Mit meiner massiven Freude über die Amtsablösung des George W. Bush, schwimme ich sicher nicht gegen den Strom. Die überhöhten Ansprüche an Barack Obama beiseite gelassen, wird sein Nachfolger keine große Mühe haben, einiges besser und weniger falsch zu machen. Die Messlatte hängt so tief, dass sie nur beim Limbo gerissen werden kann. Bushs Fehler und Versäumnisse füllen unzählige Medien zur Genüge…ich fasse mein Aufatmen dennoch kurz zusammen und erschrecke selbst über die Auswirkung eines von Falken getragenen, nicht durch übermäßige Intelligenz glänzenden Reaktionärs.
Ich beschränke mich auf Schlagworte und knappe Thesen, wohlwissend, dass die ausführenden Informationen überall abruf- und auffindbar sind. Der ehemalige US-Präsident soll hierbei nicht überbewertet werden, die Auswirkungen sind auf breiter Front durch die gesamte Regierung getragen worden.
1. Wirtschaft
2. Umwelt
3. Konflikte
4. Religion
5. Außenpolitik
1. Wirtschaft
Der Januar 2009 zeigt, wie sehr die USA heruntergwirtschaftet wurden. Als einer der Hauptverursacher der aktuellen Krise, sind hier natürlich auch die Auswirkungen umso verhehrender. Der Schuldenstand erreicht Rekordhöhen, der Staatshaushalt neigt sich bedenklich, obgleich er in gesundem Zustand übernommen wurde. Die Industrie gleicht einem Dinosaurierfriedhof, ein Blick nach Detroit zeigt sehr anschaulich, wie ein verpasster Anschluss aussieht. Bei Umwelttechnologien sind die Vorreiter in anderen Nationen zu finden. Überhaupt ist die Innovationskurve im Weinkeller zum sonnen, während parallel die zweite und dritte Welt den Produktions- und Dienstleistungssektor sezieren.
Konsum via Verschuldung, vom Staat vorgelebt und angeregt, findet sich durch alle Gesellschaftsschichten bis in niederste Gefilde. Anstatt den Haushalt zu kitten und die immensen Kriegsführungskosten einzuspielen, wird mit Steuergeschenken jede aufbegehrende Lobby befriedigt.
Besonders kritisches Augenmerk fällt auf die Vermengung und Interessenkonflikte des Geschäftsmannes Bush mit seiner politischen Entscheidungsgewalt. An erster Stelle wirkt sein Engagement und Netzwerk in der Ölindustrie mehr als fragwürdig, in Anbetracht seiner Schaffenskraft als Regierender. Wirtschaftsentscheidungen und Kriegsführung können da nur in fadem Licht erscheinen.
2. Umwelt
Als eine der größten und etabliertesten Industrie- und Wirtschaftsnationen gebührt den vereinigten Staaten eine Sonder- und Führungsrolle im aktiven Umweltschutz. Dieser wurde sich erfolgreich und von höchster Stelle legitimiert widersetzt. Nationale Interessen gingen in jedem Moment über globale Verpflichtungen. Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung wurden ausgebaut und nicht reduziert. Dieses Niveau wird auch China, Russland oder Indien mit größter Kraftanstrengung schwer erreichen. Seine Paraderolle als Umweltzerstörer, daheim und um die Welt, lassen sich die USA so schnell nicht mehr streitig machen.
Neben den hausgemachten Naturkatastrophen, die insbesondere Nordamerika vermehrt treffen, wurde der Wirtschaftszweig Umwelttechnologie gänzlich ignoriert. Mangelndes Umweltbewusstsein trägt sich auch auf die Straße. Der durchschnittliche Hubraum, würde in Europa schon ausreichen, um ein Blockkraftwerk zu betreiben. Das verpasste Entwicklungstempo in diese Richtung wird Detroits Stadtbild nachhaltig verändern bzw. veröden.
