Berufoptimist Josef Ackermann kann es nicht lassen. Die Lage ist trost- wenn nicht sogar hoffnungslos. Er musste auf der Bilanzpressekonferenz den größten Verlust der Deutschen Bank seit dem Ende des zweiten Weltkrieg verkünden, dies ficht ihn aber nicht an. Nach einer Serie von völligen Fehleinschätzungen seit Beginn der Krise blickt er unverändert optimistisch in die Zukunft dieses Jahres.
Optimismus als Ursache des Finanzdebakels
Man sagt ja für gewöhnlich, dass Optimisten besser mit Krisen umgehen können, da sie nach Auswegen suchen, wo die Hoffnungslosen sich in die Agonie ihres Schicksals ergeben. Allerdings kann Optimismus zur falschen Zeit in den Ruin führen…
- …wenn man beispielsweise wie der Investor Christoph Flowers mehr als eine Milliarde Euro in die de facto insolvente Hypo Real Estate im Juni 2008 investiert. Er glaubte offenbar, das Ende der Krise an den Finanzmärkten sei gekommen. Dann kam 9/15, d.h. die Lehmann-Pleite. Seither ist von Optimismus auch bei ihm die Rede. Er möchte seinen 24,9 Prozent-Anteil an der HRE jetzt gerne noch – wenn auch mit großen Verlusten gemessen am Einsatz – an den deutschen Staat verkaufen. Sein Optimismus droht dabei die HRE endgültig in die de jure Insolvenz zu stürzen. So kann ein Vulture Fond, der zu früh in einen fallenden Markt investiert, sein persönliches Waterloo erleben.
- Josef Ackermann ist dem gleichen Virus erlegen. Die horrenden Verluste im vierten Quartal 2008 beruhen im Wesentlichen darauf, dass er ähnlich wie Flowers glaubte, die Zeit sei reif, um massiv in den Markt für toxic papers einsteigen zu können, wenn diese mit entsprechenden Preisabschlägen massenhaft aufgekauft würden. Leider ging diese hochriskante Spekulation schief. Das Ergebnis kennen wir. Ein Quartalsverlust von 4,9 Mrd. Euro. Der Optimist Ackermann hatte, wie man so sagt, die Lichter des entgegenkommenden LKWs für das Ende des Tunnels gehalten. Dumm gelaufen.
- Ähnlich fatale Fehleinschätzungen haben auch den damaligen Hedge-Fond Long-Term Credit Management (LTCM) in den finanziellen Kollaps getrieben. Zum Zeitpunkt der Asien- und Russlandkrisen im Jahr 1998 meinte man den richtigen Zeitpunkt erkannt zu haben, auf eine Spekulation des Rubels spekulieren zu müssen. Leider ging auch hier die Sache schief. Durch die horrenden Summen, die erneut mit gewaltigen Hebeleffekten am Markt platziert worden waren, standen bereits damals die üblichen Verdächtigen die Wallstreet Investmentbanken kurz vor dem finanziellen Kollaps, da LTCM wie bei den anderen Zweckgesellschaften, wie z.B. der HRE mit der Depfa, dem LTCM offene Kreditlinien gewährt hatten, die jetzt horrende Summen an Liquiditätsforderungen notwendig machten. Der Finanzkollaps der Wallstreet konnte damals nur durch massive Liquiditätsbereitstellung durch die Fed verhindert werden.
Es zeigt sich jedenfalls deutlich, dass High-Risk-Investoren sehr häufig vom Virus der Selbstüberschätzung (Overconfidence) in ihr Urteilsvermögen infiziert sind. Wer durch hochriskante Finanzanlagen einige Zeit Glück gehabt hat, denkt, er würde die Spielregeln des Marktes für alle Zeit beherrschen (Masters of the Universe) und Fegefeuer der Eitelkeiten à la Tom Wolfe durchlaufen. Dieser fatale Irrglaube führt dann dazu, dass aufgrund der unbegrenzten Gier in Situationen, die andere zu größerer Vorsicht gemahnen, diese High-Risk-Player den Deal ihres Lebens machen wollen. Sie setzen alles oder doch zuviel auf ein hochriskantes Geschäft und verlieren. Am Ende sind sie dann Masters of Desaster.
Wer als Anleger der Deutschen Bank diese Persönlichkeitsstruktur als scheinbar biederer Schweizer Finanzjongleur nicht jetzt endlich begriffen hat, der ist selbst schuld, wenn er noch sein letztes Hemd mit ihm verwettet. Man könnte eine Charakterstudie von Ackermann & Co. à la Balzac in seiner menschlichen Komödieunter der Rubik der Pathologie des Soziallebens aufnehmen. Dies würde Ackermann zwar keinen Ruhm als großen Banker mehr eintragen, jedoch als literarische Figur der Nachwelt unsterblich machen. Ob er jedoch als Banker innerhalb der globalen Finanzkrise noch Nachruhm erwerben wird, darf füglich bezweifelt werden.
[1] Roger Lowenstein: When Genius Failed. The Rise and Fall of Long Term Capital Management. New York, Random House 2000
Selten so viel Unsinn gelesen. Der Vergleich mit LTCM ist an den Haaren herbeigezogen, die Geschäftsentwicklung der Deutschen Bank falsch dargestellt. Da fragt man sich doch, was das soll? Ist das eine Buchvorstellung?