Haben wir in unserer gestrigen Placeblog-Rundschau noch mit einem Blick auf die Seite “Dead at your age” festgestellt, wen wir bisher überlebt haben, so können wir heute bereits ein weiteres Mal einen Trip auf die “andere Seite” machen – zumindest, wenn wir Peter Schwierz folgen, denn der titelt nämlich seit kurzem “Marquard schickt Maxim ins Reichen der Toten“. “Print zerrinnt in der Krise immer schneller”, schreibt dieser und stimmt damit auf die Entscheidung aus dem Hause Marquard Media ein, die das Männermagazin “Maxim” nun “in die ewigen Jagdgründe” verabschieden wollen. Denn es scheint sich zunehmend herauszukristallisieren: “Unterhaltung für Männer findet heute fast nur noch im Internet statt” – mit nackten Frauen an jeder “Server-Kreuzung”. Unterhaltung bieten auch die Autoren der Readers Edition – allerdings ist diese für Männer und Frauen gleichermaßen bestimmt.
Ewige Konflikte – geographisch und literarisch
“Es ist eine Idee, eine Sehnsucht, eine Nostalgie… einer längst vergangenen Epoche. Eine bloße Erinnerung im innersten der Seele, welche dem Griechentum als Erbe mitgegeben wurde. Es ist dieser bittere Beigeschmack der Geschichte, welcher wie das Schwert des Damokles über dem griechischen Bewusstsein schwebt.” So beginnt unser neuer Autor Panagiotes Raftakis, den wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich Willkommen heißen, seine Ausführungen unter dem Titel “Makedonien – Brandmal in der Seele des Griechentums“, der damit eine Reaktion oder besser gesagt Ergänzung zu Michael Eisenfelds viel diskutierten Beitrag “Ein Staat – Zwei Gesichter” liefert. Jener hat bis dato nahezu 500 Kommentare erzeugt und schien nun auch Herrn Raftakis Anlass genug selbst zur Feder zu greifen. Und so taucht er tief in die griechische Gesellschaft ein, beleuchtet die Konflikte, die sich zwischen Tradition und Moderne ergeben und liefert ein anschauliches Bild vom “Kampf der Ideologien”. Viel Lob hat der Schreiberling bisher von Seiten der Leser einstreichen dürfen – die Diskussion entfaltet sich auch hier rege. Deshalb legen wir ihnen seine Zeilen nun erneut ans Herz.
Völlig anderen “Gebieten” wendet sich dagegen unser Top-Amazon-Rezensent und RE-Autor Niclas Grabowski zu. In seinem jüngsten Beitrag widmet er sich den aktuellen Zeilen Bodo Kirchhoffs in dessem neuen Roman “Erinnerungen an meinem Porsche”, der gekonnt an den vergangenen “Schundroman” anzuknüpfen scheint. Kurzweilig, aber durchaus analytisch begibt sich Grabowski auf die Pfade eines Mannes, dessen “zentrales Körperteil verletzt ist”. Er deckt unzählige Anspielungen auf und lobt das Spiel mit dem Genre “Trivialroman”. Doch das große Aber folgt sogleich: Charlotte Roches “Feuchtgebiete” scheint ihm nicht gerade ein geeigneter Bezugspunkt. Denn die vielleicht witzig gedachte Idee stirbt kurzerhand an mangelnder Handlung und vielen coolen Sprüchen, die “nicht so richtig zünden” wollen. Letztlich bleibt ein “zwiespältiges Gefühl” in unserem Autor zurück, der sich dann doch lieber dem originalen Schundroman zuwendet.
Gesellschaftliche “Aufreger” – Oder doch alles nur halb so wild?
Wenn auch Kirchhoffs Ideen nicht so recht “zünden” möchten, der Beitrag Thilo Pfennigs hat es mit Sicherheit getan. “Feindbild Graffiti-Sprayer – ein Plädoyer“, schreibt er uns in dieser Woche und scheint damit in ein regelrechtes Wespennest gestochen zu haben. Denn “Kunst oder Schmiererei”, das scheint hier die alles entscheidende Frage, der sich im Anschluss zahlreiche Kommentatoren verschrieben haben. Thilo Pfennig, der um die Polarisation genaustens weiß, geht dem umstrittenen Thema in aller Ausführlichkeit auf den Grund: “Was macht das Thema so problematisch und ist es realistisch zu erwarten, dass Graffiti aus der Öffentlichkeit verschwindet? Und wäre das wünschenswert?”, lauten seine Fragestellungen an deren Ende der Leser Folgendes Fazit lesen kann: “Dies soll ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Graffiti sein. Graffiti war, ist und wird immer Teil unserer Kultur sein. Man muss es nicht lieben”, doch, er ist sich sicher, “Es kann nicht so weitergehen, dass die Gesellschaft Krieg gegen eine Jugendkultur und somit gegen ihre Jugendlichen führt.”
