Widerspruch zu “Dresdens Erinnerungstage” von Thilo Pfennig

Warum nur haben die Rechten überhaupt noch Zulauf? Einer der Gründe ist der, dass sie es verstehen, die ihnen entgegen gehaltene Kritik wegen der Verharmlosung der Vertreibung und Vernichtung der Juden in Europa durch den deutschen Staat von 1933 – 1945 gegen ihre Kritiker umzudrehen. Viele Kritiker machen ihnen dies

Dresden1.jpgWarum nur haben die Rechten überhaupt noch Zulauf? Einer der Gründe ist der, dass sie es verstehen, die ihnen entgegen gehaltene Kritik wegen der Verharmlosung der Vertreibung und Vernichtung der Juden in Europa durch den deutschen Staat von 1933 – 1945 gegen ihre Kritiker umzudrehen. Viele Kritiker machen ihnen dies aber auch leicht, indem sie sich wie Michel Friedmann vor seinem Sündenfall und seiner äußeren Wandlung provozierend als Lehrmeister der Nation aufspielen. Aber nicht allein der Ton macht die Musik. Diese Kritiker setzen sich selbst ins Unrecht, indem sie Shoa und Holocaust plakativ vor sich hertragen und die Erinnerung an das an Deutschen im Kriege begangene Unrecht als unangemessen anprangern. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Beitrag von Thilo Pfennig hier in der RE vom 16.2.2009: “Dresdens Erinnerungstage: Kein Zufall“.

Das Strickmuster ist immer wieder dasselbe

Jeder Vergleich anderen Unrechts mit den laut Merkel „singulären“ Unrechtstaten der Deutschen gegenüber den Juden wird als Verharmlosung des Holocaust gebranntmarkt. Diese Logik ist nicht immer gut nachvollziehbar, wenn man an die unglaublichen Schreckenstaten von Stalin mit mitgeteilten 35 Millionen, von Mao mit angeblich 50 Millionen, von den Roten Khmer mit nur ein paar Millionen Toten usw. denkt, auch an die systematische Ausrottung der 60 Millionen Ureinwohner auf dem nordamerikanischen Kontinent durch die eingereisten Europäer aller hiesigen Nationen.

Wenn es nur um diese krampfhafte Weigerung ginge, alles andere Unrecht mit den an den Juden begangenen Verbrechen zu vergleichen, würden wohl nur wenige Deutsche daran Anstoß nehmen. Denn nicht nur die deutschen Schergen, die brutal gequält und gemordet haben, haben unerhörte Schuld auf sich geladen. Auch viele brave deutsche Bürger, die nie persönlich die Hand gegen einen Juden erhoben haben und selbst nicht wie andere laut in das Horn der Antisemiten stießen, haben schwere Schuld auf sich geladen, weil sie bewusst weggesehen haben, als nach und nach alle jüdischen Mitbürger aus den Städten Deutschlands verschwanden. Selbst mehr als drei Generationen nach den Ereignissen steht es den Deutschen daher nicht schlecht an, wenn sie nicht leichtfertig andere Verbrechen zum Vergleich mit Holocaust und Shoa heranziehen. Wir müssen uns da nicht besserwisserisch geben und hervorheben, dass nicht nur der Tod in der Gaskammer fürchterlich ist, sondern auch der Tod in den brennenden Straßen von Dresden.

Auch die an Deutschen begangenen Verbrechen bleiben schreckliche Missetaten

Wenn aber die eifrigen Lehrmeister der deutschen Nation die Erinnerung an die Verbrechen an den Juden dazu nutzen, frei weg jedes an Deutschen im Krieg und danach begangene Unrecht ausmerzen zu wollen, setzen sie sich selbst ins Unrecht. Wenn ich schon den einen Schrecken nicht mit dem anderen vergleiche, bleiben doch auch die an Deutschen begangenen Verbrechen schreckliche Missetaten. Und dazu gehören neben der Entrechtung, Vertreibung und Vergewaltigung von Millionen Deutscher im Osten und den Unmenschlichkeiten in vielen Lagern der Siegermächte auch die kriegstechnisch völlig unnötigen Flächenbombardements der letzten Kriegsmonate mit der Vernichtung Hunderttausender und der Zerstörung ganzer Stadtbilder wie nur beispielsweise von Dresden.

Pfennig umschreibt das recht geschickt so:

“Im Wesentlichen stellt das Gedenken in Dresden den Versuch dar, das Deutschland von heute mit Nazideutschland zu versöhnen – über den Umweg einer angeblichen Trauer. Eine Trauer aber, die aus dem Kontext gerissen wurde. Dabei findet ein Schulterschluss von so genannten Demokraten mit rechtsextremen Ideologen statt.”

Entschlüsselt heißt das, dass der Angriff auf die Zivilbevölkerung in Dresden nach seiner Meinung in einem selbstverständlichen Kontext mit Holocaust und Shoa stünde und die Erinnerung an die vielen Toten in der Stadt nur dazu diene, diesen Zusammenhang zu leugnen. Genau da aber liegt der Hase im Pfeffer!

