Die Betroffenen in der Türkei dürften hörbar aufgeatmet haben! Gute Nachrichten kamen nämlich von der Staatsanwaltschaft Ankara: Wie AFP meldete, muss eine türkische Internet-Unterschriften-Initiative zur Entschuldigung bei den Armeniern für das im Erstem Weltkrieg während der Herrschaft des Osmanischen Reiches im Jahre 1915 erfahrene schwere Leid (Tod und Vertreibung) nicht mehr damit rechnen, wegen “offener Verleumdung der türkischen Nation” (sh. dazu Readers Edition vom 20.01.2009) vor Gericht gestellt zu werden. AFP tickerte unter Berufung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu vom Montag, die Staatsanwaltschaft Ankara “habe mit dem Verweis auf die Meinungsfreiheit ihre Ermittlungen eingestellt”.
Die Unterschriftenkampagne war vornehmlich von einer sich aus Intellektuellen zusammensetzenden Gruppe Mitte Dezember ins Internet gestellt worden. Daraufhin war es zu teilweise heftigen Reaktionen seitens rechter, nationalistisch und kemalistisch eingestellter Kreise der Türkei gekommen. Ebenfalls verärgert hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf die Aktion reagiert, welche sich für eine Versöhnung mit den Armeniern einsetzt, währenddessen Präsident Abdullah Gül moderatere Töne anschlug. Am 9. Januar dieses Jahres nahm die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf.
Die gute Nachricht aus Ankara hat nicht nur dem zarten Pflänzchen Meinungsfreiheit (und somit der zarten Demokratie) in der Türkei Stärkung verschafft, sondern ganz offenbar auch der Internet-Initiative gewissen Auftrieb verschafft: Bis Montagmittag hatten sich bereits mehr als 28 000 Menschen der Entschuldigung via Internet angeschlossen. Darunter viele Künstler und Akademiker. Ein hoffnungsvoll stimmendes Zeichen aus Ankara also – ohne Zweifel. Die Staatsanwaltschaft Ankara hat das über den Wohlmeinenden gegenüber dem armenischen Leid schwebende Damoklesschwert im Sinne des Rechtsstaats demontiert und somit der Türkei der Zukunft einen großen Dienst erwiesen. Wenn auch die Zahl der an der Untschriftenkamapgne teilnehmende Menschen im Vergleich zur Einwohnerzahl der Türkei klein erscheinen mag: so hat sie dennoch ein wichtiges symbolisches Zeichen gesetzt, welches nicht gering geschätzt werden sollte. Und nicht nur die armenischstämmigen Türkinnen und Türken dürften die weise Entscheidung mit Wohlwollen registriert haben, sondern womöglich auch die armenische Regierung in Jerewan, die sich dadurch hoffentlich bald in den Stand versetzt sieht, grünes Licht zu einer Verbesserung der Beziehungen zum Nachbar Türkei – einschließlich der Öffnung der Grenze – zu geben. Ein kleiner (symbolischer) Anfang war ja letztes Jahr bereits gemacht, als der türkische Präsident Gül zu einem Fußball-Länderspiel nach Armenien gereist war.
Der journalistischen Sorgfaltpflicht sei hiermit Genüge getan. Nach der kürzlich an dieser Stelle geäußerten Kritik (“Türkei: Der Fortschritt ist eine Schnecke”; RE), ist heute nun die Möglichkeit gegeben, über leise Hoffnungstöne im Land am Bosporus Meldung zu erstatten…
Photo/Quelle: Gerd Altmann via Pixelio.de
Also, ie Grenzöffnung Blockiert nicht Armenien, sondern die Türkei ihrerseits wegen dem Genozid an den Azeris in Karabach.
Und bis Karabach geräumt ist von der Armenischen Armee wird die Grenze wohl auch zu bleiben.