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Kultur

Feindbild Graffiti-Sprayer - ein Plädoyer

Montag, den 23. März 2009 um 13:26 Uhr von Thilo Pfennig

Graffiti in der Öffentlichkeit stellt seit Jahren eines der umstrittensten Themen dar. Erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass es sich meist nur um Farbe auf Wänden handelt. Was macht das Thema so problematisch und ist es realistisch zu erwarten, dass Graffiti aus der Öffentlichkeit verschwindet? Und wäre das wünschenswert?

Graffitigeschichte

Zunächst ist klar, dass Menschen seit undenklichen Zeiten mit Werkzeugen Symbole und Kunst erstellen. Der Begriff bedeutet so viel wie “mit dem Griffel kratzen”. Denn natürlich gab es in der Urzeit noch keine Spraydosen (die erst in den 30er Jahren erfunden wurde). Graffiti im heutigen Sinne, aber mit anderen Werkzeugen, gibt es seit dem Altertum z.B. in Ägypten und den Römischen Reich. Diese geben Historikern heute teilweise wertvolle Hinweise über das Leben und das Denken der damals lebenden Menschen. Auch in der Neuzeit gab es viele interessante Beispiele, wie z.B. die bewusst erhaltenen Graffiti von russischen Soldaten im Berliner Reichstag, deren Erhalt damals auch für viel Kritik und Unverständnis sorgte.

Mit Kanonen auf Spatzen

Auffällig ist, dass Graffitis immer wieder zum Aufreger werden. So schimpfte eine CDU-Politikerin in Berlin 2002 auf Graffiti, die gegen Stoiber gerichtet waren: “Diese Tat in unmittelbarer Nähe des 11. September, des Tages, an dem der menschenverachtende terroristische Anschlag auf Amerika verübt wurde, ist auch als Anschlag auf unsere Demokratie zu werten.” Oft werden sowohl Graffiti als auch die Verletzung von Urheberrechten mit Terrorismus und Organisierter Kriminalität gleichgesetzt. Damit wird dann auch die Gangart gegen Graffiti mitbestimmt. 2005 sorgte der Einsatz von Hubschraubern des Bundesgrenzschutzes für Wirbel in den Medien. Hier stellte sich wie oft die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel.

Die Initiative KLAR SCHIFF Kiel berichtet 2003 stolz:

Gegen 21.50 Uhr teilten Anwohner der Gärtnerstraße telefonisch mit, zwei junge Männer hätten gerade ein Tor und Laternenmasten mit Farbstiften beschmiert. Mehrere Einsatzfahrzeuge machten sich auf den Weg. Im Wulfsbrook entdeckte die Beamten an einer Bushaltestelle eine fünfköpfige Gruppe Jugendlicher, darunter zwei Mädchen. Einer der Jugendlichen malte gerade sein “Tag” an eine Mülltonne. Wie sich bei der anschließenden Überprüfung herausstellte, hatten ein 16- und ein 20-Jähriger die Schriftzüge verursacht. Entsprechende Stifte entdeckten die Beamten bei den Durchsuchungen. Gegen die Beschuldigten wurden Strafverfahren eingeleitet.

Wenn hier das Sprichwort “Mit Kanonen auf Spatzen schiessen” nicht gilt, weiß ich nicht, wann sonst. Wenn das Bemalen von Mülltonen mit ein paar Filzstiften schon für einen Großeinsatz der Polizei sorgt, fragt man sich, ob die Polizei sonst nichts Besseres zu tun hat.

Graffiti als Herausforderung an unsere Gesellschaft

Die große Geschichte hinter den Graffiti ist eigentlich ein Kampf um Eigentum und öffentliche Flächen. In den meisten westlichen Ländern gibt es zum einen klares Privateigentum und darüber hinaus öffentliche Flächen, deren Nutzung von denen bestimmt wird, die die Herrschaft ausüben. Gebäudeflächen und der ölffentliche Raum insgesamt werden immer gerne zu Werbezwecken verwendet. Der einzelne Bürger kann dabei wenig darüber mitbestimmen, was wo gebaut werden darf oder welche Werbung wo hängt - von überall springen uns Botschaften an. Im Allgemeinen aber halten sich diese Botschaften an gewisse Regeln - entweder werden Werbeflächen bezahlt oder jemand baut ein neues Gebäude auf einem Grundstück, das er gekauft hat. Es gibt zwar auch so hier und da Streitigkeiten über Baugrundstücke und die Öffentlichkeitswirkung, doch werden Investoren eher selten mit Terroristen gleichgesetzt.

In den USA wird Graffiti zunehmend auch von Firmen im Sinne des Guerilla Marketings eingesetzt, wie z.B. von SONY zur Bewerbung ihrer Spielkonsole. Für so einen weltweiten Großkonzern sind die darauf zu zahlenden Strafen natürlich nur Peanuts. Vielleicht erfolgt eine bessere Anerkennung der Graffiti ja auch dann, wenn diese Aktionen von Firmen an der Tagesordnung sind?

Ist Graffiti Kunst?

Graffiti war und ist immer auch Protest gegen bestehende Verhältnisse. Und darin unterscheiden sie sich nicht von vielen Künstlern und Kunstaktionen. So wie auch ein Beuys sich mit dem etablierten Kunstbetrieb an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf anlegte. Damit sei nicht gesagt, dass jeder Graffiti-Künstler auch ein kleiner Beuys ist. Damit sei lediglich darauf hingewiesen, dass das Verletzen von Regeln und die Aneignung von öffentlichem Raum etwas ist, was sowohl  zu jeder Zeit in unserer Gesellschaft passiert und es auch für den Graffiti gar keine andere Möglichkeit gibt zu überleben als gegen diese Regeln zu verstoßen. Es gibt auch Graffiti, die in Galerien ausgestellt werden. Diese stellen aber eine andere Kunstgattung dar, selbst wenn die Techniken ähnlich oder gleich sind.

Nichts was Graffiti zu eigen ist, ist einzigartig - sowohl die Regelverletzung als auch das Besetzen des öffentlichen Raumes mit Botschaften ist bei uns alltäglich. Einzigartig ist aber die Kombination, die dazu führt, dass Graffiti-Sprayer einem hohen Fahndungsdruck ausgesetzt sind. Zudem hängen viele Politiker immer noch der so genannten “Broken-Windows-Theorie” nach. Demnach sind Graffiti und zerbrochene Fensterscheiben ein Signal in einer Straße oder einem Viertel, das angeblich Kriminalität anzieht und den Verfall eines Viertels herbeiführt. Dagegen wurde die Nulltoleranzstrategie angewandt, das selbst Bagatellvergehen stark verfolgte. In New York wurde diese sehr konsequent umgesetzt. Es kam auch zu einem Absinken der Kriminalität. Allerdings passierte das zeitgleich in allen Großstädten der USA - also auch in denen ohne Nulltoleranzstrategie. In dem Buch Freaknonomics wurde die Theorie aufgestellt und statistisch untermauert, dass die Kriminalitätsrate deswegen absank, weil es wegen erlaubter Abtreibungen weniger ungewollte Kinder gab. Statistische Indizien für die Wirksamkeit einer Nulltoleranzstrategie gibt es hingegen nicht. Dennoch wird diese von vielen Law-and-Order-Politikern als belegt und alternativlos dargestellt und bestimmt oft die öffentliche Vorstellung von wirksamer Kriminalitätsprävention. Auch die vermehrte Überwachung mit öffentlichen Kameras wurde aus dieser Theorie entwickelt.

Wie viel Kontrolle wollen wir?

Im Grunde wird hier aber versucht aus einem relativ kontrollierten Raum einen hyperkontrollierten Raum zu schaffen. Politiker wie BKA-Chef Ziercke oder Innenminister Wolfgang Schäuble sind sogar der Meinung, dass es überhaupt keine unüberwachten Freiräume mehr geben sollte. Dies aber würde einer Abschaffung der Privatsphäre gleichkommen. War es früher normal, dass die Polizei nicht überall alles mitverfolgen konnte, so gilt heute, dass angeblich jede Maßnahme, die möglich ist, auch umgesetzt werden muss.

Die finanziellen Auswirkungen

In dem Zusammenhang sind Graffiti viel mehr als Rechtfertigung für eine stärkere Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raumes, als dass die angewendeten Maßnahmen tatsächlich die Anzahl der Graffiti im öffentlichen Raum reduzieren würden. Würde man die Finanzmittel, die sowohl zur Erschaffung als auch der Beseitigung von Graffiti angewendet werden zusammenzählen, käme man mit Sicherheit auf eine unfassbare Summe. Unfassbar vor allem deswegen, weil durch die ganzen teuren Maßnahmen, die oft letztendlich darin bestehen graue Autobahnbrückenpfeiler von Farbe zu befreien, den Graffiti niemals gänzlich aus dem öffentlichen Raum verdrängen werden. Für die oft jugendlichen Sprayer kann es aber bedeuten, dass sie jahrzehntelang für die Beseitigung entstandender Schäden zahlen müssen. Diese haben in ihrem Alter aber meist die Tragweite und das Risiko ihres Handelns gar nicht abschätzen können.

Graffiti-Sprayer und die Eigentümer von Flächen stehen in einem natürlich Widerspruch, der kaum aufzulösen ist. Zumindest dann nicht, wenn man nicht anfängt die Bedeutung und die Nutzbarkeit öffentlicher Flächen zu hinterfragen. Bei Autos sieht die ganze Sache anders aus: In unseren Städten geht ein Großteil der Flächen von Straßen und Plätzen an parkende Autos. Ein Auto abzustellen und stehen zu lassen ist aber vollkommen legal. Im Innenstadtbereich wird manchmal eine Gebühr erhoben - aber davon abgesehen hat man sich hier darauf geeinigt, dass die Bürger jede Straße und jeden Platz, der dafür geeignet ist zum Parken benutzen dürfen. Die Kosten einer Garage oder eines bezahlten Standplatzes können dagegen erheblich sein. Hier hat die Öffentlichkeit die Abwägung getroffen, dass der Gebrauch von Straßen und Plätzen im gewissen Rahmen wünschenswert ist (z.B. auch durch parkende Besucher, die die Gelegenheit nutzen in Geschäften einzukaufen). Der Umsatz den Graffiti-Sprayer generieren im Konsum von Materialien wird hingegen als nicht so wertvoll angesehen. Anders ist es mit Fabriken, die Sprühdosen herstellen, die nur für Graffiti geeignet sind. Dort arbeiten Menschen wie Du und ich, bekommen ihren Lohn und zahlen ihre Versicherung - die Spraydosen verlassen die Fabrik und gelangen ggf. zu den Kindern der Fabrikarbeiterinnen. Bedeutet es für eine Arbeiterin die Sicherung eines Einkommens inklusive Altersvorsorge Materialen herzustellen, die zur Graffitierstellung genutzt werden, so kann es für die Kinder zum finanziellen Risiko werden, das völlig legale Material und Werkzeug dem ihnen bestimmten Zweck zuzuführen. Die Gewinne der Fabrik und die Einkommenssteuer werden wiederum dafür verwandt Gerichte und Polizei zu bezahlen, die diese Kinder festnehmen und bestrafen.

Unscharfe Definitionen

Ich kann den einzelnen Hauseigentümer verstehen, der sich darüber ärgert, dass seine frisch gestrichene Wand plötzlich von Fremden vollgemalt wird - und ich kann auch seinen Wunsch nachvollziehen, diese unerwünschten Verschönerungen zu entfernen. Das Gesamtproblem des Graffiti lässt sich aber anhand eines einzelnen Beispiels nicht erklären. Falsch ist auch, wenn von vielen Seiten immer wieder Begriffe wie “Schmierereien” verwendet werden. Denn rein sachlich betrachtet schmiert da nichts. Und zum anderen ist es meist nicht die Absicht der Sprayer irgendwo etwas zu verschmutzen. Oft geht es darum etwas zu erschaffen - oft erschöpft es sich in einer Marke oder “Tag” -  manchmal aber auch in dem Schaffen von einem Kunstwerk, zumindest im Auge des Künstlers - er will etwas schaffen, das gesehen wird - will kommunizieren und will Anerkennung. Dabei wohl in den selteneren Anerkennung vom Hausbesitzer. Diese werden oft von der Öffentlichkeit gedrängt Anzeige zu erstatten - eine zeitlang sah es sogar so aus, als ob man Hausbesitzer verpflichten wollte dies zu tun - was dann aber eine fundamentale Abkehr von geltenden Rechtsprinzipien gewesen wäre.

Dies soll ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Graffiti sein. Graffiti war, ist und wird immer Teil unserer Kultur sein. Man muss es nicht lieben. Ich selbst rege mich auch über viele Dinge in der Öffentlichkeit auf. Öfter aber über verordnete Gemütlichkeit und Bausünden, als über ein paar Sprüche oder Graffiti-Kunst. Es kann nicht so weitergehen, dass die Gesellschaft Krieg gegen eine Jugendkultur und somit gegen ihre Jugendlichen führt. In so einem Krieg können nur alle Seiten verlieren. Sowohl finanziell als auch defakto an der Existenz von Graffiti. Die wird es auch in 2000 Jahren noch geben. Es wäre daher an der Zeit einen anderen gesellschaftlichen Dialog zu führen. Solange immer nur aus der eigenen beschränkten Perspektive argumentiert wird, wird es keine Lösung geben - und desto mehr werden Graffiti zum Ärgernis anstatt zu einer Bereicherung. In Wahrheit ist es nämlich die Bekämpfung der Graffiti, die zu einer Verschärfung aber nicht zu einer Lösung beigetragen hat.

