Während die Bürger der USA mit der Wahl ihres neuen Präsidenten ein klares Zeichen gegen Rassismus gesetzt haben, gehen die „Eliten“ der Merkel-Steinbrück-Republik den umgekehrten Weg. Nach Armuts- und Altersrassismus durch Ludewig (RCDS) und Mißfelder (Junge Union) reaktiviert man, wenngleich auf Samtpfoten und pseudowissenschaftlich verbrämt, in den regierungsnahen Medien nun Xenophobie und Rassismus der klassischen Art. Eine angeblich wissenschaftliche Studie des Berlin Instituts beklagt die mangelnde Integration der türkischen Mitbürger.
Genau jene, die seit über 25 Jahren die Bildungschancen der ethnischen und sozialen Minderheiten systematisch sabotieren, stellen sich heute vor die Kameras und schieben den schwarzen Peter für ihr eigenes Versagen den türkischen Mitbürgern zu. Pauschal werden sie in Kommentaren der einschlägig rechtslastigen Periodika als Schuldige angeprangert. Von Differenzierung keine Spur und man wird den Verdacht nicht los, dass im Schatten der Krise schon einmal getestet wird, wen man zur Ablenkung und Abregung des Volkszorns am ehesten als Sündenböcke ins Rampenlicht stellen kann.
Schon die Vereinseitigung auf “die Türken” als Integrations- und Bildungsverweigerer ist tendentiös. Nicht die Türken sind übrigens die ethnische Gruppe mit der grössten Benachteiligung durch das deutsche Bildungssystem, sondern die Italiener. 48,3% der italienischen Schüler in Deutschland besuchen die Hauptschule, 44,7% der türkischen und 41% der griechischen, aber nur 17,7% der deutschen Schüler (Bundesamt für Statistik 2005/2006, DIE ZEIT, Nr. 7, S. 29).
Die Unterschiede beim Bildungsstand zwischen den verschiedenen nicht-deutschen Bevölkerungsgruppen sind relativ gering, hingegen ist die Diskrepanz zwischen den Bildungschancen der Nicht-Deutschen und Deutschen auffällig. 42,6% der deutschen Schüler besuchen das Gymnasium, aber nur 23% der griechischen, 13% der türkischen und 14,2% der italienischen (Bundesamt für Statistik 2005/2006, vergleiche DIE ZEIT, Nr. 7, S. 29 ).
Die Chance von Kindern aus Facharbeiterfamilien auf einer Uni zu studieren, ist 14mal geringer als die von Kindern Selbstständiger mit Abitur. Man sieht: Die Bildungs-, Lebensstil- und Chancenkluft ist kein genuin türkisches Problem, sondern erfasst auch andere marginalisierte Gruppen und ist vor allem die Folge der deutschen Bildungs-, Sozial- und Lohnmisere der letzten 25 Jahre. Es trifft generell die ausländischen Familien besonders hart, aber nicht nur sie.
Nicht Gene und Kultur, nicht Faulheit, Religion, Dummheit oder Bildungsunwilligkeit erklären das vergleichsweise schlechte Abschneiden der nicht-deutschen Schüler, sondern das auf Ausgrenzung und Selektion sozial Benachteiligter abgestellte deutsche Bildungssystem. Der Standesdünkel der privilegierten Schichten sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass Bildungshindernisse von der Kultusbürokratie bewusst ignoriert oder sogar eigens errichtet und gepflegt werden.
Das erste und größte Bildungshindernis ist die mangelnde Sprachbeherrschung.
Mit der Sprache stehen und fallen die Bildungschancen. Tatsache ist, dass viele Eltern mit Migrationshintergrund oft nicht über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen. So fehlt es an der Basisvoraussetzung für erfolgreiches Lernen. Dieses Problem liesse sich lösen, wenn vor der Einschulung ein kostenloses Vorschuljahr zur Pflicht gemacht würde. Stattdessen werden seit Jahrzehnten die Sprachdefizite bei ethnischen und sozialen Minderheiten nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern auch noch benutzt, um gegen diese Sprachgruppen und die sogenannte Unterschicht Stimmung zu machen. Einer der übelsten Vergröberer auf diesem Gebiet ist der hessische Ministerpräsident Roland Koch.
Ein zweites bewusst gepflegtes Bildungshindernis gegen ethnische und soziale Minderheiten ist die staatliche Teilzeitschule. An deutschen Schulen wird seit vielen Jahren immer mehr gepaukt statt erklärt, immer mehr monologisiert statt veranschaulicht und eingeübt. Lehrpläne enthalten immer mehr unnützen Ballast, im Stechuhrtakt wird Lernstoff abgehakt. Nicht nur das Einüben wird in die Hausaufgaben und damit ins Elternhaus verlagert, sondern auch das Einführen und Erklären von Themen und Inhalten. Wer nicht aus einem Akademikerhaushalt stammt, wer keine Nachhilfestunden bezahlen kann, hat im deutschen Bildungssytem keine echte Chance. Kinder Selbstständiger mit Abitur haben eine über 40mal grössere Aussicht an einer Hochschule zu studieren als die Kinder von Ungelernten.
