Die Adam Opel GmbH, aktuell noch vernachlässigte Tochter von General Motors, hat eine drohende Insolvenz in Sichtweite. Medien, Fachleute und Politik übertreffen sich mit theoretischen Hilfsmaßnahmen bei gleichzeitiger Verstrickung in Widersprüche und Grabenkämpfe. Bei einem so traditionsreichen deutschen Unternehmen fehlt offensichtlich mein Senf und so wage ich eine Utopie.Spricht man von Opel, sind auch knapp 27.000 Mitarbeiter gemeint, welche jährlich mit um die 330.000 Zulassungen circa 15 Milliarden Umsatz erwirtschaften. Fehlende Managerqualitäten konnten den bis zu den 80er Jahren höchst erfolgreichen Autobauer auf Talfahrt schicken, während der Eigner-Konzern GM Opel massiv auspresst und gleichzeitig am langen Arm verhungern lässt. In der aktuellen vielzitierten Krise zeigen sich die Risse im Fundament um so deutlicher. Grundgenug für eine Radikalkur mit gänzlich unorthodoxer Taktik – es gibt nicht viel zu verlieren, denn das Ende scheint in Stein gemeißelt.
Kurz und knapp zusammengestaucht fehlt es Opel zuallererst an finanzieller Liquidität, Unabhängigket vom überforderten Mutterkonzern, Innovationsspielraum und Hoheit über die eigenen Patente. Zuallerletzt natürlich auch an Absatz. Wie kann in solch verfahrener Situtaion ausgerechnet im Weltwirtschaftskrisenjahr 2009, mit einem kränkelnden Kreditmarkt Genese verschafft werden?
Krisen verlangen harte Mannöver und Aktion fern von Geplenkel.
Das leite ich ein mit einer extrem optimistisch überhöhten Taxierung des Firmenwerts in Höhe von 20 Milliarden Euro – einfach um einen Startpunkt und Diskussionsrahmen zu setzen. Dazu wird von einer Realität ausgegangen, die eine kooperative Abspaltung von General Motors ermöglicht. Diese geschieht in Form gegenseiter Beteiligung und gemeinschaftlicher Nutzung von Patenten und Technologie, allerdings mit der Zielsetzung wachsender Emanzipation voneinander. Opel soll sich stabilisieren, aber nicht gleichzeitig noch die Unzulänglichkeiten im amerikanischen Automobilsektor ausbügeln.
Opel als eigenständiges deutsches Unternehmen, mit starken nationalen und internationalen Partnern und 49 Prozent Fremdbeteiligung von Außen. Veränderte Strukturen, neue Ausrichtung, stärkere Fokussierung auf die bestehenden Erfolgssegmente, mit erweiterter innovativer Produktpalette.
Nur wer zahlt?
Die Bundesregierung täte gut daran, zwar den Rahmen zu bieten, sich aber nicht finanziell zu übernehmen oder gar aktiv als Unternehmer in Erscheinung zu treten. Es gilt eine Allianz der Willigen zu formieren, welche unter dem Aspekt des gemeinsam erzwungen Erfolgs in der Lage sind die Notlage und auch die Gelder zu stemmen ohne das hierbei der Wettbewerb verzerrt wird und gleichzeitig Optionen für andere insolvenzbedrohte Unternehmen entstehen – Selbstheilung aus Eigeninteresse Dritter also.
Für solch eine Rettungsaktion gibt es mehrere Mitspieler und eine Zeit, die reif ist für solch experimentelle, weil jungfräuliche Felder. Diese Beteiligten gliedern sich in drei Gruppen: einerseits direkt Betroffene, des Weiteren Investoren mit Schnittstellen und der Staat mit seinen Instrumenten. In der ersten Gruppe finden sich die Mitarbeiter, Käufer, Zulieferer und Autohäuser wieder. Gruppe Nummer zwei sind technologielastige Unternehmen aus gesichertem Umfeld, wie z.B. die für ihren Vorstoß belächelte Solarworld AG. Der letzte Beteiligte ist Deutschland, mitsamt der KfW.
