Von den Umgangsformen der Insulaner

Irgendwann ist’s einfach genug. Last minute ist dann ja manchmal die beste Antwort: Zypern. Rein in den Flieger – also zunächst noch die bekannte Fragerei der Security am Flughafen: “Oh, I see you’ve been to Gaza.” “Yeah, indeed, I covered the war”, antwortet’s immer noch im freundlichen Ton gehalten. Der

cpyor.jpgIrgendwann ist’s einfach genug.

Last minute ist dann ja manchmal die beste Antwort: Zypern. Rein in den Flieger – also zunächst noch die bekannte Fragerei der Security am Flughafen: “Oh, I see you’ve been to Gaza.” “Yeah, indeed, I covered the war”, antwortet’s immer noch im freundlichen Ton gehalten. Der vielleicht 21-jährige Sicherheitsmensch scheint damit sichtlich beschäftigt zu sein, mit dem Gaza-Besuch – aber solange es ihn von weiteren Fragen abhält… Vielleicht war’s aber auch die fünfjährige Principessa, die den Jungen davon überzeugte, dass einer, der zwar über Kriege berichtet aber ein Kind auf dem Arm trägt, kein wirklich Gefährlicher sein dürfte. Und auch immer wieder erstaunlich, wie man respektive Frau sein Berufsleben an einem Check-in-Schalter verbringen kann, ohne mit den Kunden – das sie die, die für ihre Flugtickets Geld bezahlen – den geringsten Augen- oder gar verbalen Kontakt herzustellen.

Dann noch das Anstehen bei der Passkontrolle; kein Gruß, kein Gesichtsmuskel, der sich regen würde hinter dem Schalter. Ach’ übrigens: Neuerdings müssen jetzt Flug-Gäste, – okay okay, diese Leute, die ins Flugzeug steigen wollen – am Ben Gurion Airport bei Tel Aviv auch noch regelmäßig ihre Schuhe ausziehen zur Sicherheitskontrolle. Nach fünf Befragungen, drei Pass-Kontrollen, drei Metall-Detektoren besser auf “Sicher Sicher” gehen, statt bloß kontrollieren.

Beim Zyprioten dann eine Begrüßung nach Maß: “Hello, welcome to Cyprus”, sagt eine lächelnde Polizistin, die Einreise dauert keine fünf Minuten. Das Mietauto steht parat, selbst der Mann von Budget ist freundlich und wünscht “good holidays, Sir.” Nein, Zypern fürchtet sich nicht vor Terroristen, Zypern begrüßt seine Gäste.

Zu klagen gibt’s denn auch nichts, eine Flugstunde von Israel entfernt.

Hätt’ ich bloß darauf verzichtet, kurz meine e-mails checken zu wollen: Es gab nichts zu checken, kein Zugang mehr zum Server! Wie die Kollegen von der IT am Freitagabend in der Schweiz festgestellt hatten, ist meine so genannte SecurID abgelaufen – am Freitagabend. Naja, per Kurier-Dienst war dann das Problem mit der SecurID zu kurieren; einfache Sache könnten Sie in Europa denken. Aber Israel ist nicht Europa.

cyprus.jpg746 e-mails später – keine Sorge, ich bin kein Wichtiger, kriege bloß Unmengen an absurdester Propaganda und sonstigem Trash – hat sich das Problem gelöst. Die SecuryID hat ihren langen langen Weg von Zürich nach Tel Aviv gefunden, schlussendlich. TNT Israel und TNT Schweiz haben halt verschiedene Liefernummern für dasselbe Päckli; kann schon mal vorkommen, gell. Und so findet halt die eine TNT nicht, was die andere TNT verschickt hatte – bombig. Und wir erinnern uns ja noch leidlich an jenes FEDEX-Päckli, dass statt in Switzerland in Swasiland gelandet ist – Kuriere in Israel haben halt einen etwas speziellen Blick fürs Ausländische.

Bei der Einreise nach Israel dann allerdings auch gleich die gebührende Begrüßung: In Zypern im Flughafenrestaurant haben sich zwei junge Männer vollaufen lassen – im Flughafen in Tel Aviv dann setzen sie hurtig die Kippa auf und benehmen sich so, wie sich halt Besoffene benehmen: Sehr unpassend, befindet Frau Gemahlin, der der eine Säufer auf die Füße trampelt. Und als der Andere dann auch noch handgreiflich wird vor dem Einreiseschalter, ja, da muss dann halt nach dem Kurzabstecher auf die zypriotische Wohlfühl-Insel das in fünf Jahren erlernte “Israeli behaviour” wieder herausgekramt werden – welcome to Israel.

Zu Hause angekommen, legt mir die fünfjährige Principessa die Zeitung hin mit ner Foto von Olmert Ehud, dem halben Premier Israels: “Papa, wieso isch de Ehud immer no da??”

Na bravo.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com.

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