Photo Quelle/Copyright: fabbio, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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52 Reaktionen zu “Feindbild Graffiti-Sprayer - ein Plädoyer”

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  1. Andy

    am 23. März 2009 um 14:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ich habe nichts gegen Graffiti die mit dem Einverständniss der Eigentümer der bemalten Fläche angebracht wurde (hierbei handelt es sich meist auch um Kunst, da hier Profis am Werk sind).
    Die anderen unaufgeforderten Schmiererein haben soviel mit Kunst zu tun als würde ich Opernbesucher zwangsweise mit meinen Blockflötenkünsten betören.
    Hier handelt es sich mehr um die Lust am Zerstören fremder Leute Eigentums, oft aus Neid und Frust, weil man selbst nichts sinnvolles auf dem Kasten hat).

    Die “tollen Tags” wahrlos in der Gegend herumgeschmiert sind auch nichts anderes als würde die Person an jede Ecke ihre Duftmarke hinterlassen um ihr Revier zu markieren (Hunde heben dazu das Bein).

    Leute, lasst die nächtlichen Ausflüge, schlaft euch stattdessen aus, geht in die Schule/Ausbildung/Studium und lernt für eure Zukunft (und jammert nicht über das böse System welches euch keine Chancen gibt….).

    Fazit

  2. Thilo Pfennig

    am 23. März 2009 um 15:53 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Andy: Da war es wieder “Schmierereien” - sachlich falsch. Graffitis im Einverständnis mit den Eigentümern sind meist keine richtigen Graffiti. Das sind Leute die meist nur dann tätig werden, wenn sie Geld sehen. Motivwahl liegt dann auch bei den Eigentümern meist.

    “Zerstören”? Es wird nichts zerstört. Das sind teilweise eher die radikalen Entfernungsmittel, für die es auch schon eine kleine Industrie gibt.

  3. peter hauke

    am 23. März 2009 um 16:46 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es gibt doch weit aus schlimmeres als Graffiti,z.B. Krieg,Mord,vergewaltigung,Diebstahl,lügende Politiker usw. uso.
    Warum Regt man sich über ein wenig Farbe aufß
    Mir sind bunt bemalte wände,ganz gleich ob es nur tags sind,grossflächige wandbilder oder auftragsarbeiten egeal ob legal oder illegal,allemal lieber las graue oder altrosane Wände.
    Das ist doch farbliche Monotonie.
    Lasst den Leuten doch ihre Kreativität.
    Was würden diese Menschen wohl machen wenn sie keine Möglichkeit ,wie Graffiti, hätten um sich auszutoben?
    Ich glaube dann würden nicht nur unsere Wände und Züge kahl,lieblos und monoton aussehen sondern auch die Köpfe derer die Graffiti machen und lieben.

  4. Rolf Ehlers

    am 23. März 2009 um 17:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Pfennig: “Dies soll ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Graffiti sein.” “Es kann nicht so weitergehen, dass die Gesellschaft Krieg gegen eine Jugendkultur und somit gegen ihre Jugendlichen führt.” Die Sprayer, in den Augen des Autors durchweg Künstler, wollen nur”etwas schaffen, das gesehen wird”? Wohl alles schaffende Künstler?!Und die geschädigten Eigentümer werden “werden oft von der Öffentlichkeit gedrängt Anzeige zu erstatten - eine zeitlang sah es sogar so aus, als ob man Hausbesitzer verpflichten wollte, dies zu tun - was dann aber eine fundamentale Abkehr von geltenden Rechtsprinzipien gewesen wäre.”

    Was für eine verquere Argumentation! Flächen im privaten und im öffentlichen Eigentum sind nicht die Leinwand für künstlerische und erst recht nicht für zwanghafte immer wiederholte Ausdrucksversuche gestörter Charaktere. Wäre das Ergebnis nicht eine regelrechte Verschandelung aller zugänglichen öffentlichen Flächen, könnte man sich an den Ergebnissen dieser “Schaffenskraft” ja noch erfreuen. Aber von seltenen Ausnahmen abgesehen ist es doch eine Zumutung im öffentlichen Raum immer wieder diesen Murks vor Augen geführt zu bekommen!

    Die Sprayer sind nicht schwer kriminell, richten aber doch schwere Schäden an. Wie kann der Autor sich - zu Recht - über Bausünden ärgern und die geistlosen immer gleichen schrägen Zeichen und Formen der Sprayer verteidigen?

    Wie kann der Autor, der die rechtswidrigen flächendeckenden Beschädigungen unserer öffentlich sichtbaren Räume öffentlich rechtfertigt, so beiläufig von zu schützenden Rechtsprinzipien reden? Und dann noch angeblich, weil geschädigte
    Eigentümer, die eigentlich gar nichts gegen die freundliche Ausgestaltung hätten,
    geradezu unter Druck gesetzt würden, die armen Sprayer auch noch anzuzeigen!
    Welch lächerliche Verdrehung der Interessenlage!

    Es geht vorwiegend um Sachbeschädigungen im manchmal aber ganz großen Stil, dem die Ansehnlichkeit ganzer Stadtteile zum Opfer fällt. Besonders trifft es die Bahnreisenden, die beim Durchfahren der Städte fortwährend mit dieser Besudelung auch der letzten erreichbaren Flächen konfrontiert werden. Da ist
    Gesichtsfeldbeeschädigung! Strafrechtlich handelt es sich meist nur um ein Antragsdelikt mit geringem Strafrahmen. Oft genug geht es aber auch um gemeinschädliche Sachbeschädigung nach § 304 StGB, bei der sogar der Versuch strafbar ist - die Anstiftung dazu natürlich auch!

    Gemeinschädlich ist die Sachbeschädigung u.a. bei der unerlaubten Bemalung
    von “Gegenständen, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, beschädigt oder zerstört” werden.
    Das Plädoyer des Autors für diese Handlungen schrappt ganz dicht an der Grenze des Tatbestandes der Anstiftng vorbei. Es ist nicht aber nicht minder verwerflich.

    @Andy: volle Zustimmung.

  5. Andy

    am 23. März 2009 um 19:33 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Thilo
    Wie gesagt, man muss es den Eigentümern überlassen ob eine Wand begraffitiert wird oder eben nicht. Du hättest sicher auch etwas dagegen, wenn ich meine Filzstiftmalerei auf Deiner Lederjacke als Kunst deklariere und sage “Stell Dich nicht so an”
    Wenn Deine Jacke dann beim Reinigen kaputt geht hat das natürlich nichts mit der Grafitti zu tun, sondern liegt nur an den agressiven Reinigungsmittel (die Du nicht gebraucht hättest, wenn ich nicht künstlerisch tätig geworden wäre).

    Dies ist ein grober Fall von Mißachtung fremden Eigentums!

    Daher haben Stadtteile mit hoher Grafitti-Dichte auch wenig Anziehungskraft auf Menschen die den Wunsch nach Unversehrtheit ihres Eigentums haben.
    Da dies i.d.R. Menschen sind, die entsprechendes Eigentum (in Form von Wohneigentum, Autos, Fahrrädern etc.) aufgrund Ihrer finanziellen Situation vorweisen können, finden sich in den Grafitti-Ecken eher sozial schwächere Schichten, womit die “Abwärtsspirale” weitergeht.

    @Peter Hauke
    Peter, ich habe hier zwei kreative Kinder und jede Menge Spraydosen in den tollsten Farben. Wir möchten gerne am kommenden Wochenende vorbeikommen um Deine Wohnung, Kleidung, Auto kreativ zu gestalten. Wo wohnst Du?
    (Ja, es gibt Schlimmeres, aber dies ist kein Freibrief eine andere Untat zu tun.
    Aber wenn Du meinst…möchte ich Dich bitten mir Dein Bargeld auszuhändigen. Nein, kein Diebstahl…nur ein bischen…aber es gibt ja sooo viel bösere Taten).
    SCHWACHSINN!

  6. Lukas

    am 23. März 2009 um 20:16 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ja, es gibt bösere Taten. Mord, Vergewaltigung, Diebstahl… Erschreckend ist für mich, dass Sprayer teilweise härtere Starfen bekommen als Leute, die eben genanntes verbrechen. Ich finde dass sich eine 3 Jährige Haftstrafe nicht durch Farbe an Wänden/Zügen rechtfertigen lässt, wenn andere Leute Taten begehen, die Menschen körperlich und seelisch verletzen können, diese jedoch mit einem geringeren Haftmaß davonkommen.

    Es stimmt in keinster Weise, dass alle Sprayer Künstler sind. Fragt man bekannte Maler, stimmen mir diese zu. Jemand, der zum ersten Mal sprüht, ist wirklich kein Künstler. Leute, die jedoch mit malen ihren Lebnsunterhalt verdienen, sind in keinster weise gestörte, dumme oder assoziale Menschen, sondern weltweit anerkannte Künstler. Ich finde es eine Frechheit, dass hier Leute, die sich aber wirklich in keinster Weise mit diesem Thema auskennen, alle Sprayer als “gestörter Charaktere” bezeichnen oder sie als “eher sozial schwächere Schichten” bezeichnen. Ich bezweifle stark dass Sie jemanden kennen der wirklich malt. Und auch wenn sie nicht den Künstler, sondern den dummen kleinen schmierenden Jungen meinen: auch die Künstler haben so angefangen.

    Es stimmt sehr wohl, dass viele Sprayer versuchen mutwillig zu zerstören, auch wenn sie die Struktur bzw. Substanz eines Gegenstandes nicht beschädigen.
    Es stimmt jedoch nicht, dass PKWs angemalt werden, LKWs vielleicht.

    Lg

  7. Guy incognito

    am 23. März 2009 um 20:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    Hallo,

    zuerst einmal folgendes: Ich hab mich bislang noch nie an solchen Diskussionen beteiligt,aber irgendwann schmilzt auch mein Toleranzpol.Da setzt sich jemand hin,um ein Dossier zu schreiben und versucht den Leuten glaubhaft näher zu bringen,warum die Fronten verhärtet sind und was liest man hier?Die oberflächlichsten Pauschalisierungen und Klischees,die man als Unbedarfter gegenüber Graffiti überhaupt haben kann!Glaubt ihr im ernst,das einer von den Leuten,die seit Jahren malen,egal ob legal oder ilegal,nörgelnd durch die Welt laufen und euren Lebensstil kommentieren,egal ob du jetzt deinem Nachbar die Bild klaust oder seine Frau fickst?Es gibt in unserer sogenannten gesellschaflichen Mitte genug menschliche Abgründe,bei denen man zu genüge kotzen kann.Aber so viel sei den Couch-potatoes gesagt,die sich mit ihrem Nichtmalhalbwissen(intelligente Menschen verteufeln nämlich nicht ohne Wissen,sonder fragen nach) hier querschiessen gesagt:Es gibt für nichts auf der Welt einen gemeinsamen Nenner,gerade nicht,wenn es darum geht,das sogenannte “Strafbestände” erfüllt werden.Und dieses dumme Gequatsche a la,wenn es bestellt/legal ist,ist es Kunst,ansonsten sind das alles gehirnamputierte Hängengebliebene,die rumschmieren????Was ist das für ein Schwachsinn!!!!Wegen solchen argumentlosen Möchtegernsittenwächtern macht Deutschland sowieso nur dauernd Schritte rückwärts.Und jetzt sucht euch nen Hobby

  8. jonathan senflinger

    am 23. März 2009 um 20:45 Uhr | Link | Kommentar melden

    Daher haben Stadtteile mit hoher Grafitti-Dichte auch wenig Anziehungskraft auf Menschen die den Wunsch nach Unversehrtheit ihres Eigentums haben.
    Da dies i.d.R. Menschen sind, die entsprechendes Eigentum (in Form von Wohneigentum, Autos, Fahrrädern etc.) aufgrund Ihrer finanziellen Situation vorweisen können, finden sich in den Grafitti-Ecken eher sozial schwächere Schichten, womit die “Abwärtsspirale” weitergeht.

    Wieso haben dann z.b. Stadtteile wie Freidrichshain, Kreuzberg, oder Mitte sogar noch Prenzlauer Berg so eine magische Anziehungskraft auf so viele Leute von Außerhalb- eben weil das Stadtild alternativ kreativ und von hoher Diversität zeugt.

    Mitunter kämpfen dort die Hauseigentümer mit völlig überzogenen Methoden gegen die Sprüher die seit Ende der 80er dort das Straßenbild prägen und schon lange vor den schwäbischen Investoren vor Ort waren. Wer mit offenen Augen durch den Kiez geht, sieht Hauseingangstüren, die durch 2 Kameras und einen Bewegungsmelder geschützt werden. Dies halte ich für völlig überzogen, da Graffitis in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind - bzw. aus der Werbe und- Kulturbrnache nicht mehr wegzudenken sind.

    Graffitis besonders in diesen Bezirken in Berlin sollten nicht als urbanes Ärgernis sondern als Chance angenommen werden durch einzigartige Stadtteile mehr Touristen und Andersdenkende nach Berlin zu locken.

  9. Torsten

    am 23. März 2009 um 21:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ich habe grundsätzlich auch nichts gegen Graffiti. Ich meine, manchmal tragen sie ja echt zur Verschönerung bei, aber oft wird einfach auf absolut vulgäre und abstossende Motive zurückgegriffen.

