Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

Markus Beckedahl hat wegen der Veröffentlichung eines Dokuments nun nichts mehr von der Deutschen Bahn zu befürchten, Andreas Roth ruft zur Vereinigung auf seiner Blog-Karte auf und die Readers Edition selbst startet einen neuen Literatur-Service: Ereignisreich ist diese erste Februarwoche zu Ende gegangen. Angefangen mit dem Ausfall bei Google bis

wriper.jpgMarkus Beckedahl hat wegen der Veröffentlichung eines Dokuments nun nichts mehr von der Deutschen Bahn zu befürchten, Andreas Roth ruft zur Vereinigung auf seiner Blog-Karte auf und die Readers Edition selbst startet einen neuen Literatur-Service: Ereignisreich ist diese erste Februarwoche zu Ende gegangen. Angefangen mit dem Ausfall bei Google bis hin zu hitzigen Debatten über die Entscheidung des Papstes, der umstrittenen Piusbruderschaft wieder die Hand zu reichen, war alles dabei. Ob wir uns dieses Wochenende zurücklehnen können, wissen wir noch nicht. Denn auf ein Neues wurde uns gezeigt: Der Newsstrom im Netz ist unberechenbar. Gönnen wir uns aber nun ein paar Minuten der Einkehr und schauen, was unsere fleißigen Autoren in den letzten Tagen zu berichten wussten.

Von ethnischen Minderheiten und anderen außergewöhnlichen Randgruppen

Bohlen-Republik Deutschland oder wie man Minderheiten stigmatisiert“: So läutet Zbigniew Menschinski bereits den späten Freitagabend der vergangenen Woche ein. Xenophobie und Rassismus würden derzeit wieder in die regierungsnahen Medien Einzug halten. Der Grund, eine “angeblich wissenschaftliche” Studie des Berlin Instituts, die einen Mangel an Integration unserer türkischen Mitbürger beklage. Das darf doch nicht wahr sein, hat sich unser Autor wohl beim Lesen der Ergebnisse gedacht. “Genau jene, die seit über 25 Jahren die Bildungschancen der ethnischen und sozialen Minderheiten systematisch sabotieren, stellen sich heute vor die Kameras und schieben den schwarzen Peter für ihr eigenes Versagen den türkischen Mitbürgern zu”, schimpft er über das wenig differenzierte Echo aus den politischen Reihen. Denn, genau gelesen haben können sie die Studie wohl kaum. Weder handele es sich hier nur um die Türken, noch sind die Gründe für das schlechte Abschneiden vieler Migranten in unserem Bildungssystem so vereinfacht zu betrachten, wie das viele derzeit tun. “Der Standesdünkel der privilegierten Schichten sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass Bildungshindernisse von der Kultusbürokratie bewusst ignoriert oder sogar eigens errichtet und gepflegt werden”, so die Meinung Menschinskis, der im Anschluss bewusst ins Detail geht und Lücken in Deutschland aufzuzeigen vermag.

Um Politik geht es bei Klaus-Dieter Sedlacek ganz und gar nicht. Und dennoch geht auch sein Blick tief in eine Welt, die uns in der Regel eher verschlossen erscheint. “Warum sind Inselbegabte schneller als ein Computer?“, fragt er seit vergangenen Sonntag. Anhand von Kim Peek, wohl einem der bekanntesten Savants unserer Zeit, geht er diesem außergewöhnlichen Phänomen nach. Kim überzeugte schon Millionen mit seinen schier unfassbaren Gedächtnisleistungen. “Aber wenn Kim sich selbst anziehen soll oder die Schuhe zubinden, dann scheitert er.” Sedlacek versucht sich an einer Erklärung dieser besonderen Fähigkeiten. Nimmt uns mit in die Geschehnisse des Gehirns und schildert, wie genau Kims Strukturen funktionieren. Der Dank der Kommentatoren war ihm denn auch sicher. “Vielen Dank für die ausgewogene Darstellung und die Darlegung der interessanten Perspektiven. Es ist völlig richtig, dass wir das Phänomen der Inselbegabung begreifen müssen, um sicher zu sein, dass wir den ‘Normalmenschen’ verstehen können”, schreibt etwa Rolf Ehlers schon einen Tag später. Und auch wir sagen Dank für die Beleuchtung eines Themas, das dann doch recht selten auf der täglichen Agenda steht.

Wer hat sich da bloß “vertippt”?

