“Villeroy & Boch streicht 900 Arbeitsplätze” ist heute im “Stern” zu lesen. “Deutschlands Europapolitik ist von Angst bestimmt”, titelt die “Zeit” und der “Focus” schreibt “Abwrackprämie: Der Topf ist schon halb leer”. Nein, gute Schlagzeilen sehen anders aus. Während im Freien die ersten Frühlingsstrahlen die Gemüter zu erwärmen suchen, sieht es in Anbetracht solcher Nachrichten in unserem Innern ganz anders aus. Wie dagegen steuern, das scheint die Frage. Denn auch auf der Readers Edition ging es in dieser Woche wenig heiter zu.
Konflikte im Süden Europas und auf dem Energiesektor
Bereits am vergangenen Montag sorgte unser neuer Autor Michael Eisenfeld für den Diskussionsanziehungspunkt schlecht hin. Sein Debüt “Ein Staat- Zwei Gesichter” sorgte bis dato für nicht weniger als 183 Reaktionen. Ein Ende der Debatte scheint jedoch noch lange nicht in Sicht. “EJRM versus Griechenland”, so könnte der ausführliche Beitrag um ein Land, das in die EU sowie die NATO aufgenommen werden will, auf eine kurze Formel gebracht werden, die sich auch in der großen Zahl an Kommentaren wiederfinden lässt. Die abschließende Frage des Autors: “Wieso blockiert Griechenland den EU & NATO-Beitritt der EJRM?”, der eine Vielzahl weiterer vorausging, scheint nicht so ohne weiteres klärbar zu sein – jedenfalls nicht durch hitzige Wortmeldungen, die eher persönlich, denn sachlich vorgetragen werden. Wir wünschen allen Lesern und Diskutanten dennoch auch weiterhin einen regen Austausch, der, und das bleibt zu hoffen, Licht ins Dunkel bringen könnte.
“Scharf geschossen” wurde auch anlässlich der Zeilen unseres Autors Andreas Grieß. “Desertec – Saubere und ungefährliche Energie?!”, fragt er am letzten Dienstag und stieß damit ebenfalls eine mehr als rege Debatte an. “Sauberer Strom aus der Wüste? Diese Vision hat die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz- Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrums. Doch es ist nicht nur eine Vision, sondern auch eine handfeste Idee: Hauptsächlich mittels solarthermischer Kraftwerke, die an einigen Orten der Welt bereits erfolgreich eingesetzt werden, könnte genug Energie erzeugt werden, um ganz Europa zu versorgen – CO2-Ausstoß-frei”, beginnt er seine Ausführungen, die von den einen als “große Chance” von anderen allerdings als “sinnlos” bezeichnet werden. Auch hier scheint es noch ein weiter Weg bis zu einem Konsens. Der Autor jedoch fordert schon jetzt: “Das Project muss bekannter werden! Wenn die Probleme der Zukunft gelöst werden sollen, muss man kontinental, wenn nicht sogar global denken. Und man muss handeln – jetzt!”
Geschehnisse im Internet und ihre realen Auswirkungen
Aufwühlend wirkte in dieser Woche auch ein Beitrag unseres geschätzten Autors Rolf Ehlers. “Winnenden: warum immer nur Jungs?” sorgte für Zündstoff. Denn unser Schreiber präsentierte im Zuge seiner Ausführungen eine völlig neue Theorie zu den furchtbaren Geschehnissen in Winnenden vor gut anderthalb Wochen. Von hochgelobt bis abgrundtief veruteilenswürdig reichten die Kommentare unter seinen Zeilen, die sich mit der Psyche und den Ernährungsgewohnheiten des Amokläufers Tim K. auseinandersetzen. “(…) es kann kein Zufall sein, dass weltweit immer nur Jungs Amok laufen”, stellt Ehlers sodenn in den Raum und schreibt weiter: “Der Grund dafür, dass es Jungen in der und am Ende ihrer Pubertät sind, die ihrem Leben ein Ende machen und viele mitreißen wollen, ist neben der fehlenden Fähigkeit zur Stresskontrolle ihre Überschwemmung mit dem Sexualhormon Testosteron.” Seine Theorie lautet deshalb: “Serotonin ist auch hier die Grundlage für die Lösung der Probleme.”
