Nichts für zarte Gemüter – im JuKuz ging es rund

Gleich fünf Bands waren am vergangenen Samstag zum “Scream, if you can” der zweiten U&D-Winterkonzertreihe angetreten “Und wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her”, hat zwar kein Leser ins U&D-Gästebuch eingetragen, dennoch trifft diese alte Binsenweisheit den Kern der letzten Veranstaltung wohl am besten. Insgesamt

kinzs.JPGGleich fünf Bands waren am vergangenen Samstag zum “Scream, if you can” der zweiten U&D-Winterkonzertreihe angetreten

“Und wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her”, hat zwar kein Leser ins U&D-Gästebuch eingetragen, dennoch trifft diese alte Binsenweisheit den Kern der letzten Veranstaltung wohl am besten. Insgesamt fünf Bands waren angekündigt. Doch kurz vor Beginn fielen binnen weniger Stunden gleich zwei Acts des Abends sprichwörtlich ins Wasser. Ersatz musste her – und zwar schnell. Dass sich diese allerdings als wahrhafte Glücksgriffe herausstellen sollten, das wurde erst am Ende des Konzerts so richtig deutlich.Dank beherzten Eingreifens konnten die Verantwortlichen nun doch fünf Bands präsentieren. Und so traten neben den “Ghostbastärtz” aus Diebach, “Kings are better Queens” aus Würzburg, “Altarea” aus Bad Kissingen/Bad Neustadt auch “At the Farewell Party” aus Frankfurt am Main sowie “Frightday” aus Bad Neustadt für die ausgefallenen “Adieu Ok!” und “Days of Remind” an. Das Motto “Scream, if you can” sollte damit auch weiterhin Bestand haben. War es doch ein Abend voller Kontraste, wie er sonst nur selten im Jugend- und Kulturzentrum der Stadt zu erleben war. “Heute gibt’s von allen Bands richtig schön auf die Ohren!”, wurde von den Openern “Ghostbastärtz” fulminant angekündigt. Recht hatten sie: Denn für zarte Gemüter war diese Ausgabe der zweiten U&D-Winterkonzertreihe garantiert nicht gemacht.

Gleich zu Beginn zeigten die Gewächse aus den Kellern der Musikinitiative Hammelburg e.V. was in ihnen steckt. Dem noch etwas zögerlich agierenden Publikum heizten die jungen Talente, die sich dem “Classic Rock” verschrieben haben, mächtig ein. Da wurde auf der Bühne getanzt, sich gekonnt vor dem Schlagzeug auf- und abgerollt und auch mal mitten hinein in den Zuschauerraum gesprungen. Mit ihren Songs “Kill me, I’m Evil” oder “Death Inc.” lieferten die Fünf, die sich selbst als “beste Band des Multiversums” bezeichnen, das passende “Kontraprogramm” zu dem, was die zahlreich erschienenen Musikfans im Folgenden zu erwarten hatten. Um kurz nach neun Uhr war es dann auch soweit: “Frightday”, die seit 2007 “100% Punkrock” liefern und nicht einmal 48 Stunden vor Showbeginn von “ihrem Auftrittsglück” erfahren hatten, stürmten die Stage. Getragen von mittlerweile ausgelassener Stimmung vor und hinter den Kulissen, lieferte die jüngste Band der Runde einen adäquaten Ersatz für die durch eine Stimmbandentzündung verhinderten “Adieu OK!”. Lukas, Patrick, Mike und René schlugen, inspiriert durch Größen wie “NOFX” oder “Pennywise”, ordentlich Tempo an. Die Teilnehmer am “Emergenza Wettbewerb 2009” absolvierten ihren insgesamt erst zwölften Auftritt mit Bravour. Selbstbewusst, mit viel Spaß an der Sache, aber vor allem äußerster Spontaneität präsentierten sie so klingende Titel wie “Thank god it’s frightday” oder “Hunting for you”.

Exzessive Tanzeinlagen vor der Bühne

altare.JPGSchluss mit Lustig schien es allerdings dann mit der dritten Band im Fünferbunde. “Altarea” verwandelten das JuKuz in einen regelrechten Hexenkessel. Nun war das Publikum nicht mehr zu halten. Eindrucksvolle Szenen mit wild tanzenden Menschen spielten sich ab, die sich auf direktem Weg in die Ekstase zu befinden schienen. Gregor an den Drums, Ralf und Ben an den Gitarren sowie Philipp am Bass und letztlich Nico am Mikro kamen mächtig hart daher und bewiesen, dass ihre Interpretation von “Black Metal bis Hardcore” nichts für schwache Nerven ist. Geballte Kraft auf der Bühne, die sich schnurstracks auf die vornehmlich junge und vor allem bunte Zuhörerschaft übertragen hatte, veranlasste nicht wenige zu exzessiven Performances. Das eigentlich mächtige “Killing in the name of” der bekannten Formation “Rage against the machine”, das als stimmungsvolle Überbrückung bis zur nächsten Band fungieren sollte, mutete in Anbetracht dieses Quintetts eher wie Kuschelrock an, denn als das, was es eigentlich ist.

