Skaleneffekte der Finanzkrise und Grenzen staatlicher Lösungsmöglichkeiten

In der derzeitigen Debatte um die Lösung der globalen Finanzkrise werden Lösungen wie beispielsweise durch Bad Banks, Verstaatlichung Staatsbürgschaften und Augleichsforderungen nur abstrakt, d.h. ohne Berücksichtigung der konkreten Zahlen für die Staatsfinanzen diskutiert. Dies ist fatal, da man ohne Hinzuziehung der für eine Bankensanierung erforderlichen Summen, die Grenzen der Staatsverschuldung,

kaisb.jpgIn der derzeitigen Debatte um die Lösung der globalen Finanzkrise werden Lösungen wie beispielsweise durch Bad Banks, Verstaatlichung Staatsbürgschaften und Augleichsforderungen nur abstrakt, d.h. ohne Berücksichtigung der konkreten Zahlen für die Staatsfinanzen diskutiert. Dies ist fatal, da man ohne Hinzuziehung der für eine Bankensanierung erforderlichen Summen, die Grenzen der Staatsverschuldung, die dadurch übernommen werden muss, ignoriert.

Finanzblasenmathematik

Derzeit gibt es wenig zuverlässige Daten über das Ausmaß des Wertberichtigungsbedarfs, der durch die langjährig entstandenen Finanzmarktblase Fehlbewertungen bei Geldvermögen ausgelöst hat. Allerdings deuten einige taxinomische Abschätzungen daraufhin, dass es Größenordnungen sind, die die finanzielle Leistungsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften auch großer Länder übersteigen kann. So liegt die Bilanzsumme des britischen Finanzsektors über dem dreifachen des Bruttoinlandsprodukts. Mithin können ein Wertberichtigungsbedarf um einige Prozentpunkte an derartigen Umsätzen zu drastischen Verlusten in den Bankbilanzen führen. Sie bewegen sich dabei in Größenordnungen, die den Defizitquoten der Staates ebenfalls gemessen am BIP gleichkommen, oder wie im Fall Großbritannien als Banker der Welt um ein mehrfaches übertreffen. Die Sozialisierung von derartigen Verlusten erreicht damit auch Größenordnungen, die die Solvenz und Kreditwürdigkeit von Staaten ebenso gefährden wie dies bei den international operierenden Großbanken derzeit bereits der Fall ist. Mithin ergibt sich wegen der Größenordnung das Problem, dass der Staat sich sehr genau überlegen muss, welche Lasten er sich tatsächlich aufbürden kann. Dabei ist noch nicht einmal die Frage der Berechtigung aus Sicht des Steuerbürgers, der diese Lasten später abzutragen hat, zu berücksichtigen. Es geht schlicht und einfach um die Frage, ob Staaten bei Bailouts dieser Größenordnungen diese ohne ein Risiko für die Sicherung der eigenen Staatsfinanzen vor einem Staatsbankrott überhaupt eingehen können. Der Lender-of-last-resort muss seine eigene Budgetrestriktion beachten.

Wohlfahrtstheoretisch ist niemandem damit geholfen, wenn die geretteten Banken am dadurch herbeigeführten Zusammenbruch der Staatsfinanzen danach ebenfalls zugrunde gehen. Es ist so als ob ein Rettungsboot, was schon überladen ist, durch die Aufnahme neuer Schiffbrüchiger endgültig absäuft.

Was also derzeit den Politikern weltweit den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist die oftmals schiere Unmöglichkeit durch einen staatlichen Bailout die Gesellschaft vor einem Kollaps zu retten. Dabei spielen weniger moralische Erwägungen über die Verantwortung gegenüber dem Bürger eine zentrale Rolle, sondern die Politik würde sich durch einen Bailout selbst den Ast absägen auf dem sie sitzt.

