Der Papst, die Kondome und die Rechtsradikalen

Es scheint, als käme Papst Benedikt XIV aus den eigenverschuldeten Kontroversen nicht mehr hinaus. Kaum sind die heftigen Debatten um die Rehabilitierung Bischof Richard Williamsons, der den Holocaust in einem TV-Interview leugnete, abgeklungen, wirft das religiöse Oberhaupt neue Aussagen in den Raum, bei dem sich jeder halbwegs vernünftige Mensch nur

1116285_440495131.jpgEs scheint, als käme Papst Benedikt XIV aus den eigenverschuldeten Kontroversen nicht mehr hinaus. Kaum sind die heftigen Debatten um die Rehabilitierung Bischof Richard Williamsons, der den Holocaust in einem TV-Interview leugnete, abgeklungen, wirft das religiöse Oberhaupt neue Aussagen in den Raum, bei dem sich jeder halbwegs vernünftige Mensch nur verständnislos an den Kopf fassen kann. Bei seiner kürzlichen Afrika-Reise meinte Benedikt festgestellt zu haben, dass „Kondome das AIDS-Problem verschlimmern“. „Spirituelles und menschliches Erwachen“ hingegen sei die richtige Lösung.

Es ist bekanntlich nichts neues, dass die religiösen Führer der römisch-katholischen Kirche zur Kondomphobie neigen. Dieser Umstand entschuldigt allerdings nicht eine solch unbedachte und dumme Äußerung, die bei Umsetzung die ohnehin große AIDS-Problematik weiter verschlimmern würde. In Afrika sind bisher 17 Millionen Menschen an der bisweilen unheilbaren Krankheit gestorben – und das nicht, weil sie spirituell nicht erwacht waren. Vermutlich sollte des Papstes Aussage auf Enthaltsamkeit (bis zur Ehe) hinausführen – das Kernproblem HIV-Virus jedoch, wäre damit auch nicht gelöst. Schließlich werden Kinder bereits infiziert geboren, sofern die Eltern bereits erkrankt sind. Ob Ehegelöbnis, Spiritualität, Menschlichkeit oder nicht spielt dabei keine Rolle – und die religiöse Ausrichtung schon gar nicht.

Papst soll rechtsradikale Schriften autorisiert haben

Und noch in einem anderen Fall steht Joseph Ratzinger derzeit in der Kritik. Wie SPIEGELOnline am 14.03.2009 berichtete, habe der Sekretär von Ratzinger (damals Kardinal) im Jahre 1998 einen Aufsatz von ihm für die Monatszeitschrift „Die Aula“ freigegeben, die von zwei Rechtsextremen publiziert wird. Die katholische Nachrichtenagentur Kathpress dementiert natürlich: Niemand habe nach Erlaubnis für die Veröffentlichung gefragt. Offensichtlich ist man sich der neuen Imageschäden bewusst, die drohen, falls sich herausstellt, dass der Text doch autorisiert wurde. Und offenbar fürchtet man sich vor einer neuen Welle der Kirchen-Austreter – die erste kam nach der Aufhebung der Exkommunizierung Richard Williamsons. SpiegelONLINE will jedoch den Schriftverkehr zwischen einem Redakteur der „Aula“ und dem Sekretär des Kardinals vorliegen haben, der belegt, dass sehr wohl bekannt war, welche Art von Zeitschrift da ein Werk Ratzingers drucken wollte.

Der Text Ratzingers selbst enthält lt. Spiegel (wöchentl. Printausgabe Nr. 12, 16.03.09) Passagen, die sich kritisch mit dem Demokratiebegriff und freien Wahlen auseinandersetzen: “Das Gefühl, daß die Demokratie noch nicht die rechte Form der Freiheit sei”, schreibt Ratzinger da, “ist ziemlich allgemein und breitet sich immer mehr aus. … Wie frei sind Wahlen? … Gibt es nicht die Oligarchie derer, die bestimmen, was modern und fortschrittlich ist, was ein aufgeklärter Mensch zu denken hat? … Wer könnte an der Macht von Interessen zweifeln, deren schmutzige Hände immer häufiger sichtbar werden? Und überhaupt: Ist das System von Mehrheit und Minderheit wirklich ein System der Freiheit?” Das muss den Herausgebern der rechtsgesinnten “Aula” natürlich imponiert und sie zum Abdruck in ihrem Blatt bewogen haben.

Wir werden wohl nicht lange warten müssen, bis der Papst wieder in ein Fettnäpfchen tritt. Da überlegt man sich zweimal, ob „wir Papst“ sein möchten.

Bild: (C) andrewconn

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Wann erwachen endlich unsere Politiker? Keine Macht den Religiösen! Schickt die christlichen Iraker zurück in den Irak! Die sind nicht wertvoller als andere hilfebedürftige Menschen, die wir immer wieder von unseren Grenzen abweisen! Überwacht die katholische Kirche – das sind die Feinde der Demokratie! Diese religiös motivierten Revanchisten machen mit wenigen Worten die Hilfsarbeit im Kampf gegen AIDS von Jahrzehnten zu nichte. Schluss mit dem Christenterror!!!