The International: Eine Filmkritik

The International, ein Film über eine korrupte Bank, ist in Zeiten der Finanzkrise in aller Munde. Doch lohnt es sich für den Film ins Kino zu gehen? Tom Tykwers (Das Parfüm, Der Krieger und die Kaiserin, Lola rennt) neuer Film “The International” bekam seine PR zuletzt von allein. Denn ein

intenr.jpgThe International, ein Film über eine korrupte Bank, ist in Zeiten der Finanzkrise in aller Munde. Doch lohnt es sich für den Film ins Kino zu gehen?

Tom Tykwers (Das Parfüm, Der Krieger und die Kaiserin, Lola rennt) neuer Film “The International” bekam seine PR zuletzt von allein. Denn ein Film, in der eine Bank “der Böse” ist, trifft den Zeitgeist ausgesprochen gut. Beabsichtigt war dies jedoch nicht: Der Film wurde schon vor den Turbulenzen auf den Finanzmärkten gedreht.

Doch worum geht es? Die Hauptrolle spielt der aus “Inside Man” und “Sin City” bekannte Clive Owen. Sein Charakter, Louis Salinger, ist ein Interpol-Agent auf den Versen der “International Bank of Business and Credit” (IBBC), die in Mord und Waffenhandel verstrickt ist. Unterstützt wird er dabei von Eleanor Whitman (Naomi Watts), einer New Yorker Staatsanwältin.

Stetig kommen sie in ihrem Fall voran und doch sind ihre Gegner ihnen meist einen Schritt voraus. Morde, die nicht bewiesen werden können. Verbrechen, die sich im internationalen Recht der Strafbarkeit entziehen. Gegner, die ihre Leute überall haben.

Und so wirft die Geschichte Fragen auf, die auch in der derzeitigen Krise manchmal im Raum stehen

Wie bekämpft man jemanden, der tausend Gesichter hat und doch keines? Wem kann man trauen, wenn jeder involviert ist? Wer hat welche Motive? Und so geschieht es mehrfach, dass der Feind von eben zum engsten Verbündeten wird. Die Handlung bleibt dabei aber glaubwürdig und wirft beim Zuschauer eine neue Frage auf: Kann ich mit jemanden zusammen arbeiten, der die gleichen Ziele hat wie ich, aber aus anderen, unedleren Motiven?

Die beiden Schauspieler verkörpern ihre Rollen gut und glaubwürdig. Herausragend ist jedoch die schauspielerische Leistung von Armin Mueller-Stahl, der den ehemaligen Stasi-General Wilhelm Wexler darstellt, der im Laufe der Zeit zum Handlanger der Banken wurde.

Das Tempo des Films ist hoch. Dennoch ist der Film nicht, wie viele moderne Filme, hektisch geschnitten, sondern eher “klassisch”. Keine wilden Kamera-Schwenks. Keine Splitscreens. Die Geschichte konzentriert sich auf die beiden Hauptcharaktere, denen der Zuschauer mit nur wenigen Ausnahmen ständig folgt.

Zu Beginn des Films hat der Zuschauer einen Verdacht, wie es vermutlich ausgehen wird. Ob sich dieser Verdacht bewahrheitet, will ich nicht verraten. Auf alle Fälle bringen immer neue Wendungen dem Kinobesucher ständig neue Zweifel, ob das Ende nicht doch anders aussehen könnte. Die Geschichte bietet dadurch genug Gesprächsstoff für nach den Film.

Die Handlung ist gut und größtenteils logisch. Einzig unlogisch erscheint, wie die Ermittler vor allem in der zweiten Hälfte des Films unverhältnismäßig schnell zu Ermittlungsergebnissen kommen. Zudem versäumten es die Autoren, mehr aus der Geschichte um Salingers Vergangenheit zu machen. Dieser ermittelte nämlich schon einmal erfolglos gegen die Bank, was sich auf sein Verhalten und sein Ansehen auswirkt.

Genießen darf der Zuschauer die Handlungs- und Drehorte des Films.

Zu nennen wären hier Berlin, Istanbul, Mailand und New York. Zudem ist der Film mit seinen 118 Minuten sein Geld eher wert, als einige Filme der letzten Zeit, während denen man kaum sein Popcorn auf bekam.

Für Genrefreunde ist der Thriller auf alle Fälle zu empfehlen. Mehr als oberer Durchschnitt ist er trotzdem nicht. Wer einen Film “Gut gegen Böse” erwartet, wird enttäuscht werden. Die Motive eines jeden werden beleuchtet, den Zeigefinger erhebt der Film nicht. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind verworren, der Zuschauer muss ein wenig mitdenken. Wer sich auf den Film einlässt, durchschaut jedoch das Konstrukt.

Doch wie sagt Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl) in einer Szene:
“Das ist der Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion. Die Fiktion muss einen Sinn ergeben.”

Ein starker Satz, der nach dem Kinobesuch in Erinnerung bleibt…

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