Fünf Sekunden vor Zwölf

SG Eschenbacher Eltmann gibt beim 1:3 gegen Rottenburg klare Führungen aus der Hand Bundesliga Männer SG Eschenbacher Eltmann – EnBW TV Rottenburg 1:3 (25:22, 22:25, 24:26, 21:25) “Wir müssen jetzt schauen, dass wir noch ein Spiel gewinnen, weil sonst sind wir weg.” Eltmanns Diagonalangreifer Michi Mayer analysierte die Situation ganz

elro.jpgSG Eschenbacher Eltmann gibt beim 1:3 gegen Rottenburg klare Führungen aus der Hand

Bundesliga Männer
SG Eschenbacher Eltmann – EnBW TV Rottenburg
1:3 (25:22, 22:25, 24:26, 21:25)

“Wir müssen jetzt schauen, dass wir noch ein Spiel gewinnen, weil sonst sind wir weg.” Eltmanns Diagonalangreifer Michi Mayer analysierte die Situation ganz nüchtern. “Das Wort Play-offs habe ich schon lange nicht mehr in den Mund genommen, wir müssen zusehen, dass wir nicht absteigen.” Nach der 1:3-Niederlage der SG Eschenbacher Eltmann gegen EnBW TV Rottenburg, gleichzeitig die dritte Pleite gegen den Aufsteiger in dieser Saison, ist es nicht mehr fünf Minuten, sondern maximal fünf Sekunden vor Zwölf. Unglaublich, wie dieses Match verloren werden konnte. “Das ist nicht leicht zu erklären”, sagte ein sichtlich mitgenommener Trainer Mark Lebedew.

Von Zufall kann da keine Rede mehr sein.

Denn die Unterfranken hatten alle Trümpfe in der Hand, dieses mehr als wichtige Spiel für sich zu entscheiden. Nach einem ordentlichen ersten Satz, der auch prompt gewonnen wurde, führte die SGE im zweiten Durchgang bereits mit 17:10 und 19:13, um noch 22:25 zu verlieren. Im dritten Satz hatten die Hausherren beim 24:20 vier Satzbälle und unterlagen erneut noch mit 24:26. Selbst im vierten Durchgang lagen die Unterfranken mit 16:12 in Front um vor den Augen ihres mit großem Applaus begrüßten Ex-Trainers Milan Maric erneut das Spielen einzustellen und mit 21:25 den Kürzeren zu ziehen. Von Zufall kann da keine Rede mehr sein. Keiner Schülermannschaft wäre so etwas wohl in dieser Häufung passiert.

“Wir haben wie die drei letzten Spiele gezeigt, wie gut wie spielen können und wie wir ein Spiel kontrollieren können”, mühte sich Lebedew irgendwie um eine Erklärung. “Aber wenn die gegnerische Mannschaft zu ihrer Linie findet, dann fehlen uns momentan die Antworten. Wir können einen guten Aufbau machen, aber dann nichts mehr.” “Geiger verletzt, Wilhelm verletzt, Alderman war heute nicht so stark und ich natürlich auch nicht”, startete Mayer einen Erklärungsversuch. “Wenn einem die wichtigsten Angreifer fehlen, dann tut man sich einfach hart.” Dass Libero Phill deSalvo zudem ausgerechnet in der Schlussphase des Matches drei dilettantische Annahmefehler unterliefen, machte das Kraut dann auch nicht mehr fett.

Aber auch Trainer Lebedew traf diesmal einige Entscheidungen, die schwer nachvollziehbar waren und musste somit zumindest für zwei verlorene Sätze eine Mitverantwortung tragen. So wechselte er beim Stand von 19:16 im zweiten Satz Mayer gegen den im ersten Durchgang völlig indisponierten Falko Steinke (dem Hauptangreifer gelangen insgesamt nur zwei Punkte!) aus. “Michi hatte vorher zwei Fehler gemacht und ich wollte durch Falko mehr Sicherheit über die Diagonalposition bringen”, erklärte der SGE-Coach den Tausch, musste aber auch feststellen: “Er hat’s nicht geschafft”, und tauschte bei 20:22 zurück. Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. “Wenn Falko die ersten zwei Bälle macht, hat der Trainer alles richtig gemacht”, kommentierte Mayer seine Auswechslung.

Der zweite umstrittene Wechsel passierte dann im vierten Satz, als Lebedew den Ende des zweiten Satzes für den wirklich schlechten Zuspieler Alderman gekommenen Huib den Boer bei 15:11 völlig ohne Not zugunsten des Australiers wieder vom Feld nahm. “Ich wollte unsere Führung aggressiv verteidigen und wollte, das Brett vorne dreimal den Block verstärkt. Ich wollte durch einen weiteren Breakpunkt den Vorsprung vergrößern.” Auch das funktionierte nicht und als den Boer, der insgesamt eine ordentliche Leistung zeigte, bei 16:17 zurück kam, war auch der Holländer ebenso sichtlich aus dem Rhythmus, wie die Angreifer, die sich nun erneut auf einen anderen Zuspielstil einstellen mussten und dieses so wichtige Spiel verloren.

“Eltmann stand mit dem Rücken zur Wand und wir hatten nichts zu verlieren”

Rottenburg hatte sich den Sieg allerdings auch redlich verdient, obwohl die Gäste sicher nichts Überdurchschnittliches zeigten. Aber wo andere Mannschaften einen Satz längst abgehakt hatten, bei 10:17 oder 20:24, glaubte der TVR einfach immer weiter an sich. “Eltmann stand mit dem Rücken zur Wand und wir hatten nichts zu verlieren”, sagte Trainer Hans-Peter Müller-Angstenberger. Was an diesem denkwürdigen Dienstagabend den Unterschied gemacht hatte, beschrieb der Rottenburger wohl sehr treffend: “Wenn man gesehen hat, wie heute selbst unsere Spieler auf der Bank gebrannt haben, das macht ein Team aus. Diesen Eindruck hatte ich bei Eltmann nicht.” Müller-Angstenberger zeigte sich aber auch erschüttert über den Zustand der SGE: “Dass tut mir sehr leid. Ihr habt hier einen Riesenjob gemacht in den letzten Jahren und seit ein wenig wie wir. Ihr müsst da jetzt durch, Ruhe bewahren und dran glauben, dass Ihr auch mal einen Großen schlagen könnt.” Nötig sei jetzt jemand, der die Mannschaft zusammen hält. “Mannschaft, Verantwortung und Team sind jetzt gefragt. Ich wünsche es Euch zutiefst, dass Ihr das schafft.”

Mit seinen Rottenburgern konnte der emotionale Coach dank des Siegs den Klassenerhalt und wohl auch den erstmaligen Einzug in die Play-offs feiern. “Nie mehr 2. Liga”, jubelte Müller-Angstenberger. Die SG Eltmann muss sich mit diesem Thema nun mehr denn je beschäftigen.

Eltmann: Geiger, Nowak, Steinke, Bahlburg, Bauer, Alderman, deSalvo (Libero). Eingewechselt: den Boer, Mayer, Tafelmayer, Staab.

Rottenburg: Kaczmarek, Smith, Welz, Mehlberg, Stefanski, Schneider, Belizer (Libero). Eingewechselt: Neumeister, Pompe, Kleefisch, Lake.

Schiedsrichter: Leuthäußer (Gotha), Knebel (Fürth).

Zuschauer: 500.

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