Es ist kaum zu fassen, dass sich jemand mit Vorhersagen heraustraut, die nicht dem derzeitigem Mainstream entsprechen. En Vogue ist derzeit der Untergang. Aber zur Sache: Drei Ökonomen der US-Eliteuniversität Stanford stellen in einem Arbeitspapier (pdf) die These auf, dass es mit der Konjunktur deutlich schneller wieder aufwärts gehen könnte, als es derzeit aussieht. Ihren Optimismus stützen sie auf historische Analysen und ein theoretisches Modell, schrieb das Handelsblatt.Die drei Ökonomen sind Nick Bloom, Max Flötotto und Nir Jaimovich und derzeit nur Insidern bekannt. Sie könnten Guru-Status erreichen, wenn sich ihre Vorhersage bewahrheitet.
Sie nennen zwei Faktoren, die den derzeitigen Konjunkturabsturz verursacht haben:
1. Die Kreditklemme, über die bereits viel an anderen Stellen geschrieben wurde.
2. Unsicherheit als eine eigene ökonomische Kraft, die unabhängig von den Problemen der Banken die Konjunktur belastet. Denn wegen der hohen Ungewissheit sind viele Unternehmen in eine Schockstarre gefallen. Allein aus der Angst vor der Zukunft halten sie sich bei Investitionen und Beschäftigung zurück – selbst wenn sie gar nicht direkt von der Kreditklemme betroffen sind.
Die Macht der Angst in Zeiten der Unsicherheit war übrigens auch ein Thema auf dem Weltwirtschaftsforum unter der Teilnahme prominenter Ökonomen, insbesondere Daniel Kahneman, Nouriel Roubini, Robert J. Shiller.
Insbesondere in diesem Punkt bestätigen die Ökonomen eine Position, die der Blick Log schon länger einnimmt (siehe z.B. hier): Als Reaktion auf die fundamentale Unsicherheit, mit der die Wirtschaftssubjekte von allen Seiten konfrontiert werden, passen sie ihre Investitions- und Konsumpläne nach unten an und sorgen damit für eine zusätzliche Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führt. Daher müssen Politik, Ökonomen aber auch Medien und die medialen Meinungsführer Beiträge leisten, um die Unsicherheit zu reduzieren und sie nicht ständig, wie z.B. gerade in Davos, weiter erhöhen.
Immerhin machen die drei Ökonomen Hoffnung, denn hohe Unsicherheit bremst die Konjunktur nur kurz. Schon nach wenigen Monaten lichtet sich der Nebel wieder. Und dann kommen viele Firmen gar nicht darum herum, wieder zu investieren und neues Personal einzustellen, weil in der Zeit, in der sie die Luft angehalten haben, Nachholbedarf entstanden ist.
Diese Erkenntnisse zeigen aber auch, dass Eile geboten ist, Klarheit bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu erhalten.
Auf der anderen Seite gibt es auch Positionen, die glauben, dass aufgrund der kollektiven Angst die Krise noch schlimmer wird und in eine jahrelange Wirtschaftsdepression mündet. Und kein Ökonom hat so recht eine Antwort auf die Frage, wie man kollektive Angst bekämpft, schrieb der Hausökonom der Zeit, Uwe Jean Heuser.
Ein Ansatz, so Heuser könnte in Erfolgsmomenten der Demokratie wie etwa der Wahl Barack Obamas liegen. Davon gehe schon ein Moment der emotionalen Stärkung für viele hervor, sagen die Psychologen, die dieses Jahr in ungewohnt großer Zahl nach Davos eingeladen wurden. Doch die Skepsis gegenüber der Demokratie und der Fairness der Wirtschaft sei immens, warnen sie. Und das sei vielleicht das größte Hindernis auf dem Weg zur ökonomischen Genesung.
Text zuerst erschienen auf: www.blicklog.com
Über schlechte Nachrichten wie die von Georg Erber in der RE über den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch Kaliforniens findet man bei den großen Medien in Deutschland nichts, weil für deren Journalisten die Maxime ausgegeben wurde, die Krise klein zu reden so lange das nur geht. Es wird nur offen behauptet, dass Schlechtreden das Unheil erst herbeirufe (self-fulfilling prophecy). Sonst geschieht nichts, weil man ja still halten will. Auf dieser Linie liegt auch der vorliegende
Beitrag.
Die Folgen dieser umfassenden Täuschungspolitik werden fürchterlich sein. Denn irgendwann begreift jeder, dass wir von Politik und Medien systematisch hinters Licht geführt werden. Wenn in Kürze überall die Schäden eintreten, große Firmen in Scharen zusammenbrechen und die Menschen vor den
Sozialämtern stehen, wird niemand ausreichend vorbereitet sein. Man kann einfach nicht schön reden, wenn wie jetzt in Krefeld und Remscheid die Autozulieferer insolvent werden. Die nächsten sind doch die Fahrzeughersteller selbst, deren wahre aktuelle Umsatzrückgänge – besonders bei den teuren auf
Halde stehenden Fahrzeugen – niemand erfahren soll. Die Wirkung der Abwrackrämie wird schnell verpufft sein – und dann? Die ganze Exportwirtschaft ist so gestrickt, dass sie zusammenbricht, wenn
ihre Produkte nicht laufend nachgefragt werden. Jetzt rächt es sich, dass alle nur kostengünstig und
Gewinnoptimiert gewirtschaftet haben. Es sind keine Margen da, um viele Monate lang die Produktion
stehen lassen zu können.
Obama betreibt mit seinen Leuten und Experten intensives Brainstorming, um keine Chance für die Zukunft ungenutzt liegen zu lassen. In Deutschland haben wir massenweise ungenutztes Innovationspotenzial, auf das niemand zurückgreift. Wo ist hier die Initiative, die möglicherweise hilfreichen Konzepte zu sieben und die am meisten Erfolg versprechenden massiv zu fördern?