Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

Erst macht er sich über den Microblogging-Dienst Twitter lustig, dann “vernichtet” er mal so ganz im Vorübergehen CNBS. Der US-amerikanische Komiker und Gastgeber von “The Daily Show”, Jon Stewart, trifft mit seiner spitzen Zunge mal wieder voll ins Schwarze. “Ein Königreich für einen irgendeinen deutschen Fernsehmoderator, der auch nur die

jonst.jpgErst macht er sich über den Microblogging-Dienst Twitter lustig, dann “vernichtet” er mal so ganz im Vorübergehen CNBS. Der US-amerikanische Komiker und Gastgeber von “The Daily Show”, Jon Stewart, trifft mit seiner spitzen Zunge mal wieder voll ins Schwarze. “Ein Königreich für einen irgendeinen deutschen Fernsehmoderator, der auch nur die Hälfte von dem drauf hat, was JS 4x die Woche raushaut”, ist da nur eines der vielen begeisterten Kommentare, die sich derzeit bei Stefan Niggermeier zum Thema finden lassen. Denn die Zuschauer sind sich einig: “Jon Stewart (trifft) da, wo es wirklich weh tut: So muss Fernsehen aussehen.” Allerdings sollte ein solche Forderung nicht nur für das TV-Programm gelten. Unsere Autoren jedenfalls stechen mit ihren Beiträgen von Zeit zu Zeit in ebenso tiefe Wunden.

Die Gesellschaft auf dem Prüfstand

Da ist zum Beispiel Bernd Seckfort. Erst seit Anfang des Jahres ist der Diplomingenieur auf der Readers Edition vertreten und doch hat er seitdem für so einigen Zündstoff gesorgt. Mit “Gewalt ist eine primitive Unfähigkeit” nähert er sich am vergangenen Montag einem Kernproblem unserer Gesellschaft an und überträgt Vorgänge aus dem privaten Miteinander auf die Situation im fernen Israel. Er ist überzeugt: “Die kulturellen Regeln einer intakten Partnerschaft lassen sich auch auf die Beziehungen zwischen den Völkern anwenden” und Konflikte auf der Welt auf diplomatischen Wege gelöst werden. Anwendung von Gewalt hingegen sei ein “ziemlich erbärmliches Armutszeugnis”, so der Autor, der sich nachfolgend an die Bürger und Politiker der beiden Völker wendet, weiter. Sein Schlusswort wirkt dabei mahnend und prophetisch zugleich: “Wir Menschen nennen uns selber Homo sapiens sapiens. Der Homo sapiens ist der vernuftbegabte Mensch. Ein Homo sapiens sapiens ist besonders vernunftbegabt. Jetzt können wir beweisen, ob wir wirklich über diese Vernunftbegabung verfügen. Denn in der Vergangenheit haben wir kläglich versagt.”

Jochen Ebmeier
, vielen Lesern durch seine Philosophische Wendeltreppe sehr gut bekannt, widmet sich ebenfalls seit Beginn der Woche einem nicht minder weitreichendem Gebiet. “I. Schulkritik: ‘Wo bleibt das Positive?’” fragt er nun in die Runde. “In den Jahren 2000 bis 2005 verfolgten die Freunde des Landschulheims Fürstlich Drehna e.V. den Plan einer musisch-ästhetischen Bildungsstätte in einem spätmittelalterlichen Wasserschloss(…). Aber der (…) Schlosseigentümer zog schließlich einen Hotelbetrieb vor. Ob das wirtschaftlich klug war, wird sich zeigen”, läutet er ein, nimmt aber eigentlich die Antwort schon vorweg.  Was folgt ist ein Abriss über Bildungsreformen, dem Sinn des Lernens, den damit verbundenen Schwierigkeiten sowie der Kritik an Modellen, die alles andere als Erfolg nach sich gezogen haben. Schon einen Tag später schiebt er deshalb einen zweiten Teil nach, indem er ganz klar Stellung bezieht: “(…) Pädagogen (können) in Fürstlich Drehna Neuland aller Art betreten – und sich daran erinnern, warum sie diesen Beruf einmal gewählt haben.”

Krisen dieser Welt: Von Europa bis Gaza

Von einem Wasserschloss weg werden wir mit Claus-Dieter Stille mitten hinein in ein Krisengebiet katapultiert. Sein gestriger Beitrag “Gaza: Die einen Zerstören – die anderen bauen auf – Ein Kommentar” erhitzt die Gemüter und hat bis dato 20 Reaktionen auf den Plan gerufen. Schon sein Eingangssatz scheint für Zündstoff zu sorgen. Er schreibt: “Immer mehr wird klar: die von Israel angeblich gegen die Hamas geführten Angriffe im Gaza-Streifen, waren in Wirklichkeit ein Krieg gegen die dort lebende Bevölkerung.” und bezieht sich damit auf den Abgeordneten der Linken, Norman Paech, der selbiges in einem Interview erklärte, nachdem er kurz zuvor vor Ort weilte. Nun wurden der gebeutelten Region Aufbauhilfen in Höhe von fast 4,5 Milliarden Dollar zugesagt, die für Paech einen faden Beigeschmack haben. Handelt es sich hierbei im Grunde nicht gar um eine “Legitimierung des Krieges”? Und überhaupt, macht das jetzige Vorgehen überhaupt Sinn? Für den Politiker scheint klar: “Es wird keinen Frieden geben, wenn nicht die Besetzung des Westjordanlands wie faktische Besetzung Gazas beseitigt wird.” Druck auf Israel müsse demnach her. Und was ist mit der deutschen Bevölkerung?, fragt Stille. Auch hier müsse es einen Wandel geben und Dinge endlich offen ausgesprochen werden.

