… oder die Renaissance des Sozialismus
1. Regeln verhindern Krisen? Nein, nach der Krise ist vor der Krise.
Wer glaubt, es gäbe eine Vollkaskoversicherung gegen die Krise an sich, der irrt. Und wer glaubt, die Planwirtschaft sei eine Alternative zur Krisenanfälligkeit des Marktes, der irrt sich ebenso. Die Krise des Marktes bricht in Zyklen ein, die Krise der Planwirtschaft ist allgegenwärtig, denn im Sozialismus herrscht eine Dauerkrise: der Mangel.
Bevor wir uns einbilden, wir könnten uns die nächste Krise ersparen, sollten wir uns folgende Frage stellen: Wie können wir Regeln aufstellen, die etwas verhindern, was wir noch nicht kennen?
Da wir die Zukunft nicht kennen, können wir auch nichts von zukünftigen Krisen wissen. Und die Zukunft kommt immer anders als man denkt. Das Unerwartete kommt und geht in Form von Finanzkrise, Irak-Krise, Neuer-Markt-Krise, Ölkrise, Wirtschaftskrise.
Es warnen zwar meist kassandrische Propheten – wie die Ökonomen Nouriel Roubini und Robert J. Shiller vor der Finanzkrise – doch was gilt der Prophet am Rande des Abgrunds. Nichts, denn wer glaubt an den tiefen Fall, wenn alle Anderen glauben, der “Hype” verleihe Flügel.
2. In der Krise wird der Staat alles richten? Ganz und gar nicht!
Krisen machen Angst. Der Ängstliche braucht Sicherheit. Er glaubt, der starke Staat könne die Krise meistern. Leider glauben das auch die Vertreter des Staates. Und sie machen sich die Krise untertan. Der Staat darf nun schalten und walten wie er will.
Da wird verstaatlicht, enteignet, in Unternehmen hinein regiert, da werden Steuergelder verpulvert, so dass es dem Liberalen Angst und Bang wird, während der Sozialist hofft, dass der Sozialismus nun doch noch siegen könnte. In der Krise haben Instrumente der sozialistischen Planwirtschaft Hochkonjunktur. Doch der Staat kann es nicht und wird es nicht richten – er verbrennt nur das Geld der Bürger und unsere Kinder werden sich später bei uns für die Schuldentilgung bedanken.
3. Nicht der Markt hat versagt, sondern seine Spieler!
In der derzeitigen Krise hat nicht der Markt versagt – ganz im Gegenteil: er hat völlig logisch reagiert. Versagt haben die Spieler im Markt: Institutionen, Menschen wie Politiker und Manager. Bankrotte Staaten, wie z.B. Island haben jahrelang auf Pump gelebt. In Deutschland wurden die größten Fehler von den staatlich kontrollierten Landesbanken sowie von der KfW- Bankengruppe einschließlich der IKB gemacht. Die US-Notenbank hat mit ihrer Niedrigzinspolitik die Immobilienblase aufgepumpt. Die US-Politik hat den Immobilienbesitz auf unverantwortliche Weise gefördert. Ex-US Notenbank Chef Alan Greenspan hatte alle geplanten Regulierungen der expandierenden Finanzmärkte boykottiert.
Und auch wir Ottonormalverbraucher haben kräftig mitgemischt. Es war der kleine Mann, von der Gier nach einem Eigenheim getrieben, der einen Kredit in Anspruch nahm, den er nicht zurückzahlen konnte. Es waren Bankangestellte, welche die Kredite genehmigten, obgleich sie wussten, dass die meisten Gläubiger nicht in der Lage gewesen waren, diese irgendwann einmal zu tilgen. Es waren Bankmanager, die sich immer riskantere Finanzprodukte ausdachten, um ihre faulen Kredite an den Mann zu bringen. Es waren Derivatebroker, die Anlegern hochspekulative Produkte verkauft hatten. Es waren risikobereite Anleger, die ihr Portfolio mit faulen Papieren aufgestockt hatten. Und schließlich waren es Topmanager, die ihrer Führungs- und Kontrollfunktion nicht nachgekommen waren. Das sind nur einige Beispiele – die Liste ist bei Weitem nicht vollständig.
