Vernetzen, austauschen, voneinander lernen – das macht für viele von uns das Internet mit seinen unzähligen Plattformen aus. Fast jedwede Art von Interessengemeinschaft findet sich mittlerweile in den unendlichen Weiten. Und ob Wissenschaft oder Bildung, staatlich oder privat, die meisten von uns haben ihre ganz eigene Nische gefunden. Auch die Kultur steht hier nicht zurück. Mit der Europäischen Musikbörse startete die Projektgesellschaft des Deutschen Musikrats nun ein Portal, das als “interaktive Informations- und Austauschplattform für Musikschaffende in den Regionen Europas” dienen soll. Ein musikkulturerelles Miteinander über Grenzen hinweg, so das ambitionierte Ziel der Macher. Auch auf der Readers Edition wird dieser Grundsatz gepflegt – wobei sich unsere fleißigen Autoren allerdings keineswegs nur auf die Musik beschränken.
Was ist eine gerechte Strafe? Von Guantánamo bis Klaus Zumwinkel
Kaum im Amt, setzt der neue US-Präsident Barack Obama das um, was er einst versprochen hatte. Das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo steht dabei ganz oben auf seiner Agenda. Und auch Claus-Dieter Stille nimmt sich diesem in seinem Kommentar an. “Guantánamo-Gefangene Opfer des deutschen Wahlkampfs?“, lautet seine Fragestellung vom vergangenen Montag. Eigentlich könnten alle glücklich und zufrieden sein: Die Schließung des Lagers ist eingeleitet. “Was aber geschieht daraufhin in Deutschland? Es setzt ein unsägliches Gezerre zwischen den regierenden Parteien ein”, bringt Stille die Stimmung hierzulande auf den Punkt. Asyl für Ex-Inhaftierte? Das scheint nicht nach dem Geschmack mancher Politiker zu sein. Immerhin – es ist Wahlkampf: “Da interessieren die Menschenrechte wahrscheinlich nur, wenn sie einem ins Konzept passen”, trifft der Autor den Nagel auf den Kopf. Die Lösung des Problems sei in den Augen einiger doch eigentlich Sache der USA. “(…) was (…) hier (..) derzeit abläuft, ist geradezu unsäglich und eine Schande für die deutsche Regierung und unser Land selbst insgesamt. Immerhin hat auch die Bundesregierung Mitschuld auf sich geladen”, mahnt er abschließend. Das “unappetitliche Gezerre und gegenseitige Schuldzuweisungen” würden jedenfalls nicht weiter helfen.
Um Recht und Gerechtigkeit geht es schon einen Tag später auch bei Georg Erber. “Zumwinkel: Justitia Light oder zur Frag der Gerechtigkeit im Strafrecht“, titelt er anlässlich des Urteils über den ehemaligen Postchef. “Die deutsche Justiz steckt mal wieder in der Klemme. Der Fall Zumwinkel führt das Dilemma deutlich vor Augen, auch wenn die Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe eine deutlichere Sprache spricht als der im Vorfeld diskutierte mögliche ‘Deal’”, läutet er seine Überlegungen zu diesem in jeglicher Hinsicht schiefgelaufenen Strafverfahren ein. Zwei Jahre Bewährung, so das Resultat. Ob da alles mit rechten Dingen zugegangen ist? Georg Erber glaubt nicht daran. Denn “Geld regiert auch die Welt der Justiz”, in der die Zahlungsbereitschaft eines potentiellen Straftäters eine nicht unerhebliche Rolle spielt – Madoff und Ackermann lassen grüßen. Und so wird auch “Klaus Zumwinkel (…) nach der ihm auferlegten Geldstrafe weiterhin als Multimillionär in seiner Burg weiterleben können.” Das Strafrecht mit seinem Anspruch auf Gleichheit wird, da ist er sich sicher, durch derlei Gebaren schnell ad absurdum geführt. Die “Zweiklassenjustiz der Habenichtse und der Wohlhabenden” ist damit längst Realität.
Bush hat’s verbockt – Israel auch?