Das dritte Bildungshindernis, das vor allem von der Union seit Kohls Zeiten neu errichtet wurde, ist die fehlende oder mangelnde finanzielle Unterstützung und Förderng von Talenten aus finanzschwachen Familien. Schafft es wirklich ein Kind aus benachteiligten Schichten aufs Gymnasium, fällt es als Mitverdiener für Jahre aus. Unter Willy Brandt wurde versucht, dies wenigstens teilweise durch das Schüler-Bafög zu kompensieren. Die Streichung des Schüler-Bafög war eine der ersten Massnahmen der Regierung Kohl, um ihrer betuchten Klientel die Bildungskonkurrenz vom Hals zu schaffen. Im gleichen Atemzug wurde von der CDU das Privatfernsehen eingeführt. Aus Willy Brandts Bildungsrepublik Deutschland wurde Helmut Kohls Bohlen-Republik.
So kommt es, dass heute hochbegabte Schüler aus armen Elternhäusern trotz guter Noten eher ins Berufsleben drängen als ihre Talente auf dem Gymnasium und der Hochschule weiter auszubilden.
Blickt man auf die westlichen Nachbarn, findet man fast überall bildungsfreundlichere, effizientere, vor allem aber fairere und demokratischere Strukturen. Ein flächendeckendes verpflichtendes Gratis-Vorschuljahr, in dem die Unterrichtssprache vorbereitend eingeübt wird, gibt es von Skandinavien bis Frankreich. Vollzeitschulen mit Schulspeisung sind von Grossbritannien bis Italien, von Frankreich bis Finnland die Regel. Für begabte Kinder aus finanzschwachen Familien gibt es von Holland bis Spanien, von Irland bis Schweden grosszügie staatliche Förderungen und in den USA eine bestens ausgestattete und tief verwurzelte Stiftungs- und Stipendienkultur.
Das alles fehlt in Deutschland.
Dafür gibt es Studien dubioser Institute, die einseitig und pauschal Minderheiten die Schuld an ihrer prekären Lage zuweisen. Eigentlich wäre es die Aufgabe, einer wirklich unabhängigen Presse und wirklich kritischer Medien auf solche Zusammenhänge offensiv hinzuweisen, auf die einseitige Anpangerung der Türken, darauf, dass dieses Institut schon einmal eine methodisch unsaubere Arbeit herausgebracht hat, in der nachweislich falsche Zahlen verbreitet wurden. (eine Demographie-Arbeit aus dem Jahr 2006). Doch solche Medien und Journalisten kann man heute mit der Lupe suchen.
Während die fragwürdige anti-türkische Integrationsstudie des Berlin Instituts mit Tschingdarassassa durch die medialen Dörfer getrieben wird, wurde eine andere Studie erst wochenlang verheimlicht, dann von Bildungsministerin Schavan unterdrückt und schliesslich in den Massenmedien stilll und leise beeerdigt. In der HIS-Studie wird nachgewiesen, dass Studiengebühren Abiturienten vom Studieren abhalten und dass bis zu 18.000 von ihnen sich im Jahr 2006 wegen der Campusmaut gegen ein Studium entschieden haben.
Kommen wir zur deutschen Parteien”kultur”.
Früher waren Liberale Menschen, denen Toleranz, Chancengerechtigkeit, Offenheit und Verständnis für andere Kulturen wichtiger waren als Profite und Steuervorteile. Früher waren die GRÜNEN eine Partei, die für menschlichen Grundrespekt vor Minderheiten und für deren Rechte einstand.
Eigentlich wäre es Aufgabe, des neuen GRÜNEN-Chefs Cem Özdemir, bei den Ungereimtheiten der Integrations-Studie nachzuhaken und für eine faire Berichtertstattung über seine Landsleute einzutreten. Er selbst hat in einer biographischen Notiz von den Schwierigkeiten mit dem deutschen Bildungssystem in seiner Jugend und der ganz privaten Hilfe, die ihm zuteil wurde, berichtet. Immerhin wurde er von einigen Journalisten sogar schon in die Nähe eines deutschen Barack Obama gerückt.
Doch dazu müsste er gerade jetzt etwas mehr Bekennermut, Sozialcourage und Rückgrat zeigen. Aber vielleicht kommt das ja noch.
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Photo: Akbar Simonse via flickr.com (cc Lizenz)
Wiedermal typisch für Linksaussen Menschinski. Pure polemische Stimmungsmache im Sinne der SED-PDS-Linke. Ich mache hier nicht viele Worte weil ich nach 33 Jahren leben und arbeiten in Berlin-Neukölln die Wahrheit kenne. Es bleibt nur zu hoffen, daß
niemand auf die linke Propaganda des Autors hereinfällt, denn die Realität sieht ganz anders aus.
Bernd Stichler