Fazit: An der Krise waren alle Spieler beteiligt. Jetzt mit dem Finger auf einen Hauptverantwortlichen zu weisen ist völlig unsinnig!
Warum spielen wir? Erwartungen an zukünftige Gewinne machen uns zu Spielern. Heute sind es die geplatzten Derivate, gestern war es der Neue Markt, der zusammengebrochen ist. Unser “Animal spirit” (Keynes) lässt uns zunächst zaghaft die Angst vor dem Risiko überwinden, wir werden mutiger und die Gier treibt uns ins Spiel. Ist die Gier größer als die Angst, investieren wir am Neuen Markt, in Immobilien oder als institutionelle Anleger in die große Unbekannte: Derivate. Platzt die Blase unverhofft, sind wir die Verlierer. Nach der “Neuen-Markt-Krise” heulten wir eine Weile mit den Wölfen, leckten unsere Wunden und versuchten es ein paar Jahre später mit hochriskanten Derivaten wieder. Das ist das Minsky-Spiel, das uns der Ökonom Hyman Minsky beschrieben hat. Und zehnjährlich grüßt das Murmeltier. “The show must go on!”
Der größte Verlierer der Krise ist die Wahrheit
Es wird gelogen und betrogen, dass sich die Balken biegen. Selbst CDU-Politiker geben vor, dass die Krise ein Beweis für das Versagen der Marktwirtschaft sei. Es wird geheult und gewettert und an Stammtischen wird nun bestätigt, was viele Menschen schon lange vermutet haben: Mit dem Untergang der DDR und der Sowjetunion habe das falsche System gesiegt. Die entfesselte Marktwirtschaft sei gescheitert.
Dabei hat es eine entfesselte Marktwirtschaft noch nie gegeben, noch nicht einmal in der Vorzeige-Marktwirtschaft, den USA.
In allen Ländern existiert ein von der Politik gesetzter und vom Recht legitimierter Rahmen. Die “gefesselten” Menschen können nur innerhalb der herrschenden Spielregeln ihre Bedürfnisse befriedigen. Das Phantom “entfesselte Marktwirtschaft” sehen nur die gefesselten Menschen in Platons Höhlengleichnis.
Krisen sind notwendig!
Der Sozialismus macht die Krise zum Dauerzustand. Eine bürokratische Planwirtschaft wird keine Erfolge zustande bringen. Auch die letzten Inseln des Sozialismus, beispielsweise Kuba und Nordkorea, werden sich bald von den Fesseln der “Diktatur des Proletariats”, whatever it is today, befreien. Und wir Kinder des Wirtschaftswunderlandes sollten akzeptieren, dass die ungemütlichen Krisen zum Leben gehören wie unser täglich Brot. Die Krise ist die Aktivseite der Bilanz. Auf der Passivseite stehen Wohlstand und Freiheit.
Wenn wir klug sind, nutzen wir die Chancen, die sich aus der Finanzkrise ergeben. Wir brauchen nicht unbedingt mehr Regulierung, sondern wir brauchen bessere Regeln, die dann auch angewendet werden. Das interne “Risk Management” muss verbessert werden, ganz besonders bei den Banken und bei den konstitutionellen Anlegern. Die Aufsicht muss sich bemühen, die komplexen Produkte zu verstehen und Vorsicht walten zu lassen anstatt Entscheidungen einfach nur abzunicken. So kann die die Krise auch eine Chance sein.
Photo Quelle/Copyright: Gerd Altmann, via pixelio.de
die Renaissance des Sozialismus wird es nicht geben, denn weder Sozialismus, noch Kapitalismus konnten die Welt verbessern. Es ist nun Zeit eine neue Form zu Suchen, die Demokratie und Menschenrechte akzeptiert und unseren Rechtstaat Aufrecht erhält – so wie es der Sozialismus in der DDR nicht getan hat.