Na, wieder mal ne Israel-Reise geplant? Dann tun Sie sich einen Gefallen: Lesen Sie die Reiseempfehlungen unserer Diplomaten nicht; nein, lassen Sie’s einfach sein!
Die deutsche Diplomatie hat’s ja ganz nett mit den Israeli. Entsprechend denn auch die Reise-Worte aus Berlin:
“Die Sicherheitslage in Israel und im Palästinensischen Gebiet ist weiterhin sehr angespannt. Vor Ort befindliche Personen in Israel und den Palästinensischen Gebieten werden daher zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. Vor Reisen in den Gazastreifen wird dringend gewarnt.”
Reisen in den Gazastreifen? Nun, abgesehen von ein paar Hilfswerklern und Journalisten kriegt seit Jahren niemand mehr ein Einreise-Visa für den Gazastreifen. Kann Ihnen also egal sein, so als gemeiner Tourist, meine ich.
Etwas mulmig ist’s den deutschen Beamten freilich schon mit Blick auf den Süden Israels:
“Die Lage in der Nähe des Gaza-Streifens ist derzeit besonders sicherheitsgefährdet. Seit dem 18. Januar 2009 herrscht nach kriegerischen Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen dort eine fragile Waffenruhe. Es kommt zu unregelmäßigem Beschuss israelischer Städte in der Grenzregion durch Qassamraketen. Von Reisen in Gebiete in der Nähe des Gaza-Streifens wird daher dringend abgeraten.”
Soweit also die deutsche Diplomaten-Sicht der Dinge. Aber es kommt besser, viel besser.
Denn wir wenden wir uns den Empfehlungen aus Österreich zu:
“Bei Reisen nach Israel wird auf das hohe Sicherheitsrisiko wegen der besonders großen Terrorbedrohung aufgrund der gespannten Beziehungen zu Gaza und dem Westjordanland aufmerksam gemacht. In der Vergangenheit waren Stadtbusse, Menschenansammlungen in Märkten, Restaurants, Cafés, Diskotheken u.a. Ziele von schweren Terroranschlägen.”
Als geübter Reisebulletin-Leser haben Sie natürlich bemerkt, dass die Wiener Diplomaten von “gespannten Beziehungen” zu Gaza und dem Westjordanland” schreiben; drohende (besetzte) Gebiete, sozusagen. Sama ned so deetailbesessen, ge. Besonderes Augenmerk richten die Beamten von Wien eh’ auf Jerusalem:
“In Städten wie Jerusalem können sich immer wieder Messerattentate auch auf Touristen ereignen. Deshalb wird geraten, keine große Aufmerksamkeit als Tourist bzw. Pilger auf sich zu lenken.”
Messerattacken, tja. Gab’s glaub Eine (1) in den letzten fünf Jahren gegen Touristen. In Rio, Johannesburg, Moskau, Chicago oder sonstigen Metropolen geht’s meines Wissens leicht unerfreulicher zu und her. Dort wird dann halt vor Taschendieben gewarnt.
So, und jetzt die Schweizer Empfehlungen:
“Die Gefahr von Terroranschlägen, besonders Selbstmordattentaten, nimmt im ganzen Land zu.”
Der sitzt, finde ich. Das muss der absolute Lieblingssatz jedes israelischen Touristikers sein. Und dem Palästinenser kann man ja irgendwie echt nicht trauen, gell.
Aber immerhin haben die Diplomaten im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA konkrete Tipps parat, wenn Sie denn unbedingt kommen wollen:
– “Seien Sie aufmerksam, beobachten Sie Ihre Umgebung genau und meiden Sie nach Möglichkeit Einkaufszentren, Gaststätten, öffentliche Verkehrsmittel sowie generell Demonstrationen und grössere Menschenansammlungen.”
- “Informieren Sie die Schweizerische Botschaft in Tel Aviv über Ihren Aufenthalt und teilen Sie ihr folgende Angaben mit: Personalien, Reiseplan sowie Kontaktadressen in Israel und in der Schweiz.”
Glaube nicht, dass ich ein Geheimnis verrate, wenn ich Ihnen erzähle, dass auch Schweizer Diplomaten in Israel ganz gerne auswärts essen, einkaufen und am Meer bummeln. Aber hinterlassen Sie ruhig Ihre Telefonnummer bei der Botschaft, am besten auch gleich die Ihrer Geschäftspartner. Man kann ja nie wissen.
Und falls Ihnen die Reise-Lust noch nicht vergangen sein sollte, hier noch ein spezieller Hinweis aus Wien:
“In Anbetracht der kulturellen Vielfalt, vorherrschender Sitten, Gebräuche und Religionen in Israel wird besonderer Bedacht beim zwischenmenschlichen Verhalten in der Öffentlichkeit nahe gelegt, da sonst mit Strafen gerechnet werden muss.”
Hey, gute Reise!
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Un-diplomatischer Nachtrag in eigener Sache: Ja, wir essen auswärts. Ja, wir kaufen unsere Lebensmittel im Shopping-Center ein. Ja, unsere Tochter rennt in öffentlichen Parks herum. Ja, unsere Tochter tollt auf Spielplätzen rum. Ja, wir gehen auf den Markt. Ja, wir besuchen Konzerte. Ja, wir tanzen ab (okay, selten). Ja, meine Tochter geht in den öffentlichen Kindergarten. Ja, wir fahren nach Jerusalem. Ja, wir fahren ins besetzte Westjordanland, mit Tochter. Ja, ich besuche den Gaza-Streifen. Ja, ich mag Diplomaten. Nein, ich habe keine Angst.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com, einem inhaltlichen Partner der Readers Edition.
Ist ja wirklich der totale Wahnsinn, wie bei uns behördlich die Knechtung der Palästinenser und der Raaub Ihres Landes aufgenommen wird. Sie stören eben die Touristen beim Besuch der heiligen Stätten!