Devisenmarktkontrollen notwendig?

Mit der bewussten Überflutung der Märkte durch die Fed droht neben einem drastischen Anstieg der Inflation in den USA auch ein Absturz des Dollar gegenüber anderen Währungen insbesondere dem Euro. Dies führt zwangsläufig zu einer dramatischen Änderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zwischen den von den Kursänderungen betroffenen Wirtschaftsräumen. Eine Abwertung des

Mit der bewussten Überflutung der Märkte durch die Fed droht neben einem drastischen Anstieg der Inflation in den USA auch ein Absturz des Dollar gegenüber anderen Währungen insbesondere dem Euro. Dies führt zwangsläufig zu einer dramatischen Änderung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zwischen den von den Kursänderungen betroffenen Wirtschaftsräumen. Eine Abwertung des US-Dollar schafft entsprechend kursbedingte Wettbewerbsnachteile für Unternehmen, die in den Dollarraum exportieren. Umgekehrt gewinnt durch die Abwertung die Wirtschaft aus dem Dollarraum an Wettbewerbsfähigkeit. Damit droht jedoch ein Export von Arbeitslosigkeit aus den USA in andere Länder.

Devisenmarktinterventionen ein Ausweg?

Möchte ein Land sich vor einer solchen Politik schützen, kann es versuchen durch Devisenmarktinterventionen den Wechselkurs zu stabilisieren (Link: PDF). Allerdings muss dann die Zentralbank, z.B. die EZB, Dollar gegen Euro kaufen. Dabei entstehen jedoch tendenziell ein Kursverlust und zugleich ein Inflationsimport, wenn die Euros, die gegen die US-Dollar ausgegeben werden, nicht durch Gegenmaßnahmen wieder aus dem Wirtschaftskreislauf innerhalb der Eurozone entfernt werden. Mithin trägt das Land, das sich vor dem Wechselkursanstieg seiner Währung schützen möchte, Kosten, in dem sie die zusätzlichen Dollar zu vergleichsweise überhöhten Kursen aufkauft. Zudem muss sie dem heimischen Markt Liquidität entziehen, um die zusätzlich beim Kauf emittierten Euros wieder aus dem Wirtschaftskreislauf zu entfernen. Entsprechend wirkt eine Devisenmarktintervention nicht verursachergerecht.

Für das Land, das die überschüssige Währung emittiert, entstehen keine Kosten. Dasjenige Land aber, das sich vor dieser Dollarflut schützen möchte, muss die Kosten tragen. Wegen dieser paradoxen Wirkungen sind Devisenmarktinterventionen unbeliebt. Sie stoppen  nicht den Fehlanreiz des Verursachers, weiterhin mehr als erforderlich Geld in seiner Währung zu drucken. Da offenbar aber die USA sich von einer Politik der Preisstabilität verabschiedet haben und unilateral mit einer massiven Geldschöpfung begonnen haben, besteht grundsätzlich nur ein zweiter Weg, eine Inflationsübertragung in andere Währungsräume zu stoppen. Dies sind direkte Devisenmarktkontrollen.

„Um dem Primat der inneren Preisstabilität zu genügen, wurden

außerdem aus der Vergangenheit bekannte Einfallstore der Inflation,

wie die Finanzierung der Staatstätigkeit durch die Notenbank,

bewußt versiegelt. Der EZB und den am Eurosystem teilnehmenden

nationalen Zentralbanken ist es untersagt, Kredite an den Staat (oder

EU-Organe) zu gewähren oder entsprechende

Wertpapieremissionen zu übernehmen. Außerdem haben sich die

Mitgliedsländer im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts

verpflichtet, ihre Finanzen in Ordnung zu halten und übermäßige

Defizite zu vermeiden.“

Reiner König Frankfurt, Gold in der Währungsgeschichte: Lehren aus der Vergangenheit, Vortrag im Rahmen der Museumsabende der Deutschen Bundesbank – 10. April 2002 (Link: PDF)

Was nützen Devisenmarktkontrollen?

Devisenmarktkontrollen gegenüber einem anderen Land dienen dem Zweck, die Menge ausländischen Geldes, das in die eigene Währung umgetauscht werden kann, zu begrenzen. Setzt man daher die in Euro konvertierbare Menge an Dollars administrativ fest, dann werden alle weiteren legalen Devisenmarkttransaktionen in beiden Währungen unterbunden. Das Problem dabei ist, dass es zu einem grauen Devisenmarkt kommen kann, wo bei US-Dollars unterhalb des offiziellen Wechselkurses illegal getauscht wird. Hinzu kommt das Problem der wirkungsvollen Kontrolle und der Frage, wem Devisen zugeteilt werden sollen. Eine Devisenbewirtschaftung schafft mithin erhebliche Probleme der Verteilungsgerechtigkeit sowie hohe Bürokratiekosten. Mithin können sie nur als ultima ratio gelten, wenn ansonsten das außenwirtschaftliche Gleichgewicht hinsichtlich einer angemessenen Wechselkursparität nicht mehr erreichbar ist. Es ist de facto die Notbremse, um sich gegenüber einer Überflutung mit einer sich entwertenden Währung noch zu schützen.

