Vier Bands lieferten sich am vergangenen Samstag ein rockiges Stelldichein im JuKuz
“Alte Bekannte treffen neue Gesichter”, so das Motto der jüngsten Veranstaltung im Rahmen der zweiten U&D-Winterkonzertreihe. Gleich vier Formationen haben die Verantwortlichen am vergangenen Wochenende ins Kissinger Jugend- und Kulturzentrum geholt. Den Lokalmatadoren The Ghost Rockets samt Hamada aus Bad Kissingen, Dave & Hal aus Poppenlauer sowie Embia aus Hof gelang es mit einem gut durchdachten Mix das heimische Publikum hinter dem Ofen hervorzuholen.
Freud und Leid liegen im Allgemeinen dicht beieinander. Das mögen sich die fleißigen Helfer im Hintergrund des vierten Konzertes in diesem Winter wohl zu Beginn des Abends gedacht haben. Denn kaum waren die Bands eingetroffen, musste einer von ihnen auch schon wieder von dannen ziehen. Ein fehlender Effektkoffer, der sich eigentlich in der unterfränkischen Kurstadt und nicht im mittelfränkischen Erlangen befinden sollte, sorgte nicht nur für einige Aufregung, sondern auch dafür, dass sich das Lineup ungewöhnlich in die Länge zog. Dem Publikumsstrom tat das jedoch keinen Abbruch. Und so konnte bereits um kurz nach halb zehn der hunderste Gast von den Vorsitzenden Tobias Schneider und Ralf Stierstorfer freudig begrüßt werden.
Vorweg, der vergessene Koffer mit den unabdinglichen Utensilien fand letztlich doch noch den Weg auf die Bühne und dem mit einem Freibier belohnten hundersten Besucher folgten zu späterer Stunde noch viele weitere nach. Doch nun erstmal von vorne. Denn die Bad Kissinger Truppe Hamada stürmte als Opener die Bühne, die lautstark ihre Botschaft von “Love, Drugs and Fulfilment” zu verkünden wusste. Mit “Core of the engine” oder “One Day” versuchten sie die zu diesem Zeitpunkt noch recht verhalten agierenden Zuschauer auf das rockige Stelldichein vorzubereiten. Das seit gut einem Jahr existierende Stonerrock-Projekt hat sich seitdem vorgenommen, den “Planeten zu rocken”. Und auch die Weiten des JuKuz haben David, Alexander, Olli und Michael zu allem anderen als einer “stillen Steinwüste” werden lassen.
Ihnen folgten, nach einer unfreiwillig langen Umbauphase, die Jungs von Dave & Hal. Wer sie bereits auf dem vergangenen 13. U&D gesehen hat, der musste positiv feststellen: Sie haben nicht nur eine neue Demo-CD im Gepäck, sondern die letzten Monate wohl auch zum intensiven üben genutzt. Mit “They can’t call me al liar”, “Your mind your cave” oder “Faked and satisfied” gaben sie ihre Vorstellung von einem “organischen Ganzen” zum Besten. Getrieben von energetischen Bassläufen und hämmernden Schlagzeugrhythmen stimmten sie die sich immer noch “schonende” Schar vor der Bühne auf den Höhepunkt des Konzertes ein. Mit viel Herz waren Stefan, Thilo, Simon und Florian bei der Sache und wie sie verrieten, steht ihnen der Sinn auch nach mehr. Ihr aktuelles Demo wird derzeit in alle Himmelsrichtungen verschickt und die Hoffnung auf einen Plattenvertrag lässt das Quartett von den nächsten Schritten im Showgeschäft träumen.
Erinnerungen an Cindy Blackmann
Dann war auch schon “Halbzeit” angesagt, die hinter den Kulissen des weitläufigen Jugendzentrums allerdings mit einem kleinen “Aufschrei” begann. Embia aus Hof, die nächste Band, die die Stage in Beschlag nehmen sollte, hatte sich offensichtlich geografisch leicht vertan. Zum ersten Mal überhaupt war das quirrlige Quintett um Nesthäkchen Philo in der Kurstadt zu Gast, die sie im Laufe des Gesprächs doch glatt ins Hessische verlegten. So nicht, meine Damen und Herren!, war da natürlich prompt zu vernehmen. Ihre Wiedergutmachung erfolgte jedoch sogleich in Form eines in hoffnungsvolles Grün gehauchten Auftritts, während dem vor allem die erst 16-jährige Schlagzeugerin zu überzeugen wusste. Die zarte Dame, die Kundige durchaus an Cindy Blackmann, bis 2004 an dem Drums bei Lenny Kravitz, erinnerte, beeindruckte mit ihrem professionell anmutenden Spiel. Auch die Oberfranken hatten mit “The Harissa-EP” ein Debüt-Album im Gepäck und waren sichtlich positiv von der Größe der Location überrascht.
Ein Neuling erobert die Herzen
Um kurz nach Mitternacht folgte schließlich das, worauf wohl die Mehrzahl der erschienen Gäste gewartet hatte. The Ghost Rockets aus Schweinfurt betraten die Bühne und eröffneten mit “Morphosis” die letzte Runde des Reigens. Nun schien auch der letzte bisher zurückhaltende Zuhörer erwacht. Die Geisterraketen zündeten zur finalen Bombe und ließen das sonst so ruhige JuKuz erbeben. Neben ihrem neuen Album hatten die alten Hasen aber auch frisches Blut mit an Bord. Der 21-jährige Bad Kissinger Gregory Nunez Fructuoso, einigen bereits durch das Projekt “Mustache Madness” bekannt, stand an diesem Abend erst zum zweiten Mal als Nachfolger von Bassist Fuzzy auf der Bühne und sollte kurz nach dem Gig endgültig in die eingeschworene Runde aufgenommen werden. Währenddessen fügte sich der “Neuling” jedoch ausgesprochen gut in das altbewährte Konzept der Truppe ein. Gemeinsam mit Eric und Co. huldigte er den rauhen Rockklängen zwischen alten und neuen Hits, was so manchen Fan auch zu einem kleinen “Ausflug” auf die Bühne animierte. Viel Applaus und lautstarke Rufe waren ihr Lohn. “Fuzzy hat ein schweres Erbe hinterlassen”, meinte Gregory sichtlich nachdenklich, aber auch äußerst motiviert, nach der Show. Seine neuen Bandkollegen hatten jedoch keine Bedenken. Sie nahmen ihn noch in der Nacht hochoffiziell in ihre Mitte auf.
“Es war wirklich schön, dass die Hütte mal wieder so richtig voll war”, zeigte sich Vorsitzender Ralf Stierstorfer nach Ende der Veranstaltung freudig bewegt. “Vor allem bei den Ghost Rockets war die Stimmung sehr gut. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Konzert und hoffe, dass wir mit der Zusammenstellung etwas Angenehmes für unsere Gäste bieten können.” Dem konnte sich auch Gregory nur anschließen: “Bad Kissingen hat viel Potential”, betonte der junge Musiker mit Blick auf die heimische Szene. Nicht nur er sei deshalb sehr dafür, dass in Bad Kissingen künftig noch “mehr geht”. Das Konzept “Alt trifft Neu” ist also vollends aufgegangen. Die Erinnerungen an vergangene Sommertage wurde erfolgreich reaktiviert und machen schon jetzt Lust auf das, was nun folgen mag.
Text: N. Oppelt/S. Schmelz
Kommentare
Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.