“Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.” Hätten Glos und Steinbrück sich nicht gestritten und die Kanzlerin und Seehofer in den Streit hinein gezogen, würden die Wähler nicht wissen, was ihr Regierungspersonal in Berlin und München voneinander hält.
Der Streit lässt aber auch erkennen, dass da wirklich “was dran” ist, wenn…
- Glos sagt, dass Steinbrück sich für alle seine Reden jeden Satz von seinen Mitarbeitern aufschreiben lassen muss,
- Steinbrück es darauf hin für nötig hält, in der nächsten Rede im Bundestag wie folgt dagegen zu halten:
“Sehr geehrter Herr Präsident. Und dann haben mir meine Mitarbeiter den ersten Satz aufgeschrieben ´Meine Damen und Herren´” und weiter: “Ich habe leider kein ausformuliertes Manuskript. Aber ich werde mich trotzdem bemühen, entgegen den Erwartungen des Kollegen Michael Glos, Subjekt, Prädikat und Objekt in freier Rede aneinanderzuführen”,
Merkel in der CDU den Eindruck verbreitet hat, Glos “sei zu dumm, um einen Vermerk zu lesen” und laut Glos immer so tat, als hätte er von vielen Dingen keine Ahnung, weshalb sie ihn absichtlich häufig ignorierte und ihn sogar in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht einband, statt dessen aber ständig an den Lippen von Finanzminister Steinbrück hing, dem seine Leute doch jeden Satz vorschreiben mussten.
Diese Kindereien offenbaren einen solchen Mangel an Professionalität und fachlicher Kompetenz auf den wichtigsten Positionen unserer Regierung, dass es einem Angst und Bange um unser Land werden muss, wo diese Regierung doch blind mit Billionen Euro um sich wirft. Selbst ausgemachte Wirtschaftsexperten können angesichts des Ausmaßes der Krise, die uns überrollt, nicht sicher sagen, ob diese Ausgabenwut einen Sinn macht oder welches die richtige Reaktion wäre. Dennoch wäre wohl jedem Wähler wohler, wenn statt der Laientruppe in Berlin erfahrene Wirtschaftsexperten entscheiden würden.
Dann nach dem Herausmobben des von den anderen Akteuren für unfähig gehaltenen Wirtschaftsministers Glos einen nun wirklich völlig unerfahrenen Frischling wie den Freiherrn Karl Theodor von und zu Guttenberg ins Amt zu berufen, zeigt wie wenig es in Berlin auf Fachkompetenz ankommt. Es hätte aber noch viel toller kommen können. Denn die SPD hatte doch tatschlich ihren trockenen Finanzminister Steinbrück, von dem niemand konkret sagen kann, welche Großtaten er als Finanzminister oder sonst jemals auf seinen Irrwegen als Referent und Staatssekretär in wechselnden Positionen je vollbracht hat, als Superminister für Wirtschaft und Finanzen ins Spiel gebracht.
Es kann doch nicht sein, dass es keine wirklichen Koryphäen mehr gibt
Als ob wir nicht seit Clement wissen, was wir von aufgeblähten Superministern halten müssen – besonders wenn sie keines der übernommenen Fächer kenntnisreich vertreten können! Soll es wirklich so sein, dass der Exportweltmeister Deutschland keinen Fachmann hat, der das wichtige Amt des Wirtschaftsministers im Bund kompetent ausfüllen kann?! Es kann doch nicht sein, dass es keine wirklichen Koryphäen mehr gibt wie früher den Wilhelm-Röpke-Schüler Ludwig Erhard und die Wirtschaftsprofessoren Helmut Schmidt und Karl Schiller!
Für die Zeit nach der Wahl hat Seehofer einen angeblich ganz tollen Wirtschaftsfachmann in petto, den CSU-Schatzmeister und Unternehmer Thomas Bauer. Aber der Proporz in der Koalition und innerhalb der Union wie auch der Regionalproporz im vielstämmigen Bayern ließ diesmal nur einen Oberfranken zu. Auch das nicht gerade ein Grund dafür, auf die Effektivität der Regierung in Berlin zu setzen!
So lange das Geld aus den “Konjunkturpaketen” immer bei der Wirtschaft ankommt, halten die Wirtschaftsexperten die Füße still. Wenn das System dann einmal vollständig heruntergefahren wurde, werden die politischen “Flitzpiepen” von heute ohnehin nichts mehr zu sagen haben. Das bedeutet leider nicht, dass es dann besser wird – im Gegenteil!