Einem Herrn der ebenfalls das Zeug zur “nationalen Spaltung” hat, wendet sich am vergangenen Dienstag nach langer Abstinenz auch unser Autor Wolfgang Sobtzick zu. “Warum ‘dem Sick sein Zwiebelfisch’ nicht falsch ist“, lautet seine Überschrift, mit der er seine Gedanken zum Germanistik-Papst, Bastian Sick und dessen vermeintliche “Wohltaten” zu Gunsten der deutschen Sprache beginnt. In Anlehung an André Meinungers Buch “Sick of Sick” kommt auch der studierte Geograph und Germanist Sobtzick schnell zu dem Schluss: Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und schon gar nicht ein selbsternannter Missionar mit einer “gelben Bibel”. Fachlich fundiert und dennoch für Jedermann verständlich begibt er sich zusammen mit Meinunger auf Fehlersuche, die sich teils als wirklich eklatant herausstellen. Der “Sezierkurs” der beiden endet mit einem eindeutigen Plädoyer: “Die aufklärenden Seiten des Linguisten Meinungers erweisen sich als ideale Lektüre gerade für Deutschlehrer und Autoren, insbesondere für sick-gläubige. Diese sollten sich allerdings im Klaren sein, dass ihr Messias (…) in vielen Punkten weitgehend entzaubert wird.”
Irrungen, Wirrungen – wenn wir “auf dem falschen Dampfer” gelandet sind
Winnenden, das schreckliche Blutbad, das vor kurzem die Weltöffentlichkeit erschütterte, liegt nun schon eine Weile zurück. Was bleibt ist nicht nur die bisher ungelöste Frage nach dem “Warum”, sondern auch eine Diskussion, die nicht nur für viele junge Leute einen faden Beigeschmack bereithält. Unser Autor Christian hat sich, ebenfalls am vergangenen Dienstag, dieser erneut angenommen und veröffentlichte auf der RE einen “Offenen Brief an die Medien, Politik und Eltern zur ‘Killerspiel’-Debatte“, der ursprünglich auf den Seiten von “Gefuehlskonserve” zu finden ist. Er repräsentiert damit die Meinung “der anderen”. Eben jener, die glauben, dass derzeitige politische Bestrebungen solche Videospiele zu verbieten, völlig falsch seien und die damit einhergehende Argumentation so manch “Experten” schlichtweg als “Blödsinn” zu bezeichnen sei. Bewegend und einleuchtend wirken denn auch die zu lesenden Zeilen, an deren Ende ein ganz entscheidender Satz zu finden ist: “Wir sind keine Gewaltverbrecher oder Psychopathen”.
Ähnlich “aufklärerisch” mutet in diesen Tagen auch der Beitrag unseres fleißigen Autoren Claus-Dieter Stille an. “Goldener Windbeutel 2009 an Actimel” lautet seine Überschrift, die aufgrund der durchaus leckeren und verführerisch wirkenden Illustration erst einmal vollkommen einladend daher kommt. Was der Leser im Folgenden allerdings erfährt, das treibt ihm sicherlich nicht nur die Augen heraus, sondern lässt die soeben aufkommenden Gelüste ganz schnell wieder verschwinden. Dabei handelt es sich bei diesem kalorienreichen Gebäck nur um eine gelungene metaphorische Brücke, denn der eigentliche Skandal folgt auf dem Fuße. Denn der vermeintliche “Wunderdrink” von Danone wurde, ähnlich wie Herr Bastian Sick, von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch entzaubert. Eine Erfolgsgeschichte entpuppt sich nun als “Marketing-Schwindel”. Aus außergewöhnlich wird schlicht ordinär – von einer Gesundheitsförderung kann nicht die Rede sein. Schmecken darf es aber trotzdem…
Da bleibt uns nur noch ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen wirklich guten Appetit und natürlich ein schönes Wochenende zu wünschen. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag,
Ihre Redaktion Readers Edition
Photo Quelle/Copyright: A. Dreher, via pixelio.de
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