Mit Erstaunen und einer gehörigen Portion Skepsis wurden heute folgende Zeilen aufgenommen:
“Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen.Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können.
Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger.”
So ist es auf krautchan.net zu lesen – der Seite, auf der der Amokläufer von Winnenden angeblich seine Tat in der Nacht zuvor um 2:45 Uhr in einem Chat angekündigt haben soll. Erst heute mittag war von der Polizei in einer Pressekonferenz der entsprechende Screenshot mit den furchteinflössenden Zeilen präsentiert worden. Dann hieß es eine ganze Weile, dass das alles gar nicht wahr gewesen sein soll.
Zweifel und Unsicherheit keimten auf. Haben die Ermittler vor der Präsentation keinen Kontakt mit den Betreibern der Seite aufgenommen, um den Wahrheitsgehalt des Screenshots zu überprüfen? Welche Gründe mag es darüber hinaus geben, derartige Zeilen vorzutäuschen? Und darüber hinaus: Warum erklärt sich krautchan.net erst jetzt?
War dies vielleicht der Versuch, sich klammheimlich aus der Affäre zu ziehen, weil keiner auf die Worte Tim K.s reagiert hat? Gehen die Betreiber so einem öffentlichen Ansturm und vermutlich heftigen Vorwürfen so aus dem Weg? Dann würde sich jedoch die alles entscheidende Frage stellen: wer hätte etwas davon, sich gerade so etwas furchtbares auszudenken bzw. welche Beweggründe treiben ihn oder sie dazu, sich auf diese Art mediale Aufmerksamkeit zu sichern?
Nun scheint die Redakteurs-Ehre gerettet. Oder doch nicht?!
Mehrere Medien, unter anderem die “Thüringer Allgemeine” als auch die “taz“, meldeten:
“Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Zweifel an der Echtheit des Chatroom-Eintrags des Amokläufers Tim K. zurückgewiesen. Nachdem der Vater des 17-jährigen Chatpartners die Polizei über den Austausch der Nachrichten informiert habe, habe man die entsprechenden Einträge auf dem Computer von Tim K. gefunden, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Claudia Krauth, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP mit.
Eine Erklärung auf der Internetseite krautchan.net, wo der Eintrag laut Polizei hinterlassen wurde, hatte die Zweifel geschürt. Dort hieß es: «Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können.» … ”
Von offizieller Seite wurden die Zweifel nun ausgeräumt. Die Fragen, die sich jetzt rund um diese Plattform stellen, bleiben. Denn wie zum Trotz ist nun folgende Ergänzung zu lesen:
“Was man übrigens auf dem PC des Täters gefunden haben will, wissen wir nicht. Vielleicht hat er die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert.
(Hier ist ein Screenshot des ziemlich unspektakulären Originals, das absolut nichts mit Amokläufen zu tun hat.)
Wie dem auch sei, wir sind offline, bis der Traffic sich normalisiert hat.”
Bettina Winsemann stellt sich jedoch auf heise.de auf die Seite von krautchan.net. Sie schreibt: “Ach ja, es hätte wirklich so einfach und so schön sein können. Jugendlicher, von der Freundin verlassen, spielt Counterstrike und kündigt einen ‘Amoklauf’ im Internet an. Natürlich glaubt ihm keiner und es kommt zur Bluttat. Schon darüber lässt sich wunderbar berichten – inclusive ‘Alle News! Alle Infos! Alle Videos!’. Fast lassen sich die Tränchen der Berichterstatter ob der Tatsache, dass niemand vor Ort war, erkennen.” Der angebliche “Hammerfund”, den anscheinend sämtliche Medien aufgegriffen haben, kann sie nur müde belächeln. Sie ist der festen Meinung: “Dem Statement von Krautchan.net ist nicht viel hinzuzufügen.”
Unterdessen ist ein einschlägiges Video auf Sky News aufgetaucht. Ein Augenzeuge beobachtete Tim K. während seiner letzten Sekunden vor einem Autohaus.
Einen solchen Amoklauf kann nur ein schwer krankes Gemüt machen. Ohne eine krankhafte Störung des Geistes sind weder Suizid noch Amoklauf denkbar. Zu Recht ist seit jeher der Suizid als Folge krankhafter Störung anerkannt.
Haben Sie schon mal davon gehört, dass wir im Kopf eine Suizid- und Impulskontrollvorrichtung haben? Das ist das Schlüsselhormon Serotonin, ohne das
kein Mensch auch in der Lage ist, die von den Stresshormonen Adrenalin, Cortisol, CDH und anderen Agressionshormonen erzeugte Stresskaskade herunter zu fahren. Ein gesund ernährter Mensch baut ganz von selbst jeden Tag seines Lebens ausreichend von diesem Steuerhormon auf. Es ist auch nicht verwunderlich, dass unsere Kollegen Pflanzenfresser im Tierreich solche Auswüchse nicht kennen. Sie ernähren sich ja auch nicht nach den Regeln von Lafer & Lichter, sonden nach den
physioloischen Erfodernissen ihrer Körper, die sich in ihrer natürlichen Nahrung perfekt vorfinden. Wenn wir geborenen Pflanzefresser vorwiegend mächtige Fleischportionen verdrücken ist das schlimmer noch als wenn wir uns Tag für Tag die härtesten Horroffilme reinziehen.