2006 wurde spock.com gegründet, als eine Personensuchmaschine, die mittlerweile über 250 Millionen Menschen in ihrer Datenbank enthält. Neben vielen anderen Gründungen fallen im deutschsprachigen Raum yasni.de (2007) und 123people.de (2008) besonders auf.
Personensuchmaschinen durchsuchen das Web speziell nach Personen. Dabei durchsuchen sie zum Beispiel Photocommunities, Social Networks von Myspace bis LinkedIn, die Wikipedia, Youtube, Telefonbücher, aber auch Suchmaschinen wie Google oder Yahoo. Dabei beschränken sich diese Suchmaschinen allerdings nicht auf berühmte Persönlichkeiten – auch wird nicht nur eine einfache Suchfunktion angeboten. Suchergebnisse werden zwischengespeichert und tauchen dann in Websuchmaschinen als eigene Seiten auf. (Vorsicht!) Wer jetzt seinen eigenen Namen sucht, frischt dabei die Suchergebnisse wieder auf.
Kündigung nur bei Mitgliedschaft
Die Aufnahmen in so eine Suchmaschinen geht sehr schnell und ohne das man gefragt wird. Das Entfernen ist schon schwieriger. Ich habe es selbst mit einer Bitte versucht aus ihrem Index entfernt zu werden. hier die gekürzte Antwort von 123people.de:
Sehr geehrter Herr Pfennig,
123people ist eine Personensuchmaschine, die Ihnen die zum Zeitpunkt der Anfrage im Internet frei zugänglichen, öffentlichen Informationen sowie explizit für Suchmaschinen auffindbar markierte Social Network Profile zur gesuchten Person liefert.
[...]
Es liegt leider nicht in unserem Einflussbereich, Daten aus anderen Quellen zu ändern oder zu löschen.
Durch 123people wird es Ihnen jedoch ermöglicht, die zu Ihrem Namen auffindbaren, öffentlichen Informationen im Internet zu finden, sich ungewollt veröffentlichter Daten bewusst zu werden und ist somit der erste Schritt, Ihre im Internet öffentlich verfügbaren Daten zu kontrollieren.
[...]
.
123people unterstützt Sie somit beim Schutz Ihrer Daten!
Und hier von yasni.de:
Guten Tag,
ein Löschung von Suchergebnissen ist uns leider nicht
möglich, auch nicht für angemeldete User. yasni ist eine Suchmaschine.Solange Ihre Daten frei zugänglich im
Internet stehen, werden sie von Suchmaschinen auch gefunden.
Sollten Sie nicht wünschen, dass bestimmte Links gefunden
werden, setzen Sie sich bitte mit der Ursprungsquelle in
Verbindung. Die jeweiligen Site-Inhaber können Sie anhand der
Links feststellen.
Interessant finde ich hierbei die Argumentation, dass es angeblich eine Hilfestellung zum Schutz meiner Daten ist, wenn jemand eine Software entwickelt, die systematisch Daten zusammenklaubt und diese für jederman zugänglich als eigene Seite abspeichert. Fraglich auch, ob die Inhalte, die ich anderswo hinterlegt habe beliebig auf andere Seiten kopiert und genutzt werden dürfen.
Unerwünschte Hilfe?
Positiv formuliert bedeuten solche Suchmaschinen, dass man seinen “guten Namen im Netz aktiv managt und schützt…” Dabei setzen diese Firmen auf das Prinzip der erzwungenen Mitgliedschaft. Die Persönlichkeitsprofile, die sie automatisch erstellen kann man nur beeinflussen, wenn man sich registriert. Das ist also ungefähr so, als wenn man mit seiner Nummer immer im Telefonbuch stehen würde – und man nur wenn man bezahlt entfernt würde. Also eine Umkehrung normaler Geschäftsbeziehungen. Jeder Mensch auf der Welt ist somit Kunde von yasni – außer er wird Mitglied – dann darf er oder sie ein wenig mitmanipulieren.
Problematische Aspekte
Dabei sind mögliche Nebenwirkungen erheblich. Bei Namensgleichheit besteht die Gefahr, das Menschen das falsche Profil für das Richtige halten. Die Seiten erwecken eben den Eindruck, dass sie erstellt wurden und eben keine zufälligen Suchergebnisse sind, wie etwa bei Google oder Yahoo. Bei Google oder Yahoo ist man auch zumeist bereit unerwünschte Suchergebnisse zu löschen (via robots.txt u.a.). Dies ist in diesem Falle explizit nicht möglich. Dies ist auch das Gegenteil von Informationeller Selbstbestimmung, anders als diese Firmen gerne behaupten. Wie kann es auch meiner “Selbst”bestimmung entsprechen, wenn das, was ich will ignoriert wird? Zu spock.com war in der Wikipedia dazu auch dieser passende Kommentar zu lesen:
Wohin geht die Reise?
Der Ausblick in die Zukunft lässt vermuten, dass die Ignoranz der neuen Webfirmen noch wachsen wird und mehr und mehr jedes Krümelchen an Informationen ausgenutzt wird, für die eigenen Verwertungsinteressen – und zwar ohne dabei die Betroffenen mitverdienen zu lassen. Bleibt zu hoffen, das sich Datenschützer endlich einig werden bei der Beurteiligung und diese große Gefahr für unsere Privatsphäre schnell beseitigt wird.
