“Kauft Autos, kauft neue Autos, dann wird alles gut.” So hämmert es die bundespolitische Abwrackprämie dem Normalbürger in den Kopf. Wo sind die kühlen Köpfe und die kühlen Medien, die diese Rechnung, möglicher Weise Milchbubenrechnung, näher durchleuchten?
Es ist der wiederauferstandene Glaube an die Lehren eines John Maynhard Keynes, der die finanzpolitischen und wirtschaftspolitischen Aktionen begleitet. Keynes definierte die Erwartungen der Menschen als entscheidende Momente für die Nachfrage und damit für die ökonomische Prosperität. Die Autokaufaufforderung lässt sich aus dieser Ansicht betrachten.
Erwartungen der Menschen: Ohne statistische Analyse, nur mit Menschenverstand herangegangen, erscheint die Abwrackprämie in erster Linie als erwartungsstützender Aktionismus: etwas muss geschehen, damit die Leute Positives erwarten. Dann wird die Prophezeihung “alles wird wieder gut” auch eintreten. Dieser Glaube an die Self-fullfilling Prophecies mag sinnvoll sein, aber er ist natürlich nicht verlässlich.
Der zweite Moment der Abwrackprämie, der Anschub der Nachfrage, muss genauer angesehen werden.
Sind die Autokäufe nicht einfach nur zeitlich vorgezogene Käufe und im Jahr eins nach der Abwrackprämie wird es dann einen Einbruch geben? Oder füllt die Abwrackprämie tatsächlich nur das durch die “Finanzkrise” entstandene Nachfrageloch in der Automobilnachfrage?
Weitere Wirkungsmomente der Abwrackprämie sind auszumachen: Strukturstützende und wettbewerbspolitische Effekte, die die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft – und auch Politik – von der Automobilindustrie unterstreichen – und auch verstärken. Klima- und energiepolitische Auswirkungen, die auf der einen Seite eine Verjüngung und im Schnitt wohl eine Steigerung der Effizienz des deutschen Fuhrparks bewirken. Aber im selben Moment, wie im Bereich der Strukturstützung für die Automobilindustrie, kommt es zu einer Strukturstützung der Mobilitätsgewohnheiten. Gleichzeitig wird übrigens auch eine Müllproblematik aufgebaut: Was passiert eigentlich mit den Altautos? Ist die Abwrackprämie auch eine Stützung der Müllidnustrie?
Aus wettbewerbspolitischen und aus umweltpolitischen Gesichtspunkten hätte ich eine Biolebensmittel-Prämie und eine Fahrrad-und Bahn-Prämie spannend gefunden. Auf die statistischen Auswertungen zur Abwrakprämie, bestimmt ein nachhaltiges Doktorarbeitsthema in den kommenden Jahren, bin ich gespannt.
- Ja, das ist der Run auf die Abwrackprämie!
- Anreize zum Autokauf qua Veruntreuung von Staatsgeldern
Photo Quelle/Copyright: Dimitri Eckermann, via pixelio.de
Keynes hat weniger von Erwartungen als von Einkommen gesprochen. Hat ein Mensch Einkommen, so spart er einen Teil, den anderen gibt er es aus (für Güter und Dienstleistungen). Damit hat dann (mindestens) ein weiterer Mensch Einkommen, der dann wieder spart und konsumiert usw.
Wie hoch die sog. Konsumquote (also der Teil des Einkommmens, der nicht gespart sondern “verkonsumiert” wird ist, das hängt zugegebenermaßen von der Erwartungshaltung des Menschen ab. Das Konjunkturprogramm aber zielt nicht darauf, die Konjunkturquote zu erhöhen sondern den Konsum an sich.
Oder um es einfacher zu sagen: Es ist lettzten Endes billiger, über eine Verjüngung des Fahrzeugbestandes die Mitarbeiter der Automobilfirmen in vollem Lohn und Brot zu halten, als wenn der Staat Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld zahlen muss.
Hier wird im Genteil eher durch die verbreiteten Schönwettermeldungen der Regierung und der Interessenvertreter der Industrie versucht, eine Erhöhung der Sparquote der Bürger zu vermeiden.
Die wesentliche Kritik am Keynesianismus bezieht sich nicht auf den hier beschriebenen Mechanismus (der wird eigenltich von allen als gültig angenommen) sondern daran, dass der Keynesianismus bedeutet, in schlechten Zeiten kreditfinanziert die Konjunktur anzuschieben (klappt fast immer, das hat sogar George W. der Debile geschafft), und dann in Zeiten guter Konjunktur wieder zu sparen und Reserven für kommende schlechte Zeiten zu bilden (und das klapt eben in unseren lobbybeeinflussten Demokratien nie).