  10. BOMBER™

    am 23. März 2009 um 21:22 Uhr | Link | Kommentar melden

    Hervorragender Artikel. Bestens recherchiert und insgesamt sehr stimmig was die Dualität und die Pauschalbehandlung mit dem Thema Graffiti und Gestaltung im öffentlichen Raum und die Beweggründe der Urheber angeht. Wenn Graffitiwriting, Street + Urban Art, Stencil Art oder sonstige Gestaltung im öffentlichen Raum irgendwann als „Terrorismus” o.ä. benannt wird und dementsprechend behandelt wird, werden wir ein Riesenproblem bekommen. Desweiteren werden wir daran feststellen können, daß wir kein „freies„ System mehr haben. Ich kann nur hoffen, daß dies nicht eintritt. Helge „Bomber” Steinmann, Graffitikünstler und Einwandfrei e.V., Vorsitzender des Vereins für Kunst im öffentlichen Raum.

  11. peter hauke

    am 23. März 2009 um 21:30 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ andy:

    Gerne wann könnt ihr kommen?
    Ich bin sowieso der Meinung das in Famillien in denen die Kinder die Wände bemalen dürfen,ohne dafür mit Schlägen oder Schimpftiraden bestraft zu werden,wesentlich besser aufwachsen und später zu toleranteren Menschen werden.
    Allerdings wenn ihr vorbei kommt bitte belasst es doch bei meinen Wänden denn ich habe noch NIE einen Maler gesehen der illega/ungefragt die Klamotten anderer bemalt,das ist ein mehr als lächerlicher Vergleich.
    Ich hätte auch kein Problem damit,sofern mir das was deine Kinder dann malen nicht gefällt,wieder auf meine Kosten zu entfernen.
    Ich glaube 25l Fassadenfarbe sind hier in meinen örtlichen Baumarkt zu erstaunlich günstigen Preisen zu bekommen und Farbe kann man doch schliesslich immer gebrauchen.
    Also meldet euch einfach wenn ihr Zeit habt,ernsthaft.
    Was dieses Kunstgeschwafel angeht,Kunst wird IMMER durch den Betrachter definiert und nicht durch Herkunft,Bildung,akademische Titel oder sonstwas.
    D.h. ob Graffiti Kunst ist oder nicht entscheidet nicht der schaffende auch nicht unsere Superpolitiker sondern schlicht und ergreifend jeder für sich selbst und da finde ich es mehr als anmassend das einige wenige Graffiti für Vandalismus erklären und es verbieten nur weil IHNEN das nicht gefällt.
    Hey ich finde es auch zum kotzen das es in der Politik soviele Lügner gibt (Schröder,Kohl,Merkel usw.) und trotzdem wird keiner von denen angemessen bestraft,nein da kann man dann mit so sätzen wie “ich habe es versprochen das ich niemanden verrate.” kommen zahlt eine lächerliche kleine Geldstrafe und das wars.
    Im Gegensatz zu den Malern welche für ein wenig Farbe oft ihr ganzes Leben lang büssen müssen.
    Und was diese Theorie angeht das Graffitis Stadtteile verwahrlosen lassen und Kriminalität anziehen wurde schon mehr als einmal wiederlegt.
    Schuld daran das es verwahrloste Viertel mit hohem Kriminalitätspotenzial gibt ist schlicht und ergreifend die Politik und unsere Gesellschaft.
    Wenn z.B. Schulen geschlossen werden,keine aktive Arbeit gegen Rechtsextermismus besteht,Menschen sich über Farbe mehr aufregen als über Mord und Totschlag dann muss man sich doch nicht wundern wenn Jugendliche kiriminell werden.
    Schuld an diesen Misständen ist sicher nicht Graffiti sondern einfach nur die Tatsache das sich niemand mehr anständig um unsere Jugend kümmert,ihnen keine Alternativen bietet, sich nicht mit ihnen auseinandersetzt,sondern einfach nur gesagt wird “das ist die Null Bock Generation da kann man nichts machen”.
    da sollte man sich doch mal fragen warum die denn Null Bock haben.

  12. peter hauke

    am 23. März 2009 um 21:31 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ torsten

    Ich habe auch nichts gegen Filme,Bücher,Computerspiele etc. manchmal tragen sie zur Unterhaltung bei aber oft wird einfach auf absolut vulgäre und abstossende Motive zurückgegriffen.

  13. peter hauke

    am 23. März 2009 um 21:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    Na und sind wir doch mal ehrlich,wer und was alles am Graffiti mitverdient:

    BGS,Polizei,Maler- und Reinigungsfirmen,Lackfabrikanten,Chemiekonzerne,Galerien,Kleinunternehmer (diese sog. Hip Hop läden),Hersteller und Vertriebe für Künstlerbedarf,Politiker die darin einen Grund sehen geltende Gesteze zu ihren Gunsten zu ändern (Schäuble) und gerne den totalen Überwachungsstaat zu bekommen,natürlich nur im Interesse der Bürger.Wer´s glaubt.

  14. Joe

    am 23. März 2009 um 22:44 Uhr | Link | Kommentar melden

    zunächst einmal… ich bin selbst so einer, der nachts rausgeht um mein bild zu malen. jedoch kann auch ich nicht ganz den meinungen des autors zustimmen. was wiederrum verdeutlicht, dass man beim besten Willen nicht alle leute, die mit (illegalen) Graffiti zu tun haben in eine schublade stecken kann. natürlich bedarf es gesetzen, die das privateigentum schützen, selbst dann wenn man nicht unbedingt davon ausgehen muss, dass es durch Graffiti beschädigt wird, sondern eben auch durch andere dinge ,zu denen graffiti in unserem Rechtsstaat eben dazuzählt. es kommt vielmehr auf die innere Einstellung gegenüber fremden eigentum an, worüber sich jeder selbst einig werden muss. Ich persönlich halte mich von Häuserfassaden, Autos etc, sowie anderen Besitztümern die einer “bestimmten” Person gehören fern, dafür bemale ich Brücken, Lärmschutzwände, verlassene Fabrikgebäude und sonstige Flächen, die keiner “bestimmten” Person zuzuordnen sind. Zurück zu den Gesetzen (Schutz des Privateigentums, etc.), …diese braucht man, da ich mir bewusst bin, dass nicht alle sprayer diese ansicht teilen. ( über mich: das ist meine persönliche einstellung, und ich weiß auch, dass ich nicht das Maß der Dinge bin). Für mich stellt eine bemalte Brücke, sei es Autobahn oder Bahnlinie, keine Verletzung privaten Eigentums dar. ( wer hat bitteschön davon einen schaden zu tragen, außer eventuell der staat, der davon ausgeht er müsse dieses gemalte bild entfernen, auch wenn es dann heißt diese Reinigung sei durch Steuergelder bezahlt worden) Wer sich darüber aufregt, dass Graffiti mit Steuergeldern entfernt werden, kann sich Gedanken bis zum Abwinken machen, wofür die Steuern noch so alles rausgeschmissen werden. Wäre kein Graffiti mehr vorhanden, dass mit Steurgeldern entfernt werden müsste, würde es sicherlich niemandem persönlich finanziell besser gehen. Und an die Leute, die ein Problem damit haben, mein Bild auf einem Brückenpfeiler zu sehen: vielleicht habe ich ja ein problem damit einen leeren brückenpfeiler zu betrachten ( wo ist hier bitte der unterschied und wieso sollte man deinem Anliegen mehr Beachtung schenken als meinem). was ich mit diesem kommentar aussagen will, ist dass nicht alle illegalen Sprayer in eine schublade gesteckt werden können, und dass es richtig ist privateigentum zu schützen, sofern man den Privateigentum einer “bestimmten” Person zuordnen kann (soll heißen: wem gehört bitte eine Brücke), und dass Graffiti keine Sachbeschädigung ( im äußersten Fall eine Belästigung) darstellt. Einer vergleichbaren ( um ehrlich zu sein noch schlimmeren) Belästigung sind wir tagtäglich durch Werbung ausgesetzt, die uns sogar noch bis in unser Zuhause verfolgt und nicht an der Fassade Stop macht.

  15. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 02:09 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ich bin mir durchaus bewusst, dass mein Artikel nicht dem Mainstream entspricht. Ich wollte da aber ganz bewusst mal einen Kontrapunkt setzen. Mit dem Eigentum finde ich das auch oft problematisch - nehmen wir doch mal das Beispiel Opel: Da gibt es funktionierende Fabriken, aber die gehören GM - und das bedeutet vermutlich, das die Fabriken einfach dicht gemacht werden und die Leute arbeitslos werden. Eigentum kenne ich auch von meinem Vermieter (Lone Star), der zwar das Haus ersteigert hat, aber nichts macht. Ein Konzern der Milliarden verwaltet, der dieses haus sein eigen nennt und alles recht hat nur ein Minimum zu tun. Am ehesten kann ich das “kleine Eigentum” akzeptieren. Wenn Leute sich mühsam was erarbeitet haben und z.B. als Hausbesitzer auch Verantwortung übernehmen. Handwerker sagen mir aber, dass das immer weniger wird, das die Zahlungsmoral abnimmt. Diejenigen, die mehr Eigentum haben verarschen die, die weniger haben. So ist es halt. Und ein 14jähriger kann eben kein Eigentum erwerben wie für Sprühflächen. Unsere Gesellschaft ist nicht so strukturiert. Es gibt auch Städte, die darauf setzen legale Flächen zu schaffen. Ich glaube das ist zumindest der Versuch Platz für einen Bedarf zu schaffen. Aber ich glaube auch, das es so ist, das diese Flächen immer zu wenige sind.

    Und Ortsatzungen, die Eigentümer verpflichten, Graffiti und Plakate zu entfernen finde ich tatsächlich sehr bedenklich. Das heisst nämlich das Eigentümer Graffitis nicht tolerieren DÜRFEN. Und sie müssen die Kosten tragen, egal ob sie das Geld dafür haben oder nicht. Das kommt m.E. einer Enteignung gleich.

    Also nochmal: Klar ist das eine radikale Position und ihr dürft euch gern daran stören/reiben. Würde mich nur freuen, wenn einige Leute mal anfangen neu über das Thema nachzudenken.

  16. Rolf Ehlers

    am 24. März 2009 um 08:56 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Thilo Pfennig: Das Thema ist überhaupt nicht neu, es ist vielmehr längst ausdiskutiert. Klar, es gibt “Maler”, die einen guten Strich haben. Einiges, weniges
    hat vielleicht die Qualität von Kunst. Manches ist auch nicht strafbar wie die Bemalung der wenigen “verwaisten” Flächen. Da wo konkret die Interessen Dritter, der Eigentümer von Häusern und Grundstücken und der öffentlichen Hand als Eigentümer von Straßen und Plätzen beeinträchtigt werden - und nicht die “Maler” entscheiden, ob sich ein Rigentümer gestört fühhlen darf - muss die Rechtsordnung einschreiten. Die Grundhaltung des Autors steht dagegen. Er hält die Wahrung der Rechtsordnung für “Mainstream”-Denken. Das aber ist nur die Beschönigung seines
    Plädoyers für strafbares Verhalten. Kein Wunder, dass er dafür in der Szene Beifall bekommt.

    @Joe: Ihr Ansatz ist nachvollziehbar, aber leider nicht konsequent. PKW bemalt man nicht, weil man weiß wie sehr man selbst betroffen wäre, wenn auf dem eigenen Auto plötzich Malerien zu finden wären. Über so etwas kann man doch selbst entscheiden! Sie haben zu Recht auch ein ungutes Gefühl dabei, Privathäuser zu bemalen. So wie es bei vielen Menschen als minderes Delikt gilt,
    die öffentlichen Kassen oder große private und öffentliche Institutionen zu betrügen
    (Verscherungsbetrug), fühlen sich die Maler weniger schlecht, wenn sie den Geschädigten nicht als Person visualisieren können. Der Vergleich ist vielleicht etwas extrem mit dem Bomberpiloten, der lieber Bomben über Stadten abwirft als
    Menschen mit dem Bajonett zu erstechen.

    Unerträglich, von den Verteidigern der Szene aber verharmlost, ist die besserwisserische Art, die Allgmeinheit mit den eigenen malerischen Ergüssen “beglücken” zu wollen. Jeder will selbst entscheiden, was er sich zu Gemte führen will, auch in Sachen Kunst. Und die Geschmäcker sind verschieden. Wer solche Bedenken üpber Bord wirft und gegen eigentlich vorhandenes besseres Wissen
    losgeht und malt, handelt zwanghaft.

  17. Feindbild Graffiti: Ein Plädoyer at >>BOMBERs small Graffiti-blog

    am 24. März 2009 um 09:29 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] http://www.readers-edition.de/2009/03/23/feindbild-graffiti-sprayer-ein-plaedoyer/#comments […]

  18. N. B.

    am 24. März 2009 um 10:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    Herr Pfennig,

    sehr wohl werden hier Privathäuser und mittlerweile auch Privatautos von sog. Graffitikünstlern mit ihren teilweise sehr anspruchslosen Tags beschädigt. Firmen wie Montana u.a. Hersteller von Graffitifarben und Tinten für Markerstifte werben mit dem genau dem maximalen Zerstörungseffekt und zielen auf den Kick des Illegalen.
    Ich habe nahezu jeden Tag mit Sprayern zu tun und darf feststellen, dass es denen in der Masse keinesfalls (mehr) um Kunst geht, sondern darum ihren Namen an eine Wand zu bomben um damit anderswo “einen auf dicke Hose zu machen” und ihr schmales Ego aufzuwerten. Da wird nicht mal ansatzweise ein Anspruch auf Kunst erhoben und sämtliche Taburegeln der “Oldschooler” werden gebrochen. Die Jugendlichen sind auch keinesfalls ahnungslos was die zerstörerische Wirkung der Tags und Pieces angeht. Im Gegenteil, in entsprechenden Foren kursieren ständig neue Mixturen zum “Tuning” der Bombingmarker.
    Ein Beispiel nur: Besprühen Sie ein Fahrzeug mit Chromsilberlack, enthält diese Farbe genügend Lösungsmittel um eine Gummidichtung nachhaltig zu schädigen und deren Lebensdauer erheblich zu verkürzen oder sie unbrauchbar zu machen.
    Die Folge eine “Komplettlackierung” eines Kleinwagens mit Graffiti kann durchaus den “wirtschaftlichen Totalschaden” bedeuten. Sie verhamlosen bewußt und unterstellen den Sprayern ein nicht mehr vorhandene Naivität was die Folgen angeht.
    Entweder Sie haben von der heutigen Szene gar keine Ahnung, oder Sie unterdrücken und verharmlosen bewußt gewisse Fakten. Beides spricht nicht für Sie und Ihr Anliegen.

