Immer, wenn die große Presse über Mode berichtet, führt der Weg mit weitem Abstand um den Osten Deutschlands herum. Derweil wirbeln kleine individuelle Labels fleißig im Untergrund. Volly Tanner sprach mit Sylvi Reinhardt, Solokünstlerin und Modemacherin von UniformeDesign über Vorurteile, Schlenkerpuppen und Uniformen an sich.
Volly Tanner: Hallo Sylvi, schön Dich zu sehen. Wie kams denn eigentlich zu UniformeDesign, Deinem ganz eigenen Label?
Sylvi Reinhardt: Hallo Volly! Die ersten Gedanken zu UniformeDesign entstanden schon im Studium. 1999 hab ich mein Studium an der Hochschule für Kunst & Design Burg Giebichenstein Halle/Saale aufgenommen. In der Zeit bis zu meiner Abschlussarbeit beschäftigte ich mich viel mit Malerei/Grafik und Fotografie und die damit verbundene Umsetzung für den textilen Siebdruck. Diese gewonnen Erfahrungen bildeten den einen Teil meiner Diplomarbeit. Mein ganz persönliches Interesse an der elektronischen Musik, hier ist EBM, Industrial, Noise gemeint, den Part Two.
Die Inspiration zog ich aus der Musik, den Konzerten, die entstandenen farbigen Fotos währenddessen und die Menschen, sowie das ganze Zusammenspiel des sich Zeigens und der Präsentation der Masse aber auch des einzelnen Szenegängers. Natürlich darf da die Mode nicht fehlen. Mir ging es nicht um die Uniform im klassischen Sinne. Uniform und Arbeitskleidung stehen für eine gewisse Gruppe von Menschen. Jede soziale Gruppe hat ihren Dresscode. Für die Gruppen übernimmt Bekleidung die Funktion eines Codes, der der Außenwelt die Verbundenheit zu einer bestimmten Szene signalisiert.
Das Hemd, der Anzug, die Corsage, die Feldhose, der Reifrock, die Stiefel, sowie die Offizierslitewka bildeten die Grundformen der Kollektion. Mit meiner Diplomarbeit *archivierte Musen* fand ich so meine Richtung und die führte mich folgerichtig zu UniformeDesign.
“Ich bin auf der Suche nach meiner eigenen Uniform.”
Volly Tanner: Und was beinhaltet Uniformedesign jetzt? Welches Publikum ist angesprochen und wie erreichst Du die Leute?
Sylvi Reinhardt: Jetzt spiele ich mit meinen Grundformen und setze dabei einzelne Elemente der Uniform ein; hoher Kragen, original Stoffe, Namensbänder, Minimalismus und Casual. UniformeDesign geht es nicht um die Neuerfindung der klassischen Uniform, da gibt es seine Hersteller in der Welt. uniformeDesign spielt mit der Vergangenheit und Schöpfung. Ich bin auf der Suche nach meiner eigenen Uniform. Eine, die den Alltag mit ihrer Tragbarkeit reizt und am Abend mit ihrer extravaganten Schlichtheit glänzt.
Die Propaganda ist an all jene gerichtet, die es mögen, ausgefallene
Jungdesigner – Kleidung zu tragen. Einzelstücke statt Massenware. Leute, die die besondere Garderobe für den Job, Schule und Freizeit suchen, sowie zum Tanz am Abend. Unter meiner Homepage www.uniformedesign.de erfährt man von Projekten und kann im InternetShop stöbern, bestellen, auch Anfragen für Maßanfertigung stellen. Einzelstücke der Kollektionen findet man exklusiv im “Alternativ-Schwarz” in Schkeuditz. Hier lohnt es sich öfter mal reinzuschauen. Ich fühle mich der UndergroundFashion-Szene zugehörig, das ist ja auch sehr deutlich an den T-Shirt-Motiven auf http://uniformed.spreadshirt.net zu sehen. Die neuesten handgemachten Siebdruckarbeiten für Kids, Girlies und Männer sind ab dem 14.02.2009 im ArsenalShop, Georg-Schumann-Str.379, 04159 Leipzig zu entdecken. Die Shirts sind streng limitiert und nur einmal je Größe vorhanden. Um viele Leute zu erreichen, gibt es mich natürlich auch auf der bekannten Online-Community MySpace unter www.myspace.com/u_design mit UniformeDesign.