Wenden wir unseren Blick jedoch nun von Deutschland ab und richten unser Augenmerk in Richtung USA. “George Bush… lonesome Cowboy again“, so der Debütbeitrag von cornelius h., den wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich begrüßen möchten. “Mit meiner massiven Freude über die Amtsablösung des George W. Bush, schwimme ich sicher nicht gegen den Strom”, beginnt er seine Aufarbeitung von acht Jahren Bush-Regierung. Sein Nachfolger, das steht für ihn fest, wird wohl kaum große Mühe haben, einiges besser und weniger falsch zu machen. Fünf Bereiche hat sich unser Neuling vorgenommen und diese kompakt beleuchtet. Aber ob Wirtschaft, Umwelt, Konflikte, Religion oder Außenpolitik, Positives kann unser Autor nicht unbedingt finden. Sein Resümee fällt daher entsprechend aus: “Die USA haben einen schweren Stand, die Situation ist in jeder Hinsicht ein Tanz auf der Rasierklinge und sogar ein Obama, der alle glorifizierten Unterstellungen übererfüllt, wird die Umkehr kaum bewältigen. God bless America.”
Auch unser zweiter Zuwachs in der Readers-Edition-Runde – ihm ebenfalls ein herzliches Willkommen – setzt sich in seinem ersten Artikel nicht gerade mit bequemen Themen auseinander. “Warum wir solidarisch mit Israel sein sollten“, wirft er der Diskussionsrunde seit dem gestrigen Donnerstag vor die Füße. Und die ersten Reaktionen zeigen, es könnte hier noch scharf zugehen. Von “Sie haben Recht” bis hin zu “Der Artikel ist schrecklich einseitig” ist alles im Kommentarbereich zu lesen. Joerg Jarolimeck geht es um gleiche Werte, demokratische Prinzipien, die wir mit dem Land im Nahen Osten teilen. Ein Blick auf seine Nachbarn verheißt da nämlich wenig Gutes. Ob er mit seinem Aufruf “Solidarität mit Israel!” allerdings richtig liegt?
Engagement für Afghanistan
Richtig zu liegen scheinen auf jeden Fall jedoch 30 Studierende der IB in Herrenberg, die eine neue Lernplattform für die Fernuniversität des Afghan German Management Colleg entwickelt haben. Thomas Brackmann nimmt sich seit dem heutigen Freitag diesem “Kooperationsprojekt für Menschen in Afghanistan an” und erläutert ausführlich, was sich dahinter verbirgt. Immer neue Studenten und neue Dozenten hätten nach zwei Jahren eine neue Onlineplattform nötig gemacht, so Collegedirektor Sascha Hertel über die Ausgangssituation. “Ein Interessens- und Informationsaustausch war mit der alten Plattform erschwert. Soziale Aspekte eines Studiums wie die Kommunikation unter den Studenten waren kaum möglich.” Jetzt können die AGMC-Studenten auf eine neue Software zurückgreifen. Das Lernen wird dadurch wesentlich vereinfacht. “Bildung ist eine gute Maßnahme gegen Kriege”, sagt Philipp Boos, einer der 30 Studenten des Bachelorstudiengangs bei IBM. Eine Erkenntnis, der wohl nur wenig hinzuzufügen ist.
Außer vielleicht zwei weitere Lesetipps für dieses Wochenende. Besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser diesmal einen weiteren Beitrag von Andreas Grieß. Er setzt sich seit vergangenen Sonntag mit “‘Generation Abwarten’ – Selbstverständnis einer Generation” auseinander, was Rolf Ehlers zu folgendem Urteil veranlasste: “Liebenswert und sehr bemerkenswert! Der Beitrag zeigt, dass die Elterngeneration mehr tun muss, um den Anschluss an die Jugend zu halten. Er zeigt auch, dass die heutige Jugend, wann immer sie ausreichende Chancen bekommt, offen und aufgeweckt ist, was für die Zukunft hoffen lässt.” Darüber hinaus sei am Ende unseres heutigen Überblicks auch ein Beitrag unseres geschätzten Volly Tanners empfohlen. “Brandenburger wehren sich mit Argumenten gegen neue Tagebaue“, heißt es seit letzten Montag bei ihm. In Zusammenarbeit mit Thomas von keine-neuen-tagebaue.de geht er der Problematik ausführlich auf den Grund.
Nun sind wir aber wirklich am Ende und wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim “Vernetzen, Austauschen und voneinander lernen”. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.
Ihre Redaktion Readers Edition
Photo Quelle/Copyright: Sfar, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.