Bewegende Stunden liegen hinter, aber auch noch vor uns. Der Amoklauf von Winnenden hat sich unauslöschlich in unsere Köpfe gebrannt. Die große Frage nach dem “Warum?” wird endgültig wohl nie beantwortet werden können. Die Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren. Welche Ergebnisse diese zu Tage fördern werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die grausame Tat, bei der insgesamt 16 Menschen zu Tode gekommen sind, wird uns alle noch eine ganze Weile beschäftigen – ohne, dass jemals ein “abschließendes” Urteil oder gar die “perfekte” Konsequenz daraus erwachsen wird. Auch auf der Readers Edition haben sich unsere Autoren in vielfältiger Weise mit den Geschehnnissen auseinander gesetzt. Doch dazu später mehr…
Von Frauen und Politikern – Ein Blick in die Welt
An dieser Stelle ein passende Überleitung zu finden ist schwer – wenn nicht gar unmöglich. Dennoch wollen wir in unserem heutigen “Best of” auch andere Themen zur Sprache bringen. So wie die “Gedanken zum 8. März, dem Internationalen Frauentag” von Claus-Dieter Stille. Bereits einen Tag vor dem großen Ereignis für alle Frauen auf dieser Welt, besinnt er sich auf dessen Wurzeln. Denn ein “ganz gewöhnlicher Sonntag”, nein, das ist der 8. März bei weitem nicht, auch wenn er das für viele auf den ersten Blick zu sein scheint. Unser fleißiger Autor nimmt uns deshalb mit auf eine kleine Zeitreise und berichtet im Anschluss von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin, die für diesen Gedenktag den Ausschlag gegeben hat. Stille wird jedoch nicht nostalgisch. Er katapultiert seine Leser vielmehr zurück in die Gegenwart. Wie steht es heute um die Gleichberechtigung? Was wird dafür getan? Wenig, so sein Fazit, das er wie folgt ausdrückt: “es muss endlich angepackt werden, damit sich etwas verbessert. Und dafür muss, um die Gründe für Ungleichbehandlung von Männern und Frauen zu eruieren, tiefer gelotet werden.”
Einen Tag später, die Zeilen Stilles noch immer im Ohr, stürzt uns Daniel Nuber in ein völlig anderes Thema. Sein Titel am letzten Sonntag: “Haftbefehl gegen al-Bashir stürzt Darfur noch tiefer ins Unglück“. Erst vor wenigen Tagen hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Haftbefehl gegen den noch amtierenden Präsidenten Omar al-Bashir verhängt. Doch schon jetzt werden die furchtbaren Folgen offenbar. “Als Reaktion auf den Haftbefehl gegen Bashir hat die sudanesische Regierung angeordnet, dass zahlreiche internationale Hilfsorganisationen schnellstmöglich die Region verlassen müssen, da offiziellen Angaben zufolge ihre ‘Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann’”, berichtet uns der Autor, der sofort Zweifel an dieser Version anmeldet. Das, was dort passiert, spreche jedenfalls nicht für Seriösität und Ehrlichkeit der sudanesischen Regierung, deren Fehlen nun auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen wird. Im Grunde, so schließt er, blieben den Vereinten Nationen nun zweierlei Möglichkeiten: Mehr Soldaten nach Darfur oder weiterhin “auf Symbolik statt auf Effizienz” setzen.
Stimmen des (Ver)Zweifelns
Vom Sudan geht es mit Wolf Rüdiger Eßmann nun nach Ruanda. Schon des Öfteren hat uns Herr Eßmann aus diesem uns so fernen und vor allem fremden Land berichtet und so lässt er heute eine der unzähligen Landfrauen sprechen, die mehr als nur ein hartes Leben zu bewältigen haben. Denn im alltäglichen Überlebenskampf, so betont der Autor, sind gerade sie es, die mit ihrer Arbeitskraft und wirtschaftlicher Bedeutung, die “maßgeblichen Dreh- und Angelpunkte” darstellen. Und so kommt nun auch Maria zu Wort. Einfach und doch bewegend schildert sie ihr Leben mit einem alles andere als fleißigen Ehemann, berichtet von ihren stets aufs Neue entstehenden Herausforderungen und in der Tat täglichen Überlebenskampf. Die hiesigen Franziskanerpatres leisten ihr dabei wertvolle Hilfestellung. Sie lernt lesen und rechnen und sie geben ihr wertvolle Tipps. Diese sind auch bitternötig. Denn in Ruanda bestimmen die Frauen das Marktgeschehen. So zollt auch Eßmann ihnen Respekt, wenn er schreibt: “Die Landfrauen in Ruanda sind willensstark und fähig, ihnen gilt die Förderung und Hilfe zur Selbsthilfe. Ihre natürliche Intuition und Kreativität gewährleisten den Sieg über die Geißel der Armut. Frauen stehen in Ruanda für Kultur, Versöhnung und wirtschaftlichen Aufschwung.”