  19. N. B.

    am 24. März 2009 um 10:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    Herr Pfennig,

    sehr wohl werden hier Privathäuser und mittlerweile auch Privatautos von sog. Graffitikünstlern mit ihren teilweise sehr anspruchslosen Tags beschädigt. Firmen wie Montana u.a. Hersteller von Graffitifarben und Tinten für Markerstifte werben mit dem genau dem maximalen Zerstörungseffekt und zielen auf den Kick des Illegalen.
    Ich habe nahezu jeden Tag mit Sprayern zu tun und darf feststellen, dass es denen in der Masse keinesfalls (mehr) um Kunst geht, sondern darum ihren Namen an eine Wand zu bomben um damit anderswo “einen auf dicke Hose zu machen” und ihr schmales Ego aufzuwerten. Da wird nicht mal ansatzweise ein Anspruch auf Kunst erhoben und sämtliche Taburegeln der “Oldschooler” werden gebrochen. Die Jugendlichen sind auch keinesfalls ahnungslos was die zerstörerische Wirkung der Tags und Pieces angeht. Im Gegenteil, in entsprechenden Foren kursieren ständig neue Mixturen zum “Tuning” der Bombingmarker.
    Ein Beispiel nur: Besprühen Sie ein Fahrzeug mit Chromsilberlack, enthält diese Farbe genügend Lösungsmittel um eine Gummidichtung nachhaltig zu schädigen und deren Lebensdauer erheblich zu verkürzen oder sie unbrauchbar zu machen.
    Die Folge einer “Komplettlackierung” eines Kleinwagens mit Graffiti kann durchaus den “wirtschaftlichen Totalschaden” bedeuten. Sie verhamlosen bewußt und unterstellen den Sprayern ein nicht mehr vorhandene Naivität was die Folgen angeht.
    Entweder Sie haben von der heutigen Szene gar keine Ahnung, oder Sie unterdrücken und verharmlosen bewußt gewisse Fakten. Beides spricht nicht für Sie und Ihr Anliegen.

  20. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 10:27 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Ehlers: Was legal ist und was nicht entscheidet stets der gesellschaftliche Konsens. Wie sie wissen ist der im steten Wandel begriffen. Als Menschen steht für mich daher meine persönliche Überzeugung im Mittelpunkt für die Beurteilung was ich für richtig oder falsch halte. Und die Haltung kann ich auch anderen empfehlen. Letztlich beeinflussen wir mit unserer Haltung und unserem Wahlverhalten auch das, was Gesetz wird. Was Gesetz ist, ist für mich daher zweitrangig. Vieles was legal ist, ist falsch und vieles, was illegal ist, ist richtig.

  21. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 12:30 Uhr | Link | Kommentar melden

    @N.B.: Es mag sein, dass manche Lacke Schaden anrichten. Ich habe auch nicht behauptet, dass jeder Sprayer ein großer Künstler ist. Ich denke allerdings, dass das nicht zuletzt auch an dem hohen Fahndungsdruck liegt. Wenn sich die Gesellschaft einen Scheissdreck für die Jugendlichen und ihre Motive interessiert, warum sollte es umgekehrt anders sein? In der aktuellen Graffiti-Diskussion wird nicht differenziert. Graffiti ist laut Mainstream eigentlich per se illegal. Mir ging es im Kern darum diese Kunst- und Ausdrucksform zu verteidigen - aber nicht jede mögliche Aktion. Es geht darum das die Gesellschaft anfängt umzudenken, was die Graffiti-Problematik betrifft - es tut nicht not anhand von Einzelfällen bestehende Vorurteile zu stärken, Oder was ist Ihre Lösung?

  22. Nagel

    am 24. März 2009 um 13:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    ich war sprayer in den 60ziger jahren. ich habe den spießern an die wände ihrer vorgärtenhäuschen urzeitmännchen aus dem altamira gesprayt, weil sie menschenrechstverletzungen an heimkindern und gefangenen geduldet haben, getarnt hinter dem grundrecht: die würde des menschen ist unantastbar. kein sprayer braucht eine rechtfertigung. es ist auch üblich für den sprayer, der gesellschaft durch die tags die notwendige verachtung auszudrücken. schließlich sind es im extremfall nicht die tags und die künstler die zu verteidigung des eigentums morden, sondern die bürger.
    meine küstlerklicke und ich wurde nie erwischt.

  23. el

    am 24. März 2009 um 14:26 Uhr | Link | Kommentar melden

    tags sind die visuelle zeichencode avantgarde gegen die tristesse und langeweile bestehender verhältnisse. wer sich beschwert das wäre zu hässlich, der sollte lieber die situation analysieren aus der der bedarf steht seine umwelt kreativ zerstören zu wollen. wer wände hübsch macht, schafft damit die illusion wir würden uns in “hübschen” verhältnissen befinden. nur die andauernde terroristische störung des hochdruckgereinigten, glattpolierten sogenannten “öffentlichen raums” erzeugt eine latente unwohlheit bei denen die sich darin bewegen, welche jene vielleicht eines tages anstatt auf die writerInnen auf die wahren ursachen zurückführen. graffiti ist die handfeste kritik an dem völlig übertriebenen umgang mit sogenannten privateigentum in der kapitalistischen gesellschaft. und im endeffekt geht es sowieso nur darum meinen namen und denen meiner freunde jeden tag in riesenlettern genießen zu dürfen. vom unendlichen spaß beim erstelllen und der performance des writings allgemein einmal abgesehen.

    im übrigen sind diejenigen welche tatsächlich im größeren umfang und über einen langen zeitraum graffiti schreiben, höchst selten unbedarfte kinder welche weder risiko noch folgen einschätzen können. sondern mitte zwanzig jährige, hochprofessionelle gesetztesbrecher ohne skrupel, mit der neuesten ausrüstung und dem absoluten willen zur umfassenden zerstörung durch kreative neuerschaffung.

  24. N. B.

    am 24. März 2009 um 16:52 Uhr | Link | Kommentar melden

    Sorry Hr. Pfennig,
    jeder Sprayerlack richtet Schaden an. Es geht den Jungs doch nicht um eine “Umweltveränderung” im künstlerischen Sinne. Da könnten sie auch hingehen und fragen, ob sie nicht das hässliche Garagentor/Fabrikmauer/ etc. pp. umgestalten dürfen. Tut aber keiner, weil es ja uncool ist und keinen Kick gibt. Wo steht geschrieben, dass sich jeder an jedermanns Eigentum austoben darf?
    Ich habe eigentlich nichts gegen gutes Graffiti, solange man gewisse Regeln beachtet. Um genau die schert sich aber die moderne Taggerszene keinen Deut.
    Sie sorgt also selber für ein entsprechendes Feindbild, anstatt sich aktiv um entsprechende Freiräume zu bemühen, oder sich zunächst mal an Leinwänden und anderen Gegenständen eine entsprechende gute Technik zu erlernen.
    Außerdem stellt die Graffitiszene einen verschwindend geringen Anteil an der Bevölkerung. Woher nimmt man also die Berechtigung der großen Mehrheit zwangsweise seine Egobefriedigung “auf´s Auge zu drücken?
    Darüber sollten wir reden:-)
    Dem letzten Absatz des Kommentares von EL kann ich übrigens voll zustimmen.

  25. steffen p.

    am 24. März 2009 um 17:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    Mensch was bin ich froh das es Graffiti gibt.
    Zum einen hat man dadurch die Möglichkeit sich über Dinge aufzuregen die nicht annähernd so schlimm sind wie es immer dargestellt wird zum andern kann man dadurch wunderbar von den wirklich ernsthaften Problemen ablenken.
    Klar gibt es in dieser Szene Leute die keinen Wert auf Qualität legen sondern wirklich nur zerstören wollen aber sind wir doch mal ehrlich,in welchen Bereich gibt es soetwas nicht?
    Der Grund warum man Graffiti verbietet ist doch das man es kontrollieren möchte und somit auch die Urheber.
    So wie man alles kontrollieren möchte,wir Menschen leiden unter extremen Kontrollzwängen.
    Alles was nicht kontolliert werden kann wird verboten oder ins Abseits gedrängt damit es selbst irgendtwann von alleine in der Versenkung verschwindet.
    Abgesehen davon bringt illegales Graffiti kein Geld,nein es kostet Geld es wieder zu entfernen bzw. zu bekämpfen (was man nicht müsste) und was kein Geld bringt ist natürlich wertlos.
    Schön finde ich auch immer diese Zahlen die dann vorgelegt werden was Graffiti doch an “schaden” anrichtet und somit angeblich Unmengen an (Steuer)geldern kostet.
    Wenn man aber überlegt was so ein Abgeordneter an Steuergeldern kostet dann ist das doch mehr als hinkend zu sagen Graffiti kostet dem Staat ein Haufen Steuergelder.
    Und überhaupt wieviel Steuergelder werden denn durch unsere weisse Westen tragenden Politiker verschwendet?!
    Kleines Bsp. hier in meiner Stadt wurden vor einiger Zeit an einer Strasse neue Laternen aufgestellt welche ein Jahr später durch neue ersetzt wurden,obwohl die “alten” noch voll funktionstüchtig waren.
    Ich habe öfter mal mit der Satdverwaltung zutun und habe daher schon mehrmals miterlebt wie Steuergelder zum Ende des Jahres einfach sinnlos aus dem Fenster geworfen wurden,einfach aus dem Grund da sonst der Etat für das nächste Jahr gekürzt würde da man in den zuständigen Stellen dann davon ausgeht das die jeweilige Ortschaft nicht soviel Geld braucht sonst hätte sie es ja ausgegeben.

  26. Rolf Ehlers

    am 24. März 2009 um 17:45 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Thilo Pfennig: “Was legal ist, entscheider stets der gesallachaftliche Konsens.” Das ist doch schlicht falsch. Wir wählen unsere Repräsentanten im Bundestag. Der macht die gesetze und entscheidet was legal ist und was nicht. Da ist nicht dsikutabel.

    @Nagel: “kein sprayer braucht eine rechtfertigung. es ist auch üblich für den sprayer, der gesellschaft durch die tags die notwendige verachtung auszudrücken.” Das ist ja noch toller. Rechtsordnung oder Verzicht darauf ganz nach gusto. Auch das ist undiskutabel.

  27. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 18:27 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Ehlers: Worüber wollen sie denn diskutieren, wenn es nicht “diskutabel” ist?

  28. steffen p.

    am 24. März 2009 um 18:51 Uhr | Link | Kommentar melden

    zitat Rolf Ehlers: Der Staat macht die gesetze und entscheidet was legal ist und was nicht. Da ist nicht dsikutabel.

    Richtig der Staat macht die Gesetze.
    Aber der Staat bzw. der Gesetzgeber besteht nur aus einer Minderheit der Grossteil der Bevölkerung hat nicht die Macht da einzugreifen bzw. Gesetze zu schaffen oder zu ändern,z.B. durch Volksabstimmung.
    Man sollte sich mit betreffenden Jugendlichen zusammensetzen und fragen was denn der Grund sei,die Motivation die sie zu ihren Taten treibt.
    Und gemeinsam eine Lösung finden.
    Es ist so wie es jemand weiter oben vor mir schon jemand gesagt hat,es wird davon ausgegangen das unsere Jugend null bock hat,zum grossteil aus kriminellen ausländern besteht welche einfach nur zerstören wollen.
    Wenn ich aber an Wänden entlang gehe an denen das Malen erlaubt ist so sehe ich von dieser Zerstörungswut nichts.
    Nein im Gegenteil es entstehen grossartige bunte Wandbilder und das in einer völlig friedlichen Atmosphäre.
    Ein Grund warum es diese illegalen Schmierereien gibt,ist das den Jugendlichen schlichtweg der Platz fehlt an denen sie sich austoben können.
    Wenn genug Freiräume geschaffen werden,warum sollte dann jemand den Stress auf sich nehmen Nachts rauszugehen und womöglich von der Polizei flüchten zu müssen?
    Sicher gibt es dann immernoch einige Schwarze Schafe die dann immer noch puren Vandalismus betreiben aber soetwas kann man eben nicht gänzlich verhindern,weder durch mehr Freiflächen,Jugendarbeit oder Verbote.
    Wobei Verbote und Strafen am wenigsten bringen.
    Sehen sie sich doch einmal um,hat die härter Gesetzeslage dazu geführt das es weniger illegales Graffiti gibt?Nein!
    Ich habe den Eindruck das Gegenteil ist der Fall.
    Meiner Meinung nach sollte man auf die Menschen zugehen anstatt sie zu bestrafen.
    Wenn sie vielleicht mal an einen Ort kommen an dem legal gemalt werden darf dann nehmen sie sich doch mal die Zeit und stellen den Jugendlichen ein paar Fragen unterhalten sie sich mit ihnen,versuchen sie sie ernst zu nehmen.
    Ich denke es könnte eine interessante Diskussion werden welche auf beiden Seiten neue Einsichten vermitteln kann.

