Winnenden: warum immer nur Jungs?

Einige Tage nach dem Schock wegen der tragischen Vorkommnisse in Winnenden kam die besorgte Frage auf, ob solche Amokläufe zufällig oder zwangsläufig erfolgten und ob es Möglichkeiten gibt, diese wenigstens künftig zu verhindern. In meinem Beitrag vom 13.3.2009 habe ich aufgezeigt, dass die Umsetzung des Wissens aus der modernen Endokrinologie

Einige Tage nach dem Schock wegen der tragischen Vorkommnisse in Winnenden kam die besorgte Frage auf, ob solche Amokläufe zufällig oder zwangsläufig erfolgten und ob es Möglichkeiten gibt, diese wenigstens künftig zu verhindern. In meinem Beitrag vom 13.3.2009 habe ich aufgezeigt, dass die Umsetzung des Wissens aus der modernen Endokrinologie die bessere Versorgung der problembeladenen jungen Männer, die – vorher erahnbar oder auch nicht – plötzlich explodieren und reihenweise Unschuldige mit in ihren sicheren Tod reißen, mit dem Schlüsselhormon und Anti-Stress-Hormon Serotonin einen fast sicheren Weg zur Vermeidung aufzeigt.

Inzwischen ist mehr bekannt über die Besuche von Tim K. in der Psychiatrie. Da er dort mehrfach auftauchte und immer wieder ging, kann man vermuten, dass er doch Psychopharmaka erhalten hat – und sie dann wieder absetzte. Das aber war noch verhängnisvoller als ihn ohne irgendwelche Verbesserung seines zerebralen Serotoninhaushalts gehen zu lassen. Denn das plötzliche Absetzen dieser chemischen Keulen ist brandgefährlich. Die Betroffenen meinen, in ein tiefes Loch zu fallen. In vielen Fällen sind danach Suizide begangen worden.

Neue Fragen rücken in den Mittelpunkt

Erfreulicherweise reißt die Diskussion über die Ursachen und die Strategien zur Vermeidung nicht ab, auch wenn manchen das Nachdenken über diese Fragen viel zu lästig ist. Sie sind auch mit halben oder hilflosen Lösungen zufrieden wie Frau Merkel, die bundesweit außerhalb ihrer Kompetenz unangemeldet in die privaten Haushalte eindringen will um zu sehen, wo denn die Waffen untergebracht sind.

Es kommen aber auch sehr sinnvolle Fragen auf wie die: warum laufen immer nur Jungs Amok? Diese Frage führt zur notwendigen Ergänzung meiner Ausführungen über die Wirkung der Stresshormone, die Korrelation zur Aggression und die einzigartige Wirkung des Kontrollhormons Serotonin, dass präsent sein muss, wenn die Stresskaskade herunter gefahren werden soll. Denn es kann  kein Zufall sein, dass weltweit immer nur Jungs Amok laufen.

Der Grund dafür, dass es Jungen in der und am Ende ihrer Pubertät sind, die ihrem Leben ein Ende machen und viele mitreißen wollen, ist neben der fehlenden Fähigkeit zur Stresskontrolle ihre Überschwemmung mit dem Sexualhormon Testosteron. Männer und Frauen leben mit Testosteron und werden in ihrem Verhalten dadurch beeinflusst. Junge Männer in der Pubertät werden von diesem mächtigen Stoff aber regelrecht überschwemmt und haben glatt acht mal so viel davon in Kopf und Körper als Mädchen. In der Wissenschaft ist es nach vielfachen Tierversuche und Studien an Menschen eine gesicherte Erkenntnis, dass die größere Menge an Testosteron ursächlich ist für das Ansteigen der Aggressivität.

(Siehe hierzu: de.wikipedia.org/wiki/Testosteron; books.google.de;lrz-muenchen.de)

Die erdrückende Macht des Testosterons.

Ungemein plastisch wird die besondere Rolle des Testosteron von Ditte und Giovanni Bandini beschrieben:

“Das Testosteron ist ein Hormon von so furchterregendem Ruf, dass man förmlich seine Kohlenstoffringe klirren hört. Immer und immer wieder hat man uns erklärt, das Testosteron sei ursächlich an der Entstehung aggressiven Verhaltens beteiligt. Wie diese Beteiligung aussieht, wissen wir zwar noch nicht, aber dass dieses Hormon seine Hand im Spiel hat, steht außer Zweifel.

Das Testosteron erzeugt Führernaturen, und es erzeugt Verbrecher, und wenn es bisweilen schwer fällt, die Grenze zwischen den beiden zu ziehen, dann könnt ihr sehen, wie dieses Hormon wirkt: so subtil wie ein Vorschlaghammer. Und wie man hört, fängt das Testosteron seine Arbeit früh an, sehr früh: bereits im Mutterleib, wo es das Gehirn des Fetus entsprechend prägt und verkabelt und für ein dominantes, rücksichtsloses, ungehobeltes Verhalten prädisponiert. Das Testosteron verhält sich zur Aggressivität wie der Busen zum Hintern: Denkst du an das eine, fällt dir unweigerlich das andere ein.”