Die nach der Genfer Konvention verbotene völkerrechtswidrige und menschenverachtende Vernichtung der zivilen deutschen Bevölkerung in den deutschen Städten ist unabhängig von dem zuvor und parallel an den Juden in Europa von anderen Mitgliedern des deutschen Volkes begangenen Verbrechen an den Juden in Europa ein schreiendes Unrecht. Auch die Vernichtung der japanischen zivilen Bevölkerung in Hiroshima und Nagasaki durch amerikanische Atombomben ist ein Verstoß gegen das Kriegsvölkerrecht und ein unvergleichliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Hält Pfennig auch die Trauer in Hiroshima und Nagasaki durch die Nachkommen der mit den Nazis still verbündeten Japaner für einen verfehlten Versuch, die Bedeutung der Verbrechen an den Juden klein zu schreiben?

Pfennigs Beitrag ist kontraproduktiv

Was soll es, darüber zu lamentieren, dass Neonazis sich an die Propaganda des Dritten Reiches und teils auch der DDR anhängen, die die Schrecken des Fächenbombardements auf die Innenstadt von Dresden mit ganz sicher unvorstellbar vielen Tausenden Toten multiplizieren!?

Der Vergleich mit dem Holocaust ist böse, da gibt es keine Frage. Aber die Frage nach der Zahl der Toten in Dresden sollte nicht immer wieder unter den Tisch gekehrt werden. Was soll es, darüber zu schimpfen, dass die Stadt Dresden eine Kommission von unabhängigen Historikern daran gesetzt hat, das wahre Ausmaß menschlichen Verluste in Dresden für jeden objektiven Betrachter unbezweifelbar festzustellen?! Pfennig nimmt sich heraus, der Dresdner Stadtpolitik vorzuhalten, dass sie nur von Profilierungssucht getrieben sei. Viele persönlich betroffene Dresdner nehmen sich in ihren Äußerungen über den Angriff auf Stadt und Bürger zurück, weil sie nicht da anecken wollen, wo Pfennig und andere ihnen künstlich Hindernisse für die Äußerung ihrer wahren Gefühle aufgebaut haben.

Die eigene Betroffenheit über das Verbrechen an den Juden in Europa einzusetzen um anderen ihre Trauer über das sie getroffene Unglück abzusprechen, ist nicht nur ungeschickt. Es ist auch ethisch nicht zu verantworten. Am Ende ist es leider auch kontraproduktiv und weckt die Geister, die man besser ruhen lassen sollte.

Photo: Renate Franke via pixelio.de

Kommentare

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  1. @Rolf Ehlers: Thema verfehlt:

    1. Da haben sie nun “den Juden” Herrn Friedmann herbeizitiert um in üblicher antisemitischer Manier den Juden bestimmte Eigenschaften aufgrund ihrer vorgeblichen Rasse zu unterstellen. Sie sind als ein Rassist und Antisemit.
    2. Es ging hier nicht um Mao, Stalin oder sonst irgend etwas anderes, sondern um Dresden.

    Daher gehe ich nur auf die Argumente ein, die sie in der sache nennen:
    “völkerrechtswidrige und menschenverachtende Vernichtung der zivilen deutschen Bevölkerung in den deutschen Städten”

    Ich fordere sie also öffentlich auf die Behauptung nachzuweisen, das die Bombenangriffe auf Deutschland wie Sie sagen “völkerrechtswidrig” waren. “Vernichtung” ist ein Begriff aus dem Holocaust und steht dem Begriff “Bombenholocaust” (Unwort des Jahres 2005) nahe.

    Ich habe im übrigen nicht die Historikerkommission beschimpft, sondern begrüße die Klarstellung, weil man damit den Spekulationen um die Höhe besser entgegentreten kann. Es schwebten da ja auch immer zahlen von über 300.000 Toten in der Luft. Ich habe für so etwas kein Verständnis. Auch wenig Verständnis habe ich für den rechtsradikalen Grundtenor ihres Artikels. Und ich bleibe dabei, das die künstliche Trauer, die sich die Politiker im Bezug auf Dresden antrainieren eben der Boden ist für rechtsextreme Übergriffe.

    Jeder Mensch, der im Krieg stirbt, ist zu bedauern und auch die vielen Zerstörungen doe passieren – insbesondere wenn man heute im Frieden miteiander lebt und sich fragt, warum man sich vorher nicht hat einigen können. Aber das war eben der Totale Krieg. Der Krieg war eben aufgrund der Aggressivität der Deutschen grenzenlos geworden – und sie kapitulierten nicht, selbst zu einem Zeitpunkt, an dem es sinnlos geworden war.

    Ich wiederhole noch mal meine Forderung das sie belegen das die Bombenangriffe auf Deutschland völkerrechztswidrig waren – ansonsten nehmen sie diese Behauptung bitte umgehend zurück!