Googles “Latitude”. Oder: Wollen wir’s wirklich wissen?

“Ich habe für standortbezogene Mobildienste als die nächste große Sache auf dem Mobilfunkmarkt immer die Werbetrommel gerührt und das übliche Gegenargument, das ich mir einfuhr war: ‘Die Leute wollen doch gar nicht, dass jeder weiß, wo sie sich gerade aufhalten’”, so beginnt Stan Schroeder auf mashable.com seine Gedanken zu “Latitude“,

latid.jpg“Ich habe für standortbezogene Mobildienste als die nächste große Sache auf dem Mobilfunkmarkt immer die Werbetrommel gerührt und das übliche Gegenargument, das ich mir einfuhr war: ‘Die Leute wollen doch gar nicht, dass jeder weiß, wo sie sich gerade aufhalten’”, so beginnt Stan Schroeder auf mashable.com seine Gedanken zu “Latitude“, einer seit heute zur Verfügung stehenden Erweiterung des Kartendienstes Google Maps für Mobiltelefone. “Nun, jetzt werden wir sehen, ob sich diese Argument bewahrheitet”, fährt er schon fast triumphierend fort. Denn Google scheint ihn erhört zu haben: Mit der neuen Applikation gibt es nun die Möglichkeit, seinen Freunden anzuzeigen, wo man sich gerade befindet und umgekehrt auch zu sehen, wo sie sich (“schätzungsweise”) gerade aufhalten.

“Schätzungsweise”, das ist dann auch sein Stichwort oder besser schlagkräftiges Argument. Wahrheitsgemäß muss der User hier nämlich rein gar nichts eintragen. “Du kannst bestimmen, wer deine Aufenthaltsorte sieht und aussuchen, welche davon sichtbar sein sollen”, erklärt er die “Privacy”-Optionen. “Du kannst es also so einrichten, dass deine Frau dich stets bei der Arbeit sieht”, scherzt er weiter und lässt mit einem sichtlichen Schmunzeln offen, warum jemand dergestalt vorgehen sollte. Alles in allem ist für ihn klar: “Es ist eine Art Spiel; du kannst bestimmen wie interessant du dich machen willst.”

Stan zeigt sich, trotz der noch fehlenden Nutzbarkeit für das iPhone, begeistert von dieser neuen Sache. Und auch M Sailer, einer seiner Kommentatoren meint heute morgen: “Ich hoffe, dass es etwas ähnliches auch bald für Facebook geben wird.”

Wo hört die Freiheit auf und fängt der Wahnsinn an?

Andere sind dagegen weniger angetan von ihren Freunden per Handy geortet werden zu können, auch wenn das zugegebenermaßen nur per Einladung und mit vorherigem Einverständnis geschehen kann. So warnt zum Beispiel Gino vor einem möglichen Missbrauch und schreibt: “Privatsphäre? Das ist das perfekte Tool für Stalker…” Und auch fokka kommentiert das neueste “Baby” aus dem Hause Google auf forum.golem.de skeptisch: “man ist ja gott sei dank nicht dazu gezwungen bei jedem neuen pipifax mitzumachen und so werde ich mich genausowenig orten lassen, wie ich heutzutage 24/7 mein tel an lasse. jeder sollte technik zu seinem eigenen nutzen verwenden, nicht sich von ihr überwachen/versklaven lassen.” steveR ist ebenfalls nicht nach einem Freudentanz zumute: “früher hat man sich auf dem festnetz angerufen. war keiner zu hause, drehte die welt sich einfach weiter. die gesellschaft verkommt immer mehr zur 24/7 erreich- und ortbarkeit. das handy als mittel gegen einsamkeit? kommst du spät aus der disko heim und hast den letzten bus verpasst, schreibst du im dunkel einfach eine sms oder rufst familie/freunde an…schon bist du nicht mehr allein. die ‘handy-vor-generation’ blieb dann einfach mit seinen eindrücken allein an der bushaltestelle, teilweise stundenlang. die vorgeneration durchlebte die situation, hat gelernt mit der situation umzugehen und daraus gelernt. technischer fortschritt in allen ehren, aber wo hört freiheit auf und wahnsinn an?

W. Schäuble muss draußen bleiben…

Das fragt sich auch Paranoia, der die Erfolgsaussichten dieser Applikation für äußerst gering erachtet. Er ist der Überzeugung, dass Latitude die nächste Stufe der Überwachung sei, die nur wenige User akzeptieren beziehungsweise nutzen werden. Für ihn geht der “Spaß”, den Google hier offeriert, eindeutig zu weit. Denn “man macht sich leider im Umkehrschluss schon verdächtig wenn man Skype und Latitude ausgeschaltet lässt.” copyandpaste sieht das Ganze noch recht gelassen und scherzt derweil auf heise.de: “Ich gehe davon aus das der Teilnehmer ‘W. Schäuble’ bei der Auswahl derer die meinen Aufenthaltsort sehen duerfen, vorangekreuzt ist ? (und sich auch nicht loeschen laesst :)

In 27 Ländernund 42 Sprachen ist die neue Applikation, die über zahlreiche Mobiltelefone genauso funktioniert wie über iGoogle auf dem eigenen Computer, bereits einsetzbar und Google hat “versprochen” noch weitere hinzuzunehmen. Auch einen eigenen Blog zur Sache gibt es bereits. Unter googlemobile.blogspot.com gibt es “news und views” vom Google Mobile Team. Doch, wollen wir’s wirklich wissen?

Hier jedoch erstmal die Erklärung von Google, wie das Ganze funktionieren soll:

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