Dresdens Erinnerungstage: Kein Zufall
Nachdem Dresden von einer großen Anzahl Neonazis heimgesucht wurde, spricht man in den Medien von einer “Überschattung” des Gedenkens. Vertuscht wird hierbei, dass man sich eben bei dem Gedenken auf einer Linie mit eben diesen befindet. Es waren nicht die Nazis, die die offiziellen Gedenkveranstaltungen einführten - und sie waren es auch nicht, die eine Verlängerung des Gedenkens auf zwei Tage beschlossen. Die Nazis haben sich lediglich an einen gelebten Geschichtsrevisionismus angehängt, der den Versuch darstellt, die Geschichte Nazideutschlands umzuschreiben und aus einem Tätervolk ein Opfervolk zu machen.
Nun kam es, wie nicht anders zu erwarten, zu brutalen Übergriffen der Nazis am Rande der Veranstaltung “Auf ihrer Rückfahrt aus Dresden wurden zwei Busse mit Gegnern des Neonazi-Aufmarsches auf einem Autobahn-Rastplatz in Ostthüringen von Rechtsextremisten überfallen. Teilnehmer einer 41-köpfigen Gruppe bekannter Neonazis schlugen laut Polizei auf die aus Hessen und Nordrhein-Westfalen stammenden Gewerkschafter, Friedensaktivisten und Mitglieder der Linkspartei ein und verletzten fünf Menschen. ”
Polizeieinheiten provozieren Konflikte mit Antifaschisten
Viele Menschen reiben sich verwundert die Augen, warum man einen Mob aus 6000 Neonazis durch die Dresdner Innenstadt weitgehend uneingeschränkt und unbewacht ziehen ließ. Stattdessen provozierten Polizeieinheiten Konflikte mit Antifaschisten.
Die deutsche Politik fördert seit Jahren rechtsradikale und rechtsextreme Gruppierungen wie z.B. über die Vertrauensleute der verschiedenen staatlichen Organisationen. Einen wirksameren Schutz vor rechtlicher Verfolgung können die beobachteten Organisationen sich wohl kaum wünschen, wenn man sich die Ergebnise des NPD-Verbotsverfahrens ansieht. Zudem wird konsequent zu den täglichen Übergriffen von Nazis in den klassischen Medien geschrieben, Statistiken nach unten verfälscht und von staaltlicher Seite das ganze Problem heruntergeredet.
Die Dresdner Stadtpolitik nutzt aus verschiedenen Gründen die Debatte um die historischen Ereignisse in Dresden, um sich zu profilieren. Eine Historikerkommission sah sich dann 2008 auch dazu veranlasst in einer Erklärung die verschiedensten Spekulationen um hohe und noch höhere Opferzahlen zu kommentieren. (Siehe dazu auch DLF Studiozeit - Der Bombenangriff auf Dresden)
Im Wesentlichen stellt das Gedenken in Dresden den Versuch dar, das Deutschland von heute mit Nazideutschland zu versöhnen - über den Umweg einer angeblichen Trauer. Eine Trauer aber, die aus dem Kontext gerissen wurde. Dabei findet ein Schulterschluss von so genannten Demokraten mit rechtsextremen Ideologen statt.
Die “wehrhafte Demokratie” ist auf dem rechten Auge blind
Zusammen mit einer Vielzahl an Medien ist man sich dabei einig, dass offenbar ausgerechnet die AntifaschistInnen das eigentliche Problem darstellen, während der Staat es den ideologischen Nachfolgern, aber auch Verlierern des Zweiten Weltkriegs erlaubt, über Dresdens Innenstadt zu bestimmen. Wenn das der Rechtsstaat ist, was ist dann Recht? Die “wehrhafte Demokratie” ist auf dem rechten Auge blind, schlägt aber sofort zu gegen erklärte Gegner des Faschismus. Hingenommen wird dabei stillschweigend, dass die Dresdner Bevölkerung schutzlos und wehrlos dem rechten Mob ausgesetzt war. Die mussten daher gar nicht weiter abschrecken.
Die Demokratie nutzt Rechtsextreme für ihre eigenen Ziele. Natürlich wäre man in der Lage, solche Demonstrationen zu verhindern oder zu verbieten, ebenso wie die angeschlossenen Organisationen. Aber viel praktischer ist es, wenn die Menschen in Deutschland Angst haben vor Rechtsextremen und dann die großen Parteien wählen. Selbst Rechtsextreme in Parlamenten verfehlen ihre abschreckende und disziplinierende Wirkung nicht. Die Mächtigen wissen, dass die Rechtsextremen zur Zeit keine Bedrohung für ihre Macht darstellen. Ganz im Gegensatz etwa zu AnarchistInnen, die den Staat in Frage stellen und für reale Alternativen im Umgang miteinander eintreten. So wird von AntifaschistInnen und AnarchistInnen ein Zerrbild der Gewaltbereitschaft und Bedrohung gezeichnet, während das Bild der 6000 in Dresdens Innenstadt marschierenden Nazis in den Hintergrund gerückt wird.
