Kreativität setzt verschiedene Dinge voraus: Neugier, Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Menschen. Offenheit, Ehrlichkeit gegen sich selbst und gegen andere, die Lust, neue Dinge anzufangen und etwas Neues auzuprobieren. An den beiden Eliteuniversitäten Technische Universität München und Ludwig-Maximilians-Universität München wird der wissenschaftliche Nachwuchs nach einem anderen Kriterium ausgewählt. Das allereinzige, was in Bayern an der TU und der LMU zählt, sind gute Noten in der Schule und im Studium. Viele dieser Leute mit guten Noten sind schüchtern oder unkommunikativ, manchmal auch arrogant und herablassend. Dadurch schneiden sie sich von Informationen ab, die sie eigentlich bräuchten, um wissenschaftlich erfolgreich zu sein. Sehr oft macht der Leistungsdruck die Studentinnen und Studenten auch psychisch krank.
Ausschließlich Leute mit sehr guten Noten werden in Bayern Professoren, und entsprechend lieblos, fast sadistisch sind sie gegenüber ihren Studentinnen und Studenten. ProfessorInnen mit 1,0 Abitur und 1,0 Diplom lassen wieder nur Leute mit genau den gleichen herausragenden Noten als DoktorandInnen, PostdoktorandInnen und ProfessorInnen zu.
Interdisziplinäres Arbeiten findet so gut wie nie statt und neue Ansätze werden abgeblockt anstatt gefördert. Während alle US-amerikanischen Universitäten ein Campus-Sportprogramm haben, gibt es so etwas an deutschen Universitäten nicht. Und anstatt dass man Zusammenarbeit und Kooperation auf allen Ebenen der Universität fördert, angefangen bei den Studentinnen und Studenten bis hinaus zu den Professorinnen und Professoren, wird eigenbrötlerisches Arbeiten und soziale Isolation gefördert. Das allereinzige was an bayerischen Universitäten das Fortkommen garantiert, sind exzellente Noten im Abitur und im Studium. Alle anderen guten Eigenschaften, die ein Universitätsmitarbeiter haben kann, werden in Bayern bestraft und wirken sich äußerst nachteilig für die Karriere aus. Ich weiß das sehr gut aus eigener Erfahrung, denn ich kenne sowohl die Technische Universität als auch die Ludwigs-Maximilians-Universität seit zwanzig Jahren, ich weiß wovon ich rede.
Konformität statt Kreativität; eine Entwicklung, die mittlerweile unsere gesamte Gesellschaft durchzieht. In Behörden werden aktuell fachliche Führungskräfte “weggegrault”, um durch Technokraten ersetzt zu werden. Der Vorteil: Behörden können schneller im Sinne der Regierenden handeln. Der Nachteil: Auf den Entscheidungsebenen fehlen die Fachkräfte, um Nützliches vom Unnützen zu unterscheiden.
Insgesamt gehen uns die Wissens- und Meinungsvielfalt verloren. Die Finanzmarktkrise ist das erste große Zeichen für ein handfestes Problem, das aus fehlender Vielfalt und einseitiger Wissensbasis resultiert. Jetzt sollen also diejenigen, die für das Chaos verantwortlich sind, das Chaos beseitigen, ohne überhaupt die Zusammenhänge begriffen zu haben, die zur Krise geführt haben. Das Ganze verbunden mit der Lebenseinstellung, einseitig und immer von der Arbeit anderer Menschen profitieren zu wollen, kann zu keinem guten Ergebnis führen.