Innenminister Schäuble im ARD-Livechat über Waffen, Winnenden, Killerspiele und Vorratsdatenspeicherung

Innenminister Wolfgang Schäuble hat sich im Video-Livechat von tagesschau.de gegen strengere Waffengesetze ausgesprochen – “Killerspiele” hingegen sollten verboten werden. Warum eines eine Einschränkung der Freiheit darstellen würde, das andere jedoch nicht, beantwortete Schäuble nicht. Genauso wenig wie die Frage, was die Vorratsdatenspeicherung bislang gebracht habe. Das wisse er nicht einmal.

chats.jpgInnenminister Wolfgang Schäuble hat sich im Video-Livechat von tagesschau.de gegen strengere Waffengesetze ausgesprochen – “Killerspiele” hingegen sollten verboten werden. Warum eines eine Einschränkung der Freiheit darstellen würde, das andere jedoch nicht, beantwortete Schäuble nicht. Genauso wenig wie die Frage, was die Vorratsdatenspeicherung bislang gebracht habe. Das wisse er nicht einmal.

Schießsport Teil der menschlichen Kultur- aber nur mit echten Waffen?

Am Donnerstag, 12. März, um 13 Uhr war Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Video-Livechat auf tagesschau.de. In diesem moderierten Livechat tätigte der Innenminister einige Aussagen, die sicher nicht nur bei Internet-Nutzern auf Unverständnis stoßen dürften. So trat Schäuble vehement gegen härtere Waffengesetze ein. Auch der Waffenbesitz für Sportschützen solle nicht stärker reglementiert werden. Schäubles Begründung: Der deutsche Sportschützenverband sei einer der größten Sportverbände in Deutschland, der Schießsport sei “Teil der menschlichen Kultur”. Deshalb dürften nicht alle Sportschützen unter eine Art Verdacht geraten.

Eine Argumentation, die Schäuble wenig später nicht mehr anwendet und zwar, als er das Gespräch auf so genannte “Killerspiele” lenkt. Einer Frage, der man, so Schäuble, viel stärker nachgehen müsse. Weiter fragt er: “Ist es nicht wahr, dass durch diese Gewaltdarstelllungen, durch Killerspiele, durch was der Himmel es alles gibt an schrecklichen Dingen, dann bei jungen Menschen solche Mechanismen ausgelöst werden, dass dann ein junger Mensch, 17 Jahre alt, so etwas entsetzliches tut?”

Es scheint, als stehe für den Innenminister fest: Killerspiele sind schuld daran, dass Tim K. Amok lief. Dabei steht mit Nichten fest, dass “Killerspiele” in Tim K. “solche Mechanismen” ausgelöst haben. Generell sind die Aussagen eher widersprüchlich. Auf Welt-Online stand gestern zum Beispiel, der Täter habe mit Computern nicht viel zu tun gehabt:

“Mit Computern hatte er dagegen nicht viel am Hut. Für das Internet habe er sich auch nicht begeistert.”

Dann wiederum heißt es fast überall, Tim habe unter anderem Counterstrike gespielt. Je nach Meldung variiert aber auch dies von “Hatte das Spiel auf dem PC” bis, “machte kaum etwas anderes”.

Und zuletzt die Polizeimeldung – vorgetragen vom Baden-Württembergischen Innenminister Heribert Rech (CDU)-, Tim hätte seine Tat im Internet angekündigt. Dies wird mittlerweile vom entsprechenden Internetportal vehement bestritten und auch die Polizei hegt nun doch Zweifel.

War (nur) der Screenshot der Ankündigung eine Fälschung? Oder die ganze Meldung falsch?

War Tim K. viel im Internet unterwegs oder nicht? Spielte er regelmäßig Ego-Shooter oder nicht? Fakt ist, derzeit wissen wir es nicht genau. Aber Herr Schäuble hat sich bereits auf Killerspiele “eingeschossen”?!

Fragen zur Vorratsdatenspeicherung? Nicht zuständig!

Interessant ist, dass der Innenminister beim Grund für den Amoklauf so sicher ist, andere Dinge aber nicht weiß. Auf die Frage, wie viele Taten durch das neue Vorratsdatenspeicherungs-Gesetz aufgeklärt werden konnten, konnte er nicht antworten. Ebenso wenig auf die Frage, wie oft dieses Gesetz angewandt wurde. Dafür sei er nicht zuständig, dies läge im Zuständigkeitsbereich der Justiz.

Gegen Ende des Chat-Interviews gibt Wolfgang Schäuble ein Statement ab, das nicht passender sein könnte, wollte man ein Fazit ziehen: “Ich beantworte gerne, was ich gerne beantworten möchte!”

Den ganzen Chat kann man sich hier noch einmal ansehen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Politiker sind Darsteller auf einer öffentlichen Bühne. Sie spielen eine Rolle und müssen ihre Standpunkte vertreten, um bestimmten Volksgruppen als Identifikationsfigur zu dienen. Zudem ist Wahlkampf. Jetzt heisst es also Egoshooter contra Schützenbrüder, man musste es befürchten. Ein Stück Improvisationstheater, dass wir uns jetzt ein, zwei Wochen ansehen müssen. So weit, so gut, alles Routine. Einzig, dass dieses (Trauer-? Lust-?) Spiel schon beginnt, während noch getrocknetes Blut vom Asphalt gescheuert wird, ist an Abscheulichkeit nicht mehr zu überbieten!