Und dann kam sie, die Überraschung des Abends: Noch kurzfristiger als “Frightday” erfuhren sie erst am Vorabend von ihrem bisher ersten Engagement in Bad Kissingen. “At the Farewell Party”, die vielbeschäftigte Truppe aus der hessischen Bankenmetropole, die einigen Zuschauern schon wohl bekannt war, schlug ein wie eine Bombe. Mit sichtlich professionellen Spiel und noch mehr Charme überzeugten sie auch außerhalb von “Myspace”, wo schon jetzt fast 400.000 Klicks verzeichnet werden können. Frontmann Dan und seine Mannen Benny, Fabi, Freddy und Buddy, die gerade ihr erstes Album aufnehmen, unterhielten auf ganzer Linie. Ihr Leitspruch: “Wir kommen heftig und geben was auf die Ohren” war Programm. Bei ihnen trafen sich Punk und Pop, genauso wie Melancholie und Gaspedal – und damit auch den Geschmack des Kissinger Publikums. “Togetherness”, “Timemachine” und auch Stücke wie “Fire Fire” kamen gut an und lieferten einen eindrucksvollen Vorgeschmack auf das, was sie gerade in der Nähe von Bad Brückenau produzieren.

“Sie sind echt verrückt, aber geil”

kontar.JPGIhnen folgten schließlich die Headliner des Mammutkonzerts. “Kings are better Queens” aus Würzburg, die seit rund zwei Monaten einen Plattenvertrag in der Tasche haben, gaben sich Schlag Mitternacht die Ehre. Lange haben die zahlreich angereisten Fans auf ihre Band warten müssen. Und so trugen die jungen Musiker um Sänger Matt den Erwartungen, der zu diesem Zeitpunkt vornehmlich weiblichen Zuhörer, auch in besonderem Maße Rechnung. Denn wer braucht schon eine Bühne, wenn er stattdessen auch den gesamten Saal haben kann. Kurzerhand verlegte sich das Quintett mitten in das Publikum, ging mit ihm auf Tuchfühlung und lieferte eine Show, die wohl keinen Gast kalt lassen konnte. Hüpfen, springen, schreien und das in intimer Runde, das war so ganz nach ihrem Geschmack. Lauthals sangen sie die Stücke mit, applaudierten unentwegt und forderten wie selbstverständlich Zugaben ohne Unterlass. Das erste Konzert von “Kings are better Queens” nach viereinhalb Monaten, das mit dem neuen Bandmitglied Sascha absolviert wurde, wurde zu einem vollen Erfolg. Zu gern kamen sie den Aufforderungen ihrer Zuhörer nach und schienen zeitweise sogar jegliche Hemmungen zu verlieren. “Sie sind echt verrückt, aber geil”, tönte es aus den Reihen. Musikalisch abwechslungsreich und voller Energie beschlossen sie einen wirklich gelungenen Abend. “Es ist saucool, dass so viele Leute hier sind”, gesteht am Ende auch Sänger Matt, der sich “tierisch” über die U&D-Winterkonzertreihe freute.

Das ersehnte “Lichtlein” war also tatsächlich nach Bad Kissingen gekommen. “Ich bin wirklich positiv überrascht, wie gut diese kontrastreiche Mischung angekommen ist”, zeigte sich Tobias Schneider, Vorstand des Vereins, über den spannungsvollen Verlauf des Abends, zufrieden. “Es hat mich persönlich sehr gefreut, dass unser Bandplaner für dieses Konzert, Nico Schneider es so kurzfristig geschafft hat, zwei wirklich gute Ersatzbands zu organisieren”, strahlte auch Ralf Stierstorfer, ebenfalls Vorstand des Umsonst und Draußens, am Ende. Gemäß dem überschriebenen Motto, erklärte er schmunzelnd: “Ich habe heute gerne geschrien.” Vom Kurgast über Musikfreunde aus Berlin bis hin zu gänzlichen JuKuz-Debütanten konnte diesmal nicht nur eine bunte, sondern auch vielfältige Schar in die Kurstadt gelockt werden. “Von hart bis zart war alles dabei”, klopften diese den Veranstaltern denn auch auf die Schultern. “Ich werde definitiv wiederkommen”, kündigte es sich derweil aus einer anderen Ecke an. Das U&D-Team heißt sie schon jetzt auf ein Neues herzlich Willkommen.

Text: N. Oppelt/S. Schmelz

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*