“Aufreger” ganz anderer Art stehen derweil bei Thilo Pfennig im Vordergrund. “Personensuchmaschinen – eine zweifelhafte Neuerung“, lautet sein Beitrag am letzten Mittwoch, den er mit einem Selbstversuch untermauert. Ob Spock.com, yasni.de oder 123people.de – sie alle durchsuchen das Web speziell nach Personen. Der Haken: nicht nur Prominente sind davon betroffen, sondern so gut wie Jedermann. “Die Aufnahmen in so eine Suchmaschinen geht sehr schnell und ohne das man gefragt wird. Das Entfernen ist schon schwieriger”, berichtet er von seinen eigenen Erfahrungen, die er kürzlich mit derartigen Plattformen, die auf das Prinzip “der erzwungenen Mitgliedschaft” zu setzen scheinen, machen musste. Was hier passiere, so Pfennig, sei das Gegenteil von Selbstbestimmung. Ein Ende der Fahnenstange sei jedoch noch lange nicht erreicht, was seine Schlussworte umso gehaltvoller nachklingen lässt. Denn er schreibt: “Es kann nicht sein, dass das, was früher selbstverständlich war nun zu einem hochbezahlten Gut wird.”
Ein Buch sorgt für Reibereien
Nicht nur Politik oder Wirtschaft sorgen dieser Tage für Debatten, die an die Substanz gehen – auch das kulturrelle Leben ist von Zeit zu Zeit betroffen. Einen besonders eklatanten Fall stellt uns am heutigen Freitag unser Stammautor Volly Tanner vor. In “Literarisches Kesseltreiben um Kammwegpreis 2009“berichtet er in Form eines Interviews mit Elia van Scirouvsky von der vermeintlichen Fehlentscheidung der zuständigen Jury, die ein Buch prämierte, das so ganz und gar nicht den ausgeschriebenen Modalitäten entspreche. “Da gib’s im Erzgebirge einen Literaturpreis und Kohle vom Steuerzahler für die Preisträger. Und dann gibt’s Juryvorsitzende, die sich wie Gott gebärden – und zwar, wie Gott während seiner Adam&Eva-Rauskickaktion – herrisch, unverständlich und autoritär. Und es gibt Menschen, Autoren aus dem Erzgebirge, wie Elia van Scirouvsky, die versuchen sachlich zu argumentieren und dafür abgekanzelt werden. Wenn zivilisierte Diskussionen im Kollegium nicht möglich sind, muss dies eben öffentlich geschehen”, läutet Herr Tanner ein. Was dann folgt, lässt den Literaturfreund die Haare zu Berge stehen…
Am Ende unseres kleinen Wochenrückblicks gestehen wir ein: Auch an dieser Stelle konnte, trotz qualitativ hochwertiger Beiträge, wenig zur Erhellung des Gemüts beigetragen werden. Viel zu sehr beschäftigen die angeschnittenen Themen unser Inneres und machen sich in teils heftigen Wortwechseln Luft. Dennoch wollen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, abschließend noch zwei weitere Artikel zur Lektüre ans Herz legen. “Wasser für alle. Immer und überall? – Weltwasserforum tagt in Istanbul” von Claus-Dieter Stille rangiert seit Tagen unter den meistgelesenen Artikeln. Und auch Georg Erbers “Fed will für 1,15 Billionen US Dollar Werpapiere aufkaufen” ist nicht mehr aus dem Ranking wegzudenken. Aber vielleicht begeben Sie sich auch lieber auf “Reisen via MTV” mit Jana Zündel…
Wie auch immer Sie sich entscheiden. Wir wünschen Ihnen auf alle Fälle ein schönes und geruhsames Wochenende. Wir lesen uns nächsten Freitag: Machen Sie’s gut.
Ihre Redaktion Readers Edition
Photo Quelle/Copyright: Gerd Altmann, via pixelio.de
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