Zuviel versprochen?

Serotonin ist auch hier die Grundlage für die Lösung der Probleme. Denn es ist nicht nur das Anti-Stress-Hormon. Es ist auch das – einzige – Sexualkontrollhormon. Wenn wir es zulassen, dass unsere von Testosteron regelrecht biologisch angespitzten jungen Männer, die in unserer Gesellschaft ihren großen sexuellen Druck nicht los werden, auch noch durchblinden Umgang mit unserer Ernährung kaum noch zerebrales Serotonin in ihre Köpfe bekommen, dürfen wir uns nicht wundern, dass dann jemand wie der Täter von Winnenden bewusst die Mädchen heraussucht und ihnen in die Köpfe schießt. Wann wird unsere Gesellschaft denn wach und erkennt die Zeichen an der Wand? Ob es vielleicht doch wer an entscheidender Stelle begreift und sich dafür stark macht, konkret die leicht möglichen Änderungen umzusetzen?

Die Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie sind doch gefragt.

Die ausreichende Versorgung mit dem Kontrollhormon Serotonin – am besten natürlich über den Weg der richtigen Ernährung – schafft nur die Basis für die Abarbeitung der Stresskaskade und des mit ihr agierenden Testosterons. Allein die Verfügung über das Kontrollhormon schafft indes nicht die Sicherheit, dass es den Stress auch wirklich angeht. Vermutlich gelingt es mit solchem hormonellen Gleichgewicht im Kopf aktuelle Anfeindungen unmittelbar abzuwehren. Wie die Psychologie seit Freud aber weiß, ist unser Kopf oft innerlich voll von nicht verarbeitetem Stress. Psychisch gesehen leben wir niemals allein in der Gegenwart. Alle unsere Vergangenheit begleitet uns in der Gegenwart auf unserem Weg in die künftigen Ereignisse. Sorgen machen uns daher nicht nur die Dinge, die jetzt auf uns einstürmen. Dazu kommen all die Bilder aus der Vergangenheit, die wir nicht verstanden haben. Auch diesen vergrabenen Stress gilt es aufzuarbeiten.

Mit einem Menschen, der all sein Serotonin verbraucht hat, lohnen weder Einzelgespräche noch Gruppendynamik, etwa mit einem schwer Zwangsgestörten wie jemand der unter Tichotrillomanie leidet, sich zwanghaft büschelweise die Haare ausreißt und dabei rasend schnell “sein Serotonin” verschüttet. Ist das hormonelle Gleichgewicht aber einmal hergestellt, lohnt jede Bemühung. Da lohnt es, einen jungen Mann auch einmal einfach in den Arm zu nehmen und ihm freundlich zuzureden. Er ist dann gewiss kein Teilnehmer beim nächsten Amoklauf.

Gegenüber dem Vater ist Milde angezeigt.

Der Vater von Tim K. ist jetzt einer der einsamsten Leute in unserer Republik. Er löst den thüringischen Ministerpräsidneten Althaus in dieser Rolle ab, der von der Mehrheit der Bürger mit wenig Wohlwollen betrachtet  wird, nachdem er einen lt. Gerichtsmeinung nur kleinen Fahrfehler auf Skiern mit sehr größen Folgen begangen hat.Nicht nur die akribische Staatsanwaltschaft, sondern auch der Volkszorn wird sich über den Vater des Täters hermachen. Klar, er hat eine Pistole mit Munition herumliegen lassen – in seinem Schlafzimmer, wo wohl nur er und seine Frau etwas zu suchen hatten. Er ahnte schon, was man ihm vorhalten würde. Denn er ließ über seinen Anwalt erklären, dass er und seine Frau von den Besuchen seines Sohnes in der Psychiatrie nichts gewusst hätten. Dennoch war es falsch, die Waffe und die Munition nicht vor seinem Sohn zu verschließen. Aber wie soll man das ahnden. Konnte der Vater auch nur im Traum daran denken, dass sein gewaltmäßig wohl nie aufgefallener Sohn sich und andere umbringen wollte?

Je unwahrscheinlicher der Eintritt eines Taterfolges ist, desto weniger lohnt das Grübeln über das Maß der Schuld im Fall bloßer leichter Fahrlässigkeit. Sühne oder Wiedergutmachung, Resozialisierung oder wofür Strafe sonst traditionell noch so steht: all das kann hier nicht bewirkt werden. Ich würde das Verfahren, das durchaus zu Recht überhaupt eröffnet wurde, bald wieder einstellen, wenn sich keine weiteren belastenden Umstände finden. Wie wäre es mit dem Gedanken, dass dieser arme Mann mehr als genug gestraft ist, indem sein eigener Sohn mit der Waffe des Vaters umgekommen ist und im Tode noch solch unglaubliche Schuld auf sich geladen hat.?! Kann ihm eine wenn überhaupt höchstens zuzumessende Geldstrafe denn überhaupt etwas sagen? Oder den Angehörigen der Opfer oder der Allgemeinheit?

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