Geht das Rätselraten nun weiter oder kann die Aussage eines Waiblinger Polizeisprechers diesmal doch als definitiv gelten? Wie soeben im ZDF zu sehen und zu hören war, ist die Annahme, dass die Ankündigung der Bluttat, die in einem Internet-Chat aufgetaucht war, vom Rechner des Amokläufers aus geschrieben worden war, als falsch einzustufen.
Auf heute.de heißt es hierzu: “Tim K. hat seinen Amoklauf in Winnenden womöglich doch nicht vorab im Internet angekündigt.” Die entsprechende Annahme der Ermittler sei falsch, so ein Sprecher der Polizei Waiblingen. Er stellt klar: “Es gebe derzeit keinen Beweis, dass Tim K. diesen Eintrag selbst verfasst habe.” Damit hat sich das, was Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech heute Mittag zitierte wohl als Fälschung heraus gestellt.
Weiter heißt es: “Die Polizei Waiblingen und die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilten mit, derzeit würden Zeugen vernommen, die den Chat-Eintrag gesehen haben wollen. Entscheidend sei, wann genau sie ihn gesehen hätten, sagte der Polizeisprecher.” Die Behörden hätten nach eigenen Angaben außerdem eine Anfrage bei dem Betreiber des Servers in den USA veranlasst. “Dadurch könnte womöglich geklärt werden, wann der Eintrag auf der Seite verfasst wurde.”
Nun meldet sich auch die “Welt” zu Wort: “Amoklauf vermutlich doch nicht angekündigt” lautet auch ihre Überschrift zur neuen Sachlage und räumt ein: “WELT ONLINE hatte, wie viele andere Medien auch, über die Ankündigung des Amoklaufs berichtet, bezog sich dabei aber immer auf die Aussagen des baden-württembergischen Innenministers Heribert Rech (CDU). Mehr in Kürze.”
Die Sueddeutsche rudert nun ebenfalls zurück. Seit etwa zehn Minuten (21.40 Uhr) ist auch in ihrem Newsticker die entsprechende Eilmeldung zu lesen. Wenige Minuten später schließt sich auch die Münsterländische Volkszeitung an und spricht ebenfalls von einem “Ermittlungsfehler”.
Bei stern.de findet sich zudem folgende Anmerkung: “Auf dem Computer des Amokläufers Tim K. habe sich definitiv kein entsprechendes Chatprotokoll gefunden, so ein Sprecher. (…) Wie es zu der Falschmeldung kam, sei noch unklar.”
Schon um 19.00 am heutigen Abend ging hier auf der Readers Edition folgendes Kommentar von Tommy137 ein. Er berichtet:
“Dieses Suchergebnis bei Google spricht eindeutig für eine Fälschung:
Der Beitrag um 02:45:35 enthielt danach eindeutig die Worte “Genau das.”, was der Version von krautchan.net entspricht.
Screenshot: http://imgbox.de/users/public/images/t41518j64.png”
Nicht einmal eine Stunde später meldet sich auch Anon unter dem entsprechenden Artikel zu Wort:
“http://www.action-team.us/krautchan-winningen-hoax/
fail for german media
win for anon”
Soeben meldet sich auch Spiegel Online: Sie titeln “Minister verbreitete Fehlinformation über Amok-Ankündigung im Internet” und gerate nun in die Kritik.
Bei aller Irritation, die diese neue Sachlage ausgelöst hat, bietet in diesen Minuten 20min.ch den Hinweis auf eine mögliche Erklärung, wie es zu dieser Fälschung kommen konnte. Hier werden die Leser, wie auch schon auf der Readers Edition durch Anon geschehen, wie folgt informiert: “Eine Website erklärt, wie die angebliche Amoklauf-Ankündigung gefälscht werde konnte. Vermutlich wurde dabei das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop verwendet oder aber es wurde in den Quellcode eingegriffen.”
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