Ja man meint sogar, dass je weniger man darüber spricht und berichtet - und je mehr man über andere Veranstaltungen berichtet, desto mehr wird aus dem Gedenken ein gezieltes Vergessen. Vergessen werden sollen die Erinnerungen an das Dritte Reich - und auch an das Versagen der Demokratie, die sich damals als zahnlos und Hitler und seine Schergen gewähren ließ. Vergessen hat man dabei jetzt schon, dass schon damals die rechte Ideologie nicht durch intensives Wegschauen aus der Welt verschwand - und auch dass falsche Toleranz unsere Welt nicht sicherer macht. Seltsam erscheint in dem Zusammenhang die Vielzahl an neuen so genannten “Sicherheitsgesetzen”, die vor allem dazu dienen, die Bevölkerung zu überwachen und einzuschränken und nicht wirklich objektiv für mehr Sicherheit auf unseren Straßen sorgen.
Bleibt am Ende dennoch die Erkenntnis, dass eine Vielzahl von Dresdnern und Auswärtigen eine andere Vorstellung hatten und den Naziaufmarsch verhindern wollten, selbst wenn die Demokratie lieber die Extremisten schützt, als die Freiheitsrechte der Bürger.











David
Die Aussage, dass die Ereignisse zum 13. Februar in der Stadt einem “gelebten Geschichtsrevisionismus” entspringen, kann ich als Dresdner Bürger nur widersprechen. Hier sollte mal tiefer recherchiert werden, bevor persönliche Befindlichkeiten veröffentlicht werden. Im Dunstkreis des Dresdnder Bildungsbürgertums kenne ich aber auch wirklich keinen, der den 13. Februar politisiert. Wir wollen nichts vertuschen, wir wollen uns nicht betrauern, und wir wollen schon gar nicht den Grund des Bombardements auf Dresden verdrehen. Der 13. Februar ist ein besinnlicher Tag für den Dresdner Bürger für seine Stadt, in der er nach vorn schauend, aus der Vergangenheit lernend, den Frieden mahnt. Man spricht an diesem Tage nicht von der Anzahl der Toten um 1945 sondern vom Blutvergießen im Irak und wünscht den Menschen den Frieden zu finden, den wir erhalten haben. Alte Wunden sind verheilt, dennoch werden wir Dresdner den 13. Februar still mahnend verbringen, weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben. Egal welche politische oder krawallorientierte Gruppierung hier aufzieht - sie wird hier nie erwünscht sein. Weder am 13.2. noch an einem anderen Tage.
Thilo Pfennig
Was ich sehe ist, das Dresden in beiden deutschen Staaten nach dem Krieg als Opfergang hochstilisiert wurde und das dies jedes Jahr ausgeweitet wird. Gleichzeitig nimmt die Beteiligung und Instrumentalisierung durch die Nazis zu, Ich sehe da nur wenig Unterschiede in der Sache - allenfalls in der Motivation.
Jan van Winried
Auch andere deutsche Städte wurden im zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleich gemacht. Das ist Krieg. Viele erschreckender finde ich die Tatsache, dass wir eine neue erstarkte Nazigemeinschaft erleben, die u. a. nach Ende der Veranstaltungen die Gelegenheit nutzt, auf Parkplätzen und Raststätten rumzuprügeln. Die Nazis haben in vielen Punkten ihre Strategien geändert und werden immer erfolgreicher. Die Regierenden erweisen sich als zu schwach, um Nazis noch länger aufzuhalten. Das ist das eigentlich Bedrohliche!
Durch Leid geadelt - Klappe halten «
[…] - David, gemeiner Dresdner Bürger […]
Readers Edition » Widerspruch zu “Dresdens Erinnerungstage” von Thilo Pfennig
[…] Warum nur haben die Rechten überhaupt noch Zulauf? Einer der Gründe ist der, dass sie es verstehen, die ihnen entgegen gehaltene Kritik wegen der Verharmlosung der Vertreibung und Vernichtung der Juden in Europa durch den deutschen Staat von 1933 – 1945 gegen ihre Kritiker umzudrehen. Viele Kritiker machen ihnen dies aber auch leicht, indem sie sich wie Michel Friedmann vor seinem Sündenfall und seiner äußeren Wandlung provozierend als Lehrmeister der Nation aufspielen. Aber nicht allein der Ton macht die Musik. Diese Kritiker setzen sich selbst ins Unrecht, indem sie Shoa und Holocaust plakativ vor sich hertragen und die Erinnerung an das an Deutschen im Kriege begangene Unrecht als unangemessen anprangern. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Beitrag von Thilo Pfennig hier in der RE vom 16.2.2009: “Dresdens Erinnerungstage: Kein Zufall“. […]