Das derzeitige “Angebot” an Politikerpersonal muss wohl so “verbraucht” werden, wie es ist. Im Grunde muss vieles davon raus aus dem Politsupermarkt. Und zwar baldmöglichst. Schließlich hält das meiste von dem ja nicht einmal mehr das, was es selbst verspricht. Schweigen wir darüber fein still…
Umso besser, dass es auch Politikerinnen wie Franziska Drohsel gibt! Franziska Drohsel ist nicht einfach nur jung, hübsch, engagiert und dynamisch und demzufolge auch außergewöhnlich begeistert bei der Sache, sondern auch noch die derzeitige Juso-Vorsitzende dazu. Und als solche macht sie eine ausgesprochen gute Figur. In ihrem Auftreten beweist die studierte Juristin auch weit über ihr Fach hinaus hohe Bildung und Kompetenz auf nahezu allen politsch relevanten und diversen anderen Themengebieten. Zusätzlich zeigt sich die Jungpolitikerin stets erfrischend gut über die Lage der Nation bzw. der Welt informiert.
Von Drohsel lernen, hieße für die SPD eigentlich: siegen lernen
Von Drohsel lernen, hieße eigentlich für die verdammt klapperig – sowohl für ihr Wählerklientel wie selbst für viele der eigenen Parteimitglieder – höchst unzuverlässig und damit obsolet gewordene, alte Tante SPD, im Grunde siegen lernen. Doch die SPD, wir wissen es: ist ziemlich vom Wege abgekommen. Dies hat tiefe Furchen und Irretationen hinterlassen. Letztere tragen auch dazu bei, dass, wenn bestimmte Menschen der klugen Drohsel zuhören, nun immer gleich meinen, sie hörten O-Ton DIE LINKE. Jedenfalls an “SPD” dürften die wenigstens denken, die O-Ton Drohsel lauschen. Das liegt entweder daran, dass beispielsweise SPD-Generalsekretär Hubertus Heil immer dermaßen dröge farblos drauflos quasselt, dass man als früherer SPD-Symphatisant und Verehrer der Politik Willy Brandts immer am liebsten gleich vor Scham im Boden versinken möchte, oder an der momentanen Verfaßtheit der SOZIAL(?)demokratischen Partei selbst…
Ganz anders die Juso-Chefin Franziska Drohsel. Schon weit vor dem Beginn der Finanzkrise, welche sich unterdessen bereits über eine einsetzende Rezession zur schweren Weltwirtschaftskrise auszuwachsen scheint, erkannte Drohsel, was jeder vernünftig denkende Mensch hätte ebenso feststellen können – ja, erkennen müssen: dass sich nämlich unsere Gesellschaft – verantwortet durch eine der Wirtschaft allzu hörige Politik – in eine kaum mehr hinzunehmende unsoziale Lage hineinmanövriert hat, die nicht nur deren Spaltung in arm und reich immer weiter vergrößert, sondern auch früher oder später in Gefahr geraten wird, auf Grund des angesammelten sozialen Sprengstoffs zu implodieren. Mit schwerwiegenden Folgen für unsere Demokratie. Nicht mehr – nicht weniger, das hat Franziska Drohsel registriert und genau analysiert. Deshalb führt sie den Demokratischen Sozialismus nicht nur im Munde, wie die abgewirtschafteten SPD-Genossen der Bosse, sondern meint es auch ernst damit, ja: findet dessen Anstrebung sogar nicht nur notwendig, sondern auch lohnenswert.
Schlau, schau wie schlau!
Gestern nun war Franziska Drohsel bei “3nach9″ zu Gast. Ihr Part gestaltete sich zu einem wahren Highlight der Talkshow. Selbst das sonst jeden und alles allzu gern provozierende scharfzüngige Lästermaul Henryk M. Broder ließ ein paar gute Haare an Drohsel. (Was vielleicht an dessen leichter Verstimmung bzw. Trauer über den Verlust seines bei der Telekom in Reparatur gegebenen Handys gelegen haben mag, welches die René-Obermann-Leute samt der darin gespeicherten die 300 Broder-Kontakte geschreddert hatten.) Natürlich spielten auch die “3nach9″-Moderatoren abermals artig die ihnen zugewiesene Rolle. Wieder in schon gewohnt naiver (oder gespielt naiver?) Art, diesmal – gegenüber des in jeder Beziehung sehr jungen Talk-Gastes Drohsel – noch angereichert mit einer Prise mütterlich-besorgtem Vibrato in der Stimme der ach so welterfahrenen Fragerin, unterstützt noch von einem leichten Stirnrunzeln, konnte die Fried freilich auch nicht anders: Als zu fragen (die wohl in Frieds Augen) naive Drohsel, wo denn bitteschön der Sozialismus schon bewiesen hätte, dass er funktioniere. Denn, täte er dies in praxi, hätte er es doch längst bewiesen. Schlau, schau wie schlau! Konnte man die Drohsel und ihren demokratischen Sozialismus nicht irgendwie madig machen? Und Giovanni di Lorenzo wäre nicht er selbst gewesen, bzw. seinem Part nicht gerecht geworden, hätte er der Fried nicht fein assistiert. Wo gibt es ihn denn, den Sozialismus? Wo denn? In Kuba vielleicht, oder in China? Nein, der Sozialismus sei doch “grandios” gescheitert. Gleich packte Giovanni noch ein wenig Mitleid in seine Stimme, die wohl ausdrücken sollte: auch du, verirrte Franziska Drohsel wirst bestimmt auch noch auf den kapitalistischen Pfad der Tugend finden, wie wir alle es getan haben – ein bisschen Revolution haben wir doch alle mal gespielt, aber dann… – und lehnte sich väterlich auf Läuterung der wohl seiner Ansicht nach ver(w)irrten Seele hoffend wieder in seinen Sessel zurück…
Franziska Drohsel indes blieb bei der – ihrer – Sache: eine gerechtere Gesellschaft ist anzustreben. Und dass sie damit nicht eine Kopie der verblichenen DDR meinte, machte sie ebenso klar. In der Tat: die Drohsel hat wahrlich Potential! Noch dazu ist sie ehrlich und erfrischend wie reines Quellwasser! Ihr ist künftighin jede Menge Fortune zu wünschen; jedoch aber auch mit auf den (politischen) Weg zu geben: Auch Gerhard Schröder war einmal ein bissiger Juso-Vorsitzender und dann hatte er auf einmal etwas ganz bestimmtes vor Augen…
Vielen Dank für den Hinweis auf die Sendung. Franziska Drohsel werden wir hoffentlich noch oft sehen und hören. Wenn mehr Menschen in der SPD wie sie so bescheiden aber entschieden, so klug und kritsch aber voller Hoffnung und Elan auftreten, kann aus der Partei mal wieder was werden. Im Moment ist das nur ein
erster Ansatz. Wie Franzika Drohsel selbst sagt, kommt es darauf an, das allgemeine
Wohl zu fördern. Sie jedenfalls wird sich davon nicht abbringen lassen, auch wenn
allgemein die falsche Vorstelung herrscht, zum Raubtierkapitalismus gäbe es keine Alternative. Die Alternative ist, Menschen wie Franziska Drohsel politisch voran zu bringen.