Manche Kommentare sind keine. Wie der von Matthias Iken im “Hamburger Abendblatt” vom 14. März 2009. Überschrift: “Wenn Kinder verhungern – Wider die Staatsgläubigkeit“. Einerseits stellt sich dieser Kommentator schützend vor die Behörden, die sich um das so genannte “Kinderwohl” kümmern sollen, und schreibt über eine “unselige Debatte”, die immer dann von der Politik geführt werde, wenn wieder einmal ein Kind zu Tode misshandelt worden ist. Schlussfolgerung von Matthias Iken: “In einem Land, in dem es so prekäre Familienverhältnisse gibt, muss sich der Staat kümmern, eingreifen, helfen.”
Das macht der Staat. Allerdings handeln Gerichte, Gutachter und Jugendämter nicht immer so, dass man von geeigneten Maßnahmen sprechen kann. Deswegen beteiligen sich wohl auch so viele an einer Umfrage, die auf den Internet-Seiten www.kindesunwohl.de gestartet worden ist.
Gladbach auf Platz 1
Spitzenreiter ist immer noch das Jugendamt in Mönchengladbach. 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Umfrage sind sicher, dass kein Jugendamt so wenig für das so genannte Kindeswohl tut wie dieses. Weitere Stimmen entfallen auf Viersen (3), Stuttgart (3), Cottbus (2) und auf Herford (1). Ein Kommentator hat an diesem Sonntag auch noch das Jugendamt von Lüneburg ins Rennen geschickt (2 Stimmen). 40 Stimmen entfallen auf “Schlage ein anderes Jugendamt vor”.
Jetzt andererseits zu Teil 2 des Kommentars von Matthias Iken. Der beginnt mit einer Kehrtwende. Plötzlich entdeckt dieser Redakteur ein Problem, das er “überbordende Sozialstaatsbürokratie” nennt. Die habe dazu geführt, dass der Staat “Familien über Jahrzehnte alimentiert und sie so Schritt für Schritt entmündigt” hat. Die Folge sei: “Ganze Generationen haben geregelte Tagesabläufe und Erziehung schon als Kinder nicht mehr erfahren und scheitern als Erwachsene.”
“Überbordende Sozialstaatsbürokratie”
Da wäre es also hilfreich, wenn man Schluss machte mit der “überbordenden Sozialstaatsbürokratie”? Sollte Matthias Iken dieser Meinung sein, müsste er erst einmal definieren, was er unter “überbordend” und was er unter “Sozialstaatsbürokratie” versteht.
Macht er aber nicht. Statt dessen versandet sein Kommentar in “möglicherweise neuen Sozialprogrammen”, die “populär” sein mögen, aber vermutlich (!) nicht “effektiv”. Und das bei einer “Sozialstaatsbürokratie”, die schon ohne diese “neuen Sozialprogramme” überbordet?
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