Ruth Bracha, gebürtige Schweizerin, lebt seit 1994 in Beer Sheva im Süden Israels. In ihrem Blog “Blick auf die Welt” vermittelt sie auf Deutsch ihre Perspektive aus der Hauptstadt der Negevwüste. Gleichzeitig nutzt sie das Schreiben, um “selber besser die Zusammenhänge zu begreifen”. Das Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Krieg verteidigt sie im Interview.
RE: Vor einigen Tagen war zu lesen, dass das israelische Einwanderungsministerium auf der Suche nach Bloggern sei, die im Auftrag der Regierung Israel in anti-zionistischen Blogs repräsentieren sollen. Ist die Blogosphäre diesem Aufruf gefolgt, wie war deren Reaktion darauf und wie stehen Sie persönlich zu derartigen Anstrengungen der Regierung?
Ruth Bracha: Ich habe diesen Aufruf entweder nicht mitbekommen oder an mir vorbeigehen lassen. Früher habe ich in Diskussionsforen geschrieben, lange bei Spiegel Online. Dafür braucht der Mensch sehr starke Nerven und hat nur selten ein Gefühl der Befriedigung. Vom Bloggen habe ich mehr. Daher würde ich einen solchen Auftrag nur bei sehr guter Bezahlung übernehmen und es PR nennen. Für die israelische Blogosphäre kann ich nicht antworten, ich habe nur mit wenigen Bloggern Kontakt.
RE: In der Weltpresse und in Blogs wurden die Gegenangriffe der israelischen Armee zum Teil als “unverhältnismäßig hart” verurteilt. Wie ist Ihre Haltung?
Ruth Bracha: Die Verurteilung beruht meistens auf Unkenntnis, sowohl des Völkerrechts wie auch der tatsächlichen Aktionen im Gazastreifen. Ich habe manchmal nachgefragt, wie denn “Verhältnismässigkeit” aussehen würde, aber nie Antwort bekommen. Anscheinend werden Vorstellungen von Fairness aus Sport und Spiel auf Krieg übertragen, ohne zu bedenken, dass ein solch “faires” Vorgehen jeden Krieg in die Länge ziehen würde und damit das Leiden von unschuldigen Menschen, das sich in keinem Krieg verhindern lässt, nur vervielfacht würde.
RE: Welche Bedeutung kommt generell der Blogosphäre in Israel zu. Sind sie als kritisches Gegengewicht zu den Mainstreammedien zu werten oder bedarf es dieser nicht?
Ruth Bracha: Wie gesagt, ich kann nicht für die Blogsphaere sprechen. Ein kritisches Gegengewicht zu den Mainstreammedien hatte Israel schon immer in Diskussionen in der Bevölkerung. Das Land ist so klein, dass ohnehin das meiste bekannt und diskutiert wird.
RE: In Deutschland ist die Furcht davor groß, mit einer Kritik an Israels Politik antisemitische Ressentiments wiederzubeleben – In TV und Internetforen wird z.T. heftig darüber gestritten. Wie nehmen Sie diese Debatte wahr? Verfolgen Sie diese auch von Israel aus?
Ruth Bracha: Ich verfolge diese Debatte nur am Rand. Die antisemitischen Ressentiments werden nicht neu belebt, sie sind immer da. Nur wechselt das Gewand, in dem sie auftreten und damit die gesellschaftliche Akzeptanz. Da Kritik an Israel gerade zum guten Ton gehört, leben Antisemiten eben ihre Ressentiments derzeit auf diese Weise aus.
RE: Sie selbst betreiben ein Blog und schreiben mit beachtenswerter Leichtigkeit über schwierige politische Themen. Welches Ziel verfolgen Sie selbst mit Ihrem Blog, welche Motivation steht dahinter?
Ruth Bracha: Ich will vor allem selber besser die Zusammenhänge begreifen. Das habe ich auch in meiner Selbstdarstellung beschrieben. Für einen Beitrag muss ich recherchieren und zwinge mich so, systematischer und disziplinierter meine eigene Meinung zu hinterfragen oder auch erst zu bilden. Ausserdem kann ich mir auch das eine oder andere von der Seele schreiben.
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Mehr zu Ruth Bracha: http://beer7.wordpress.com/about/
I.: F. Kubach
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