Die American International Group (AIG) hat erneut, d.h. zum vierten Mal die US-Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten. Andernfalls drohe der finanzielle Kollaps. Dieser könnte nach eigener Einschätzung des Versicherers, der als weltweit größter Versicherer von Credit Default Swaps (CDS) gilt, einen Zusammenbruch der weltweiten Geldmärkte nach sich ziehen. Insbesondere Geldmarktfonds seien in ihrer Existenz bedroht. Bereits die Zinspolitik mit Zinssätzen nahe der Null-Prozentgrenze hätte ihnen schwer zugesetzt, da die Verdienstmargen entsprechend gesunken seien. Darüber hinaus würden insbesondere auch europäische Banken und Versicherer, die von einer Kreditrisikoabsicherung mittels CDS regen Gebrauch gemacht haben, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Würden die CDS-Absicherungen der AIG im Falle der Insolvenz wertlos, dann müssten entweder die damit abgesicherten Risiken bilanziert oder neue jetzt deutlich teurere Kreditausfallversicherungen abgeschlossen werden.
AIG ein Fass ohne Boden
Wegen der fehlenden bzw. wesentlich zu niedrigen Eigenkapitalunterlegung der CDS führen die Kreditausfälle z.B. auch durch die Insolvenz von Lehmann Brothers zu entsprechenden Fälligkeiten des Kreditversicherers AIG. Nachdem bereits im vierten Quartal einer auch für amerikanische Verhältnisse höchster Bilanzverlust von 61,7 Mrd. US-Dollar ausweisen musste, scheint das Drama noch lange nicht zu Ende zu sein. Nachdem bereits die US-Regierung 160 Mrd. US-Dollar an Soforthilfen für AIG bereitgestellt hat, wachsen jedoch die Widerstände ständig nachzuschießen. Insbesondere wächst die Frustration, dass man dabei auch die Verluste von ausländischen Geschäftsbanken und Versicherungen insbesondere in Europa mit Geldern der amerikanischen Steuerzahler absichert.
Soll Europa die AIG retten helfen?
Von daher appelliert AIG offenbar ähnlich wie General Motors bei Opel auch an die europäischen Regierungen sich an der Stützung von AIG zu beteiligen. Die europäischen Regierungschefs müssen sich jedenfalls auf einen Anruf aus Washington einstellen. Zwar sind Ben Bernanke und Timothy Geithner noch bereit die AIG durch massive finanzielle Unterstützung durch die US-Regierung und die US-Zentralbank am Leben zu halten, aber es bleibt offen, ob diese Bereitschaft auf Dauer aufrechterhalten werden kann. Sollte sich ähnlich wie im Fall der Lehmann Brothers-Pleite die Vorstellung bei führenden Mitgliedern der US-Regierung und des US-Kongresses breit machen, dass man ohne die Hilfe der Europäer nicht länger bereit ist, AIG zum Allgemeinwohl der weltweiten Finanzmärkte am Leben zu erhalten, dann könnte dem 9/15 der Lehmannpleite auch noch eine mindestens genauso verheerende Pleite der AIG drohen.
Die dabei ausgelösten Folgen wären erneut genauso unabsehbar wie die der Lehmann Pleite im September letzten Jahres. Glänzende Aussichten.
Ich bin der Meinung, das man Opel in Deutschland unterstützen sollte, da die Absatzzahlen gar nicht so schlecht sind. Aber immer weiter Geld in etwas zu pumpen, daß vielleicht sowieso nicht mehr zu retten ist, halte ich für falsch. Vielleicht wäre ein abruptes Ende ein besseres, als das langsame Sterben.