3. Konflikte
Übereifriges, unkontrolliertes, vorschnelles, reaktionäres, unsouveränes Konfliktverhalten fesselt die USA an etlichen Fronten. Geld verbrennt ebenso immens wie Menschenleben und die Sympathiewerte für Amerika sind weltweit am Tiefpunkt angelangt. Mit der glorreichen Ansage Frieden und Demokratie in die Welt zu tragen und die eigene Nation zu schützen, taumelt die Nation in Richtung totalitärer Staat, welcher sich an den Genfer Konventionen ebenso wenig orientiert, wie an internationalen Vereinbarungen. Geächtete Waffen werden ebenso eingesetzt wie Folter, dubiose Kriegstreiber und private Sicherheitsunternehmen erfreuen sich üppiger Querfinanzierung. Die Begründung und Zielsetzung für die jeweiligen Kriege bleiben schwammig oder ohne erbrachte Beweise.
Nach jahrelanger Intervention hat sich an keinem Ort die Lage beruhigen oder verbessern können. Weder im Vergleich zum eigentlichen Kriegszeitpunkt, noch zu dem davor. Ein gestürzter Hussein und eine abgetauchte El Quaida Elite sind die einzigen zu verbuchenden Erfolge, mit beschaulich erfolgreichen Auswirkungen.
Im eigentlich relevanten Konfliktherd Nahost, speziell dem ewigen Kriegszustand Israel-Palästina, wurde das Engagement extrem zurückgefahren. Eine Einmischung und Verantwortung vermieden.
Den Preis für die Kriegstreiberei zahlt die amerikanische Gesellschaft, die nun zwischen den Fronten geriet. Einerseits immer mehr in der Schusslinie internationalen Terrors und vom eigenen Staat ausspioniert, gegängelt und beschnitten.
4. Religion
Innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft, welche sich berechtigterweise dem Sakulärismus verschrieb, erwuchsen die USA unter George Bush zu einem frommen Musterschüler. Erstmals spielen christliche Kirche und ihre radikalen Auswüchse weltpolitisch wieder eine dominantere Rolle. Dieser Schritt zurück bietet umso greifbarer eine gewachsene Angriffsfläche für radikale Islamisten und ihre religiösen Hetzer. “The Clash of Cultures” wurde nicht zuletzt durch diese Entwicklungen forciert angeheizt.
Erschreckenderweise bekommen nicht nur weltoffene und menschenfreundliche Glaubensauslegungen Oberwasser. Mordende Abtreibungsgegner, irre Kreationisten und etliche weitere verbohrte heftigst Gläubige suchen ihren Weg in die Öffentlichkeit, ohne seitens des Staates in die Schranken gewiesen zu werden. Dies lässt sich als Konservativismus nicht mehr bezeichnen, es ist eine Rückkehr in grausame Vergangenheit.
5. Außenpolitik
Mit wenig Mühe, aber umso mehr Effekt hat Bush die außenpolitische Isolation vorangetrieben. Viel Feind viel Ehr sucht er sich direkt vor der Haustür in Südamerika, genau wie bei potentiellen Weltmächten Russland, Indien und China wider erwarten und umso verletzender auch in Europa – vom Orient und islamischen Ländern ganz zu schweigen.
Internationale Absprachen, Abkommen und Vereinbarungen werden ignoriert oder boykotiert. Die UNO wird der Lächerlichkeit preisgegeben, Kyoto ausgehebelt und einem internationalen Gerichtshof jegliche Existenzberechtigung abgesprochen. Dies nicht mittels konstruktiver Kritik und Wunsch zum Konsens, sondern bei absoluter Verweigerung. Antiamerikanismus gab es zu jederzeit, die jüngste Vergangenheit hat ihn jedoch höchst salonfähig gemacht.
Die USA haben einen schweren Stand, die Situation ist in jeder Hinsicht ein Tanz auf der Rasierklinge und sogar ein Obama, der alle glorifizierten Unterstellungen übererfüllt, wird die Umkehr kaum bewältigen. God bless America.
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Zur religioesen Rechten: da gab es ganz offensichtlich sowas wie einen erfolgreichen
Bluff, den die religioese Rechte inszeniert hat, sich zahlenmaessig weit staerker
dargestellt hat als sie tatsaechlich waren. Und die Kritiker all dessen sind darauf
hereingefallen und haben solcherart ein Phantom bekaempft. Solcherart erhielt
dieser Mythos dann erst recht seine Glaubwuerdigkeit. Das ist oefter so bei
Gesinnugnskaempfen.
Mother Jones hat dazu mal ein Buch rezensiert:
http://www.motherjones.com/arts/feature/2008/05/the-myth-of-the-moral-majority.html