Volly Tanner: Neben Deinen Klamotten gibts aber jetzt auch Deine Püppi. Was ist das denn und wie kams dazu?
Sylvi Reinhardt: Ach, du meinst meine kleine Schlenkerpuppe *Püppi*. Mit ihren knapp 50cm Größe steckt ganz schön viel drin in ihr. Sie ist ein Produkt aus Kindheitsträumen, Teenagererlebnissen und
Zukunftsgedanken. Als kleines Mädchen schenkte mir meine Mom ihre Stoffpuppe, die mich viele Jahre begleitete. Von dem Püppchen übernahm ich die langen Beinchen und Ärmchen. Das comicartige Aussehen erhielt sie in meiner Teenizeit, in der ich mich sehr für die * schwarze Szene* interessierte. Nach vielen Zeichnungen wollte ich *Püppi* richtig in meine Arme nehmen können. So nähte ich sie aus alten Betttüchern meiner Oma, malte ihr Gesicht und Schühchen, gab ihr Haar und verzierte es mit den kleinen Geistern.
Die Neugier und Begeisterung meiner Freunde regte mich an, *Püppi* als Miniauflage von 3 Stück herzustellen. In der derzeitigen Serie trägt die Stoffpuppe *Püppi* eine rote Schleife um den Hals und in ihr steckt eine Rassel zum Schütteln. Der Clou: sie ist waschbar!
“Ich lasse mich hier in keine Ecke drängen!”
Volly Tanner: Zurück zu Deinem Spiel mit Uniformen – da zwingt sich ja förmlich die Frage auf, obs nur Fetisch ist oder obs auch schon Probleme gab. In manchen Kreisen ist ja jeder Uniformfreund sofort in einereigenartigen Ecke angesiedelt.
Sylvi Reinhardt: Stimmt schon, dass Uniform und Uniformität mit hierarchisch organisierten Ordnungsmächten wie Militär in Verbindung gebracht werden und eher negative zeithistorische Erinnerungen hervorrufen. Ich lasse mich hier in keine Ecke drängen! Ich sehe die Uniform als Gegenstück der Individualität. Erst durch Kleidung wird den Körpern eine kulturelle Verständigung untereinander geboten. Ganz dem Motto: Image ist eine maßgeschneiderte ZWANGsjacke.
Uniformität ist Einförmigkeit und Gleichmäßigkeit. In der Uniform steckt die Norm und Standardisierung. Gerade in der industriellen Entwicklung im Bereich Mode ist es zusehen, dass eine Norminierung durch die Vermassung der Kleidung also auch gegenüber dem Körper stattfindet.
Ich, als Diplom-Modedesignerin, mache meine ganz eigene individuelle Uniform. Design, Kunst und die Musik sind für mich ausschlaggebend.
UniformeD your body!
Volly Tanner: Und wie solls weitergehen?? Große Catwalkaktionen in Mailand geplant oder doch eher der kleine Stand beim Westbesuch in Leipzig Lindenau?
Sylvi Reinhardt: Ein schöner Gedanke, Mailand, Paris und London.
Geplant sind jetzt aber erstmal Fotoprojekte mit verschiedenen Fotografen. Klar wird man mich auch dieses Jahr bei gewissen Veranstaltungen, wie zum NCN 4 vom 04.09.2009 – 06.09.2009 in Deutzen, mit einem Stand antreffen. Des Weiteren sind interessante Aktionen geplant, nur diese sind noch nicht ganz spruchreif. Also überraschen lassen!
Volly Tanner: Danke für das kurze Gespräch. Möchtest Du der Leserschaft noch etwas mit auf den Weg geben???
Sylvi Reinhardt: Ich danke dir, Volly. Ich möchte alle sehr herzlich zur NEUeröffnung am 14.02.2009 des Arsenalshops mit Alternativ-Schwarz und UniformeDesign einladen. Bei Anfragen für gemeinschaftliche Projekte von Künstlern oder zu Maßanfertigungen kann man gerne über meine Homepage www.uniformeDesign.de oder www.myspace.com/u_design mit mir Kontakt aufnehmen. Come to my world!
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