Bad Bank als Ort der Intransparenz

Bad Banks dienen derzeit als Schlagwort für einen deus ex machina, der die Probleme des Finanzsektors lösen könnte. Dabei handelt es sich im wesentlichen um ein Bilanzierungskunststück. Die Bad Bank ist nichts anderes als eine Zweckgesellschaft, die als rechtlich eigenständiges Unternehmen durch Übertragung der problembehafteten Finanzaktiva aus der vorherigen integrierten Bank diese zu einer Good Bank mutieren lässt und die Wertberichtigungen aus deren Bilanz auf zauberhafte Weise verschwinden lässt. Allerdings bleiben Haftungsansprüche bei Wertberichtigungen der problembehafteten Wertpapiere entweder bei der Good Bank gegenüber der Bad Bank bestehen oder diese Werden durch den Staat durch Staatsbürgschaften beispielsweise über den Soffin übernommen. Mithin löst das Wunder der Bad Bank keineswegs die Probleme der Verluste aufgrund der Wertberichtigungen, sie verschleiert nur die Zusammenhänge. Die einzige Methode die Wertberichtigungen nicht entsprechend der Marktlage wirksam werden zu lassen, ist kreative Buchführung. Mittels eines Fair Value Prinzips werden Wertberichtigungen hinausgezögert in der Hoffnung der Markt würde sich wieder aus der Krise drehen und dann die Marktwerte an die Fair Value Buchwerte heranführen. Stellt sich dieses Wunder nicht ein, dann gilt analog zu Gertrude Steins Dictum: “a rose, is a rose, is a rose” hier ein Verlust, ist ein Verlust, ist ein Verlust. Man kann noch so viel Rabulistik betreiben, solange die Verhältnisse sind wie sie sind, ändert sich an den Verlusten der toxic assets oder in neudeutsch problembehafteten Wertpapieren nichts.

Ausgleichforderungen als Beruhigungspille

Die in der Diskussion immer wieder beschworenen Ausgleichforderungen haben auch nur die Funktion einer Beruhigungspille. In dem bilanztechnisch eine Ausgleichsforderung in die Bankbilanzen für die Staatsgarantien eingetragen wird, entsteht der Eindruck, dass die Schuld irgendwann von der Bank gegenüber dem Staat getilgt werden muss. Diese Tilgung ist jedoch illusorisch. Es macht keinen Sinn, dass eine Privatbank erfolgreich ihr Geschäft betreibt, wenn die dadurch erwirtschafteten Gewinne langfristig an den Staat zu einem erheblichen Teil abgeführt werden müssen. Kein privater Kapitalgeber würde sich in eine solche Bank einkaufen, wenn diese ihm ständig niedrigere Renditen als sonst am Markt üblich zahlen könnte. Dies wäre jedoch der Fall, wenn regelmäßig diese Tilgung der Ausgleichsforderungen der Bank an den Staat notwendig wäre. Mithin ist voraussehbar, dass diese Forderung früher oder später gestrichen werden muss. Die Illusion dient auch hier nur in der Krise dazu die Menschen glauben zu machen, der Verlust sei gar kein Verlust, weil ja noch eine uneinlösbare Forderung in den Bankbilanzen existiert.

Behavioural Finance

Politik und Finanzwirtschaft setzen also mehr oder weniger darauf, dass die Krise durch bekannte Verhaltensanomalien im Bewusstsein der Menschen die bittere Realität falsch bewertet. Es geht im Kern also um die Hoffnung durch Placeboeffekte würde die Wirtschaft wieder gesunden. Politik und Wirtschaft werden so zu Wunderheilern, die durch ein Illusionstheater die blöde Masse soweit beruhigen will, dass sie dem Zaubertrick der Vernichtung der Wertverluste durch das Schwarze Loch einer Bad Bank Glauben schenken. Danach kann man dann beruhigt wieder mit der Voodoo-Ökonomie wie bisher weitermachen.

Na dann viel Erfolg beim Krisenmanagement. Wir warten alle auf des Kaisers neue Kleider.

Photo Quelle/Copyright: tbee, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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  1. Da Bad Banks nichts anderes Zweckgesellschaften darstellen, die via Off-Balance-Sheet Operationen, die Good Bank von den Wertberichtigungen in deren Bilanz bewahren soll, wunder es sehr, wenn Ackermann auf der heutigen Bilanzpressekonferenz für die Vertrauenskrise verweist. Beim Spiegel heißt es heute dazu:
    Eine wesentliche Gefahr stelle dabei das verbreitete Misstrauen dar, erklärte der Banker: “Niemand weiß genau, was noch in den Büchern steht.” Speziell die Unwägbarkeiten verschiedener Tochtergesellschaften seien ein Problem.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,605707,00.html

    Die Tochtergesellschaften, sind eben besagte Zweckgesellschaften außerhalb der eigentlichen Konzernbilanz. Bad Banks sind genau so etwas. Wie kann das Vertrauen zurüpckgewonnen werden, wenn man nun dies als Patentlösung für die Gesundung der Banken propagiert?

    Die ander Hoffnung von Ackermann ist, dass für die Plazierung der gigantischen Summen an Staatschuldverschreibungen die Banken kräftig mitverdienen können. Der Bürger zahlt also zweimal. Einmal für die Schuldenaufnahme des Staates selbst und zum zweiten Mal für die Gebühren, die die Banken bei deren Plazierung verdienen werden.