“Kontrollinstanz im Netz: Verbot von Magersucht-Blog” – Ein Lesetipp

Ihr Blick ist leer. Ein Hauch von Tod winkt in die Kamera. Nur zu gut ist die Anzeigenserie des italienischen Fotografen Oliviero Toscani aus dem Jahr 2007 noch in Erinnerung. Für die Modemarke Nolita ließ sich damals das Model Isabelle Caro – gerade einmal 31 Kilogramm schwer – ablichten. “No

Ihr Blick ist leer. Ein Hauch von Tod winkt in die Kamera. Nur zu gut ist die Anzeigenserie des italienischen Fotografen Oliviero Toscani aus dem Jahr 2007 noch in Erinnerung. Für die Modemarke Nolita ließ sich damals das Model Isabelle Caro – gerade einmal 31 Kilogramm schwer – ablichten. “No anoressia” – gegen die Magersucht, war neben ihrem eingefallenen Gesicht zu lesen. Seitdem ist viel Zeit ins Land gezogen. Das Thema Magersucht irgendwie von der Bildfläche verschwunden. Bis heute. Seit 13.09 Uhr ist auf themenblog.de Folgendes zu lesen: “Erstmals in Deutschland wurde der Privatblog eines minderjährigen Mädchens gesperrt, die ihr ‘Zutode-Hungern’ auf ihrem Online-Tagebuch dokumentierte.” Und damit, wie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) argumentiert, andere Jugendliche gefährde.

annor.jpg“Dünn sein bedeutet Schönheit, und deshalb muss ich dünn sein und dünn bleiben, wenn ich geliebt werden will. (…) Ich werde mich Ana widmen. Sie wird da sein, so auch immer ich hingehe, und mich auf dem rechten Weg halten, Niemand anderes zählt; sie ist die einzige, die sich um mich kümmert und mich versteht. Ich werde sie ehren und stolz machen”, werden schon im vergangenen September von der Kommission für Jugendmedienschutz die schockierenden Gedankengänge der jungen Frau zitiert.

.

Nun hat der Schrecken – zumindest im Netz – ein Ende. Oder doch nicht?

Wie Anna Friedrich, die Autorin dieser Meldung weiter berichtet, hätte die Sperrung vor allem in der Blogosphäre inzwischen “heiße Debatten” ausgelöst. Law- und Beckblog seien hier ebenso beteiligt, wie etwa Johnny Haeusler von Spreeblick, der hier allerdings, im Gegensatz zu vielen anderen Kommentatoren, weder Willkür, noch Zensur feststellen kann. Er appelliert an die “gesellschaftliche Verantwortung”, derjenigen, die “täglich im Netz unterwegs sind”.

Allerdings, so muss Frau Friedrich feststellen, das Internet ist voll von ähnlichen Seiten. Einige seien zwar über ein Passwort geschützt, andere dagegen frei zugänglich. Unklar bleibt deshalb für sie, was das Indizieren dieses einen Magersucht-Blogs bewegen solle. Und vor allem: “Wo soll die Grenze für eine Indizierung von solchen Blogs anfangen und wo greift sie in das Recht zur Meinungsfreiheit ein? Kann der Staat die Unweiten des Netzes kontrollieren und wenn nicht er, wer dann? Es ist ein schmaler Grat. Und verbotene Früchte isst man bekanntlich besonders gern.”

Bei der heute 28-jährigen Französin Isabelle Caro begann die Krankheit ebenfalls in jungen Jahren. Mit 14 rutschte sie, nach eigenen Angaben, in die Magersucht. Nach ihrer aufsehenerregenden Kampagne startete auch sie einen Weblog – frei zugänglich. Und ihr Blick ist immer noch derselbe…

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.