Mauern einreißen

Zum zehnten Mal wurde dieses Jahr auf der ITB Berlin der TOURA D’OR-Preis verliehen Offen und ohne Vorurteile mit fremden Kulturen umgehen – dieser Wunsch spiegelte sich auch bei der zehnten Verleihung des TOURA D’OR-Preises auf der ITB Berlin wieder. Er wird regelmäßig im Zwei-Jahresrhythmus an Filme verliehen, die sich

Zum zehnten Mal wurde dieses Jahr auf der ITB Berlin der TOURA D’OR-Preis verliehen

Offen und ohne Vorurteile mit fremden Kulturen umgehen – dieser Wunsch spiegelte sich auch bei der zehnten Verleihung des TOURA D’OR-Preises auf der ITB Berlin wieder. Er wird regelmäßig im Zwei-Jahresrhythmus an Filme verliehen, die sich für einen zukunftsfähigen Tourismus einsetzen. Filme, die schwierige Bedingungen in Entwicklungsländern thematisieren und doch dazu ermutigen, eine Reise dorthin zu unternehmen. Filme, die Hilfestellung für ein sensibles Verhalten gegenüber Land und Leuten leisten. Und auch Filme, die sich kritisch mit den negativen Auswirkungen des Tourismus auseinandersetzen.

“Die touristische Infrastruktur darf nicht zu Lasten der Einwohner gehen”, erklärt Karl Mertes, Journalist beim WDR. Und auch Evelyn Huhmann-Durra, Redakteurin bei VOX Film und Fernsehen GmbH, mahnt: “Nur ein sozialverantwortlicher und umweltbewusster Tourismus hat Zukunft.” Letztes Jahr wurden 55 filmische Beiträge eingereicht, die dieser Verantwortung Rechnung trugen. Drei Filme wurden mit dem TOURA D’OR-Preis ausgezeichnet. Sie spielen in Chile, Benin und Nepal.

Chile – Die Stimmen der Wüste

Die Wüste von Atacama kann auf den ersten Blick wie eine trostlose Einöde erscheinen, die den Touristen nichts anderes bietet als sengende Hitze und Einsamkeit. Der Dokumentarfilm “Chile – Die Stimmen der Wüste” zeigt jedoch, dass individuell Reisende gerade diese Einsamkeit schätzen. Für sie gehört Atacama zu den noch unberührten Orten, die der Fernsehsender ARTE in seiner Dokumentationsreihe “Die neuen Paradiese” porträtierte. “Auf Tuchfüllung mit den Elementen” können die Touristen mit den Einwohnern, die sich als Wüstenführer anbieten, Kontakt aufzunehmen und deren Liebe zu ihrer Heimat nachempfinden. Einer dieser Wüstenführer bringt das Anliegen des Filmwettbewerbs TOURA D’OR auf den Punkt: “Ich möchte Mauern einreißen zwischen mir und den Touristen und sie in unsere Kultur einweisen.”

Die Sklavenstraße von Ouidah

Mauern einreißen zwischen zwei Fronten ist auch das Thema des mit dem Sonderpreis “Pädagogik” ausgezeichneten Films “Die Sklavenstraße von Ouidah” von Bettina Ehrhardt, der von Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Mit der Besichtigung des Strand von Ouidah, wo Jahrhunderte lang Sklaven von Afrika nach Amerika verschifft wurden, gelingt dem Film gemeinsam mit den Nachkommen von Opfern und Tätern eine versöhnliche Aufarbeitung der Geschichte. “Wir haben eine Geschichte, mit der man nicht zurecht kommt. Aber es ist unsere Geschichte. Früher hat sie uns klein gemacht, jetzt macht sie uns stark”, erklären die Nachkommen der Opfer.

Journey of a red fridge

Kleine Bergdörfer und grüne Schafsweiden – das sind die friedlichen Landschaftsansichten in der Himalaya-Region. Und mittendrin: ein großer roter Kühlschrank mit Coca-Cola-Schriftzug. Der Dokumentarfilm “Journey of a red fridge” begleitet den 17-jährigen Gepäckträger Hari Prasad Rai auf seinem Weg um den Annapurna in 3000 Meter Höhe ins Tal. Was dieses filmische Porträt von Lucian und Natasa Muntean aus Serbien auszeichnet, ist sein filmisches Handwerk. Die TOURA D’OR-Jury um Karl Mertes und Evelyn Huhmann-Durra lobt die “hervorragende Kameraführung, den Schnitt und die sparsam eingesetzte Musik”. Der Film lebt von seinem Protagonisten Hari, der trotz der Schwere seiner Lasten nie an Lebensfreude verliert. Mittlerweile Student, sah er den Job als Gepäckträger schon zur Drehzeit des Films als Investition in seine Zukunft.

Diese drei mit dem TOURA D’OR-Preis ausgezeichneten Filme handeln zwar mit sensiblen Themen und doch hinterlassen sie beim Zuschauer ein eigenartig positives Gefühl. Sie beweisen, dass es sich lohnt, einen Blick auch in entlegene Winkel zu werfen. Im Dialog mit fremden Kulturen, so Jury-Mitglied Karl Mertes, könnten Touristen nicht nur neue positive Eindrücke sammeln, sondern auch unter Umständen selbst hinterlassen.

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