Noch einmal vollziehen wir an dieser Stelle einen geographischen Wechsel und folgen Lukas Lehmann, der am vergangenen Dienstag fragt: “Wer tötete Mohammed Al-Dura?“. “Es war wohl eines der schockierensten Ereignisse innerhalb der letzten Jahre des Nahostkonflikts. Der Tod des 12-jährigen Mohammed al-Dura am 30. September 2000″, beginnt er seine Ausführungen, die sich im Folgenden en detail einzelnen Figuren im “Puzzle Al-Dura” widmen. Er versucht einen “kritischen Blick hinter den Mythos des getöteten Kindes”. Denn “was wirklich am Samstagmittag um 14 Uhr, am jüdischen Neujahrsfest Rosch Ha-Schanna geschehen ist, wissen wir auch von dem Bericht des französischen Nachrichtensenders France 2 nicht.” Begeben Sie sich gemeinsam mit unserem Autor auf Spurensuche. Erfahren Sie mehr über den Kameramann Talal Abu Rahma, den Journalisten Rosenzweig und viele andere mehr. Am Ende, so könnte angenommen werden, stehen mehr Fragen als Antworten. Doch eines ist für Lehmann gewiss: “Israel muss (…) seine Haltung verändern, effektivere Aufklärungsarbeit leisten und die dunklen Flecken des gegen ihn geführten Medienkrieges stärker ins Licht rücken.”
Die Windungen eines Innenministers
Viele von uns haben die Zeit seit Mittwochmorgen fast unentwegt vor dem Fernseher oder auf unzähligen Internetseiten verbracht, Debatten verfolgt oder Stimmen zum Amoklauf gesucht. Auch unser Autor Andreas Grieß war im Netz unterwegs und stieß dabei – wie viele andere auch – auf den Video-Livechat von tageschau.de mit Innenminister Wolfgang Schäuble. Dort hat sich der umstrittene Politiker gegen strengere Waffengesetze ausgesprochen, auf der anderen Seite jedoch ein Verbot von “Killerspielen” gefordert. “Warum eines eine Einschränkung der Freiheit darstellen würde, das andere jedoch nicht, beantwortete Schäuble nicht. Genauso wenig wie die Frage, was die Vorratsdatenspeicherung bislang gebracht habe. Das wisse er nicht einmal”, nimmt Grieß schon zu Beginn vorweg, was sich während des Chats ereignet hat und viele Bürger ungläubig den Kopf schütteln lässt. Schritt für Schritt nimmt er die Aussagen des Ministers auseinander, um schließlich festzustellen: “Gegen Ende des Chat-Interviews gibt Wolfgang Schäuble ein Statement ab, das nicht passender sein könnte, wollte man ein Fazit ziehen: ‘Ich beantworte gerne, was ich gerne beantworten möchte!’”
Nun sind wir wieder mittendrin: in den vergangenen drei Tagen erreichten uns zahlreiche Beiträge zum Amoklauf in Winnenden. Zu unterschiedliche, aber vor allem interessante Aspekte sind hier zusammen gekommen als das wir uns anmaßen könnten hier einzelne gesondert hervorzuheben. In unserer neuen Sonderbox auf der Startseite finden Sie deshalb nun alle Beiträge zusammengetragen.
An dieser Stelle verabschieden wir uns, liebe Leserinnen und Leser, und wünschen Ihnen allen ein geruhsames Wochenende. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.
Ihre Redaktion Readers Edition
Photo Quelle/Copyright: Andreas Schepers, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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