Nachdenklich stimmt an diesem Freitag auch unser Wirtschaftsexperte Georg Erber. “Brauchen wir eine Europäische Wirtschaftsregierung?“, fragt er uns nämlich am frühen Mittag und schon während der ersten Zeilen wird deutlich: diese Frage kann in Anbetracht der derzeitigen Situation nur rhetorisch gemeint sein. Denn “im Rahmen der globalen Wirtschaftskrise (droht) auch die Europäische Währungsunion in eine tiefe Krise zu stürzen.” Eine rasche, aber vor allem umfassende Reform der EU sei nun nötig. Und wie das gehen könnte, das zeigt er anschließend ausführlich auf. Für den Autor ist jedenfalls klar: “Die Zeit drängt.” Die Bundesregierung solle sich daher lieber den Herausforderungen der massiv an Fahrt aufnehmenden Krise stellen, anstatt sich in den Wahlkampf zu verabschieden. Auf anderem Wege sei die derzeitige Situation nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen.

Technik, die begeistert – oder eben auch nicht

Am Ende unserer heutigen Rundschau heißen wir auf ein Neues ein weiteres Mitglied in unserer Autorengemeinschaft willkommen. Mit “Apples neue Welt mit Schönheitsfehlern für die Verbraucher” gibt an diesem Freitag Norman Förderer sein Debüt auf der Readers Edition. Er widmet sich kurz vor dem Wochenende dem Unternehmen Apple, das derzeit immerhin auf Platz sieben der teuersten Marken der Welt rangiert. Der Experte in Sachen Konvertieren von Musik und Co. nimmt das Gebaren des Megakonzerns in Sachen DMR unter die Lupe und kommt zu dem Schluss: “Obwohl Apple sich als Kämpfer für die Abschaffung des DRM Kopierschutzes in der Öffentlichkeit einsetzt, so trüben Aktionen und Meldungen von Verbraucherschutzorganisationen dieses Bild.” Denn, was Apple als neue Freiheit verkauft, kostet den Verbraucher in Wahrheit einiges Geld. Der Autor ist sich jedoch sicher, hinnehmen muss das der Kunde nicht und stellt schließlich einige interessante Möglichkeiten vor, wie dieser relativ kostengünstig doch noch zu seinem vollen “Sounderlebnis” findet.

Kehren wir aber nun noch einmal zurück zu Jon Stewart. Diesem sind trotz des Abtritts von George W. Bush die Witze bis dato nicht ausgegangen. Gott sei Dank, möchte man sagen. Denn: “Er kritisiert in eine solch vernünftigen und bodenständigen Art und Weise, dass man nur den Hut ziehen kann.” Doch wie steht’s in Deutschland? “Wir haben in unserer eigenen Medienlandschaft genug fähige Leute, was am Ende fehlt ist das Geld, bzw. ein Produzent/Programmredakteur mit dem nötigen Mut”, wird da in die Runde geworfen. Aber wer weiß, vielleicht bringen ja gerade Sie, lieber Leserinnen und Leser, Autorinnen und Autoren, diesen noch schärfer als bisher auf.

Mit einem Augenzwinkern verabschieden wir uns an dieser Stelle auch schon wieder von Ihnen. Legen Ihnen aber abschließend auch noch unsere Artikel des Monats Februar ans Herz. Da erreichte der Artikel “Zwischen Leben und Tod” von Julien Germain eine durchschnittliche Leserbewertung von 5.4 Punkten, die höchste Bewertung unserer Jury mit 5 Punkten und somit den ersten Platz. Den zweiten Rang belegt ““Wo laufen sie denn?” oder: Warum die schlimmste aller Wirtschaftskrisen auch die merkwürdigste ist” von Niclas Grabowski mit 3 Punkten in der Jury- und 5.3 Punkten in der Leserwertung. An den Beitrag “Brandenburger wehren sich mit Argumenten gegen neue Tagebaue” von volly tanner vergaben die Jury ebenfalls 3 Punkte und die Leser 5.1 Punkte und er erreicht somit den dritten Platz. Herzlichen Glückwunsch an die drei Sieger-Autoren und vielen Dank an die Jury!

Nun wünschen wir Ihnen ein geruhsames Wochenende. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition.

Photo Quelle/Copyright: Couche Tard, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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