Letzgenannte sorgen in erster Linie für die Funktionalität des Rettungsprojekts. Ein Fond muss geschaffen werden, welcher an die fünf Milliarden Euro verfügbar macht und die Grundlage schafft für weitere fünf Milliarden Kredite von deutschen Banken. Dieser Kredit wird staatlich verbürgt und entsprechend verzinst durch Opel abgetragen.
Die ersten fünf Milliarden werden wie folgt aufgebracht:
1. Sämtliche Opelmitarbeiter beteiligen sich mit jeweils 5.000 Euro Gehaltsverzicht für die nächsten zwölf Monate an ihrem Unternehmen und erbringen auf diese Art 135 Millionen Euro, bei gleichzeitigem Verzicht auf Stellenabbau und Werkschließung seitens Opel für die nächsten fünf Jahre.
2. Die Autohäuser bringen beteiligen sich mit 330 Miilionen Euro am Unternehmen. Diese Summe addiert sich durch jeweils 1.000 Euro Margenverzicht pro Zulassung.
3. Opelkäufer können sich mit einer Zusatzzahlung in Höhe von 1.000 Euro beim Kauf ihres Fahrzeug am Fond beteiligen und auf diesem Wege weitere 330 Millionen Euro aufbringen.
4. Die Zulieferbetriebe erhalten von Opel einen Vorvertrag als Exklusivpartner für ihr Segment. Im Gegenzug können sie mit der Umsatzsicherheit gemeinsam bei ihren Banken zwei Milliarden Euro Kredit bekommen und sich hiermit direkt an der Adam Opel GmbH beteiligen.
5. Opelfans weltweit mitsamt ihren Clubs, sowie Privatinvestoren können sich direkt am Rettungsfond beteiligen und somit dem Unternehmen beteiligen. Auf diese Weise wären weitere 250 Millionen möglich.
6. Branchenfremde Betriebe, wie z.B. die Solarworld AG bringen sich mit insgesamt einer Milliarde Euro ein und sichern sich neben Anteilen auch Vorverträge für gemeinsame Innovationen und Zusammenarbeit. Zielgruppe umfasst: Batteriehersteller, Energielieferanten, neue Energien etc.
7. Die KfW, welche den Fond aufsetzt und verwaltet steuert die fehlende Summe zu den benötigten fünf Mrd bei. Natürlich bleiben von den obig als Best-Case formulierten Summen realistische 50 Prozent über. Die erreichte Summe als Eigenmittel sichert den Kredit zur Zielsumme jedoch ab.
Die geschilderte Variante bringt im Laufe eines Jahres genug Spielraum, den Betrieb aufrecht zu erhalten, die Loslösung von GM einzuleiten und parallel völlig neue Geschäftmodelle, Kooperationen und Investitionsspielraum. Binnen der nächsten zwölf Monate steht der Fond, welcher versehen mit Staatsbürgschaften die zweite Hälfte der zu stemmenden Summe auf dem freien Kreditmarkt ermöglicht. Opel wäre an der Krise gewachsen und innerhalb der nächsten Jahre zu einem Vorbildunternehmen gewachsen. Angepasst an die Erfordernisse der Zeit, technologisch mit Vorsprung versehen und in der Lage ihren 51 Prozent Firmenanteil wieder aufzustocken.
So viel Utopie klingt höchst unwahrscheinlich, soll auch nur als Denkanstoss dienen. Der zu erwartenden Kritik entgegne ich, dass mein Rechenmodell zwar hinkt, aber der oben genannte Unternehmenswert ist derart überhöht, dass einiger Spielraum entsteht. Krisen gilt es zu meistern und sich entgegen zu stellen.
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Der beste Ansatz zu Opel, den ich je gesehen habe.
Bravo.
Alle Lösungen, die auf Vorgaben von GM warten, sind zum Scheitern verurteilt. Also sind alle bekannten Ansätze seitens der Politik das Papier nicht wert.