  29. Andy

    am 24. März 2009 um 20:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Joe
    Danke, so einen “Sprayer” lasse ich mir gefallen.
    Schade, das offensichtlich die meisten Deiner Kollegen (Siehe Kommentare) fremdes Eigentum als Beleidigung auffassen und ihren Neid/Hass/Minderwert durch Schmiererein ausleben wollen.

    @Peter Hauke
    Warum sollen wir Deine Wohnung wieder renovieren, wenn Dir unsere Kunst nicht gefällt? Braucht doch ein Sprayer auch nicht. Nein, nein, das mach mal schön selbst auf Deine Kosten.
    Wohin kommen wir den da, wenn Du auch noch entscheidest, wie Deine Wohnung aussieht?

    Merkst Du eigentlich nicht, wie absurd Deine Argumentation ist (und die einiger anderen Kommentatoren)?
    Graffiti auf eine (fremde) Hauswand oder ein (fremdes) Auto Sprühen geht in Ordnung ist ja Kunst und Ausdruck einer Lebensauffassung (kotz!).
    Aber in Deiner Wohnung möchtest Du selbst über die Gestaltung mitsprechen und Schadensersatz von mir, wenn es Dir nicht gefällt?
    Hallllloooo!

    Wenn das zugeschmierte Berlin so toll ist, ziehen wir am besten die Mauer wieder hoch - kann gerne besprüht werden - bei der Gelegenheit sind dann auch die “miesen” Politiker und “Manager” gleich weggepackt.

    Der Tenor der (Vernünftigen) in dieser Runde:
    * Graffiti kann Kunst und eine Bereicherung sein.
    * Meist ist es leider nur Geschmier
    * Graffiti an fremden Eigentum ist nicht akzeptabel.
    * Zugeschmierte Stadtteile sind bei der Mehrheit der potentiellen Miete/Eigentümer nicht bevorzugt.

  30. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 21:08 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Andy: das mit dem “Schmieren” lass mal bleiben - das ist sachlich falsch. Wer solche Worte benutzt will von Sachargumenten ablenken.

  31. peter hauke

    am 24. März 2009 um 21:41 Uhr | Link | Kommentar melden

    @andy

    zitat andy: @Peter Hauke
    Warum sollen wir Deine Wohnung wieder renovieren, wenn Dir unsere Kunst nicht gefällt? Braucht doch ein Sprayer auch nicht. Nein, nein, das mach mal schön selbst auf Deine Kosten.
    Wohin kommen wir den da, wenn Du auch noch entscheidest, wie Deine Wohnung aussieht?

    Liess dir doch nochmal bitte durch was ich geschrieben habe.
    Da steht kein Wort davon,das wenn mir das was deine Kinder bei mir in der Wohnung machen nicht gefällt,IHR auf EURE Kosten wieder entfernen müsst.
    Sondern genau das Gegenteil.
    Ausserdem hast DU mir angeboten mit deinen kiddies vorbei zukommen und meine Wohnung zu bemalen NICHT andersrum.
    Das nächste mal bitte erst das gewehr laden wenn du schon auf mich schiessen willst. (im übertragenden sinne natürlich)
    Aber nichts für ungut.

  32. Thilo Pfennig

    am 24. März 2009 um 22:16 Uhr | Link | Kommentar melden

    Der Vergleich von Häuserwänden zur Privatwohnung ist ungefähr so intelligent als wenn man vorschlägt Autos in Privatwohnungen zu parken. Ein Haus besetzt öffentlichen Raum. Es gibt ein öffentliches Wegerecht. Die Gesellschaft erlaubt es Menschen eigene Häuser zu bauen.

  33. Joe

    am 24. März 2009 um 22:48 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ Rolf Ehlers. Okay ihr Vergleich mit den Bomberpiloten ist zur Kenntnis genommen, und ich war positiv überrascht, dass sie meine Haltung gleich in einem so schlüssigen Bild wiedergeben konnten, aber…
    Mit dieser Aussage gehen sie sofort davon aus, dass meine Bilder etwas schlechtes, unerwünschtes darstellen. ( Ihr gutes Recht, Meinungsfreiheit usw…) und sie prangern auch an, dass selbsternannte Künstler, die Fassaden verschandeln ( sie wollen dieses Tags oder Bilder nicht sehen, weshalb sie eine Antihaltung annehmen wenn sie solche vorfinden… immer noch ihr gutes Recht), aber…
    sie finden sich mit großflächigen Werbeplakaten ab, weil sie davonausgehen können, dass man für diese Fläche bezahlt hat, was ihr Gewissen (wenn auch nicht besonders stark) beruhigt.
    Ich muss ab diesem Abschnitt, wieder meine Persönliche Haltung, von meinem oberen Kommentar anführen (kurz: bemalte AUTOBAHNBRÜCKEN sind für mich vollkommen moralisch vertretbar)
    um meine Vorliebe jetzt gesetzlich zu legalisieren, nehme man an, ich würde für jede Brücke bezahlen, so dass ich straffrei dort malen dürfte (sei mein Bild auch noch so schäbig oder regelrecht hässlich). dann würde das heißen, die menschen müssten sich damit abfinden, da ich ja nicht gegen ein Gesetz verstoße. Aber was macht es im Endeffekt für einen Unterschied für den Betrachter ob ich dafür bezahlt habe oder nicht, da er sich diesen “Scheiß” ja trotzdem anschauen muss. Daraus ziehe ich meine Legitimation, eigenverantwortlich zu handeln, da es ja keine Rolle spielt ob ich dafür bezahlt habe oder nicht (also entscheide ich mich dafür nicht für diese Fläche zu bezahlen und gehe einfach so dort malen). Ich akzeptiere wenn sie jetzt sagen, dass diese Haltung dem Staat gegenüber “falsch” ist, aber ich verhalte mich den Menschen gegenüber mit einer Haltung, die durchaus vertretbar ist, da sie ja keinen Nutzen davon haben ob ich bezahle oder nicht. Und ich sehe es nicht ein, dem Staat für diese Taten Geld zu bezahlen, da ich es einfach nicht habe. Ich hoffe ich konnte meine Gedanken schlüssig wiedergeben und würde mich freuen, wenn sie, ausgehend von meinem Beispiel, mir eine These an den Kopf werfen wieso ich es in Zukunft bleiben lassen sollte eine Autobahnbrücke zu bemalen.
    ( ich akzeptiere nicht: aus Achtsamkeit gegenüber den Gefühlen des Betrachters, da diese in unserer Gesellschaft eine nur noch untergeordnete Rolle spielen und ich nun wirklich nicht der Typ bin, der auf diesem Gebiet den Revolutionär spielt)

  34. peter hauke

    am 25. März 2009 um 12:39 Uhr | Link | Kommentar melden

    Hey Joe deine Argumentation ist m.E. grossartig selten solch gute Argumente gelesen warum es völlig egal ist ob Graffiti nun legal ist oder nicht da sich immer jemand dran stören wird.

  35. Graffiti-Szenespezifische Jugendarbeit in Köln » Blog Archive » Ein Plädoyer für Graffiti

    am 25. März 2009 um 19:19 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Feindbild Graffiti-Sprayer - ein Plädoyer Montag, den 23. März 2009 um 13:26 Uhr von Thilo Pfennig […]

  36. N. B.

    am 26. März 2009 um 11:22 Uhr | Link | Kommentar melden

    @joe:
    Dann greifen wir mal das Beispiel Autobahnbrücke auf.
    An jedem Brückenbauwerk befinden sich sog. Meßpunkte (so kleine runde Stahlnägel) die für die regelmäßigen TÜV-Überprüfungen (gesetzlich auch für deine Sicherheit vorgeschrieben) zwingend gebraucht werden. Sind diese mit Farbe übersprüht, kann der Meßingenieur sein Gerät nicht korrekt ausrichten. Alle Meßpunkte müssen dann per Hand gereinigt werden, oder es wird ein zusätzlicher Mitarbeiter benötig, der den Meßstrahl punktgenau dirigiert. Folge: Die Messung verzöget sich auf ein mehrfaches der dafür vorgesehenen Zeit. Meßtrupp kostet die Stunde um die 300 - 400 €. Zahle ich / du mit Steuern.
    Außerdem erfüllt das eintönige Grau bestimmter Bauwerke an und um Autobahnen oder Bundesstraßen einen Zweck. Man hat nämlich festgestellt, dass das menschliche Auge und Gehirn von auffälligen Farbgestaltungen in der Form abgelenkt werden, dass ein Autofahrer unbewußt auf ein solches “Ziel” zusteuert bzw. seine Wahrnehmungsfähigkeit sich auf dieses Ziel fixiert und zu verminderten Reaktionen in Bezug auf den fließenden Verkehr führt. Es erhöht sich also das Unfalllrisiko. Das ist auch einer der Gründe, warum direkt an der Bahn nur ganz ganz selten irgendwelche Werbeschilder zu sehen sind. Als Beispiel. Es gab im Süddeutschen irgendwo einen Tunnel bei dem die Betoneinfassungen der Zufahrt in leuchten orange gehalten waren. Man hat sich dann lange Zeit gewundert, warum Autofahrer anstatt geardeaus in den Tunnel zu fahren häufig ohne Grund rechts neben der Tunneleinfahrt in den orangenen Beton einschlugen. Nach Änderung der Farbgestaltung hörten diese Unfälle einfach auf.

    Und noch etwas zu Beton: Sprayerlacke wirken auf diesen versiegelnd und behindern den Feuchtigkeitsaustausch. Durch partielle Versiegelung mit einer nicht “atmungsaktiven” Farbe entstehen zum Beispiel Frostschäden die die Haltbarkeit / Festigkeit des Beton beeinträchtigen und somit langfristig die Lebensdauer deiner Brücke etc. beeinträchtigen. Die Folge sind z. B. Mikrorisse
    Mein Vorschlag an dich wäre sich mal richtig schlau zu machen, bevor ich über Dinge rede, über die ich so gar keine Ahnung habe. Ein wenig Materialkunde bitte und weniger undurchdachte Rechtfertigung. So tust du deinem Anliegen gar keinen Gefallen.

    Jetzt deine Gegenargumente bitte:-) …. und nichts für ungut.

  37. WeMakeTheHoodLookGood

    am 26. März 2009 um 16:59 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ N.B.

    Gute Argumente…Aber:

    Schlechte Wartung und Konstruktionsfehler waren auch in der Vergangenheit die Hauptursachen für Brückeneinstürze.

    (http://www.welt.de/print-welt/article437727/Tragische_Brueckeneinstuerze.html)

    Brückeneinstürze sind zum Glück außergewöhnlich selten.
    Brückeneinstürze gehören zu den spektakulärsten Unglücken überhaupt. Sie werden entweder durch Materialfehler ausgelöst oder durch menschliches Versagen.

    (http://www.misterinfo.de/publish/kunst-und-kultur/bauwerke-und-stadtentwicklung/bruecken/brueckeneinstuerze-sind-zum-glueck-aussergewoehnlich-selten)

    Als ob Brücken wegen Graffiti einstürzen. Oder gibt es da ein konkretes Beispiel?

    Also nicht nur mit Kenntnissen der Materialkunde prahlen, sondern auch belegen!

    Graffiti und bunte Wände verursachen Unfälle? Wo steht das? Das mit dem orangenen Pfeiler würde ich auch gern selber lesen.

    Außerdem sind in einer Stadt entlang 100 Metern Straße unglaublich viele bunte Werbebotschaften, teils in übergröße, zu sehen. Sowas müsste echt verboten werden, das lenkt mich unheimlich vom Autofahren ab! Besonders diese wahljahresbedingten Wahlwerbeplakate von diversen Parteien! Schlimm, schlimm!!!

    @ Rolf

    “Unerträglich, von den Verteidigern der Szene aber verharmlost, ist die besserwisserische Art, die Allgmeinheit mit den eigenen malerischen Ergüssen “beglücken” zu wollen. Jeder will selbst entscheiden, was er sich zu Gemte führen will, auch in Sachen Kunst. Und die Geschmäcker sind verschieden. Wer solche Bedenken üpber Bord wirft und gegen eigentlich vorhandenes besseres Wissen
    losgeht und malt, handelt zwanghaft.”

    Unerträglich ist für mich der Fakt, dass Firmen die Gesellschaft mit ihren Slogans und werberischen Ergüssen bis in die Wohnzimmer terrorisieren und Graffitigegner davor die Augen verschließen, oder sich dessen einfach nicht bewusst sind. Stattdessen verteufeln sie Diejenigen, die versuchen, dem etwas entgegen zu setzen. In welcher Form auch immer. Gib doch mal bei der großen Suchmaschine Adbusting ein, und du wirst sehen was auch du, wenn du das Problem einmal erkannt hast, gegen die wirklichen Kriminellen unternehmen kannst :)

    So, ich geh jetzt einkaufen und heute Nacht sprühen!!! Und ihr könnt nichts dagegen machen, hahahaha!!!!

    Auch Sprüher sind Teil der Gesellschaft.

  38. Andy

    am 26. März 2009 um 22:02 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Peter Hauke
    Sorry, erst lesen, dann schimpfen…Du hast Recht.
    Danke für die Einladung, wohin?

