Fundstücke aus dem Netz: Halle mit dem Blick des Pathologen

Eine Stadt wie Fluch, bewohnt von Menschen, die es hassen hierher geworfen zu sein, die aber auch den Gedanken verabscheuen, einfach fortzugehen. Schicksal Halle, Stigma Halle: Die “Diva in grau”, die von sich selbst behauptet “grün” und sowohl Kultur- als auch Sportstadt zu sein, besichtigt der Österreicher Felix Knoke seit

strahla.jpgEine Stadt wie Fluch, bewohnt von Menschen, die es hassen hierher geworfen zu sein, die aber auch den Gedanken verabscheuen, einfach fortzugehen. Schicksal Halle, Stigma Halle: Die “Diva in grau”, die von sich selbst behauptet “grün” und sowohl Kultur- als auch Sportstadt zu sein, besichtigt der Österreicher Felix Knoke seit kurzem von innen, allerdings mit dem sezierenden Blick eines Pathologen. Alles tot hier nach der Wende, bemerkt der Verfasser des Provinzfrust-Tagebuches “Ab nach Halle”.

Er drückt es nur etwas verbindlicher aus. Ein Österreicher eben:

“Es erschien als gute Idee von Hamburg in die ostdeutsche Kleinstadt Halle (Saale) zu ziehen. Ein Vierteljahr später regnet es noch immer; ein Frusttagebuch aus der ostdeutschen Provinz.

Letztes Jahr im November zog ich zusammen mit meiner Freundin Johanna von Hamburg nach Halle an der Saale. Mithilfe eines Webstory-Tagebuches will ich meine Erfahrungen mit der ostdeutschen Provinz verarbeiten. Für mich als in einer propperen südwestdeutschen Urlaubsgegend aufgewachsenen ist der karge Dunkelosten (Dunkeldeutschland, Unwort des Jahres 1994) ein gehöriger Schock. Halle an der Saale, das ist nicht das bunte Leipzig oder das rege Dresden. Halle ist ein Beispiel, wie es schief laufen kann im Osten.

Halle liegt im Schatten Leipzigs, nur 150 Kilometer von Berlin, 200 km von der tschechischen Grenze, vier Zugstunden von Hamburg, München, Frankfurt entfernt. Halle ist per ICE, S-Bahn, Flughafen und nahe gelegenen Autobahnen verkehrstechnisch gut angeschlossen.

Die vielen Verbindungsmöglichkeiten nutzten in den Jahren nach der Wende viele Menschen, um der Stadt, ihren gigantischen Leuna-Chemieanlagen den Rücken zu kehren. Halle verlor fast ein Drittel der einst 317.000 Einwohner (Stand: 1990). Heute leben nur noch 234.000 Menschen hier, traditionell aufgeteilt in gebürtige Hallenser, alteingesessene Halloren und hinzugezogene Hallunken…”

Der ganze restliche Jammer aus dem Blickwinkel eines Mannes, den es auf einen anderen Planeten verschlagen hat, auf dem nicht Sauerstoff, sondern CO2 geatmet wird hier.

Quelle: politplatschquatsch.com

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