Lange war es still um die Führung in Nordkorea und seinen “geliebten Führer” Kim Jong-il. Nun dringen die Stimmen aus dem abgeriegelten Land nach aussen. Die Führung in Pjöngjang gab bekannt, dass die Truppen Nordkoreas in voller Kampfbereitschaft seien. Gleichzeitig wurde die letzte Leitung in den Süden des Landes gekappt.
Die Maßnahmen sind Reaktionen auf das gemeinsame Großmanöver des Nachbars Südkorea und den USA, das bis zum 20. März 2009 andauern soll. Über diesen Zeitraum hinweg bleiben auch die Telefonleitungen unterbrochen. Das Manöver, an dem 26.000 US-Soldaten und über 30.000 Soldaten von Südkorea teilnehmen, verurteilte die Spitze des kommunistischen Staates als “beispiellos”. Man warnte “die US-Imperialisten und Kriegstreiber der südkoreanischen Marionettenarmee” vor einem Angriff.
Drohung mit Vergeltungsschlägen
Konkreter drückte sich die Führung bezüglich ihres geplanten Raketenstarts aus: Ein Satellit soll zu friedlichen Zwecken ins All geschossen werden. Sollten Versuche unternommen werden, diesen abzuschießen, würde Nordkorea mit Vergeltungsschlägen gegen die USA, Südkorea und den früheren Kolonialherrscher Japan reagieren. Die USA vermuten, dass es sich nicht um einen Satelliten, sondern um den Test einer Langstreckenrakette handelt, die theoretisch auch Alaska und damit amerikanisches Staatsgebiet erreichen könnte. Daher wurde ein Abschuss nicht ausgeschlossen.
Über den Zeitraum hinweg, imdem die Kommunikationsleitungen still gelegt sind, können mehr als 700 Arbeiter aus Südkorea nicht zu ihren Arbeitsplätzen im Norden des Landes. Dort befindet sich der gemeinsames Industriekomplex, der im Jahr 2005 als Zeichen der gemeinsamen Aussöhnung der beiden Landesteile erbaut wurde. Für Grenzübertretungen ist die telefonische Erlaubnis einzuholen.
Wahlfavorit: der Lieblingssohn des Diktators
Mitten in dem Trubel wurden die Volkswahlen in Nordkorea abgehalten. Pro Bezirk stand ein Kandidat der Kommunistischen Partei zur Wahl aus. Kim Jong-il wurde nach Angaben der staatlich kontrollierten Medien einstimmig wieder in die oberste Volksversammlung gewählt. Eine Liste mit weiteren Mitgliedern von Volksvertretern soll heute veröffentlicht werden. Auch der designierte Nachfolger des “geliebten Führers” soll genannt werden. Die meisten tippen auf Kim Jong-un. Der 25-Jährige ist der dritte und jüngste Sohn. Aus einer nordkoreanischen Militär-Memo wurde die Information über seine Kandidatur bekannt. Es soll der Lieblingssohn des Diktators sein und die meisten Führungsqualitäten von den Brüdern besitzen. Bis 1998 besuchte der vermutliche Thronfolger unter inkognito eine Schule in Bern.
Seit Kim Jong-il im August plötzlich verschwunden ist, wurde spekuliert, welcher der drei Söhne die Führung nach dem Tod des Diktators übernehmen wird. Vermutlich hat Kim einen Schlaganfall erlitten. Seither erscheinen Fotos von ihm, so auch bei seinem Gang zur Wahlurne, die bezeugen soll, dass der Führer noch lebt. Die Erkrankung ist vermutlich auch die Ursache für die Verschiebung der Wahlen. Sie fand mit einem halben Jahr Verspätung statt. Kim sollte als Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission wiedergewählt werden und damit weiterhin über die 1,1 Millionen Mann starke Armee verfügen. Die Nachrichten über eine Erkrankung, gar ein mögliches Ableben des Herrschers wurden in den vergangenen Monaten als Verleumdung abgetan. Stattdessen wurden Botschaften über einen vielbschäftigen Kim verstreut, der die Macht voll im Griff hätte und vorbereitet sein, der feindlichen Welt gegenüberzutreten. Unterstrichen wurden die Bekanntgebungen mit Fotos, auf denen Kim Jong-ils mit staatstragenden Posen zu sehen ist. Viele befürchten Verschleierungstaktiken der Führung.
Photo: Kim Jong-il (hier: 2008) / Autor: Borut Peterlin via flickr.com (cc Lizenz)
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