    @Thilo
    Entschuldige mal Bitte! In welcher Weise erlaubt das Wegerecht (was soll das eigentlich sein?) fremdes Eigentum zu “verändern”?
    Darf ich dann auch Dein Fahrrad umlackieren, wenn es auf der Strasse steht, DIr die Haare färben, wenn Du durch die Fußgängerzone läufst?
    Das ist doch Käse.
    Die Hauswand gehört jemanden und dieser Jemand ist der Einzige auf ´dieser Welt, der das Recht hat zu entscheiden, wie diese Wand bemalt wird. BASTA!
    (Das ich ansonsten mit Deinem Satz nichts anfangen kann.. liegt wohl an der künstlerischen Note)

    @WeMakeTheHoodLookGood
    DU definierst also was “Good” ist, so, so. Woher hast DU dieses Gewissheit?
    Das Firmen Ihre Werbung plazieren ist zwar genauso störend wie (schlechte Graffiti … Geschmier darf ich ja nicht mehr sagen). Nur diese Firmen tun es legal, Sie zahlen Geld für die Werbeflächen /egal ob im Fernseher, auf der Hauswand oder in der Zeitung). Der Eigentümer wird gefragt und kann zustimmen oder eben nicht. Den Fernseher kann man um-/abschalten.
    Die Zwangsbeglückung durch Graffiti zahlt nicht, fragt nicht und kann nicht ausgesucht werden…..UND DAS IST DAS PROBLEM!
    Ich möchte mitbestimmen was mit meinem Eigentum passiert und mir nicht von einem “WeMakeTheHoodLookGood” aufzwängen lassen, was er toll findet. KAPIERT!
    Fragen/Einigen/Sprayen oder Fragen/Nicht einigen/Finger weg.
    Wie man sich halt in einer Gemeinschaft gegenüber anderen verhalten sollte.

  39. Konsument

    am 26. März 2009 um 22:15 Uhr | Link | Kommentar melden

    will nur benachrichtigt werden wen ihr euch zerfetzt

  40. Thilo Pfennig

    am 27. März 2009 um 11:15 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Andy: Es ist schon lustig dass in unserer Gesellschaft Eigentum über alles gestellt wird. Wie Du vielleicht weisst redet das Gesetz bei Häusern aber auch überall rein. D.h. Du darfst nicht wirklich alles machen. In Österreich wird Eigentümern teilweise vorgeschrieben, das sie Graffiti nicht dulden dürfen. Lustig ist, das Du nicht zwischen öffentlichen Wegen und privaten Gegenständen unterscheiden kannst.

    LEGAL / ILLEGAL - wie primitiv. Hast du keine eigenen Überzeugungen?

  41. Udu

    am 28. März 2009 um 20:04 Uhr | Link | Kommentar melden

    Nachdem ich hier den Lagerkampf genossen habe, werde ich meinen „Senf“ auch mal dazu zu geben.

    Graffiti gibt es nicht erst seit den 80iger Jahren, sondern ziehen sich seit vielen Generationen als Ausdrucksmittel des Protestes und als plakative Botschaften durch die jeweiligen Gesellschaften oder politischen Systeme. Die Höhlenmalereien von Pompeji sind wohl die ältesten Graffiti. Wir wissen nicht, wie man damals darauf reagierte. Im Mittelalter hatten Untergebene mit Kot ihren Unmut an die Wände der Herrschenden geschmiert.
    Ich glaube kaum, dass sich damals die Untergebenen eine Genehmigung von den Herrschenden eingeholt hatten.

    Graffiti werden auch nicht von einem homogenen Täterkreis angebracht, sondern von mehreren, die damit ganz unterschiedliche Ziele verfolgen, aber alle verursachen das Gleiche, sie nerven den Eigentümer, schaffen im Reinigungs- u. Handwerksbetrieben Arbeitsplätze und beschäftigen die Obrigkeit mit der Strafverfolgung.

    Über Graffiti erzeugt man Kommunikationen über Provokationen. Ob Graffiti legal oder illegal sind, kann nur der entscheiden, der einen Bezug zur jeweiligen Szene hat oder die Meinung des Eigentümers zum Thema Graffiti kennt. Ebenso unterschiedlich ist auch die Motivation, die einen Sprayer motiviert. Daher ist es purer Unfug, wenn von Seiten der Politiker und der Polizei behautet wird, dass Graffiti das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger beeinträchtigen würde.

    Es gibt legale Flächen, die zeitweilig versifft und verwarzt aussehen und illegale Graffiti von hohem künstlerischem Wert, die bei Nacht und Nebel ungefragt entstanden sind.

    Es gibt Sprayer bei den Hooligans und selbst die Szene jugendlicher Sprayer ist nicht homogen.
    Seit Jahren bieten auch noch Pädagogen Graffiti als Freizeitangebot an, oft ohne nachher Wände vor zu halten, auf denen die Jugendlichen ihre Kenntnisse vertiefen können.
    Sprayer haben die Wirtschaft angekurbelt. Dosenfirmen, Reinigungsunternehmen, die Medien und auch die Strafverfolger leben von ihnen. Jeder andere, der so viele Arbeitsplätze schafft, wird ausgezeichnet. Sprayer kommen in den Knast, wenn man sie denn erwischt. ;-)

    Wer die Macht und/oder das nötige Geld hat, bestimmt in unserer Mediengesellschaft den öffentlichen Raum. Erstaunlicher Weise regt sich kaum Mensch über die riesigen Werbetafeln der Alkoholwerbung oder wildes Plakatieren auf, obwohl sie manchem die Sicht versperrt oder den Rückfall in die Sucht provozieren könnte. Graffiti sind die Werbung für sich selbst.
    Das Gequatsche, das die Firmen für die Standflächen auch bezahlen, ist nicht immer nachzuvollziehen. Der öffentliche Raum gehört allen Bürgern und alle Bürger zahlen über indirekte und direkte Steuern für den öffentlichen Raum. Warum gibt es für Eltern und deren Nachwuchs z.B. kein Mitbestimmungsrecht, wie z.B. Schulen oder Spielplätze auszugestalten sind?
    Warum reagiert man erst, wenn Kinder und Jugendliche stören? Wenn sie „nett und lieb“ sind, sind sie doch den meisten Menschen egal.

    Auffallend ist, dass überall dort, wo Graffiti besonders bekämpft werden, ein besonders hohes Aufkommen zu verzeichnen ist.
    Die Behauptung der Strafverfolger, die aus politischen gründen vorrangig mit der Aufklärung der Urheber der Sprayereien befassen, ist widersprüchlich. So wird behauptet, dass eine schnelle Entfernung der Graffiti den/die Sprayer entmutigen würde. Unbeantwortet bleibt, warum die Schadenssummen steigen, wenn die Sprayer entmutigt werden. Auch die dümmlichen Empfehlungen, man möge eine Hecke um das Objekt pflanzen und Bewegungsmelder installieren, sind kaum noch zu toppen. Weshalb soll ein Geschädigter die Kosten von Grünzeug auf sich nehmen und sich zu Gartenarbeit verdonnern lassen? Weshalb soll er Kosten für Strom u. Bewegungsmelder investieren, mit denen er bestenfalls Nachbarn nervt, die ihr entsprechendes Fenster mit einem Rollo verdunkeln. Da kann er gleich den Sprayern die Beleuchtung spendieren.

    Auch das Graffitibekämpfungsgesetz ist eine politische Verar….. Man wollte damit eine bessere und sichere Verurteilung erreichen, damit der Geschädigte Schadensersatzansprüche geltend machen kann. Nur was passiert denn wirklich, wenn man denn wirklich einen der Banausen hat???
    Es gibt Geldstrafen oder Haft. Also kassiert zuerst der Staat oder er sperrt den Täter weg. Der Geschädigte kann also warten, bis der Täter wieder Geld hat oder aus der Haft entlassen wurde.
    3 Jahre nach Kenntnisnahme sind die Schadensersatzansprüche verjährt, es sei denn, der Geschädigte erwirkt beim Zivilgericht einen Schuldtitel. Dafür hat er aber eine saftige gebühr an die Gerichtskasse zu zahlen und auch die Kosten seines Anwalts.
    Wenn er dann noch schlecht beraten oder von der Reinigungsfirma über den Tisch gezogen wurde und vielleicht auch nicht seiner Schadensminderungspflicht nachgekommen ist, so bleibt er auf einen Teil der Kosten sitzen. Bei Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. 

    Wir Erwachsenen sollten uns mal überlegen, welchen Stellenwert unsere Jugend in der Gesellschaft hat. Kindergärten müssen „Lärmschutzwälle“ bauen, obwohl der Straßenlärm lauter ist als der Kinderlärm.
    Nach den Richtlinien der Kindertagesheime muss eine Spielfläche pro Kind von mindestens 2 qm zur Verfügung stehen. Einem Hund im Zwinger stehen mindestens 8 qm zu. Kinderzimmer im sozialen Wohnungsbau haben eine Fläche von durchschnittlich 7,5 qm. Spielplätze mindern den Wert einer Immobilie.
    Wenn Kinder nur dann bemerkt werden, wenn sie stören, so verinnerlichen sie, dass sie stören müssen, um Beachtung zu finden. Je mehr Kinder stören, um Aufmerksamkeit zu erzielen, desto abgestumpfter reagieren Erwachsene und desto intensiver oder „krasser“ müssen die Störmanöver werden, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
    Soziale Defizite sind nicht an Armut oder an Teilfamilien gebunden, sondern soziale Verwahrlosung gibt es in allen Schichten, sie fällt nur in unteren sozialen Schichten eher auf, weil man sie durch Geldzuwendungen nicht kaschieren kann.
    Würde man das positive Verhalten der Kinder mehr loben und bei Schwächen der Kinder Hilfe anbieten, dann würden wir deutlich weniger Probleme mit unserer Jugend haben.

    Graffiti sind nur deshalb der größte Aufreger unserer Zeitgeschichte, weil mittellose Grünschnäbel die Statussymbole der Besitzenden angreifen und die Erwachsenen in ihrer Hilflosigkeit und Schwäche vorführen. Da helfen auch Sonderkommissionen der Polizei wenig; denn sie vermitteln bestenfalls den Jugendlichen ein falsches Machtgefühl der Stärke und Überlegenheit und entwerten die Arbeit der regulären Polizei, weil man damit ihnen deutlich macht, dass die reguläre Polizei ihnen unterlegen sei..
    Wer sein Kind lobt und dessen Stärken fördert, leistet die beste Prävention. Wer Kinder und Jugendliche missachtet, sie ausgrenzt oder einsperrt, fördert damit seine eigene Einsamkeit im Alter.
    Überall dort, wo es Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche zur selbst bestimmten Freizeit gibt,
    haben Erwachsene Ruhe. Überall, wo es große, legale Flächen mit einen Ansprechpartner für die Jugendlichen gibt, sind illegale Graffiti deutlich gesunken.

  42. Nagel

    am 28. März 2009 um 21:02 Uhr | Link | Kommentar melden

    udu: klasse auf den punkt gebracht.

  43. Andy

    am 29. März 2009 um 13:47 Uhr | Link | Kommentar melden

    “Graffiti sind nur deshalb der größte Aufreger unserer Zeitgeschichte, weil mittellose Grünschnäbel die Statussymbole der Besitzenden angreifen”

    Wenn - wer auch immer - mein Eigentum angreift, werde ich sauer!
    Da ist es egal ob es mein Haus, mein Auto, mein T-Shirt oder meine Tafel Schokolade ist. Es ist mein Eigentum und über das bestimme ich. PUNKT.

    “Lustig ist, das Du nicht zwischen öffentlichen Wegen und privaten Gegenständen unterscheiden kannst.”
    Thilo, was redest Du eigentlich?
    “Haus besetzt öffentlichen Raum. Es gibt ein öffentliches Wegerecht”
    Du redest über Wegerecht und leitest daraus ab, dass man “auf dem Wegerecht (oder was?)” seine Graffiti anbringen darf.

    Ist Euch eigentlich mal aufgefallen, dass Ihr nicht darauf eingeht, wenn es um die Veränderung Eures eigenen Eigentums geht. Da macht Ihr einen großen Bogen drum, weil Ihr - wie jeder Andere auch - über Euer Eigentum selbst bestimmen wollt.
    An fremden Eigentum vergreift Ihr euch feige in der Nacht, damit Ihr nicht dazu stehen müsst (Weder zur Veränderung fremden Eigentums, noch zur Beurteilung Eurer Graffiti).

    Fakt ist und bleibt:
    * Wenig Kunst
    * Viel Geschmier
    * mutwillige Beschädigung von Eigentum (aus Protest, gegen was?)
    * “Grünschnäbel”
    * Ein Weltbild, welches Euch ein “interessantes und abwechslungsreiches” Leben garantiert (wenn man darauf aus ist, neben der Gesellschaft zu stehen und in Folge … aber das wisst Ihr ja.)
    Warum steckt Ihr Eure Energie nicht lieber in was sinnvolles? Einige Haben Talent und könnten was daraus machen.

  44. Nagel

    am 29. März 2009 um 19:41 Uhr | Link | Kommentar melden

    graffitis gibt es seit 40.000 jahren, eigentum seit 7.000 jahren

  45. Udu

    am 29. März 2009 um 19:42 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Andy
    Sie sind die postende Realsatire.
    Zitat Andy:
    „Wenn - wer auch immer - mein Eigentum angreift, werde ich sauer!
    Da ist es egal ob es mein Haus, mein Auto, mein T-Shirt oder meine Tafel Schokolade ist. Es ist mein Eigentum und über das bestimme ich. PUNKT.“

    Ich könnte mich schlapp lachen. Da wäre der Sprayer bei Ihnen genau an der richtigen Adresse; denn er kann auf seine Aktion wenigstens auf eine heftige und schnelle Reaktion hoffen.

