Kreativität in der Mathematik

Im Jahr 1993 hat Andrew Wiles den großen Satz von Fermat gelöst, mit einem ganz furchtbar komplizierten Beweis, das war Neuzeitmathematik, Mathe des 20.Jahrhundert. Der usprüngliche Beweis von Pierre de Fermat, der ja viel einfacher und eleganter sein muss, der ist bis heute unbekannt, niemand kennt ihn. Es gibt ungefähr

Im Jahr 1993 hat Andrew Wiles den großen Satz von Fermat gelöst, mit einem ganz furchtbar komplizierten Beweis, das war Neuzeitmathematik, Mathe des 20.Jahrhundert. Der usprüngliche Beweis von Pierre de Fermat, der ja viel einfacher und eleganter sein muss, der ist bis heute unbekannt, niemand kennt ihn.

Es gibt ungefähr 350 Beweise für den Satz des Pythagoras und vielleicht zehn verschiedene Methoden zur Primzahlbestimmung und zehn Methoden zur Bestimmung der Kreiszahl PI.

Für diese drei genannten Probleme gibt es ganz bestimmt noch hunderte oder tausende andere Lösungswege, da ist die Kreativität der jungen Leute von heute gefragt.

Bei den Diferentialgleichungen ist es ähnlich: Für Standardprobleme, lineare Differentialgleichungen zum Beispiel, da gibt es Kochrezepte nach Schema F, und für ein paar partielle Differentialgleichungen gibt es numerische Näherungen, die furchtbar kompliziert sind. Für die vielen Millionen anderen Formen von Differentialgleichung; und nicht nur die partiellen, da gibt es keine Lösung. Niemand hat bis jetzt darüber nachgedacht, es ist alles völlig unbekannt.

Im Jahr 1950 hatte die Zeitschrift Physical Review vier verschiedene Ausgaben, nämlich Festkörperphysik, Kernphysik und die anderen beiden habe ich vergessen. Zusammen waren es vielleicht hundert Seiten, und ein Physiker mit 1,0 Diplom im Jahr 1950 hatte den ganzen Wissensstand der Physik in Kopf, es wusste alles.

Heute hat die Physical Review hunderte Ausgaben, Nichtlineare Dynamik, Biophysik und viele andere, die Sie sich in ihrer wildesten Phantasie nicht vorstellen können. Eine einzige Monatsausgabe der Zeitschrift Physical Review füllt einen riesigen Saal in einer Bibliothek.

Heute, im Jahr 2009, da haben ein Physiker mit einem 1,0 Diplom und ein Physiker mit einem 4,0 Diplom und ein Hauptschüler von der Rütlischule in Berlin, der seinen Quali nicht geschafft hat, ganz genau eine Sache gemeinsam: Sie wissen überhaupt nichts, denn sie kennen alle drei nur ein Millionstel von dem, was heute, im Jahr 2009, Physik ist.

In der Generation unserer Eltern konnten Leute mit guten Noten gute Wissenschaftler werden, aber die Zeiten haben sich geändert.

Die allereinzige Methode, die uns heute, im Jahr 2009 noch weiterhilft, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch im Management und in der Politik, das ist Ausprobieren und sich durchwursteln. “Wanderer, es gibt keine Wege, Wege entstehen beim Gehen”.

Man braucht nur zwei Dinge: Neugier und Ehrlichkeit, Intelligenz braucht man nicht und ein Abitur schon gar nicht.

Es ist eine wunderbare Zeit, das Jahr 2009, ich bin begeistert.

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