Umgekehrt könnten auch die USA zu Devisenmarktkontrollen gezwungen sein, wenn es zu einer Flucht der ausländischen Anleger aus ihrer Währung kommen sollte. Wenn insbesondere beispielsweise die großen Gläubiger in Asien ihr Vertrauen in die USA und ihre Geld- und Währungspolitik verlieren, könnte aufgrund der Billionen US Dollar, die von ihnen gehalten werden, der Dollarkurs rasch ins Bodenlose stürzen. Warten jedoch die Gläubiger mit einer solchen Reaktion, droht ihnen bei einem trotzdem stattfindenden verfall der US-Währung eine massive Entwertung ihrer in Dollar lautenden Forderungen. Die USA würden sich durch diese Abwertung von ihren Schulden gegenüber ausländischen Gläubigern auf für sie elegante Art befreien.

Ein Realtransfer der durch ausländische Forderungen in Dollar würde erheblich, d.h. im Umfang der Abwertung gegenüber der Fremdwährung, sinken. Eine solche massive Dollarkrise könnte die USA soweit in Bedrängnis bringen, dass sie den Wechselkurs selber auf ein höheres Niveau zu stabilisieren hätten. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich ihre Importe z.B. auch von Rohöl aus dem Ausland entsprechend verteuern können. Hinzu kommt das Problem, dass die ausländischen Anleger aus Nominalwerten wie Staatsanleihen in Realwerte wie Aktien, Immobilien, etc. flüchten wollen und damit die heimische Inflation antreiben.

Solche Panikreaktionen können die Kontrolle über den heimischen Inflationsprozess sowie den Wechselkurs bis hin zum Kontrollverlust gefährden. Durch entsprechende regulierende Eingriffe, insbesondere dem Einfrieren von Guthaben, ist dies prinzipiell zu bewerkstelligen. Allerdings führt dies zu einem massiven Vertrauensverlust ausländischer Gläubiger. Sie erleiden entweder hohe Vermögensverluste und unter Umständen geht sogar die Liquidität ihrer Vermögensbestände im Ausland völlig verloren.

Wir brauchen eine neue Weltwirtschaftsordnung mit verbindlichen Regeln für Alle

Ergo gilt, dass es für alle Seiten sinnvoller wäre, sich auf eine konzertierte Anpassungsstrategie zu Anpassung der Wechselkurse und Inflationsraten untereinander zu verständigen. Leider setzt dies eine kollektive Rationalität aller Beteiligten voraus.  Es bleibt daher immer noch zu hoffen, dass es einen tragfähigen Kompromiss geben wird. Allerdings ist die Weltwirtschaft nun erneut ein Stück näher an den Abgrund einer katastrophalen Weltwirtschaftskrise herangerückt. Nicht alles was gut gemeint ist, ist am Ende auch gut.

Kommentare

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  1. Eine neue Weltwirtschaftsordnung mit verbindlichen Regeln für Alle ist eine völlig unrealistische Traumvorstellung.

    China, Indien, Russland und die USA einigen sich auf verbindliche Regeln? Diese vier Länder harmonisieren ihre nationalen Wirtschaften? So etwas kann man nur fordern, wenn man nicht weiss, wie man Probleme löst.

    Die Finanzkrise ist eine Krise der Überschuldung der Staats-, Wirtschafts- und Privathaushalte weltweit. Schulden kann man verschieben, von den Finanzinstituten auf Staaten. Man kann sie aber auch durch eine gemeinschaftliche Weltwirtschaftsordnung, die es nie geben wird, nicht in Luft auflösen.

    Die neue US-Regierung hatte gleich am Anfag China rüde der Manipulation ihrer Währung bezichtigt. Jeder Änderung der Leitzinsen eines Landes manipuliert eine Währung. Die Fed hat gestern innerhalb von nur zwei Stunden den Kurs vom Euro zum US-Dollar von 1,300 auf 1,350 gepuscht. Was ist das? Keine Manipulation einer Währung? Amerika hat Schulden, die es nicht mehr händeln kann. Das hat die Fed gestern ihren ausländischen Gläubigern deutlich gemacht.

    Das was die Fed gestern verkündet hat ist lediglich, dass sie Schulden, die andere nicht mehr schultern können, aufkauft. Damit bleiben die Schulden aber genau das, was sie sind. Nämlich ungedeckte Schulden, die jetzt eben nur ein anderer vor sich her schiebt. Die Fed hat damit die Kreditwürdigkeit der USA drastisch in Frage gestellt.

    Die Staaten werden weiter von einer neuen Weltwirtschaftsordnung reden und träumen, weil keiner auch nur den Ansatz einer Lösung weiss.

    Der Ansatz für alle, Staaten, Wirtschaft und Private, ist, Schulden zu kontrollieren. Das hat mit einer Weltwirtschaftsordnung nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Der Ansatz, um eine Überschuldung von Firmen aufzudecken, ist die Bilanz. Wenn die Banken ihre Schuldenfallen in “bilanzneutralen Zweckgesellschaften” verstecken konnten, also in ihren Bilanzen nicht verzeichnen mussten, dann nur, weil die lokalen Bilanzregeln dies zulassen. Das ist die Dummheit der deutschen Regierung und hat nichts mit China, Indien, Russland etc. zu tun.

    Lasst uns weiter träumen und Lösungen verschieben.