Erneuter Wirbel um katholische Kirche – Blogger sind entsetzt über brasilianischen Erzbischof

Seit kurzem kursiert die genauso schreckliche wie unglaubliche Meldung im Netz: Nach der Abtreibung bei einem neunjährigen Kind, das nach einer Vergewaltigung durch den Stiefvater mit Zwillingen schwanger war, habe der Erzbischof der nordostbrasilianischen Gemeinde Recife, José Cardoso Sobrinho, die Mutter des Mädchens sowie das durchführende Ärzteteam exkommuniziert. Er argumentierte,

Seit kurzem kursiert die genauso schreckliche wie unglaubliche Meldung im Netz: Nach der Abtreibung bei einem neunjährigen Kind, das nach einer Vergewaltigung durch den Stiefvater mit Zwillingen schwanger war, habe der Erzbischof der nordostbrasilianischen Gemeinde Recife, José Cardoso Sobrinho, die Mutter des Mädchens sowie das durchführende Ärzteteam exkommuniziert. Er argumentierte, trotz der Lebensgefahr, die für das kleine Mädchen bestanden hat: “Gottes Gesetz” stehe auch hier über den Gesetzen der Menschen. Schließlich hätten die Kinder am Ende der Schwangerschaft seiner Meinung nach auch per Kaiserschnitt geholt werden können.

Nach dem Skandal um den Holocaust-Leugner Williamson sorgt das Gebaren der katholischen Kirche nun erneut für Wirbel. Nicht nur in Brasilien zeigen sich die Menschen über das rigorose Vorgehen, von dem die Neunjährige selbst allerdings nicht betroffen ist, entsetzt. Auch Blogger auf der ganzen Welt haben wenig Verständnis für dieses unverhältnismäßige Urteil.

“Diese Menschenverachtung der römisch-katholischen Kirche ist absolut ekelhaft und unterträglich.”

So schreibt etwa Thorsten auf Lockerblog.de: “Eine brasillianische Freundin sagte mir gerade am Telefon, dass es sich um arme Leute handelt, die wohl froh sind, wenn sie das tägliche Essen auf den Tisch bekommen. Und jetzt nimmt man ihnen noch den Glauben.”
Auf saarbreaker.com fällt die Kritik hingegen deutlich schärfer aus: “Ich dachte bisher ja, die katholische Kirche würde sich um ihre misshandelten Schäfchen kümmern, dass sie das aber in einer derart widerwärtigen Weise tut, ist mir nicht nur neu, sondern ich empfinde es als verachtenswert.” Hans Brakhage findet angesichts dessen fast keine ruhigen Worte mehr. Er verurteilt das Ganze auf grauwolfzauberer.blogiander.de mit aller Entschiedenheit und lässt seine Leser wissen: “Diese Menschenverachtung der römisch-katholischen Kirche ist absolut ekelhaft und unterträglich.” Mit Gott, Christentum und Glauben habe das alles nichts mehr zu tun. Im Blog “quadratiuarcirculi” konnten sich die Autoren dennoch ein Stück weit Ironie bewahren. Dort heißt es: “Gute Nachrichten für die TAZ – Sie kann wieder mit ihren Austrittsformularen aus der katholischen Kirche wedeln. Und diesem Wedeln ist dieses mal nichts entgegen zu setzen.” Denn, mit dieser Entscheidung richte sich die katholische Kriche selbst zugrunde. Dafür bedürfe es keinen Williamson und Angela M. werde diesbezüglich garantiert nicht den Papst anrufen.

Hoffen auf internationalen Druck auf die katholische Kirche

Weniger erstaunt über die Entscheidung in Brasilien zeigt sich indes ein Kommentator des oben genannten Beitrags: “Mit solchen und anderen Dingen beweist die katholische Kirche ständig, dass sie mit Christentum und Bibel oft nicht mehr viel zu tun hat.” Dem kann sich auch Karsten Rohde auf pi-news.de mit stoischer Gelassenheit anschließen. Er sagt: “Mir waere so eine Exkommunikation relativ schnuppe, aber in diesem Land ist sie es den meisten Leuten nicht, und so kann man denn nur hoffen, dass der internationale Druck auf die Kirche so gross sein wird, dass das zurueckgenommen wird.”

Immer mehr Rufe nach Konsequenzen hinsichtlich des mittlerweile in Haft sitzenden Stiefvaters werden laut und auch Angriffe gegen die Mutter des Kindes, welches über Jahre missbraucht wurde, mehren sich derzeit im Netz. Verständnis- und Fassungslosigkeit beherrschen die unzähligen Blogeinträge, in denen sich deutlich gegen ein Kirchengesetz, das über der Würde eines Menschen zu stehen scheint, gestellt wird. Die Frage, ob das Appell von revelation-of-silence.com hier allerdings etwas ausrichten kann, scheint daher mehr als nur berechtigt: “Ganz ehrlich: es wird Zeit, dass dieser Mist aufhört. Wir müssen uns human verhalten, weil wir Menschen sind, weil es sinnvoll ist, als Mensch unserem Nächsten zu helfen; weil wir es wollen, weil wir es für richtig halten”, schreibt der Autor und fährt fort: “(…) Die Kirche muss aufhören, den Menschen im Weg zu stehen. Die Welt hat sich weitergedreht – und wir müssen uns den Herausforderungen stellen. Der Papst und die katholische Kirche tragen durch ihre erzkonservative, verbohrte und antiquierte Politik, die beispielsweise nach wie vor Kondome verbietet, direkt Schuld am Tod von unzählbar vielen Menschen (…).”

Auf den Seiten der Katholischen Nachrichten sieht der Fall “natürlich” ein bisschen anders aus. Hier heißt es, dass die Abtreibung erst auf Druck der Familie durchgeführt wurde, die ein Gespräch mit dem Kirchenmann am Vortag des Eingriffs ablehnte. Das Mädchen selbst, so diese Version, hätte die Zwillinge behalten wollen. Eine Legitimation für die Reaktion des Erzbischofs, der dem Regelwerk der Kirche ohne Rücksicht auf Verluste zu folgen schien, sind diese Zeilen allerdings nicht.

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