Alles andere als untergegangen ist dagegen nachfolgende Meldung: “Diese Website kann Ihren Computer beschädigen”. Viele Nutzer der Suchmaschine Google trauten am letzten Wochenende ihren Augen nicht. Was war da bloß los? Fast eine Stunde herrschte Irritation, Unmut und auch Ärgernis über einen durch menschliches Versagen herbeigeführten Fehler. Auch James P. Hiller nahm sich des weltweiten Ausfalls an. Allerdings hat er eine völlig andere Theorie: “Verdiente sich Google eine goldene Nase? – Ein Kommentar“, so seine Frage seit letzten Mittwoch. Denn Verschwörungstheorien würden seitdem im Internet die Runde machen. So etwa diese: “(…) während die normalen Suchanzeigen als schädigender Inhalt gekennzeichnet wurden, ließen sich die bezahlten Werbeanzeigen auf der rechten Seite problemlos anklicken. Alle User wurden sozusagen unabsichtlich dazu angeleitet, die noch funktionierenden Links zu benutzen. Selbst wenn nur jeder Zehnte auf diese Idee gekommen wäre, hätte dies innerhalb von einer Stunde weltweit mehrere Millionen Euro an Mehreinnahmen bedeutet.” So lautet denn auch sein Fazit: “Panne hin oder her: Das Missgeschick spülte in jedem Falle Geld in die Kassen des Suchmaschinenbetreibers.” Zukünftig werde Google wohl noch kritischer von der Weltöffentlichkeit beäugt und hinterfragt werden müssen – solange die Pressefreiheit gewährleistet ist.

In den USA hat sich ein Mitarbeiter bei der Programmierung offensichtlich “vertippt”. Wie der Fall im Vatikan gelagert ist, das sei dahingestellt. Fest scheint aber zu stehen, wenn wir den Worten von Rolf Ehlers folgen wollen, da geht gerade etwas mächtig “Aneinander vorbei: Merkel und Benedikt“. Kopfschüttelnd betrachtet er die Schelte der Kanzlerin in Richtung Rom. “Die (derzeitige wirtschaftliche) Situation schreit nach einer Ersatzhandlung, einem Ventil für den aufgestauten Frust. Da macht es sich gut, wenn Merkel einen wirklich Prominenten findet, auf den sie kräftig verbal einschlagen und dabei für sich eine resolute Erscheinung abgeben kann, ohne dass sie sich neuen Ärger einhandelt. Schließlich ist 2009 das Superwahljahr. Da muss man sich bemerkbar machen”, glaubt er die wahre Intention von Angela Merkel, die eine “sehr eindeutige Klarstellung” fordert, erkannt zu haben. Sie schwingt den erhobenen Zeigefinger, ihr reichen bisherige Erklärungsversuche nicht. Hier gehe es schließlich um eine “Grundsatzfrage”. Doch konnte sie mit ihrer Einmischung wirklich punkten? Hat sie begriffen, worum es Joseph Ratzinger eigentlich geht?

Wirtschaftskrise in Deutschland – alles halb so wild?

Ob die Piusbruderschaft samt ihres umstrittenen Mitglieds Williamson jemals wieder in den Schoß der Katholischen Kirche zurückkehren wird, bleibt bis dato ungewiss. Wie sehr uns die weltweite Finanzkrise in diesem Jahr beuteln wird, allerdings auch. Unser neuer Autor Niclas Grabowski, den wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich begrüßen möchten, wagt sich dennoch an eine Innenansicht. Er schreibt seit letzten Mittwoch: “‘Wo laufen sie denn?’ oder: Warum die schlimmste aller Wirtschaftskrisen auch die merkwürdigste ist“. “Noch shoppen die Deutschen. Autohäuser sind voll wie lange nicht, trotz der Tatsache, dass die neue staatliche Förderung für Neuwagen doch nur ein Minimum der wirklichen Kosten eines Autos ausmacht”, beginnt er seinen Debütbeitrag und fragt noch in der Einleitung: “Was ist los in diesem Land? Haben wir nun Krise? Oder doch etwa nicht?” Sicher, einige Branchen hat es hart getroffen. Auftragsrückgänge, Kurzarbeit, Rufe nach staatlicher Hilfe. Doch hat diese prekäre Situation nicht auch ihr Gutes? “(…) man (kann) sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Geld, was hier verloren ging, Geld war, das eigentlich niemand braucht. Und gehen wir noch mal etwas weiter. Sind möglicherweise sogar die Jobs, die jetzt verloren gehen, Jobs, die niemand braucht?”, stellt er provokant in den Raum. Denn möglicherweise wird die Welt auch ohne “undurchschaubare Finanzprodukte” und deren noch weniger durchschaubare Werte funktionieren. Sollten wir die derzeitigen Prozesse dann nicht lieber als “Bereinigung”, als “stark beschleunigten Anpassungsprozess” sehen? Ein Aspekt, über den es sich durchaus lohnt ein wenig länger nachzudenken.

Mit diesem Lesetipp verabschieden wir uns nun von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Wir sind gespannt, was die kommenden freien Tage an Neuigkeiten mitbringen werden und freuen uns schon jetzt auf die vielfältigen Sichtweisen, die an uns herangetragen werden. In diesem Sinne: Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: me vs gutenberg, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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