Wenn in Zukunft dadurch, dass alle Geräte irgendeine Kennung senden und alles mit allem kommuniziert (z.B. durch RFID-Technologie) jeder Mensch, der sich in der Straße bewegt identifizierbar wird – und umgekehrt die Rückauflösung dessen, wer oder was jemand ist online passiert, dann werden wir immer und überall transparent für alle.
Die Digitale Wirtschaft möchte das Thema “Digitale Aura” vorantreiben, bei dem sich insbesondere die Firma Siemens besonders ins Zeug legt. Dabei geht es darum, dass nicht unbedingt die Identität eines Menschen sichtbar ist, immerhin aber sein Status – so dass ein Kaufhaus weiß, ob sie einen Kunden ansprechen will oder eher hinausbefördern.
Mögliche Gegenbewegung
Als Gegenbewegung wird es vermutlich zu einem stärkeren Rückzug in kleinere Communities kommen, die voneinander abgeschottet sind. Die Menschen werden vermutlich eher verschiedenste, voneinander unabhängige Identitäten pflegen, so dass vielleicht am Ende sogar das Ergebnis steht, dass man einen Menschen überhaupt nicht mehr identifizieren kann – und zwar weil eine Nichtidentifizierbarkeit die einzige Möglichkeit sein wird, sich im Digitalen Zeitalter einigermaßen frei bewegen zu können. Vielleicht sind die Personensuchmaschinen-Firmen auch nur die Vorläufer von Firmen, die anbieten, das Web von unseren Identitäten zu bereinigen. Selbstverständlich erscheinen diese Firmen heute eher als eine Art Schutzgelderpresser, weil sie selber das Tun, wovor sie vorgeben uns schützen zu wollen.
Die “allgegenwärtigen Computer” bzw. Pervasive Computing stehen unmittelbar vor der Tür. Diese beinhalten zwar auch Chancen, aber auch und besonders eine Menge Risiken. Menschen nutzen heute Handys jeden Tag und an jedem Ort. Je mehr diese aber in Kommunikation treten mit weiteren Anwendungen, desto mehr fangen diese Geräte Informationen über das auf, was wir tun und wer wir sind. Das Bewusstsein der meisten Bürger ist dabei noch nicht den heutigen Verhältnissen nachgekommen. Wir befinden uns noch in einer Phase, bei der Menschen entweder die ersten positiven Erfahrungen mit digitaler Technologie (Handys, Email, Chat,…) machen, oder sie es sich gerade angewöhnt haben, diese Technologien selbstverständlich zu benutzen. Eine Verschlüsselung wird oftmals kaum genutzt oder ist, wie bei Handys, nur mit sehr teuren Geräten oder mit einem höheren Aufwand möglich. Selbst die Bundeskanzlerin nutzt Handy und SMS wie man hört sehr viel – auch wenn das bedeutet, dass diese Kommunikation dauerhaft abgehört werden kann. Die Naivität betrifft also nicht nur die Bürger, sondern durchzieht die ganze Politik. Oft wird Überwachung und Kontrolle auch mehr als Schutzmechanismus angesehen, denn als Bedrohung. Für die realen Wirkung interessieren sich dabei immer noch viel zu wenige.
Fazit
Die Privatsphäre muss aber auch dann gewährleistet sein, wenn wir dafür keine Firmen beauftragen. Es kann nicht sein, dass das, was früher selbstverständlich war nun zu einem hochbezahlten Gut wird.
Sehr schöner Beitrag. Klingt jetzt vielleicht etwas perfide, da wir von yasni nicht gerade positiv dargestellt werden, jedoch bietet der Beitrag genug hilfreiche Links und Infos für Jeden, der sich auch eine eigene Meinung bilden möchte. Nur als eine kurze Richtigstellung, da wir im Kontext genannt werden.
Zu „Die Aufnahmen in so eine Suchmaschinen geht sehr schnell und ohne das man gefragt wird“ und „Die Persönlichkeitsprofile, die sie automatisch erstellen“.
Hierzu ganz klar: Nach EU-Recht dürfen europäische Suchmaschinen keine automatisierten Profile von Personen anlegen, das finden wir vollkommen richtig so, daran halten wir uns auch strikt. US-Anbieter wie o.g. unterliegen einem etwas „lockereren“ Datenschutz und dort werden tatsächlich automatisierte Profile angelegt. Wie gesagt, bei yasni nicht.
Wir bei yasni suchen lediglich nach öffentlich zugänglichen Informationen zu Namen – ohne diese einer Person konkret zuzuordnen, ohne ein Profil automatisch zu generieren. (Man kann sich bei uns ein Profil anlegen und auch fix wieder selbst löschen, aber das muss man selbst machen.) D.h. jede Information auf yasni könnte man auch irgendwie ohne yasni im Netz finden, nur es würde viel umständlicher, zeitintensiver und weniger übersichtlich erfolgen. Wenn es also darum geht, dass man bei uns u.U. Informationen zu Namen und somit Personen besser findet als bspw. über eine Major-Suchmaschine, ja, dann haben wir uns unter Aspekten wie „Convenience“ und „Kundenorientierung“ schuldig gemacht…
Aber nochmals, der Artikel ist dennoch sehr lesenswert.