Conficker: “Die wahren Risiken der IT” liegen woanders

Wie heise und andere Medien am Montag den Software-Hersteller Symantec zitierend vermeldeten, macht sich der Computerwurm Conficker auf, noch angriffslustiger und damit gefährlicher zu werden. Was ist dran an der neuen Hiobsbotschaft? Noch immer variieren Angaben über Verbreitung und Bedrohungsgrad des Virus stark. Der Verbraucher schwebt zwischen Entwarnung und Hysterie.

kjhgf.jpgWie heise und andere Medien am Montag den Software-Hersteller Symantec zitierend vermeldeten, macht sich der Computerwurm Conficker auf, noch angriffslustiger und damit gefährlicher zu werden.

Was ist dran an der neuen Hiobsbotschaft? Noch immer variieren Angaben über Verbreitung und Bedrohungsgrad des Virus stark. Der Verbraucher schwebt zwischen Entwarnung und Hysterie.

Die tickende Zeitbombe

Wie es heißt, soll Conficker nun bereits beginnen, sich aktiv gegen Anti-Viren-Software zu wehren und Kontakt mit wesentlich mehr Domains aufzunehmen. Eine Meldung, welche die Alarmglocken schrillen lassen sollte oder nur ein Strohfeuer, um den Medienhype um den Wurm neu zu entfachen? Immerhin hatte schon im Januar die von “Computer-Bild” beauftragte Firma AV-Test (immerhin lt. “Computer-Bild” Europas größtes unabhängiges Viren-Testcenter) das Argument ins Feld geführt, dass die ganze Hysterie um Conficker gezielt von der Antivirenscanner-Industrie geschürt worden sei. Höchstens 500.000 Rechner seien weltweit infiziert (in anderen Medien wie etwa “Spiegel Online” war zeitweilig von bis zu 50 Mio. die Rede) und alle getesteten aktuellen Internet-Schutzprogramme hätten den Wurm problemlos erkannt und unschädlich gemacht.

Stellt sich die Frage: Benutzen das deutsche Militär oder die Landesregierung in Kärnten keinen Virenscanner, wie zwei von vielen Fällen des Befalls durch Conficker zwangsläufig offenlegten? So viel Leichtsinn, geht das? Schwer vorstellbar, doch der verunsicherte Verbraucher muss sich mit der Erklärung scheinbar abfinden. So sieht er sich weiterhin zwischen den beiden Polen Hoffnung auf Entwarnung und latenter Sorge vor der Virenkatastrophe daheim am eigenen Rechner. Aber das größte Rätsel bleibt weiterhin, auch für Experten: Zwar hat der Wurm bereits Rechner – je nach Quelle – in einer Größenordnung von mehreren hunderttausend bis mehreren Millionen befallen. Doch darüber hinaus fehlt noch immer das schadauslösende Moment, das die Programmierer des Wurms per Internetbefehl dieser tickenden Zeitbombe jederzeit zuweisen könnten.

“Die Bundesregierung unterstützt dies.”

Wie gefährlich also ist der Wurm? Während manche Fachleute bereits warnten, der Nachfolger von Conficker (“Son of Conficker”) könnte das “Netz völlig lahm legen”, sehen das andere gelassener. Einer, der hierauf eine fundierte Antwort geben kann, ist Hartmut Pohl, Professor für Informationssicherheit an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Auf Anfrage von Readers Edition weist er darauf hin, dass “kommerzielle Anbieter von Software zur Suche von Viren, Würmern und Trojanischen Pferden hier schon aktiv waren, sodass Conficker gar kein Risiko mehr darstellt, wenn man eines der Tools einsetzt!”

So legt er den Focus in seiner Antwort auf einen ganz anderen Aspekt der Gefährdung. Die “wahren Risiken der IT”, so Pohl, lägen “in der fehlenden Sensibilität der Anwender, Bürger und Politiker (z. B. Gesundheitskarte: Speichern aller Gesundheitsdaten auf Servern im Internet) und in den unveröffentlichten Sicherheitslücken, mit deren Hilfe die organisierte Kriminalität und Nachrichtendienste in jeden (!) Computer eindringen und die gespeicherten Daten auslesen können.” Sein ungeschöntes Fazit: “Die Bundesregierung unterstützt dies.”

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Photo/Autor: Martina Taylor via pixelio.de (Hinzugefügt von lemontree)

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