Wenn Politiker twittern… Interview mit Christian Clawien von parteigefluester.de

Ja, auch Politiker tun es jetzt. Und nicht nur in ihrer Freizeit. Nein, auch in Bundestagsdebatten, wie kürzlich eine Studie ergab: Sie twittern. Doch warum tun sie es, und werden 140 Zeichen bald Wahlkämpfe entscheiden? Diese Fragen beantwortet Christian Clawien von der construktiv GmbH, dem Betreiber von parteigefluester.de. RE: Vor

lkjhgf.jpgJa, auch Politiker tun es jetzt. Und nicht nur in ihrer Freizeit. Nein, auch in Bundestagsdebatten, wie kürzlich eine Studie ergab: Sie twittern. Doch warum tun sie es, und werden 140 Zeichen bald Wahlkämpfe entscheiden? Diese Fragen beantwortet Christian Clawien von der construktiv GmbH, dem Betreiber von parteigefluester.de.

RE: Vor allem Politiker müssen immer bedacht darauf sein, was sie öffentlich kund tun. Dass das manchmal auch schiefgehen kann, zeigte der kuriose Fall eines US-Politikers, der sich auf einer Geheimmission im Irak befand und über Twitter ganz unbedarft schnatterte “Just landed in Baghdad”. Besteht beim Twittern die Gefahr, dass die Hemmschwelle sich unbedacht zu äußern sinkt?

Christian Clawien: Grundsätzlich sollte man sich bei Social Media-Aktivitäten immer bewusst sein, dass man Nachrichten nicht nur an das unmittelbare Netzwerk sendet, sondern diese auch von Suchmaschinen gefunden werden können. Die Hemmschwelle sollte also nicht sinken, wenn die Politiker ein Gefühl für die neuen Möglichkeiten im Web2.0 entwickelt haben.

RE: Aus welcher Motivation heraus twittern Politiker? Tun sie dies aus Eigeninteresse oder werden sie von ihrer Partei dazu abkommandiert?

jhgfd3.jpgChristian Clawien: Meiner Meinung nach geht es Politikern darum Nähe zu den Wählern zu schaffen und möglichst authentisch zu sein. Bei Twitter ist es ihnen möglich als Politiker und als Privatperson aufzutreten. Dabei ist es wichtig einen Mittelweg zu finden. Die meisten entscheiden sich aus eigenem Interesse zu twittern, um Parteiunterstützer durch die eigenen Nachrichten zu mobilisieren.

RE: Welche Partei twittert derzeit am aktivsten und wie setzt sich die Zielgruppe zusammen? Ist die Politiker-Twitter-Gemeinde eine in sich geschlossene Gruppe, die aufeinander reagiert oder inwiefern können auch außenstehende Nicht-Politiker zu diesen in Dialog treten?

Christian Clawien: Am aktivsten ist zurzeit die SPD, dicht gefolgt von den Grünen und der FDP. Uns geht es mit parteigefluester.de darum, Politikinteressierten, die bisher noch nicht so viel mit Twitter zu tun hatten, die politischen Tweets anzuzeigen. Unsere Website dient als Monitor für die Online-Wahlkampf-Aktivitäten. Dadurch kann man z.B. sehr schön beobachten, wenn sich Parteien zu einem bestimmten Thema einen Schlagabtausch liefern oder unter Umständen sogar gleicher Meinung sind. Wer mit den Politikern direkt in Kontakt treten möchte, muss sich einen eigenen Account bei Twitter einrichten.

RE: Wie hoch schätzen Sie die Bedeutung des Gezwitschers für den in diesem Jahr stattfinden Bundeswahlkampf ein? Kann man mit 140 Zeichen große Massen von Leuten für Kampagnen mobilisieren und wird schon bald die Partei, welche am besten twittert, am Ende die Nase vorn haben?

Christian Clawien: Wahlen werden in Deutschland 2009 durch Social Media-Aktivitäten sicherlich noch nicht entschieden – beeinflusst aber allemal. Fakt ist, dass für den Wähler ein neues Angebot und eine interessante Möglichkeit entstanden sind, direkten Kontakt zu Politikern aufzunehmen. In Zeiten schwacher Wahlbeteiligung ist das ein sehr wichtiger Schritt. Von Bundestagswahlkampf zu Bundestagswahlkampf erleben wir eine Intensivierung der Web-Aktivitäten der Parteien. Dies ist nur logisch, da das Web immer mehr zum Alltagsmedium wird und manche Zielgruppen fast nur noch hierüber erreichbar sind.

RE: Ein Problem der Twitterkultur ist, dass sich Nutzer unter falschem Account einfach den Namen eines Politikers zulegen können, wie etwa im Fall Ströbele oder anderen geschehen. Leidet darunter nicht die Seriösität von Twitter und wie könnte man diesem Problem konstruktiv begegnen?

Christian Clawien: Eine mögliche Lösung hat die SPD mit ihrem Account „spd_lupe“ angeboten. Dort werden alle offiziellen Profile der Sozialdemokraten als „Follower“ gebündelt. In den meisten Fällen ist aber auch anhand der Tweets erkennbar, ob es sich um einen Fake-Account handelt oder nicht.

RE: Vielen Dank für das Interview.

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Interview: Felix Kubach

Christian Clawien ist Pressesprecher der Werbe- und Onlineagentur construktiv (Betreiber von parteigefluester.de, Mister Wong u.a.)

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