    Zitat Andy:
    „Thilo, was redest Du eigentlich?
    “Haus besetzt öffentlichen Raum. Es gibt ein öffentliches Wegerecht”
    Du redest über Wegerecht und leitest daraus ab, dass man “auf dem Wegerecht (oder was?)” seine Graffiti anbringen darf.“

    Sie wissen nicht, wovon Sie reden, bzw. Sie kennen die Bedeutung „öffentlicher Raum nicht, wollen andere aber belehren. Ein Privathaus „besetzt“ keinen öffentlichen Raum.
    Hier mal ein kleiner Hinweis zum entsprechenden Rechtsbegriff:
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_Raum

    Zitat Andy:
    „Ist Euch eigentlich mal aufgefallen, dass Ihr nicht darauf eingeht, wenn es um die Veränderung Eures eigenen Eigentums geht. Da macht Ihr einen großen Bogen drum, weil Ihr - wie jeder Andere auch - über Euer Eigentum selbst bestimmen wollt.“

    Nicht jeder, der sich hier zu Wort gemeldet hat, lackiert ungefragt anderen Leuten die Häuser. Ihr Rundumschlag geht also ins Leere. Mich beunruhigt die Veränderung weniger; denn ich weiß, wie ich das wieder runter bekomme und für mich gibt es Schlimmeres, z.B. verhungerte Kinder im Mehrfamilienhaus

    Zitat Andy:
    „An fremden Eigentum vergreift Ihr euch feige in der Nacht, damit Ihr nicht dazu stehen müsst (Weder zur Veränderung fremden Eigentums, noch zur Beurteilung Eurer Graffiti).
    Fakt ist und bleibt:
    * Wenig Kunst
    * Viel Geschmier
    * mutwillige Beschädigung von Eigentum (aus Protest, gegen was?)
    * “Grünschnäbel”
    * Ein Weltbild, welches Euch ein “interessantes und abwechslungsreiches” Leben garantiert (wenn man darauf aus ist, neben der Gesellschaft zu stehen und in Folge … aber das wisst Ihr ja.)“

    Es gibt nicht nur illegal angebrachte Graffiti, die nachts entstehen, sondern auch bei Tageslicht. Mir bleibt verschlossen, was die Tageszeit mit dem künstlerischen Wert zu tun hat.

    Zitat Andy:
    “Warum steckt Ihr Eure Energie nicht lieber in was sinnvolles? Einige Haben Talent und könnten was daraus machen.”

    Ein weiterer Hinweis zur Verbesserung Ihrer Begriffsbildung zu “Geschmier”:
    http://images.google.de/images?q=schmieren&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&ei=O6TPSfbEBZCLsAb838yiCA&sa=X&oi=image_result_group&resnum=4&ct=title
    Ich sehe dort keine Graffiti. Bei Graffiti werden die Farben gesprüht, teilweise werden am Objekt durch Faiden stufenlose Farbübergänge geschaffen, aber garantiert nicht „ver- oder geschmiert.
    In den seltensten Fällen wird das Eigentum beschädigt, sondern gegen den Willen des Eigentümers oder sonstigen Nutzers verändert.
    Sie können gern mal einen kleinen Test machen:
    Nehmen Sie einen wasserfesten Marker (Filzstift) und ziehen auf einer weißen Plastiktüte einen Strich, lassen das Ganze trocknen.
    Mit etwas Zahnpaste kriegen Sie den Strich wieder weg. So können Sie auch Marker- Anhaftungen von glatten Untergründen beseitigen (oder Edelstahlbesteck oder Silber putzen) Die DB rechnet 50€ /qm ab.

    So einfach, wie Sie denken, lassen sich die Motivationen und Gefühle der unterschiedlichen Sprayern nicht zusammenfassen. Was für den Einzelnen sinnvoll oder Unsinn ist, hängt vorrangig vom Akteur ab, nicht vom Betrachter. Viele von denen stehen nicht neben der Gesellschaft, sondern gehören dazu. Aber selbst wenn sie neben der Gesellschaft stehen sollten, sind Ihre Worte keine Einladung. Für den einen ist der Besitz des “röhrenden Hirschen” ein Kunstwerk, für den anderen eine Leinwand eines Sprayers.
    Der eine freut sich, wenn er mit Hilfe von “Malen nach Zahlen” ein Bild fertig gestellt hat und hält sich für einen Künstler, weiß aber nicht, wessen Bild er gerade kopiert hat, der andere kennt seine Grenzen und kauft sich lieber ein Bild, zu dem er eine Beziehung hat und freut sich an dem Besitz genauso.
    Ich kann mit der Einstellung der anderen leben und muss ihnen nicht meine Meinung aufzwingen.
    Was erwarten Sie eigentlich von Jugendlichen, denen man Ackermann, Mehdorn usw. als Erfolgsmenschen präsentiert? Jugendliche sind das Spiegelbild ihrer Gesellschaft. Nur weil Sie nicht in den Spiegel schauen wollen, muss man die Jugendlichen doch nicht weg sperren.

  46. peter hauke

    am 31. März 2009 um 00:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Nehmen wir doch mal an Graffiti würde legalisiert,würden dann die Graffitigegner Graffiti gut finden,die Urheber respektieren?
    Wohl kaum sie würden weiterhin Gegner bleiben.
    Somit ist dieser Vergleich,diese Unterscheidung zwischen illegalen und legalen Graffiti völlig sinnlos.
    Die Qualität von Graffiti ergibt sich nicht durch legal oder illegal sondern allein durch den Betrachter.
    Es spielt also keinerlei Rolle ob es nun legal oder illegal ist.
    Wenn der Betrachter es als störend oder hässlich empfindet dann wird auch die Tatsache das es legal gemacht wurde nichts dran ändern.
    Nebenbei gibt es auch viele Maler die sich illegal betätigen (diese Bilder werden dann von aussenstehenden als hässlich oder Geschmier bezeichnet) aber auch legal ihre Umwelt verändern und mitgestalten,dann wird es meist als Kunst bezeichnet obwohl es doch die selben Leute sind die die selben sachen malen wie in der Nacht.
    Ich schlage nochmals vor das wenn man die Möglichkeit hat sich mit betreffenden zu unterhalten dann sollte man dies tun,würde interessant werden.

  47. N. B.

    am 2. April 2009 um 12:08 Uhr | Link | Kommentar melden

    @udu:
    zitat: “Überall, wo es große, legale Flächen mit einen Ansprechpartner für die Jugendlichen gibt, sind illegale Graffiti deutlich gesunken”

    Diese Behauptung ist definitiv falsch!! und ignoriert die wissenschaftliche Tatsache, dass 70-80% der leglen Sprayer auch und bevorzugt illegal tätig sind.
    In Hamburg verzeichnet seit Jahren trotz der u. a. von Ihnen initiierten legalen Projekte trotzdem weiter steigende Zahlen im illegalen Bereich mit immer höheren Schäden.

    nächstes Zitat:
    “Nehmen Sie einen wasserfesten Marker (Filzstift) und ziehen auf einer weißen Plastiktüte einen Strich, lassen das Ganze trocknen.
    Mit etwas Zahnpaste kriegen Sie den Strich wieder weg. So können Sie auch Marker- Anhaftungen von glatten Untergründen beseitigen”

    Falsch, denn: Die neuesten Bombing-Marker besitzen bereist ab Werk Beimischungen von Silbernitrat u.ä. die eine irreversible Verfärbung des Untergrundes bewirken. Lackierte Oberflächen und Polyethurane können Sie danach nur noch entfernen und neu aufbringen. Da sind 50€ pro qm noch harmmlos.
    Von den Mischungen die teilweise in den entsprechenden Foren (in ihrem auch noch?:-) als Selbstlaborate für Stifte kursieren ganz zu schweigen. Welcher Sprayer verwendet denn bitte einen Edding? Lächerlich! Warum erwähnen sie nicht auch solche Wahrheiten? Warum steht den sonst auf den GraffitiStiften extra daruf, dass sie nicht oder nur schwer zu “buffen” (entfernen) sind. Sie widersprechen also ernsthaft als Einzelperson einer ganzen Industrie, die sich mit diesem Thema seit Jahren professionell beschäftigt um damit an das Geld der kleinen Hascherl zu kommen? Sehr interessant:-)

    Ich kenne ihre Haltung, die ich in weiten Teilen vernünftig finde. Sie negieren jedoch, dass die neueren Generationen der “Graffiteure” ihren heren Ansprüchen in der Mehrheit gar nicht genügen wollen. Die Masse der Tagger sind tatsächlich egomanische “Selbstverwirklicher” denen jeder Respekt fehlt und jegliches Verständnis für die Grundregeln im Umgang miteinander. Diese Klientel ereichen sie weder mit einer legalen Wall noch mit anderen Projekten, weil sie ganz bewusst die Illegalität sucht.

    Im Übrigen wüßte ich kein Gesetz in dem steht, dass ich mit meinem Steuergeld Kompetenzförderung in Sachen Graffiti betreiben lassen muss, nur weil irgend jemand dies als hippes Mittel entdeckt hat um überhaupt noch ein paar Jugendliche hinter der Playstation hervor und in die Jugendeinrichtung hinein zu locken.

    Die Überheblichkeit einiger Menschen in dieser Diskussion hier in Bezug auf die Gesellschaftsgrundlagen entgegen jedweder mehrheitlichen Meinung oder Empfindung spricht Bände über ein völlig verdrehtes und egobestimmtes Weltbild ohne jeglichen Gemeinsinn.
    Wir alle sollen am besten zuschauen und uns wenn möglich noch mit dem illegalen Sprayer unterhalten, während er gerade unsere Steuergelder vernichtet oder sich an privatem Eigentum vergreift? Sorry, da bekomme ich ja nur die gleichen Sätze wie hier.
    Die meisten Geschädigten würden sicherlich eine Unterhaltung gerne darauf beschränken, dass man sich den Sprayer greift, seine Klamotten mit Reiniger tränke und ihn dann als Putzlappen benutzt. Wenn dann die Säure oder was auch immer etwas von ihm übrig lässt, darf er sich gerne bedanken, dass ihm nichts Schlimmeres passiert ist.

    Wenn alle unserer kleinen Graffiteure genügend Mumm hätten und sich selbst um legale Möglichkeiten des künstlerischen Ausdruckes bemühen würden, ohne nebenher noch als Szenemitglied nach illegalem Fame zu streben, wären ich und andere sicherlich gerne bereit zu investieren. Solange hier in Bezug auf Gemeingut und Privateigentum jedoch überhaupt auch nur ansatzweise fremd bestimmt wird, entziehen sich die Akteure selber den Nährboden für Akzeptanz und Toleranz.
    Wen Werbetafeln stören, der soll eine Bürgerinitiative gründen und bei Gericht klagen, aber sich nicht hier in einem Forum über optische Belästigung ausheulen um diese dann in seinem Sinne als Rechtfertigung für antisoziales und strafbares Verhalten zu nutzen. Das ist einfach flach….. sonst nichts.

  48. N. B.

    am 2. April 2009 um 12:17 Uhr | Link | Kommentar melden

    nochmal @ udu:

    dann schauen Sie mal hier und erklären der Welt, dass es sich dabei nicht um “Schmiererei” sondern um Buchstaben mit künstlerisch komplexer Darstellungsprämisse als eigenständige Kunstform handelt.

    http://images.google.de/images?hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&um=1&sa=1&q=Schmiererei

    Ich bin gespannt auf ihre Argumente (auch wenn ich die schon kenne:-)

  49. udu

    am 2. April 2009 um 15:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    N. B.
    am 2. April 2009 um 12:08 Uhr | Link | Kommentar melden
    Zitat N.B.
    „Diese Behauptung ist definitiv falsch!! und ignoriert die wissenschaftliche Tatsache, dass 70-80% der leglen Sprayer auch und bevorzugt illegal tätig sind.“

    Welche wissenschaftliche Tatsache? Gibt es dafür auch eine Quellenangabe? Wie wissenschaftlich sind denn die Studien, wo man sich Fragebögen aus dem Internet herunterladen kann oder wo Fragebögen auf JAMs verteilt wurden?
    Hier einige Gegenbeweise zu Ihrer Behauptung:
    http://www.graffitieuropa.org/news/203.htm
    http://www.safercity.de/1999/graffiti1.html
    http://www.mat-art.ch/websitehof/pdf/petitiongt.pdf
    http://www.thebaske.com/index.php?id=57
    http://www.jungealternative.ch/stadtrat/2005_04_07_graffiti.html
    http://stadtzeitung.luebeck.de/artikelarchiv/2000/126/1260601.html
    http://www.helles-koepfchen.de/artikel/1209.html
    http://fahrgaeste.de/index.php?fontsize=3&show=138
    http://www.jarl.ch/DownloadJarl.cfm/Projektskizze%20Graffiti%20_Liebegg_.pdf?ID=49&Type=2&status=w
    http://www.20min.ch/print/story/21557728
    http://www.schwerte.de/schwerte-fuer-schwerter/kennen-sie/kennen-sie-aktuell2006/krekel/
    usw. usf.

    Zitat N.B.
    „In Hamburg verzeichnet seit Jahren trotz der u. a. von Ihnen initiierten legalen Projekte trotzdem weiter steigende Zahlen im illegalen Bereich mit immer höheren Schäden.“

    ??? Welche denn??? Wir haben seit 2003 gar keine Räume und ich bin seit geraumer Zeit in Rente, arbeite allerdings in dem Bereich weiterhin ehrenamtlich.
    Gibt es einen Quellennachweis für Ihre Behauptung?

