Desertec - Saubere und ungefährliche Energie?!
Artikel von Andreas Grieß vom 17.03.2009, 13:45 Uhr im Ressort Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Klimawandel | 58 Comments
Sauberer Strom aus der Wüste? Diese Vision hat die [1] Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des [2] Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz- Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrums. Doch es ist nicht nur eine Vision, sondern auch eine handfeste Idee: Hauptsächlich mittels solarthermischer Kraftwerke, die an einigen Orten der Welt bereits erfolgreich eingesetzt werden, könnte genug Energie erzeugt werden, um ganz Europa zu versorgen - CO2-Ausstoß-frei.
Was ist solarthermische Energie-Gewinnung?
Dies ist nicht zu verwechseln mit den allseits bekannten Solarzellen. Bei der Solarthermik wird Licht gebündelt und eingesetzt um Wasser oder Öl zu erhitzen, welches dadurch eine Turbine antreibt - wie es auch in jedem AKW oder Kohlekraftwerk passiert. Die nötige Hitze kommt dabei jedoch nicht von gefährlichen Elementen oder zu verbrennenden fossilen Brennstoffen, sondern aus den Sonnenstrahlen.
Mit einer Reihe solcher Kraftwerke soll das durchgesetzt werden, was die TREC unter den Namen: [3] Desertec zusammenfasst. Die gesamte benötigte Technologie existiert bereits und ist einsatzerprobt. Zudem ist sie unkompliziert, so genannte Low-Tec. Es ist das gleiche Prinzip, mit dem ein Schulkind mit einer Lupe ein Stück Papier zum brennen bringt. Durch Speicher kann auch bei Nacht weiter elektrische Energie erzeugt werden. Die Technik der solarthermischen Energiegewinnung wurde bereits in den achtziger Jahren eingesetzt. Sie wurde damals nur nicht weiter verfolgt, da man nicht viel über den Klimawandel wusste und fossile Brennstoffe deutlich billiger waren. Damals…
Nun werden Kohle, Öl und Gas zunehmend knapp - die Sonne scheint jedoch weiterhin.
Im Nahost und Nordafrika (den so genannten Mena-Staaten) gehen pro Jahr 630.000 Terawattstunden (TWh) ungenutzt nieder - 4000 TWh Strom braucht Europa 2008. Da in den Mena-Staaten doppelt soviel Solarenergie gewonnen werden kann wie in Südeuropa planen die Verfechter von Desertec hier Anlagen zu errichten, da die Übertragungsverluste dank moderner HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) trotz der großen Entfernung nur bei zehn bis 15 Prozent läge.
Für die Staaten würde natürlich auch für den Eigenverbrauch genug Energie abfallen. Außerdem gewännen sie ein kostbares Exportgut (saubere Energie) und natürlich Arbeitsplätze, beides könnte neben der Infrastruktur auch die politische Lage stabilisieren. Zudem könnten sie die Kraftwerke gleichzeitig zur Entsalzung von Mehrwasser, und somit zur Trinkwassergewinnung nutzen. Doch das entsalzte Wasser wäre nicht nur für den Trinkbedarf von Vorteil - man könnte damit auch kostengünstig Flächen bewässern und so für Landwirtschaft nutzbar machen. Bisher ungenutzte Orte könnten der Nahrungsmittelproduktion dienen oder der Erzeugung wirklichen Bio-Diesels. Mit wirklichem Bio-Diesel ist solcher gemeint, für den zuvor nicht Wälder weichen mussten (was keine bessere CO2-Bilanz mit sich bringt) oder Nahrungsplantagen aufgegeben wurden. Beides passiert derzeit aufgrund von Subventionen.
Meist gibt es jedoch einen großen Einwand: Desertec brächte eine erneute Abhängigkeit mit sich und einige der Mena-Staaten sind nicht unbedingt stabile Demokratien geschweige denn gute Freunde Europas. Genau dies schreckt viele Politiker und Investoren ab, trotz der möglichen win-win Situation. Vielleicht sollte man einfach mehr wagen. Und selbst wenn der multilaterale Schritt zu weit geht, könnte man die Technologie zumindest in Südeuropa verstärkt einsetzen.
Außerdem: Auch jetzt besteht eine Abhängigkeit: Öl und Gas kommen fast nur aus Arabien und Russland. Muss man immer auf die 100%-Lösung warten? Wie realistisch ist eine saubere, billige Energie ohne Abhängigkeiten? Noch dazu in naher Zukunft? Sollte man daher nicht zumindest, das was bereits geht, tun?
Derzeit ist solarthermisch erzeugter Strom noch deutlich teurer als “gewöhnlicher”. Aber die Experten gehen von weiter steigenden Energiepreisen aus - der solarthermische Strom hingegen würde mit dem Bau jedes Kraftwerkes billiger. Spätestens 2020 würde der Preis so gewonnener Energie mit fossil erzeugtem gleichziehen - und billiger als Atomstrom sein.
Zur Umsetzung von Desertec ist natürlich Geld und politischer Wille nötig - an der Technik jedoch scheitert es nicht.
Für viele würde es auch finanziell eine Investition in die Zukunft bedeuten, das Projekt ist teilweise sogar günstiger als bestehende Pläne. Dennoch gilt es von der Politik Anreize zu schaffen und Startkapital zusammenzutragen. Deshalb werben verschiedene Gruppen für dieses Projekt, darunter auch Politiker der EU. Doch es gibt auch viele Gegner, teils aus Ignoranz, teils aus handfesten persönlichen Wirtschaftsinteressen. Wenn es wirklich zu einer Umsetzung kommen soll, dann wird noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen. Und das bedeutet zu aller erst: Das Project muss bekannter werden! Wenn die Probleme der Zukunft gelöst werden sollen, muss man kontinental, wenn nicht sogar global denken. Und man muss handeln - jetzt!
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Projektes ([4] http://www.desertec.org). Zudem habe ich vor einiger Zeit auf meinem Blog eine Zusammenfassung zum Projekt verfasst:
[5] http://griess.wordpress.com/2008/12/20/desertec-saubere-energie-aus-der-wuste/
Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de
Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2009/03/17/desertec-saubere-und-ungefaehrliche-energie/
Links im Artikel:
[1] Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation: http://de.wikipedia.org/wiki/Trans-Mediterranean_Renewable_Energy_Cooperation
[2] Club of Rome: http://de.wikipedia.org/wiki/Club_of_Rome
[3] Desertec: http://www.desertec.org/
[4] http://www.desertec.org: http://www.desertec.org/
[5] http://griess.wordpress.com/2008/12/20/desertec-saubere-energie-aus-der-wuste/: http://griess.wordpress.com/2008/12/20/desertec-saubere-energie-aus-der-wuste/