dazu kommen in diesem Kontinent gemeinsame Wassernutzungsporgramme zu entwickeln.” Denn Töpfer warnt davor, dass wenn die Wasserressourcen nicht vertraglich geregelt werden können, “können Sie davon ausgehen, ist die nächste Konfliktsituation masiv gegeben.” Ob am Nil, am Sambesi, oder am Kongo, es ginge immer um genau die gleichen Fragen, so Töpfer.
Unsinnigkeiten der Bundesregierung
Von Europa und Deutschland hänge bekanntlich ja so einiges ab, doch oder genau deswegen kritisiert Töpfer die Bundesregierung: “Kein Mensch wird erwarten können, dass wenn ein Haus brennt, man dann ja anfängt und sagt, wir löschen erst wenn wir die Ursache kennen”, es müsse aber auch klar sein, dass “man nicht vor lauter Löschen am Ende ganz vergisst zu fragen, warum es brannte.” Dass kommt mir im Augenblick deutlich gesagt zu kurz!” Weiter gibt Töpfer zur ‘Finanzkrise’ zu bedenken: “Das wir vor lauter Schirmen und Garantien die wir hier anbieten, niemand mehr fragt, wer sitzt denn eigentlich unter dem Schirm und wie kommen wir denn dazu, dass wir den Schirm auch wieder mal wegbringen.”
Anhand seiner eigenen Neujahrsansprachen vom letzem Jahr, die Töpfer als Erinnerung vor kurzem wieder las, dachte er bei sich: “Du kommst dir vor als wären die auf dem Mond gehalten worden vor einem Jahr. Du, da haben wir noch gesagt, wir gehen jetzt hinein in ein neues Jahr mit einer netten Neuverschuldung, da haben wir noch gesagt, wir müssen alles tun um zu deregulieren und zu privatisieren – und jetzt wachst Du auf und sagst genau das Gegenteil ist jetzt richtig. Dann kann das ja richtig sein, aber dann muss man doch hinkommen und sagen, pass mal auf, gib darin nicht die falschen Signale.”
“Darum geht’s mir !” Bekräftigte Töpfer und wurde sogleich deutlicher: “Man kann ja sicher gute Argumente finden und sagen wir brauchen noch große Autos. Aber wenn man dazu kommt, dass wir jetzt die KFZ-Steuer emissionsbezogen umstellen und dann die Besteuerung von großen Autos billiger wird als die von kleinen, dann kann es ja nicht im Sinne der Sache sein. Damit erhalten wir doch nicht Arbeitsplätze, sondern damit machen wir alles damit die Arbeitsplätze die wir in der Zukunft brauchen nicht entstehen.”
China: “Wir brauchen eine andere Mobilität als ihr Deutschen” Der chinesische Forschungsminister, der in Deutschland studierte und ein guter Bekannter von Klaus Töpfer sei, habe ihm gesagt: “Du Klaus, wir können doch unsere Mobilität für 1,3 Milliarden Menschen nicht so bearbeiten wie ihr es in Deutschland bei euch so gemacht habt, wir haben doch gar nicht die Ressourcen dafür. Wenn ihr nicht eine andere Mobilität erfindet für 1,3 Milliarden Chinesen oder 1,2 Milliarden Inder, ja dann müssen wir es wohl machen und wir werden es natürlich machen.”Leicht verzweifelt klang der ehemalige Minister dazu: “Wenn wir so ‘ne Krise doch wenigsten nutzen könnten und sagten, pass mal auf, auf Dauer haben wir Energieprobleme weil wir mit Fossilen Energien alleine die Energienachfrage von 8,5 Milliarden Menschen nicht befriedigen können. Was tun wir jetzt also dafür, dass solche Dinge verändert werden und das wir investieren in die zukunftsfähigen Arbeitsplätze. Das wird dann möglicherweise nicht ganz so schnell und nicht ganz so viel Beifall bringen,” gibt er zum Besten, “aber meine Damen und Herren, man ist ja nicht in der Politik, um den Finger feucht zu machen und in die Luft halten und dort wo es kühl wird zu sagen, dieser Meinung bin ich. Und wir können es auch nicht so machen, dass wir sagen, wir machen das Ergebnis der nächsten Meinungsumfrage zur Grundlage unserer Zielvorstellung.”
“Wir machen doch offenbar Politik, damit wir eine Zukunft mitgestalten, auch wenn es möglicherweise gegenwärtig sehr schwer ist”, führte Töpfer seine Rede langsam zu Ende und schloss mit den Worten: “Dann können Sie mir sagen, Du bist doch selbst mal Minister gewesen, da hättest Du es doch machen können. Es ist ein alter Vorwurf, dass die besten Minister die ehemaligen sind. Ich stelle mich diesem Vorwurf. Aber ich sage ja schließlich auch meinem Namen dazu und ich sage es auch schon seit einiger Zeit und nicht erst jetzt;
vielen Dank!
http://infotrier.de/12777/nachrichten/trier/politik/toepferuni.php
Dass Töpfer – und nicht nur er – die Probleme der Dritten Welt kennt, ist deutich geworden. Aber wo sind denn seine Lösungen? Was kann man konkret tun, was
hat er bisher getan? Als deutsche CDU-Umweltminister wohl wirklich nichts. Und in den anderen Funktionen? Jemand der sich so den Problemen verschrieben hat wie Töpfer, müsste doch einen ganzen Katalog von sinnvollen Maßnahmen aus dem Ärmel schütteln können! Wenn er selbst nichts Konkretes tun kann, wieso kann er nicht
genau sagen, was Andere sofort angehen müssen – vielleicht Frau Wieczorek-Zeul!