    Zitat N.B.
    „Falsch, denn: Die neuesten Bombing-Marker besitzen bereist ab Werk Beimischungen von Silbernitrat u.ä. die eine irreversible Verfärbung des Untergrundes bewirken. Lackierte Oberflächen und Polyethurane können Sie danach nur noch entfernen und neu aufbringen. Da sind 50€ pro qm noch harmmlos.“

    Wer lesen kann, ist echt im Vorteil. Ich habe nicht behauptet, dass man von jedem Untergrund Markeranhaftungen mit Zahnpasta entfernen kann. Es gibt zu jedem Produkt (Marker/Farbe), das regulär zu erwerben ist, ein Datensicherheitsblatt.

    Zitat N.B.
    „Von den Mischungen die teilweise in den entsprechenden Foren (in ihrem auch noch?:-) als Selbstlaborate für Stifte kursieren ganz zu schweigen.”

    ??? Wir hatten nie ein Forum.
    Sicher gibt es in Graffiti- Foren Bastelanleitungen für Marker. Gebäudereiniger lesen mit und stellen sich darauf ein.

    Zitat N.B.
    „Welcher Sprayer verwendet denn bitte einen Edding? Lächerlich! Warum erwähnen sie nicht auch solche Wahrheiten? Warum steht den sonst auf den GraffitiStiften extra daruf, dass sie nicht oder nur schwer zu “buffen” (entfernen) sind. Sie widersprechen also ernsthaft als Einzelperson einer ganzen Industrie, die sich mit diesem Thema seit Jahren professionell beschäftigt um damit an das Geld der kleinen Hascherl zu kommen? Sehr interessant:-)“

    Es gibt genügend Sprayer, die sich mit regulären Markern zufrieden geben. Für Geschädigte ist die Anzahl noch viel zu hoch. Zum Teil widerspreche ich der Industrie, weil ich nicht auf die Werbung rein falle, zum größten Teil nutze ich jedoch die Produkte, mit denen man die Beschriftungen/Anhaftungen rückstandslos und in den meisten Fällen auch ohne Substanzverlust entfernen kann..

    Zitat N.B.
    „Ich kenne ihre Haltung, die ich in weiten Teilen vernünftig finde. Sie negieren jedoch, dass die neueren Generationen der “Graffiteure” ihren heren Ansprüchen in der Mehrheit gar nicht genügen wollen. Die Masse der Tagger sind tatsächlich egomanische “Selbstverwirklicher” denen jeder Respekt fehlt und jegliches Verständnis für die Grundregeln im Umgang miteinander. Diese Klientel ereichen sie weder mit einer legalen Wall noch mit anderen Projekten, weil sie ganz bewusst die Illegalität sucht.“

    Ich habe erhebliche Zweifel, ob Sie meine Haltung wirklich kennen, wenn Sie schon falsche Angaben zu unserer Homepage machen. :-)
    Ich habe hier noch gar keine Äußerungen zu den unterschiedlichen Altersstufen usw. gemacht. Ich habe auch nie behauptet, dass illegales Sprühen oder Taggen sozial verträglich sei und gefördert werden müsse. Sprayer/Tagger sind nicht die einzige Gruppierung, die auf dem Selbstverwirklichungstrip ist.

    Zitat N.B.
    „Im Übrigen wüßte ich kein Gesetz in dem steht, dass ich mit meinem Steuergeld Kompetenzförderung in Sachen Graffiti betreiben lassen muss, nur weil irgend jemand dies als hippes Mittel entdeckt hat um überhaupt noch ein paar Jugendliche hinter der Playstation hervor und in die Jugendeinrichtung hinein zu locken.“

    Sie können sich ja richtig in Wallung schreiben. :-) Selbstverständlich haben Kinder & Jugendliche einen Anspruch auf Freizeitangebote und Bildung. Durch das Gesetz wird nicht jedes Freizeit- oder Bildungsangebot für den Einzelfall geregelt. Das sollten sie doch aber wissen, oder??? Wozu gibt es das KJHG? Warum gibt es Kinder- u. Jugendhilfeausschüsse?

    Zitat N.B.
    „ …Wenn alle unserer kleinen Graffiteure genügend Mumm hätten und sich selbst um legale Möglichkeiten des künstlerischen Ausdruckes bemühen würden, ohne nebenher noch als Szenemitglied nach illegalem Fame zu streben, wären ich und andere sicherlich gerne bereit zu investieren….“

    Minderjährige sind beschränkt geschäftsfähig und dürfen Rechtsgeschäfte, die über ihr Taschengeld hinausgehen, nicht ohne Zustimmung der Eltern handeln, geschweige denn Verträge abschließen.
    Erklären Sie doch mal, wie die das dann machen sollen? Mumm= gezielt bedrohen???
    Gehören Sie zu denen, die sich als Erwachsene aus der Verantwortung schleichen? Wo bleiben Erwachsene/Eltern, wenn es um Aufsichtspflicht und Fürsorgepflicht geht?
    Wenn Sie wollen, dass Jugendliche Grenzen einhalten, dann müssen Sie mit gutem Beispiel voran gehen, Grenzen aufzeigen und selber keine Grenzüberschreitungen begehen. Welche Vorbilder und welche Bezugspersonen sind denn in heutiger Zeit für Jugendliche vorhanden und vor allem von Bestand? Politiker, die Meineide schwörten und vorgaben, dass das Geld aus den „schwarzen Kassen“ aus jüdischen Vermächtnissen kam, aber für die Bürger am liebsten die totale Überwachung hätten?
    Sollen sie sich an Wirtschaftsbossen orientieren, die Bestechungsgelder zahlen und Schwarzkonten im Ausland haben?

    Zitat N.B.
    „Solange hier in Bezug auf Gemeingut und Privateigentum jedoch überhaupt auch nur ansatzweise fremd bestimmt wird, entziehen sich die Akteure selber den Nährboden für Akzeptanz und Toleranz….“

    Da sind Sprayer wohl die harmlosesten Gesetzesbrecher. Den Aufwand, den man für die Strafverfolgung der Jugendlichen treibt, würde ich gern für Bankräuber, Gewalttäter und Mörder sehen. Für letztere spart man sogar an den Spurenträgern und jagt jahrelang einem Phantom nach.

    Zitat N.B.
    „nochmal @ udu:
    dann schauen Sie mal hier und erklären der Welt, dass es sich dabei nicht um “Schmiererei” sondern um Buchstaben mit künstlerisch komplexer Darstellungsprämisse als eigenständige Kunstform handelt.“

    Noch einmal: Für mich ist es belanglos, ob etwas Kunst oder Schmiererei ist, wenn Jugendliche eine Fläche legal nutzen, da sie diese Fläche rechtmäßig nutzen.
    Als Eigentümer diskutiere ich darüber ebenfalls nicht, da ich die Hoheit über die Gestaltung habe und mir dieses auch nicht durch Volksabstimmungen nehmen lassen würde. Für Sie gibt es nur Tag oder Nacht, schwarz oder weiß, aber für mich hat der Tag 24 Stunden mit wechselnden Licht- & Weetterverhältnissen und zwischen Schwarz und weiß gibt es auch für mich eine große Palette von Farben.
    Gott sei Dank!!!

  50. peter hauke

    am 2. April 2009 um 18:02 Uhr | Link | Kommentar melden

    zitat n.b.:Selbstlaborate für Stifte kursieren ganz zu schweigen. Welcher Sprayer verwendet denn bitte einen Edding? Lächerlich! Warum erwähnen sie nicht auch solche Wahrheiten? Warum steht den sonst auf den GraffitiStiften extra daruf, dass sie nicht oder nur schwer zu “buffen” (entfernen) sind.

    aus dem selben grund warum uns die werbung erzählt das dieses oder jenes produkt schlank macht,mehr erfolg beim andern geschlecht etc. etc.
    nur weil da irgendtwas drauf steht heisst das noch lange nicht das das auch so ist.
    soetwas nennt man marketing,ist in der werbung ein alter hut( in der politik übrigens auch),etwas versprechen und dann nocht halten.

    zitat n.b.:Wir alle sollen am besten zuschauen und uns wenn möglich noch mit dem illegalen Sprayer unterhalten, während er gerade unsere Steuergelder vernichtet oder sich an privatem Eigentum vergreift? Sorry, da bekomme ich ja nur die gleichen Sätze wie hier.

    ja warum denn nicht wenn uns die politiker(in diesen zusammenhang möchte ich nochmal auf unsere kanzlerin merkel,ihren politischen ziehvater helmut kohl und schröder hinweisen),verarschen und belügen schreien wir doch auch nach einen nachschlag odfer ignorieren es,so nach dem motto:ach das sind politiker an die kommt man eh nicht ran.ey lass mal n paar schmierer in säure tränken oder besser noch vergasen.”

    zitat n.b.:Die meisten Geschädigten würden sicherlich eine Unterhaltung gerne darauf beschränken, dass man sich den Sprayer greift, seine Klamotten mit Reiniger tränke und ihn dann als Putzlappen benutzt. Wenn dann die Säure oder was auch immer etwas von ihm übrig lässt, darf er sich gerne bedanken, dass ihm nichts Schlimmeres passiert ist.

    schlagen sie in ihrer freizeit eigentlich ihrer hacken zusammen und rufen s**g h**l?
    mensch wenn ich das so lese tuen mir ihre kinder leid.sorry aber ist so.

  51. peter hauke

    am 2. April 2009 um 18:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    ach und ihren link hätten sie sich sparen können.
    was geschmier ist und was nicht entscheidet immer der betrachter.
    und das was da in ihren link gezeigt wird ist eindeutig das werk von anfänger oder möchtegernmalern.
    und dazu braucht man kein profi sein um das zusehen,das sehe sogar ich mit meinen 50 lenzen.

    zitat n.b.:Diese Behauptung ist definitiv falsch!! und ignoriert die wissenschaftliche Tatsache, dass 70-80% der leglen Sprayer auch und bevorzugt illegal tätig sind.
    In Hamburg verzeichnet seit Jahren trotz der u. a. von Ihnen initiierten legalen Projekte trotzdem weiter steigende Zahlen im illegalen Bereich mit immer höheren Schäden.

    diese studie hätte ich gerne mal gesehen.

    das erinnert mich an die kopflose behauptung das haschisch bzw. marijuana einstiegsdroge für noch härtere drogen sein soll.
    damit will man graffiti und alle die die es machen doch nur demonisieren,um der allgemeinen öffentlichkeit ein feindbild zugeben,welches von den tatsächlichen steursündern und gesellschaftsspaltern ablenken soll.

  52. sen0r

    am 3. Juni 2009 um 10:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    Danke Danke für den Einzigen Komentar der es aus meiner sicht wirklich auf den Punkt bringt:

    “Wenn Kinder nur dann bemerkt werden, wenn sie stören, so verinnerlichen sie, dass sie stören müssen, um Beachtung zu finden. Je mehr Kinder stören, um Aufmerksamkeit zu erzielen, desto abgestumpfter reagieren Erwachsene und desto intensiver oder „krasser“ müssen die Störmanöver werden, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.” — von Udo siehe Oben

    Man könnt auch sagen “Gewalt erzeugt gegen Gewalt” oder einen der vielen Sprüche die es in diesem Sinne gibt.
    Durch die Unangemessene Bestrafung und
    das Verächtliche verhalten vieler Beamten die solche “Straftäter” stellen/verhaften, wird aus der ganzen Sache doch erst so etwas wie ein Wettkampf. Alle fahren härtere Geschütze auf. Der Staat bestraaft härter, im gegenzug werden die Bemalten Flächen Größer und durch neue Farbqualitäten
    schwerer zu entfernen. Dieser Kampf wird geschürt so als ob es keine Morgen gäbe…
    Versöhnung der Lager fast Aussichtslos… oder?? :-P

    Positiv finde ich es zu sehen das sich immer mehr Menschen auf die Seite der Maler/Sprayer/Künstler/UrbanenHelden stellen. Ehrlich gesagt find ich es nicht mal verwunderlich. Wer stellt sich denn Freiwillig auf die Seite der Uniformierten??? ganz ehrlich und realitisch gesehen - sind die einfach mal total unbeliebt/uncool/uniformiert…. ist einfach so, die verteilen Strafzettel, Blitzen einen beim zu schnell fahren….

    “überall dort, wo es Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche zur selbst bestimmten Freizeit gibt,
    haben Erwachsene Ruhe. Überall, wo es große, legale Flächen mit einen Ansprechpartner für die Jugendlichen gibt, sind illegale Graffiti deutlich gesunken.” —- von Udo siehe Oben

    Mein Eindruck bestätigt das definitiv, hier gab es mal vom Jugendamt/Jugendgerichtshilfe oder so, eine Aktion.
    Es wurde ein HipHop Cafe eingerichtet: dafür wurden SprühDosen gekauft, Leinwände bereit gestellt, Musik gemacht und dies einmal die Woche.

    Da waren schnell jedes mal 20-50 Leute anwesend. Das ganze in einem Staatlichen Gebäude in der nähe der Polizei…. hatte den Anschein als würde Frieden einkeheren. Die Bilder waren echt schick - zum teil - hätt man die bestimmt auch verkaufen können.

    Leider weiß ich nicht ob es das Cafe noch gibt aber ich glaube das war definitiv der richtige Weg/Anfang…

    @Alle die hier deutlich bewiesen haben, dass sie keine eigene Meinung besitzen, kommentiert doch noch ein bischen, die Diskussion kann doch hier nicht zu Ende sein…??? oder findet ihr im Netz der unbegrenzten Informationen keine neuen Argumente??? …………InformationsOpfer………………

    Genau solche Leute wie N.B. oder Rolf Ehlers sind doch die Beste motivation,
    mal son Haus anzumahlen. Vielleicht wohnt ja eine dieser Gestalten drin, die Pauschal einfach mal alle Personen einer Kultur beleidigt und mutmaßungen über deren Beweggründe anstellt.

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